Nervöser Tag mit Happy End

Detlev Landmesser

Stand: 03.07.2008, 20:26 Uhr

Ab 14:30 Uhr wurde es hektisch: Zeitgleich mit der Pressekonferenz von EZB-Präsident Trichet wurden die US-Arbeitsmarktdaten für den Juni veröffentlicht. Beides verhalf dem Dax zum ersten Tagesgewinn dieser Woche.

Der L-Dax schloss 0,7 Prozent höher bei 6.355,48 Punkten. Daran hatten die US-Börsen einen wesentlichen Anteil, die den verkürzten Handel vor dem US-Feiertag mit vorwiegend positiven Vorzeichen beendeten. Am Freitag bleibt die Wall Street wegen des Unabhängigkeitstags geschlossen.

Die Technologiebörse Nasdaq ging mit einem leichten Minus ins verlängerte Wochenende, was vor allem an Nvidia lag. Die Aktie stürzte um über 30 Prozent ab, nachdem der Grafikchiphersteller seine Umsatzprognose gesenkt hatte.

In Europa richteten sich die Blicke vor allem auf die EZB. Wie erwartet, erhöhten die Währungshüter ihren Leitzins wegen der ausufernden Inflation um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent. Auf der nachfolgenden Pressekonferenz vermied es EZB-Präsident Jean-Claude Trichet aber diesmal, eine weitere Zinserhöhung in Aussicht zu stellen - was die Anleger nachhaltig erleichterte. Aus demselben Grund geriet der Euro gegenüber dem Dollar stark unter Druck und fiel bis zum Abend unter 1,57 Dollar.

Zeitgleich reagierten Börsen positiv auf die US-Arbeitsmarktdaten für den Juni. Offensichtlich hatten die Marktteilnehmer insgeheim bereits Schlimmeres als den Verlust von 62.000 Stellen und die Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent erwartet. Die "offiziellen" Schätzungen der Volkswirte wurden dagegen leicht enttäuscht.

Dabei standen die Kursgewinne auf wackeligem Fundament - als um 16:00 Uhr der Einkaufsmanagerindex der US-Dienstleistungsbranche für Juni schwächer als erwartet hereinkam, tauchte auch der Dax wieder kurzzeitig ins Minus ab.

Öl schon wieder teurer

Der Ölpreis trat bei diesen gewichtigen Neuigkeiten etwas in den Hintergrund - obwohl neues Säbelrasseln aus dem Iran den Future-Preis für leichtes US-Öl erstmals über 145 Dollar je Barrel trieb und zeitweise bis auf 145,85 Dollar klettern ließ. Am Abend lag die Notierung nahe 145 Dollar.

Allianz bevorzugt...
Mit der Aktie des Dialyse-Konzerns Fresenius Medical Care belegte ein "defensiver" Wert mit knapp vier Prozent Plus die Spitzenposition im Dax.

Aber auch Finanztitel wie die Deutsche Börse, die Commerzbank oder die Allianz waren gefragt. Der Versicherungstitel profitierte dabei von einer Neueinschätzung der US-Investmentbank Merrill Lynch. Diese nahm die Allianz in ihre "most preferred list" für den europäischen Versicherungssektor auf.

... und Telekom wieder besser gelitten
Auch der T-Aktie bekam eine positive Einschätzung von Merrill Lynch gut. Die Experten haben das Papier von ihrer "least preferred list" der Telekom-Aktien in der EU entfernt. Mit anderen Worten: Die Aktie ist aus Sicht der Analysten wieder attraktiver geworden. Die Marketing-Zeitung "Horizont" meldete zudem, der Telekomriese wolle seine Werbeausgaben in diesem Jahr um einen zweistelligen Prozentsatz kürzen.

Fliegt HRE aus dem Dax?
Schwächster Dax-Titel war die Aktie der Hypo Real Estate. Am Mittwochabend hatte die Ratingagentur S&P das so genannte Counterparty Credit Rating des Hypothekenfinanzierers - einen Maßstab für die generelle Zahlungsfähigkeit - zurückgenommen. Kurz darauf hatte die Bank einen Gewinn für das zweite Quartal gemeldet und von einem stabilen Geschäftsverlauf gesprochen. Der Kursverlust war wohl auch auf Befürchtungen zurückzuführen, dass die HRE-Aktie wegen des nun geringeren Streubesitzes nach dem Einstieg von J.C. Flowers aus dem Dax absteigen muss.

US-Zulassung für Bayer-Insektizid
Bayer hat für einen neuen Wirkstoff gegen Insektenbefall bei Baumwolle und Soja die Zulassung für den lukrativen US-Markt erhalten. Auch in Kanada dürfe das Mittel Movento mit dem Wirkstoff Spirotetramat nun eingesetzt werden, teilte der Pharma- und Chemiekonzern am Nachmittag mit. "Mittelfristig erwarten wir für dieses Produkt ein jährliches Umsatzpotenzial von rund 200 Millionen Euro", prognostizierte Bayer CropScience-Vorstand Rüdiger Scheitza. Dieses und nächstes Jahr soll der Wirkstoff auch in weiteren Ländern auf den Markt kommen. Bayer ist die weltweite Nummer Eins bei Insektenvernichtungsmitteln. 2007 setzte der Konzern mit solchen Substanzen 1,18 Milliarden Euro um.

Deutsche Bank filetiert mit
Bei der Deutschen Bank sorgte eine Kursziel-Reduzierung durch die Citigroup für Verdruss. Die Aktie drehte dennoch ins Plus. Am Vorabend hatte der deutsche Branchenprimus bekannt gegeben, dass er sich Teile des Firmengeschäfts der niederländischen Bank ABN Amro für 709 Millionen Euro gesichert hat.

Singulus im Blu-ray-Fieber
Die Aktie von Singulus setzte sich mit einem Plus von zeitweise fast neun Prozent an die TecDax-Spitze. Der CD- und DVD-Anlagenbauer hat nach eigenen Angaben die eigene Prognose beim Auftragseingang für Blu-ray-Anlagen übertroffen. Insgesamt 31 Orders wurden bereits verbucht. In dem Segment strebt Singulus einen Marktanteil von über 65 Prozent an.

IKB überrascht positiv
Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB hat im Geschäftsjahr 2007/08 einen deutlich geringeren Verlust eingefahren als befürchtet. Er lag bei 24 Millionen Euro, statt bislang erwarteter 200 Millionen Euro. Das bessere Ergebnis sei Folge geringerer Steuerbelastungen, teilte die Bank am Morgen mit. Die IKB befindet sich außerdem nach eigenen Angaben in einer "heißen Phase" der Verkaufsverhandlungen. IKB-Chef Günther Bräunig stellte jedoch weitere Belastungen aus der Finanzkrise in Aussicht.

Kartellamt macht Premiere Sorgen
Die Wettbewerbshüter setzten die Premiere-Aktie am Donnerstag unter Druck. Der MDax-Titel verlor fast sechs Prozent. Das Bundeskartellamt will verhindern, dass die Fußball-Bundesliga zum großen Teil im Bezahlfernsehen ausgestrahlt wird. Das hatte eine Amtssprecherin der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gesagt.

Arques bleibt in Bewegung
Der SDax-Titel Arques rutschte um bis zu 6,9 Prozent ab, nachdem die Beteiligungsgesellschaft mitgeteilt hatte, man könne auch in Zukunft "Problemfälle" im Portfolio nicht ausschließen. Für die kommenden Monate erwartet Arques-Chef Michael Schumann allerdings eine "deutliche Beschleunigung" des Geschäfts. Im laufenden Jahr will das Unternehmen zehn bis 15 Zukäufe tätigen.

Übernahmeangebot für Jerini
Die Aktie des Berliner Biotech-Unternehmens Jerini sprang am Vormittag nach zwischenzeitlicher Kursaussetzung um 68 Prozent nach oben. Der britische Pharmahersteller Shire will im Rahmen eines Übernahmeangebots 6,25 Euro je Jerini-Aktie bieten. Zusammen mit Shire soll die Zulassung des Hoffnungsträgers Firazyr vorangetrieben werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen