Marktbericht 20:05 Uhr

Vor neuen China-Daten Nervöser Handel an der Börse

Stand: 18.01.2016, 20:05 Uhr

Mit bangem Blick schauten die Anleger heute nach Fernost. Vor neuen Konjunkturdaten aus China in der Nacht fand der Markt keine klare Linie. Der Dax zuckte mehrmals nervös und schloss dann leicht im Minus.

Nach volatilem Handel beendete der Leitindex den Handel bei 9.521 Punkten, ein leichter Tagesverlust von 0,25 Prozent. Ein Erholungsversuch des Leitindex am Vormittag war schnell wieder beendet, es fehlten wie schon so oft die Anschlusskäufe. Insgesamt präsentierte sich das führende deutsche Börsenbarometer bei nervösem Handel richtungslos.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.325,44
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Im Tageshoch ging es bis auf 9.657 Punkte bergauf, das Tagestief lag genau 200 Punkte darunter bei 9.457 Zählern. Vor allem am Nachmittag fehlten neue Impulse, da die Wall Street wegen eines Feiertages heute geschlossen blieb. Im Späthandel ging es zur Abwechslung wieder mal etwas bergauf. Der L/E-Dax schloss bei 9.540 Punkten.

Hohe Nervösität vor den China-Daten

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 17.00 Uhr

Die eher nachrichtenarme Zeit dürfte aber spätestens in dieser Nacht vorbei sein. In China stehen nämlich wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda. Neben dem viel beachteten BIP für das vierte Quartal stehen auch die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion für Dezember auf der Agenda. Der Markt erhofft sich Aufschluss darüber, ob der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eine harte Landung bevorsteht oder nicht.

Ölpreis auf 13-Jahres-Tief

Eng verbunden mit den Sorgen um Chinas Wirtschaft bleibt die Ölpreisentwicklung, denn China ist der größte Ölverbraucher weltweit. Der aktuell niedrige Preis für das schwarze Gold (und auch das Endes Rohstoffbooms) wird von Investoren als Zeichen eines weltweit langsameren Wirtschaftswachstums interpretiert, gerade in China.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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70,29
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Die Nordseesorte Brent konnte die erneut deutlichen Verluste am Morgen bis auf unter 28 Dollar je Fass im Handelsverlauf zwar einengen, verlor aber trotzdem weiter und bleibt klar unter der Preismarke von 30 Dollar je Fass. Im Tagestief stand der Preis heute so niedrig wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Experten erwarten wegen des Überangebots auf den Weltmärkten weitere Preisrückgänge bis auf 20 Dollar je Fass. Geschürt werden die Ängste auch von der Tatsache, dass die Ölgroßmacht und Opec-Mitglied Iran nach dem Ende der westlichen Sanktionen wieder auf die Weltmärkte zurückkehrt. Dadurch dürfte das Angebot trotz des niedrigen Preises hoch bleiben.

Euro gibt leicht nach

Die Gemeinschaftswährung gab heute leicht nach und steht aktuell bei 1,0885 Dollar. Händler interpretierten die leichten Verluste unter die Marke von 1,09 Dollar als Zeichen dafür, dass die Gemeinschaftswährung als sicherer Hafen nicht mehr so gefragt sei. Denn in China hätten sich die Märkte etwas beruhigt. Auch der Yuan, die chinesiche Währung, legte etwas zu.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Marktteilnehmer am Devisenmarkt blicken gespannt auf die EZB-Sitzung am Donnerstag. Gerät die EZB mit ihrem zunehmend unrealistischeren Inflationsziel von knapp zwei Prozent wegen der schwachen Ölpreise unter Handlungsdruck, die Zügel weiter zu lockern? Michael Heise, Chefvolkswirt beim Versicherungskonzern Allianz, findet diese Einschätzung jedoch unbegründet. "Der Konjunkturaufschwung im Euroraum ist nicht mehr so schwach, dass weitere Schritte erforderlich wären" sagte Heise.

Unter Druck geriet jedoch der polnische Zloty, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor´s das Länderrating wegen der umstrittenen Politik der neuen konservativen Regierung in Warschau um eine Note von "A-" auf "BBB+" gesenkt hatte. Ein S&P-Experte warnte Polen davor, die Unabhängigkeit der Notenbank anzutasten und drohte für diesen Fall mit einer weiteren Abstufung.

Paukenschlag bei Adidas und Henkel

Unter den Einzelwerten standen die beiden Dax-Werte Adidas und Henkel Vorzüge im Blick der Investoren. Das Papier des fränkischen Sportartikelherstellers legte deutlich 6,25 Prozent zu und war mit Abstand größter Dax-Gewinner. Dies, nachdem am frühen Nachmittag überraschend der Wechsel von Henkel-Chef Kaspar Rorsted an die Vorstandspitze bekannt wurde. Des einen Freud, des anderen Leid - im Gegenzug fielen Henkel-Aktien ans Index-Ende zurück und gaben 4,11 Prozent nach.

