Marktbericht 20:05 Uhr

Dax im Rückwärtsgang Nervöse Anleger schicken Aktien in den Keller

Stand: 11.12.2015, 20:05 Uhr

Die Konjunktursorgen nehmen zu und schon geht es an der Börse bergab. Der Dax musste deutlich Federn lassen und verlor rund 250 Punkte. Alle 30 Aktien des Leitindex schlossen im Minus.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Größter Tagesverlierer waren dabei Deutsche Bank-Aktien, die ihren anhaltenden Abwärtstrend der jüngsten Handelstage fortsetzten und unter die Marke von 22 Euro fielen. Am Ende verlor das Papier 4,43 Prozent und schloss bei 21,24 Euro auf einem neuen Jahrestief. Es scheint so, als ob der neue Bankchef John Cryan nach vielversprechendem Start seinen Bonus bei den Anlegern aufgebraucht hat. Das Chartbild ist jedenfalls besorgniserregend.

Zu den größten Verlierern gehörten weiterhin noch Eon und ThyssenKrupp. Auch Autowerte hatten einen schwachen Tag. Insgesamt gingen die Verluste damit quer durch alle Branchen. Unterdurchschnittlich gaben K+S und Infineon ab, die damit als "Tagessieger" aus dem Handel gingen.

"Die Anleger waren vor dem Wochenende zunehmend nervös", ergänzte Experte Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner. Vor der Zinsentscheidung in den USA am kommenden Mittwoch und Daten aus China am Wochenende wolle kein Anleger auf dem falschen Fuß erwischt werden. Am Samstag stehen in China Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen im November auf der Agenda.

Keine Gewinner im Dax

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gewinner gab es also keine im Dax. Der Leitindex gab 2,44 Prozent oder 258 Punkte nach und schloss bei 10.340 Punkten. Bedenklich stimmt dabei der Fall unter die technische Unterstützungsmarke von 10.500 Punkten, die der Index bisher stets verteidigt hatte. Auch im Tageshoch am Morgen bei 10.596 Punkten konnten die Bullen noch hoffen, dass der Kelch an ihnen vorüber gehen möge.

Diese Hoffnung ist nun dahin, im Tagestief lag der Index bei 10.294 Punkten. Mit dem Fall unter 10.500 Punkten besteht aus technischer Sicht nun weiteres Abwärtspotenzial bis in die Region 9.900/10.100 Punkte.

Ölpreis weiter unter Druck

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Fundamental stand der Markt vor allem unter dem Eindruck des rasanten Verfalls der Ölpreise. Wegen des weltweiten Überangebots fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) des Nordsee-Öls Brent um 5,2 Prozent auf ein Sieben-Jahres-Tief von 37,67 Dollar.

"Sinkende Notierungen beim 'schwarzen Gold' werden als Indiz für eine lahmende Weltkonjunktur interpretiert", konstatierte Christian Henke vom Brokerhaus IG. Anleger fürchten, dass die Weltwirtschaft vor allem durch eine Wachstumsdelle in China aus dem Tritt geraten könnte.

"Auslöser für weitere Abverkäufe war der Opec-Monatsbericht", kommentierte die Commerzbank. Am Donnerstag hatte die Opec bekannt gegeben, dass ihre Fördermenge das höchste Niveau seit über drei Jahren erreicht habe. Die jüngste Talfahrt der Ölpreise hatte eingesetzt, nachdem das Kartell seine Förderpolitik in der vergangenen Woche vorerst nicht verändert hatte. Man hatte sich abermals nicht auf eine Kürzung oder Deckelung der Produktion einigen können.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Euro knapp bei 1,10 Dollar

Gegenwind kam auch vom Devisenmarkt. Dort stieg der Euro bei volatilem Handel zwischenzeitlich über die Marke von 1,10 Dollar und setzte damit seine Erholung fort. Behaupten konnte sich die Gemeinschaftswährung über dieser Kursmarke dann aber nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0950 (Donnerstag: 1,0943) US-Dollar fest.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Seit EZB-Chef Mario Draghi mit seinen jüngsten geldpolitischen Beschlüssen den Markt in der vergangenen Woche enttäuschte, hat der Euro zum Dollar wieder Oberwasser. Ein starker Euro schwächt die Wettbewerbsposition der Exportwirtschaft im Euroraum, was zusätzlich auf die Kurse drückt.

Dow Jones im Rückwärtsgang

Schlechte Stimmung herrscht derzeit auch an der New Yorker Börse, wo der Leitindex Dow Jones ebenfalls Federn lassen muss. Der Index fällt aktuell 1,5 Prozent und rutscht damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte November. Auch an der Wall Street sorgen sich die Akteure wegen der schwachen Ölpreise um die Weltkonjunktur.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die heutigen Konjunkturdaten haben derweil das Szenario einer ersten Zinserhöhung in der kommenden Woche seit fast zehn Jahren bestätigt. So ist der Einzelhandelsabsatz im November ohne Autos und Benzin um 0,5 Prozent gestiegen, erwartet war nur ein Plus von 0,3 Prozent. Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan verbesserte sich für den Dezember ebenfalls auf 91,8 Punkte von zuvor 91,3 Punkte, lag aber knapp unter den bei 92,0 Punkten liegenden Markterwartungen.

"Die Umsätze im Einzelhandel fallen nicht besonders hoch aus. Positiv hervorzuheben ist aber das über den Erwartungen liegende Plus ohne Kfz- und Benzinabsatz. Insofern gibt es keinen Grund, sich Sorgen um die konjunkturelle Dynamik zu machen", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Für Wortberg gilt eine Zinserhöhung nach der FOMC-Sitzung in der kommenden Woche als sicher, "wenngleich der Zinspfad nur moderat ausfallen dürfte".

Chemie-Mega-Fusion in trockenen Tüchern

Was schon lange gemunkelt worden war, ist am Mittag bestätigt worden. Die beiden US-Konzerne DuPont und Dow Chemical wollen fusionieren. Damit entsteht der weltgrößte Chemiekonzern, noch vor der deutschen BASF. Beide Aktien geben vorbörslich an der Wall Street nach.

BASF-Aktien fallen mit dem schwachen Gesamtmarkt zurück und reagieren bisher kaum auf die Nachricht. Das Analysehaus Warburg Research hat BASF derweil auf "Hold" mit einem Kursziel von 84 Euro belassen. Analyst Oliver Schwarz äußerte sich zum Marktumfeld zurückhaltend und erwartet 2016 weiteren Gegenwind.

RWE: Aufspaltung beschlossen

Die RWE-Aktie hat ihre anfänglichen Gewinne nicht behaupten können und rutschte mit dem Markt ins Minus. Am Ende verlor das Papier 2,23 Prozent. Am Morgen hatte die Aktie noch von einem Medienbericht profitiert. Im "Handelsblatt" wurde über einen möglichen Kapitalgeber aus Abu Dhabi spekuliert. Heute hat der RWE-Aufsichtsrat zudem die geplante Aufspaltung des Energiekonzerns beschlossen. Die Entscheidung war so erwartet worden.

VW-Absatz im November rückläufig

Der VW-Konzern hat im November 833,700 Fahrzeuge abgesetzt, ein Rückgang von 2,2 Prozent. Insgesamt wurden nach elf Monaten 9,1 Millionen Autos an die Kunden ausgeliefert, das waren 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. "Der Volkswagen-Konzern und seine Marken durchleben aktuell eine herausfordernde Zeit", sagte VW-Chef Matthias Müller am Freitag in Wolfsburg.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Erfreulich war allerdings, dass die Auslieferungen im wichtigen chinesischen Markt um 5,5 Prozent zugelegt haben. Auch die Konzerntochter Audi hat trotz des Abgasskandals im November mehr Autos verkauft. Der Absatz stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht um ein Prozent auf rund 147.750 Fahrzeuge, wie die Volkswagen -Tochter am Freitag mitteilte. VW-Vorzüge gehörten zu den schwächsten Dax-Aktien und verloren 3,53 Prozent.

Aurubis-Aktie kommt schwer unter die Räder

Der Kupferhersteller Aurubis hat trotz des deutlichen Kupferpreisverfalls im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis erwirtschaftet. Der Gewinn verdreifachte sich auf 134 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr dürfte das EBT aber deutlich sinken. Die Aktie erlebte daraufhin einen ganz schwarzen Tag. Sie brach um 19,16 Prozent ein und war damit mit großem Abstand am MDax-Ende zu finden.

Aixtron: Nur eine Gegenbewegung

Im TecDax setzte die Aixtron-Aktie zu einer bescheidenen Erholungsbewegung an. Mehr als eine technische Gegenreaktion auf die am Donnerstag erlittenen Kursverluste von 41,1 Prozent auf 4,12 Euro war das aber nicht. Besonders besorgniserregend: Die nächste nennenswerte Unterstützung verläuft erst bei 2,76 Euro (2008er-Tief).

BHF Kleinwort-Übernahme durch Oddo rückt näher

Die französische Privatbank Oddo ist ihrem Ziel näher gekommen, die britisch-deutsche Finanzgruppe BHF Kleinwort-Benson mehrheitlich zu übernehmen. Die EZB winkte in ihrer Funktion als oberste Aufsichtsbehörde die Pläne der Franzosen durch. Vorraussetzung sei allerdings eine erfolgreiche Kapitalerhöhung im Volumen von 100 Millionen Euro.

Oddo will 600 Millionen Euro bezahlen und bietet 5,75 Euro je Aktie. Interessiert ist Oddo vor allem an der BHF-Bank, die anderen Teile der Gesellschaft sollen an die SocGen gehen. Gegenspieler ist die chinesische Fosun-Gruppe, die 5,10 Euro bietet und knapp 20 Prozent hält. In Anbetracht der jüngsten Entwicklung um Fosun dürften die Aufseher wenig begeistert sein. Das stärkt die Chancen von Oddo.

Ford lässt sich Elektroautos was kosten

Ford will weitere 4,5 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen stecken. Ford-Chef Mark Fields erklärte, Ende 2016 werde ein neues Modell des Ford Focus auf den Markt kommen mit einer Reichweite von 100 Meilen (160 Kilometern), das innerhalb von 30 Minuten aufgeladen werden können.

rm

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Tagestermine am Dienstag, 21. August

Unternehmen:
Urban Outfitters: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
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Sonstiges:
Computer- und Videospielmesse Gamescom (bis 25.8.) in Köln