Marktbericht 20:25 Uhr

Fast 9.400 Punkte Neue Ölfantasie treibt den Dax

Stand: 17.02.2016, 20:25 Uhr

So schnell kann es gehen. Kaum deutet sich unter den großen Ölförderländern so etwas ähnliches wie ein Konsens zur Förderbegrenzung an, reagieren die Märkte sofort. Der Dax zog in Richtung 9.400 Punkte davon.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Erholung am Aktienmarkt geht weiter. Der deutsche Leitindex Dax legte zur Wochenmitte weitere 2,65 Prozent zu und schloss bei 9.377 Punkten. Geholfen haben dem Markt am Nachmittag insbesondere Aussagen aus dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die eine Förderbegrenzung beim Erdöl zumindest in den Bereich des Möglichen rücken. Auch die freundliche Wall Street stützte nach besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten.

Mit dem aktuellen Niveau hat der Dax zudem eine wichtige charttechnische Widerstandsmarke zwischen 9.315 und 9.338 Punkten überwunden. Hier verlaufen die Tiefstände vom Januar 2016 sowie August/September 2015. Damit könnte der heutige Tag zumindest aus technischer Sicht mehr gewesen sein, als nur die Fortsetzung einer Zwischenerholung. Im Späthandel ging es weiter bergauf, der L/E-Dax stieg über die Marke von 9.400 Punkten und schloss bei 9.418 Zählern.

Öl kostet wieder über 34 Dollar

Vor allem Russland, das nicht Mitglied im Ölkartell Opec ist, hat zuletzt immer wieder auf eine Begrenzung der Fördermenge gedrängt, um den Verfall des Ölpreises zu stoppen. Bisher aber waren sich alle Beteiligten, vor allem der weltgrößte Förderer Saudi-Arabien, nicht einig gewesen.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Am Markt aber kamen die verbalen Bekundungen allen Unkenrufen zum Trotz gut an. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zog heute deutlich über 34 Dollar an. Der Verfall des Ölpreises war an den Märkten als Zeichen einer schwachen Weltkonjunktur interpretiert worden und hatte den jüngsten Ausverkauf am Aktienmarkt maßgeblich verursacht. Mittlerweile hat sich der Ölpreis von seinen Tiefständen bei rund 27 Dollar aber wieder deutlich befestigt.

Der Euro tendierte im Gefolge der guten Stimmung am Aktienmarkt leichter und fiel im Tief fast bis auf die Marke von 1,11 Dollar. Er verlor damit einen Teil seines Bonus als sicherer Hafen, hieß es. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1136 (Dienstag: 1,1166) US-Dollar fest.

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US-Börsen tendieren fest

Der Leitindex Dow Jones liegt derzeit gut 1,7 Prozent besser im Markt, an der Nasdaq geht es sogar 2,3 Prozent bergauf. Daten zur Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung im Januar fielen besser aus als erwartet. Die Erzeugerpreise lagen im Januar in der Kernrate mit plus 0,4 Prozent gegenüber Vormonat höher als erwartet. Daten aus dem Bausektor fielen wie erwartet aus.

"Der Produktionsanstieg, der größte seit November 2014, dürfte die konjunkturellen Sorgen weiter schmälern. Nach einem enttäuschenden Verlauf im vierten Quartal verbessert sich die Lage. Die extrem niedrigen Zinserhöhungserwartungen (nicht einmal ein Zinsschritt ist im Laufe des Jahres komplett eskomptiert) dürften steigen", kommentierte Ralf Umlauf von der Helaba.

Auch in New York hilft darüber hinaus der Anstieg der Ölpreise die Märkte. Dadurch verringere sich die Wahrscheinlichkeit, dass Ölfirmen in die Insolvenz getrieben werden und Banken auf ihren Krediten sitzen bleiben, heißt es am Markt.

Fed diskutierte Änderung des Zinspfades

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Zudem stützen die am Abend vorgelegten Sitzungsprotokoll der Fed vom 26. und 27. Januar. Aus ihnen geht hervor, dass der Zinsausschuss der Notenbank angesichts der stärker als erwarteten Konjunkturabschwächung in China sowie anderer globaler Risiken über eine Änderung des angemessenen Zinspfades diskutiert hat. Weitere Zinserhöhungen in Amerika seien nach diesen Überlegungen zunächst in den Hintergrund treten.

RWE stürzt ab

Inmitten eines freundlichen Marktumfelds waren RWE der ganz große Verlierer. Die Aktie stand nach sehr schwach ausgefallenen vorläufigen Jahreszahlen mit großem Abstand am Dax-Ende und brach regelreicht um 12,42 Prozent ein. Vor allem die Dividendenpolitik sorgt für Entsetzen, besonders bei den klammen Kommunen, die größter Anteilseigner sind. Vorzugsaktionäre sollen nur eine Dividende von 0,13 Euro je erhalten, die Stammaktionäre gehen komplett leer aus. Das ist schlimmer als wohl die meisten befürchtet hatten. Im Sog von RWE verlor auch das Eon-Papier, wenn auch vergleichsweise gering.

ThyssenKrupp erholt sich

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Im Gegenzug standen ThyssenKrupp an der Spitze des Leitindex. Ein ungewohntes Bild, denn die Aktie war zuletzt kräftig nach unten geprügelt worden. Seit Jahresbeginn betrug das Minus 26 Prozent, nur Deutsche Bank verloren noch mehr. Das war den Analysten der Schweizer Großbank UBS wohl zu viel. Sie stuften das Papier von "Sell" auf "Buy" hoch.

Beiersdorf: Warum so knausrig?

Einzig Beiersdorf leistete den beiden Versorgern im Minusbereich des Dax Gesellschaft. Der Nivea-Hersteller hat das Jahr 2015 zwar mit einem satten Gewinnplus von rund ein Viertel auf 660 Millionen Euro abgeschlossen. Die Aktionäre sollen dennoch nur eine stabile Dividende von 70 Cent je Aktie erhalten.

Deutsche Börse hebt Dividende an

Nach Xetra-Schluss legte noch der Frankfurter Börsenbetreiber aus dem Dax seine Jahreszahlen vor. Wegen der hohen Volatilität an den Märkten konnte das Unternehmen den Umsatz erwartungsgemäß um 16 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro und das Ebit um 14 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro steigern. Netto sank das Ergebnis jedoch um 13 Prozent auf 666 Millionen Euro, was mit Sondereffekten begründet wurde. Die Dividende soll trotzdem von 2,10 auf 2,25 Euro angehoben werden. Im Späthandel zig die Aktie kräftuig an und cshloss bei 75,45 Euro. Nach dem Ende des regulären Handels hatte das Papier bei 73,01 Euro geschlossen, ein Zuwachs von 0,87 Prozent.

T-Mobile US mit kräftigem Gewinnschub

Für die US-Tochter der Telekom ist es im abgelaufenen Jahr 2015 gut gelaufen. Der Gewinn wurde mit 733 Millionen Dollar nach 247 Millionen im Vorjahr nahezu verdreifacht. Auch die Zahl der Handynutzer wurde netto deutlich um acht Millionen auf gut 63 Millionen Kunden gesteigert. Damit überholte man den Konkurrenten Sprint und ist jetzt die Nummer drei auf dem hart umkämpften US-Markt. Die Aktie der Telekom legte im Dax über drei Prozent zu und stieg wieder über 15 Euro.

Im Ausblick für dieses Jahr stellt das Management ein Betriebsergebnis zwischen 9,1 und 9,7 Milliarden Dollar in Aussicht nach 7,4 Milliarden im vergangenen Jahr. Die Telekom hält noch zwei Drittel der Anteile. Bisher heißt es, dass sich die Bonner langfristig aus dem amerikanischen Markt zurückziehen wollen. Unangefochtene Platzhirsche in den USA sind Verizon und AT&T.

BASF verkauft Industrielacke an AkzoNobel

Der Chemieriese BASF verkauft sein Geschäft mit Industrielacken für 475 Millionen Euro an AkzoNobel. BASF setzte damit 2015 rund 300 Millionen Euro um. BASF will sich künftig stärker auf das Kerngeschäft mit Autoserien- und Autoreparaturlacken fokussieren.

ProSiebenSat.1 zieht vors Verfassungsgericht

Das Medienunternehmen will vor dem obersten deutschen Gericht erreichen, dass das seit Jahresbeginn geltende Verbot von regional angepassten Werbespots für Fernsehsender mit bundesweiter Reichweite gekippt wird. Das Unternehmen beruft sich auf die Verletzung der Rundfunkfreiheit und des Gleicheitsgrundsatzes.

"Die gesetzliche Neuregelung greift unzulässig in die verfassungsmäßigen Rechte bundesweiter Fernsehsender ein", sagte Conrad Albert, Vorstand bei ProSiebenSat.1, am Mittwoch und bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Das Gericht bestätigte den Eingang der Beschwerde.

Neue Aufträge für Airbus und Boeing

Die beiden Flugzeugbauer Airbus und Boeing haben sich auf der größten asiatischen Luftfahrtmesse in Singapur milliardenschwere Aufträge gesichert. Die Fluggesellschaft Philippine Airlines habe sechs A350-900 für 1,85 Milliarden Dollar (1,66 Milliarden Euro) bestellt, teilte Airbus am Mittwoch mit. Boeing sicherte sich nach eigenen Angaben eine Zusage zum Kauf von zwölf Fliegern für 1,3 Milliarden Dollar von der chinesischen Fluggesellschaft Okay Airways. Asien ist für beide Rivalen ein wichtiger Markt. Bei Airbus kamen 2015 rund 40 Prozent aus diesem Raum, auch Boeing kalkuliert ähnlich. Das Boeing-Papier gehört im Dow-Jones-Index zu den größten Gewinnern.

Kuka legt mächtig zu

Der Roboter- und Anlagenbauer Kuka ist im vergangenen Jahr dank einer Übernahme und eines starken Stammgeschäfts kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 41,5 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie Sondereffekten zog um rund 37 Prozent auf 194,3 Millionen Euro an.

