Marktbericht 20:05 Uhr

Dax gibt Teil der Gewinne ab Nervosität steigt vor dem Briten-Votum

Stand: 22.06.2016, 20:05 Uhr

Der Countdown läuft, Am Donnerstag entscheiden die Briten, ob sie in der EU bleiben oder nicht. Die meisten Anleger rechnen inzwischen nicht mehr mit einem Brexit. Doch die Märkte bleiben schwankungsanfällig.

Should I stay or should I leave? Diese Frage werden sich viele Briten am Donnerstag stellen. Für die Buchmacher steht aber schon jetzt so gut wie fest: die Briten bleiben drin. So sieht der Wettanbieter Betfair die Wahrscheinlichkeit eines Brexit bei nur noch 25 Prozent.

Alarmierende neue Umfragen

Umfragen hingegen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Brexit-Befürwortern und Brexit-Gegnern hin. Einer aktuellen Umfrage von Opinium zufolge liegen die Anhänger eines Austritts mit 45 Prozent knapp vor dem "Bremain"-Lager (44 Prozent).

Vierter Gewinntag in Folge

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Diese neue Wählerbefragung dämpfte die gute Börsenstimmung am Mittwoch. Der Dax gab kurz vor Xetra-Schluss die Hälfte seiner Kursgewinne ab und schloss nur noch 0,55 Prozent im Plus - bei 10.071 Punkten. Zuvor war er über 10.100 Zähler gestiegen. Auch im EuroStoxx50 halbierte sich das Plus. "Da haben einige Anleger ganz schnell auf Kasse machen umgeschaltet", meinte ein Händler. Je näher das Referendum in Großbritannien rücke, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit auf Gewinnmitnahmen, schrieb Jochen Stanzl von CMC Markets.

Börsianer glauben eher den Buchmachern

Trotzdem sind sich die meisten Anleger sicher, dass die Briten in der EU bleiben. Die Börsianer werten die Quoten der Buchmacher als aussagekräftiger als Umfragen, da diese zuletzt meist daneben gelegen hätten. Die Wahllokale schließen am Donnerstag um 23 Uhr, erste Ergebnisse werden am frühen Freitagmorgen erwartet.

Euphorie könnte schnell verpuffen

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Börse 20.15 Uhr

Ein nur hauchdünnes "Ja" der Briten zur EU bei der Abstimmung könnte allerdings die Börsenrally bremsen. "Wenn das Votum nur knapp ausfällt, würde die Unsicherheit über einen Verbleib Großbritanniens in der EU anhalten", meint Joe Rundle, Leiter des Handels beim britischen Brokerhaus ETX Capital. Ähnlich sei es auch bei dem Referendum Schottlands gewesen, bei dem die Unabhängigkeit nur knapp abgelehnt wurde. "Ein kleiner Vorsprung für ein 'Bremain' könnte zum 'Neverendum' führen", glaubt Rundle.

Euro rutscht unter 1,13 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1419
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Das britische Pfund setzte seinen Erholungskurs fort und kostete bis zu 1,4661 Dollar. Binnen Wochenfrist hat sich das Pfund um sechs US-Cent verteuert. Der Euro stieg zeitweise auf über 1,13 Dollar, konnte sich dort aber nicht behaupten und notierte am Abend wieder bei 1,1290 Dollar.

Wall Street kommt nicht voran

An der Wall Street zeigten sich die Anleger deutlich vorsichtiger. Der Dow drehte nach einem verhaltenen Start leicht ins Minus. Wenig Neues kam von Fed-Chefin Janet Yellen. Im Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses wiederholte sie, was sie bei einer Anhörung vor dem US-Kongress bereits am Dienstag gesagt hatte. "Ich bin nicht sicher, ob ein Brexit gravierende Konsequenzen für die USA haben würde, aber das wäre möglich", sagte sie.

Ölpreise drehen ins Minus

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,88
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+0,11%

Zusätzlich belastete der fallende Ölpreis die Stimmung der Anleger. Nach dem überraschend geringen Rückgang der US-Rohölbestände in der vergangenen Woche drehten die Preise ins Minus. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um rund ein Prozent auf 50,05 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI notierte mit 49,32 Dollar ein Prozent schwächer. Zuvor hatten noch beide Sorten etwa ein halbes Prozent im Plus gelegen. Die Rohölbestände waren in der vergangenen Woche um weniger als eine Million Fässer geschrumpft. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang von 1,7 Millionen Fässern gerechnet.

Infineon auf der Pole Position

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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17,10
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-2,98%

Die Gewinnerliste im Dax führte Infineon mit einem Plus von über drei Prozent an. Der zunehmende Strategieschwenk der Autohersteller zu elektrischen Fahrzeugen gibt dem Chiphersteller Auftrieb. "Das wird als große Marktchance für Infineon gesehen", sagte Frank Schneider vom Handelshaus Alpha.

Kniefall von VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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143,92
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Im Rampenlicht stand VW. Auf der heutigen Hauptversammlung in Hannover hagelt es heftige Kritik von Kleinaktionären. Sie rügten die "Filzokratie" und das kollektive Versagen der VW-Führung. VW-Chef Matthias Müller entschuldigte sich bei den Aktionären für den Dieselskandal. Wichtigste Aufgabe sei nun, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

JP Morgan drückt ProSiebenSat.1

Schlusslicht im Dax war die Aktie von ProSiebenSat.1 mit einem Minus von 2,3 Prozent. JPMorgan hat die Titel von "Neutral" auf "Underweight" heruntergestuft und das Kursziel von 49,70 auf 38 Euro reduziert. In den vergangenen anderthalb Jahren hätten sich die Titel besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Das Geschäft laufe zwar rund, durch niedrigere Margen im Digitalgeschäft gebe es aber das Risiko, dass der Markt vom Ergebniswachstum enttäuscht werde, hieß es.

Unwetter kosten Allianz 140 Millionen Euro

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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189,24
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Die Überschwemmungen Ende Mai und Anfang Juni kosten die Allianz 140 Millionen Euro. Das gab der größte deutsche Versicherer am Nachmittag bekannt. Rund 45.000 Schäden wurden der Allianz gemeldet. In welcher Höhe die Unwetter den Halbjahresgewinn des Versicherers belasten, wird die Allianz am 16. August mitteilen.

41 Prozent T-Aktionäre wählen Aktiendividende

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,13
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Die Deutsche Telekom gab am Nachmittag bekannt, dass sich fast 41 Prozent der Aktionäre für eine Aktiendividende entschieden hätten - statt einer Barauszahlung. Im vergangenen Jahr hatte die Quote noch bei 49 Prozent gelegen. Durch den Verzicht vieler Aktionäre auf eine Bar-Dividenmde spart der Bopnner Konzern gut eine Milliarde Euro.

Kion rappelt sich auf

Nach dem gestrigen Kursrutsch war die Aktie des Gabelstaplerherstellers Kion im MDax wieder gefragt. Sie stieg um über zwei Prozent. Analysten besinnen sich nun auf die Vorteile der angekündigten Übernahme von Dematic, einem Spezialisten für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung für mehr als zwei Milliarden Dollar. Alexander Hauenstein von der DZ Bank wertet den Schritt als strategisch sinnvoll trotz des "etwas üppig" erscheinenden Preises.

Drillisch empfohlen

Stärkster Wert im TecDax war die Drillisch-Aktie mit einem Plus von fast fünf Prozent. Grund war eine positive Studie der DZ Bank, die nun eine "attraktive Kaufgelegenheit" sieht. Der faire Wert liege bei 47 nach bisher 42 Euro. Die Wachstumsdynamik des Unternehmens sei völlig intakt und auch abgesichert. Zudem gehöre das Papier sowohl hinsichtlich der Dividendenrendite als auch beim Wachstum des operativen Ergebnisses zu den besten zehn im HDax.

Schlechtes Wetter verdirbt H&M das Geschäft

Der schwedische Textilkonzern Hennes & Mauritz hat im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Der Wert sank um gut eine Milliarde schwedische Kronen auf knapp 5,4 Milliarden schwedische Kronen (umgerechnet 574 Millionen Euro). Schlechtes Wetter im Frühling, der starke US-Dollar und höhere Kosten drückten auf den Gewinn.

Anlegern missfällt Milliardenkauf von Tesla

Die Aktien von Tesla standen am Mittwoch stark unter Druck und büßten gut acht Prozent ein. Der Elektroautobauer will für bis zu 2,8 Milliarden Dollar den Solarmodul-Hersteller SolarCity übernehmen, um künftig Elektroautos, Stromspeicher und Solaranlagen aus einer Hand anbieten zu können. Aktionäre sind skeptisch, ob sich dies auszahlen wird. Die SolarCity-Papiere legten fast fünf Prozent zu.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"