Daimler sieht Chancen im Iran

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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50,41
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Zwei Tage nach Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran hat der Lkw-Hersteller Daimler Trucks bereits Abkommen mit einem iranischen Fahrzeughersteller und einem Lkw-Händler in Dubai geschlossen. Diese dienten der Weichenstellung für die Rückkehr in den iranischen Markt. Das Land biete "vielversprechende Chancen".

VW: Rückendeckung für Müller

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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145,84
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Der durch seine unglückliche USA-Reise in die Kritik geratene VW-Chef Matthias Müller erhält vor dem Treffen mit dem Aufsichtsrat am Dienstag Rückendeckung von den Eigentümer-Familien Porsche und Piech. Diese stehen laut einem Insider "fest hinter Herrn Müller". VW-Vorzüge verloren trotzdem deutlich stärker als der Markt.

Schummel-Software bei der Deutschen Bank?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,67
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-3,19%

Die Deutsche Bank soll mit einer speziellen Software Kundenaufträge für Devisengeschäfte verzögert haben. Die gewonnene Zeit habe das Institut dann für Manipulationen zu Ungunsten der Kunden genutzt, lautet der Vorwurf einer bereits im Dezember eingereichten Sammelklage in den USA. Die Aktie gab weiter deutlich nach und war zweitschlechtester Dax-Wert. Sie steht mittlerweile so tief, wie seit 2009 nicht mehr.

Commerzbank auf Nachfolger-Suche

Die Commerzbank steht nach Informationen aus "Kreisen" vor einem weiteren personellen Umbruch. Das Institut sucht nun neben einem neuen Vorstandschef auch einen Nachfolger für Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Dieser soll zuvor selbst drei Jahre lang erfolglos nach einem Kandidaten gesucht haben. Auch Commerzbank-aktien tendierten schwach.

Linde: Sehnsucht nach Reitzle?

Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Handelsblatt" strebt Ex-Chef Wolfgang Reitzle den Aufsichtsratsvorsitz von Linde an. Die "FAZ" berichtet, dass der Name von Reitzle auf die Tagesordnung zur Wahl in den Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am 3. Mai kommen soll.

Osram überrascht positiv

Überraschend hat das MDax-Unternehmen über eine guten Start ins Geschäftsjahr 2016 berichtet. Osram berichtet bei stabilen Umsätzen von einer höheren Rendite. Nunmehr wird eine bereinigte Ebit-Marge von über acht Prozent erwartet, bisher waren sechs bis sieben Prozent anvisert worden. Die Aktie legte gegen den Markt deutlich zu und stand mit großem Abstand an der Indexspitze.

Airbus: Iran bestellt 114 Flugzeuge

Bei Airbus werten Anleger positiv, dass der Iran nach Angaben von Transportminister Abbas Achundi 114 Flugzeuge bestellt hat. Die Maschinen würden nach der Umsetzung des Atomabkommens und der Aufhebung der Sanktionen allmählich geliefert und eingesetzt, sagte Achundi iranischen Medien.

Heidelberger Druck ist raus aus der Krise

Dies verkündete Firmenchef Gerold Linzbach gegenüber der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". "Wir können uns nun darauf konzentrieren, die Umsetzung unserer strategischen Neuausrichtung weiter zu verfolgen, um in den beiden kommenden Jahren unsere Firma in ruhigeres Fahrwasser zu bringen", sagte Linzbach weiter. An der Börse kam der Optimismus gut an. Die Aktie des im SDax notierten Unternehmens gehörte zu den gefragtesten Titeln im Kleinwerteindex und schloss gegen den Markttrend 2,11 Prozent höher.

Porsche: Russland-Krise? Welche Russland-Krise!

Trotz der schweren Krise auf dem russischen Automarkt hat der deutsche Luxushersteller Porsche sein Russland-Geschäft deutlich ausbauen können. Die VW-Tochter verkaufte 2015 mit knapp 5.300 Fahrzeugen rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Asklepios: Höhere Rhön-Beteiligung nicht ausgeschlossen

Nach dem 17,6-prozentigen Einstieg bei Rhön-Klinikum hat der Klinikbetreiber Asklepios sein strategisches Interesse an dem Wettbewerber bekräftigt. Er schließe "grundsätzlich einen weiteren Aktienerwerb nicht aus", sagte Asklepios-Finanzvorstand Stephan Leonhard der "Börsen-Zeitung".

SMA Solar setzt auf Tesla-Speicher

Der Kasseler Hersteller von Wechselrichtern will ab März den Solarstromspeicher des US-Elektroautobauers Tesla erst in Deutschland und dann in Europa vertreiben. Die Speicherung gewonnener Energie ist derzeit der technische Flaschenhals der gesamten Industrie. Bisher sind Speichergeräte jedenfalls noch viel zu teuer. Das Potenzial beurteilt SMA trotzdem als enorm und auch die Wissenschaft stimmt zu. "Wenn sich die Batterien am Markt durchsetzen, kann das die Energiewende von unten einleiten", sagte Jens Tübke vom Fraunhofer Institut.

rm

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr