Neue Börsenwoche, neues Hoch

Stand: 18.10.2010, 20:15 Uhr

Der Dax ist nicht zu bremsen. Auch zum Start der neuen Woche setzte er seinen Höhenflug fort und erreichte ein neues Zwei-Jahreshoch. Gute Citigroup-Zahlen beflügelten die Finanzwerte.

Die Kauflaune der Anleger hält an. Der Dax stieg zu Wochenbeginn den vierten Handelstag in Folge um 0,4 Prozent auf 6.516 Punkte. Im späten Parketthandel ging es weiter nach oben. Der L-Dax schloss bei 6.518 Punkten. Damit notiert das deutsche Börsenbarometer erstmals seit der Lehman-Pleite wieder über der 6500er Marke. Zeitweise kletterte er gar bis auf 6.533 Zähler. Nach einem schwachen Start drehte der deutsche Leitindex im Tagesverlauf ins Plus und zog am Nachmittag an. Rückenwind kam von der Wall Street. Der Dow Jones stieg bis zum Abend um 0,6 Prozent - dank starker Zahlen der Citigroup. Nach US-Börsenschluss veröffentlichen IBM und Apple ihre Bilanz.

Zwiespältiger Konjunktur-Mix

Selbst gemischte US-Konjunkturdaten brachten die Anleger nicht aus der Ruhe. Überraschend schrumpfte im September die Industrieproduktion um 0,2 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Dagegen gab es gute Nachrichten vom US-Immobilienmarkt: der NAHB-Hausmarktindex stieg im Oktober erstmals seit fünf Monaten wieder - von 13 Punkten im Vormonat auf 16 Punkte. Allerdings könnte der Hypothekenstreit die Entwicklung im Immobiliensektor trüben. Die Bundesstaaten haben Untersuchungen eingeleitet, weil Banken bei massenhaften Zwangsversteigerungen nicht genügend Einzelfälle geprüft haben sollen.

Citigroup treibt Finanztitel nach oben

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,77
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+0,09%

Das belastete am Montag freilich nicht die Bankentitel. Im Gegenteil. Finanztitel waren weltweit gefragt nach den überraschend guten Zahlen der Citigroup. Die teilverstaatlichte US-Bank schaffte im dritten Quartal wieder einen Milliardengewinn. Vor einem Jahr hatte das Plus bei lediglich 100 Millionen Euro gelegen. Der Gewinn pro Aktie betrug sieben Cent - ein Cent mehr als von Analysten prognostiziert. Bei den Einnahmen lag die Bank dagegen etwas unter den Erwartungen. Die Aktie der Citigroup stieg um fast fünf Prozent.

Die Citigroup-Zahlen beflügelten die Finanztitel im Dax. Die Aktien der Deutschen Börse stiegen um fast drei Prozent, die Papiere der Deutschen Bank legten 1,5 Prozent, die Titel von Allianz und Commerzbank rund ein Prozent zu.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,12
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Vorschusslorbeeren für die Commerzbank
Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Insiderquellen erfuhr, soll das Ergebnis der Commerzbank im dritten Quartal gut ausgefallen sein. Es käme zwar nicht an das Niveau des zweiten Quartals (243 Millionen Euro) heran, läge aber dank niedrigerer Risikovorsorge über den Analystenerwartungen von 110 Millionen Euro. Zudem halten die Insider eine Kapitalerhöhung in diesem Jahr für unwahrscheinlich. Erst bei einem Kurs von über acht Euro werde diese Maßnahme erwogen. Derzeit liegt der Kurs gerade mal bei 6,48 Euro.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,33
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Lob für die Lufthansa
Spitzenreiter im Dax war die Lufthansa. Die Aktie gewann 3,5 Prozent und setzte ihren seit September anhaltenden Aufwärtstrend fort. Rund 20 Prozent hat der Titel seither zugelegt. Am Montag gab ein positiver Analystenkommentar durch die WestLB Auftrieb. Die Experten haben das Kursziel von 14,60 Euro auf 16,80 Euro und ihre Gewinnprognose für das dritte Quartal angehoben. Ende Oktober legt die Lufthansa ihre Bilanz vor.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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81,75
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BMW und Peugeot bauen Zusammenarbeit aus
Am Abend gab BMW eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem französischen Autobauer PSA Peugeot Citroen bekannt. Beide Firmen wollen wichtige Komponenten für die nächste Generation der Hybrid-Fahrzeuge entwickeln und bauen - von den Batterien bis hin zu einem Elektromotor. Daraus ergeben sich "signifikante Skaleneffekte", hieß es. Zu den finanziellen Details der Vereinbarung hüllten sich BMW und Peugeot aber in Stillschweigen. Die BMW-Aktien notierten vor Bekanntgabe des Deals klar im Minus - wie auch die anderen Autowerte.

Ex-T-Online-Aktionäre ziehen vors Bundesverfassungsgericht
Die T-Aktien gaben am Montag erneut nach um 0,5 Prozent. Die Folgen der Verschmelzung von T-Online und Telekom sind noch immer nicht ganz ausgestanden. Einige frühere T-Online-Aktionäre geben nicht auf und wollen vors Bundesverfassungsgericht ziehen, um mehr Geld zu erstreiten. Anfang September hatte ihnen das Oberlandesgericht Frankfurt einen Nachschlag von 1,15 je Aktie in bar plus Zinsen zugesprochen. Das sei viel zu wenig, teilte die Kanzlei Dreier Riedel mit, die T-Online-Aktionäre vertritt und Verfassungsbeschwerde einlegt.

Übernahmespekulationen um Hugo Boss
Im MDax war neben SGL Carbon vor allem Hugo Boss mit einem Plus von drei Prozent gefragt. Der optimistische Ausblick für das Gesamtjahr wirkte positiv nach, meinten Börsianer. Das Modehaus hatte am Donnerstag vergangener Woche seine Jahresprognose angehoben. Andere Händler verwiesen auf Übernahmespekulationen. Der Puma-Mutterkonzern PPR kündigte am Montag an, in naher Zukunft den Bereich Sport und Lifestyle kräftig ausbauen zu wollen. Das löste am Markt Spekulationen über ein mögliches Übernahmeinteresse von PPR an Hugo Boss aus.

PPR will Puma nicht ganz schlucken
Bei Puma steht derweil das Ende einer Ära bevor. Puma-Chef Jochen Zeitz gab am Montag bekannt, im April 2011 die operative Verantwortung abzugeben und in den Verwaltungsrat zu wechseln. Als Leiter der Sparte "Sport & Lifestyle" bei Großaktionär PPR soll sich dann Zeitz um das strategische Thema Nachhaltigkeit kümmern. Eine Komplett-Übernahme von PPR steht offenbar vorerst nicht auf der Agenda. "Es ist für uns keine Priorität, Kleinaktionäre rauszukaufen", sagte PPR-Chef Francois-Henri Pinault. Das enttäuschte manche Anleger, die auf eine Komplett-Übernahme gesetzt hatten. Die Puma-Aktie gab rund drei Prozent nach. Derzeit hält PPR über 70 Prozent an Puma.

Hochtief: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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137,50
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Merkel gegen "Lex Hochtief"
Großes Gesprächsthema im Bundeskanzleramt war die geplante Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS. Nach Spekulationen um eine Verschärfung des deutschen Wertpapierrechts ruderte am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Es werde keine "Lex Hochtief" geben, erklärte sie. Es sei nicht Aufgabe der Regierung, eine solche Übernahme zu verhindern. In der Presse war gemutmaßt worden, dass die deutschen Wertpapiergesetze um schärfere Vorgaben wie in Großbritannien, Spanien oder Österreich ergänzt werden. Dort müssen Großaktionäre nach Erreichen der 30-Prozent-Schwelle vor weiteren Kaufschritten allen Aktionären ein Angebot zum aktuellen Kurs machen. Hochtief bleibt also im Abwehrkampf gegen ACS auf sich alleine gestellt. Die Hochtief-Aktie verlor über ein Prozent.

Übernahmefantasie schwindet bei Demag Cranes
Die Aktien von Demag Cranes standen am Montag unter Druck, sie büßten rund drei Prozent ein. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, wonach die Wettbewerber Terex und Konecranes wegen des hohen Aktienkurses des Kranherstellers derzeit an keinen feindlichen Übernahmeofferten arbeiten. Das dämpfte die Übernahmespekulationen etwas. OIndes wurde bekannt, dass sich der britische Hedge-Fonds Centaurus ein großes Aktienpaket von Demag gesichert habe. Der Hedge-Fonds erwarb 3,37 Prozent der Anteile.

Praktiker wird heruntergestuft
Größter MDax-Verlierer war Praktiker mit einem Minus von rund acht Prozent. Kritische Aussagen von Analysten der Deutschen Bank und der Commerzbank schickten die Aktie auf Talfahrt. Laut Händlern zeigten sich die Analysten skeptisch zu den im dritten Quartal erwarteten Geschäftszahlen. Der Aufwärtstrend bei der Gewinnentwicklung könnte geringer ausfallen als zunächst angenommen. Praktiker-Aktien wurden auf "Sell" von "Reduce" heruntergestuft.

Briten übernehmen Mehrheit an Anzag
Im deutschen Pharmagroßhandel kommt es zu einem Umbruch: Der britische Großhändler Alliance Boots hat es endlich geschafft, die Mehrheit am Frankfurter Großhändler Andreae Noris Zahn (Anzag) zu übernehmen. Phoenix, Celesio und Sanacorp gaben ihre Beteiligungen an die Briten ab. Die Anzag-Aktien gaben nach ihrem steilen Kursanstieg der letzten Wochen um über sechs Prozent nach, die Papiere von Celesio zogen im Parketthandel etwas an.

Goldman-Studie belastet Solartitel
Unter einem schlechten Stern standen die meisten Solaraktien im TecDax zu Wochenbeginn. Die Analysten der US-Bank Goldman Sachs haben die Aktien der Solarfirmen Centrotherm und Roth & Rau von "buy" auf "neutral" heruntergestuft. Das Kursziel von Roth & Rau wurde von zuvor 43 Euro auf 22 Euro gesenkt. Auch die Kursziele der beiden ebenfalls im TecDax notierten Solartitel Manz und SMA Solar wurden nach unten angepasst, die Kaufempfehlung für beide Werte aber auf "buy" belassen. Fast alle Solartitel im TecDax lagen im Minus.

Dialog in Apple-Vorfreude
Auf der Gewinner-Seite im TecDax standen dagegen die Titel von Dialog. Sie stiegen in Vorfreude auf starke Zahlen von Apple um fast sieben Prozent. Dialog wird immer wieder als einer der Chiplieferanten für den iPhone-Hersteller genannt.

Software AG wieder auf Shopping-Tour
Die Software AG gab am Nachmittag eine weitere Akjwquisition in den USA bekannt. Die Darmstädter erwarben die im Großraum New York ansässige Data Foundations, die sich auf prozessgesteuertes Master Data Management konzentriert hat. Details zur Transaktion wurden nicht veröffentlicht. Die Aktien der Software AG verloren rund ein Prozent. In den vergangenen drei Jahren haben die Darmstädter bereits sieben Firmen aufgekauft, darunter IDS Scheer.

Curanum ohne Wyser-Pratte
Der US-Firmenjäger Guy Wyser-Pratte ist beim Pflegeheim-Betreiber Curanum ausgestiegen. Das teilte das Unternehmen am Mittag mit. Im vergangenen Jahr hatte der gefürchtete Investor noch rund fünf Prozent der Anteile gehalten. Die Aktie gab deutlich nach.

Philips-Ausblick enttäuscht
Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im dritten Quartal vor allem dank der Profitabilität seines Gesundheits- und Lichtgeschäfts ein kräftiges Gewinnplus erzielt. Das Umsatzwachstum indes schwächte sich allerdings kräftig ab. Zwei Trends setzten sich fort: Die Nachfrage aus Schwellenländern, gerade für medizinische Produkte, wächst weiter kräftig und das Fernsehgeschäft bleibt ein Sorgenkind. An der Börse ging es für die Aktie um fast fünf Prozent nach unten.

Eisenerz-Megafusion geplatzt
Die Fusion der Eisenerz-Aktivitäten der Bergbau-Konzerne Rio Tinto und BHP Billiton ist geplatzt. Wie die beiden Unternehmen am Morgen mitteilten, sei die Fusion am Widerstand mehrerer Kartellbehörden gescheitert. Der Zusammenschluss wäre mit einem Volumen von umgerechnet knapp 86 Milliarden Euro der größte der australischen Wirtschaftsgeschichte gewesen. Die Aktien der beiden Rohstoff-Giganten gaben nach.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 21. August

Unternehmen:
Urban Outfitters: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Voltabox: Q2-Zahlen
BHP Billiton: Jahreszahlen

Sonstiges:
Computer- und Videospielmesse Gamescom (bis 25.8.) in Köln