Stabilus gibt sich ehrgeiziger

Die Stabilus-Aktie legte mit dem Markt zu und schloss unter tageshoch 2,37 Prozent fester. Der SDax-Konzern hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 23,8 Prozent auf 167 Millionen gesteigert und daraufhin die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von 660 auf 680 Millionen Euro nach oben geschraubt.

Takkt erhöht die Dividende deutlich

SDax-Indexkollege Takkt, ein Spezialist für Unternehmensausrüstungen, hat am Abend nach Xetra-Schluss in einer Adhoc-Mitteilung erklärt, seine bisherige Dividendenpolitik zu ändern. Dadurch erhöht sich die Ausschüttung für 2015 von 0,32 auf 0,50 Cent je Aktie. Die Ausschüttungsquote soll zukünftig in einem Korridor zwischen 35 und 45 Prozent des Periodenergebnisses festgelegt werden.

Der Dividendenkorridor soll die bisherige Dividendenpolitik vollständig ersetzen, wonach Takkt grundsätzlich 30 Prozent des Periodenergebnisses als Basisdividende ausgeschüttet hat, mindestens jedoch so viel wie die Basisdividende des Vorjahres. Takkt präsentiert morgen ab 7:30 Uhr sein Jahresergebnis. Die Aktie zog im Späthandel an und schloss bei 15,58 Euro, ein Plus von 2,8 Prozent. Der Xetra-Schluss hatte bei 15,05 Euro gelegen.

Manz gewinnt neue Großaufträge

Die Manz AG hat den Zuschlag für mehrere, strategisch wichtige Großaufträge im Bereich Electronics erhalten. Die Neu- und Folgeaufträge umfassen Maschinen für die Montageautomatisierung sowie Laserprozessanlagen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Bombardier tief in den roten Zahlen

Der kriselnde Flugzeug- und Zughersteller Bombardier verbuchte im abgelaufenen Jahr einen Umsatzrückgang um fast zehn Prozent auf 18,2 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich stand wegen immenser Abschreibungen ein Verlust von über 5,3 Milliarden Dollar, nach einem Verlust von rund 1,3 Milliarden Dollar im Vorjahr. Auch ohne die Sonderbelastungen lief es schlechter als von Analysten erwartet. Nach dem bitteren Verlustjahr wewrden nun 7.000 Arbeitsplätze gestrichen. Die Kürzungen sollen 2016 und 2017 greifen, wie das kanadische Unternehmen am Mittwoch in Montreal mitteilte.

Auch für 2016 sieht Firmenchef Alain Bellemare keinen Durchbruch. Hoffnungen macht sich Bombardier aber mit der Einführung des neuen Mittelstreckenjets der C-Serie. Damit will man erstmals den etablierten Herstellern Airbus und Boeing Konkurrenz machen. Air Canada hat bereits 45 Exemplare bestellt. Bisher hat sich Bombardier im Flugzeugbau auf Geschäfts- und Privatflugzeuge spezialisiert. Die Börse glaubt jedenfalls an einen Erfolg der Neustrukturierung, die Aktie zog kräftig an.

Glencore bleibt kreditwürdig

Das ist mal ein Konto-Dispo! Die Banken haben dem hochverschuldeten Minenkonzern einen Kreditrahmen von insgesamt 8,4 Milliarden Dollar eingeräumt und damit den alten Kreditrahmen in nahezu gleicher Höhe verlängert. Glencore hat mit einem Schuldenberg von rund 30 Milliarden Dollar zu kämpfen. Der Verfall der Rohstoffpreis hatte daher für Zweifel bei den Investoren gesorgt, dass das Unternehmen zahlungsfähig sei. Die Nachricht sorgte heute entsprechend für Erleichterung. Die Aktie zog deutlich an.

Hat Apple das nötig?

Trotz riesiger Geldreserven hat Apple zwölf Milliarden Dollar bei Investoren aufgenommen. Der Elektronikkonzern versteigerte am Dienstag eine Anleiheserie mit sieben Laufzeiten von 2018 bis 2046. Das Kalkül dahinter: Apple will auf diesem Wege Steuern sparen.

Und noch ein Thema beschäftigt den Kultkonzern. Apple-Chef Tim Cook hat es jetzt abgelehnt, trotz richterlicher Anordnung der US-Bundespolizei FBI Zugang zu den Kundendaten auf iPhones zu gewähren. Gegen ein entsprechendes Urteil wolle man sich wehren, ließ Apple verlauten.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Cook schrieb in einem Brief an die Kunden, die Ermittler hätten von Apple verlangt, eine Hintertür ins iPhone einzubauen. "Die Regierung fordert Apple auf, seine eigenen Kunden zu hacken", kritisierte er. Hintergrund ist der Anschlag in San Bernardino. Dort hatten zwei mutmaßliche Islamisten im Dezember 14 Menschen erschossen, bevor sie selbst von der Polizei getötet wurden.

rm

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier