Nervös ins Wochenende

Angela Göpfert

Stand: 31.07.2009, 20:08 Uhr

Neue Wirtschaftsdaten haben gezeigt: Die sinkende Kauflaune der US-Verbraucher ist derzeit das größte Risiko für die Konjunkturerholung - und damit auch für die Aktienmärkte weltweit. Kein Wunder also, dass Anleger am Freitag Kasse machten.

Nach einem von hoher Volatilität geprägten Handelstag stand der Dax zu Xetra-Schluss rund 0,5 Prozent tiefer bei 5.332 Zählern. Den späten Parketthandel beendete er zwei Punkte höher. Zu diesem Zeitpunkt notierte der Dow-Jones-Index in New York rund 0,4 Prozent höher.

Größter Verlierer im US-Leitindex waren Aktien von Walt Disney, der Unterhaltungskonzern hatte die Märkte mit einem überraschend hohen Gewinneinbruch enttäuscht. Auch konsumnahe Titel, vor allem von Einzelhändlern, wurden von den Investoren verschmäht.

"Rezession schlimmer als gedacht"
Kein Wunder, hat sich doch der US-Konsum einmal mehr als Achillesferse der Konjunkturerholung und damit auch der jüngsten Börsenrally erwiesen: Im zweiten Quartal war der private Konsum um 1,2 Prozent eingebrochen. Allein dem massiven Staatskonsum war es zu verdanken, dass das US-BIP "nur" um 1,0 Prozent zurückging - zumindest laut der heute veröffentlichten ersten Schätzung.

Doch auf diese können Anleger wie Marktbeobachter leider nicht allzu viel geben. Schließlich mussten die USA in der Vergangenheit mehrfach ihre Schätzungen im Nachhinein nach unten korrigieren. So war die weltgrößte Volkswirtschaft nach neuen Berechnungen nicht etwa um 5,5 Prozent, sondern um 6,4 Prozent geschrumpft - einen solchen Einbruch hatte das Land seit Anfang 1982 nicht mehr erlebt. Präsident Barack Obama sagte, die BIP-Zahlen zeigten, dass die Rezession schlimmer sei als zuerst gedacht.

Dax hält die zurückeroberten 5.300 Punkte
Angesichts dessen fiel das Kursminus im Dax am Freitag noch vergleichsweise gering aus. Händler führten dies vor allem darauf zurück, dass nach wie vor viele Anleger an der Seitenlinie stünden, die die jüngste Rally verpasst hatten und nun auf - vermeintlich - günstige Einstiegskurse warteten.

Zudem ist das charttechnische Bild des deutschen Leitindex' weiterhin recht positiv zu werten: Immerhin hielt sich der Dax stabil über der Marke von 5.300 Punkten, die er am Donnerstag erstmals seit Anfang Oktober vergangenen Jahres wieder geknackt hatte. Allerdings signalisieren technische Indikatoren auch, dass sich die Indizes längst in den Bereich vorgeschoben haben, der als "überkauft" bezeichnet wird.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

K+S übernahm rote Laterne
Größter Dax-Verlierer war K+S mit einem Abschlag von 3,8 Prozent. Der anhaltende Preisdruck im Kali-Sektor und eine negative Analystenstimme lasteten auf dem Titel.

Auch Aktien von Deutsche Bank und Siemens verzeichneten herbe Kursverluste von 2,8 respektive 2,2 Prozent. Hier wirkten laut Händlern noch die in den vergangenen Tagen vorgelegten teils desaströsen Geschäftszahlen nach.

EU: grünes Licht für AU-Übernahme ...
Nach Xetraschluss teilte die EU-Kommission mit, sie wolle die Übernahme der AUA durch Lufthansa unter Auflagen genehmigen. Lufthansa-Chef Mayrhuber begrüßte die positiven Signale aus Brüssel und kündigte einen Squeeze-out der verbleibenden AUA-Aktionäre an - nach Vollzug des öffentlichen Übernahmeangebots.

... durch Lufthansa
Mayrhuber unterstrich: "Man konnte im Grunde immer davon ausgehen, dass eine konstruktive Lösung gesucht wurde." Dieser Meinung waren offenbar auch die Anleger: Die Lufthansa-Aktie reagierte auf die Neuigkeiten im späten Parketthandel kaum.

Fluggesellschaften in den Miesen
Während des Xetra-Handels hatte sie indes 1,3 Prozent eingebüßt. Grund war ein überraschen hoher Verlust, den Europas größte Fluggesellschaft Air France-KLM ausgewiesen hatte. Auch Konkurrent British Airways wies für das abgelaufene Quartal einen Verlust aus.

Gut gecremt durch die Krise
Dagegen profitierten Papiere von Konsumgüterherstellern von Aussagen des Rivalen L'Oreal. Der französische Kosmetikhersteller, der unter anderem Garnier und Lancome zu seinen Marken zählt, hatte sich trotz eines Umsatzrückgangs im ersten Halbjahr optimistisch zu den Geschäftsaussichten geäußert. Beiersdorf-Aktien gewannen 1,8 Prozent, Henkel-Papiere legten 0,2 Prozent zu.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
Differenz relativ
-1,33%

Daimler von Analysten bewegt
Die Daimler-Aktie profitierte von einer Kurszielerhöhung und Kaufempfehlung der UBS, sie gehörte mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent ebenfalls zu den stärkeren Dax-Titeln. Die UBS-Analysten trauen dem Titel allein aus Bewertungsgründen in den kommenden Monaten mehr Aufwärtspotenzial zu al der BMW-Aktie.

Vertrauensverlust bei Conti
Im MDax gerieten Continental-Aktien unter die Räder, sie verloren 10,9 Prozent. Die beschlossene Kapitalerhöhung kam wegen des überraschend hohen Volumens von bis zu 1,5 Milliarden Euro nicht gut an. Auch die Aussicht auf einen erneuten Führungswechsel vertrieb Investoren: Karl-Thomas Neumann soll als Verlierer eines Machtkampfes mit Großaktionär Schaeffler nach kaum einem Jahr an der Conti-Spitze seinen Stuhl räumen.

ElringKlinger unter Verdacht
Beim Autozulieferer ElringKlinger warf der für kommenden Donnerstag angekündigte Quartalsbericht seinen Schatten voraus: Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinneinbruch von 66 Prozent. Die Aktie war heute mit einem Minus von 3,6 Prozent der zweitgrößte Verlierer im MDax.

Puma und Boss landen als Bettvorleger
Puma-Aktien gaben nach einem starken Auftakt ihre Gewinne zum Abend hin wieder ab und beendeten den Xetra-Handel 0,1 Prozent im Minus. Dabei hatte der Sportartikel-Hersteller recht gute Zahlen gemeldet, vor allem die starke Umsatzentwicklung verblüffte Experten.

Auch bei Hugo-Boss-Aktionären war die Freude nicht von Dauer, die Titel konnten ihre Kursgewinne vom Vortag nicht halten, verloren 2,4 Prozent. Analysten von UBS hatten sie in Ermangelung absehbarer künftiger Kurstreiber herabgestuft.

ProSiebenSat.1: Erholung erst ab 2011
Aktien von ProSiebenSat.1 zählten dagegen mit einem Aufschlag von 4,3 Prozent zu den größten MDax-Gewinnern - trotz wenig optimistisch klingender Aussagen des Chefs Thomas Ebeling. Ebeling sagte laut dem Medien-Branchendienst "Kress", er rechne nicht vor 2011 mit einer Erholung des Werbemarktes.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
129,60
Differenz relativ
-5,81%

Wirecard unter Verkaufsdruck ...
Die rote Laterne im TecDax übernahmen Papiere von Wirecard mit einem Minus von 7,3 Prozent. Die veröffentlichten Eckdaten zum zweiten Quartal waren allesamt etwas schwächer als erwartet ausgefallen.

... Solartitel ebenso
Auch Solarwerte wie Solon und Solarworld unter Verkaufsdruck. Auf ihnen lastete die Erwartung eines härteren Wettbewerbs. Die US-Firma First Solar hatte angekündigt, zur Absicherung ihrer Marktstellung in Deutschland Preisnachlässe gewähren zu wollen. An der Wall Street brachen First-Solar-Titel um über zehn Prozent ein.

UBS erzielt Durchbruch in US-Steuerstreit
Die seit über einem Jahr schwelende Steueraffäre der Großbank UBS in den USA soll in einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt werden. Darauf haben sich die Regierungen der Schweiz und der USA grundsätzlich geeinigt. Die Details müssen noch ausgehandelt werden, eine endgültige Einigung wurde für Freitag kommende Woche in Aussicht gestellt. Die UBS-Aktie reagierte darauf am Nachmittag mit einem Kurssprung von bis zu sechs Prozent.

Schneider Electric an EuroStoxx-Spitze
Im europäischen Auswahlindex EuroStoxx50 sprangen Aktien von Schneider Electric um über acht Prozent in die Höhe. Der französische Elektronikkonzern hat zwar einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten, hält aber an seinem Margenziel für das Gesamtjahr fest.

Verlustserie bei Ölkonzernen geht weiter
Dagegen ging es für Eni am Index-Ende um 8,3 Prozent nach unten. Auf den Titeln des italienischen Ölkonzerns lasten ein überraschend starker Gewinneinbruch im zweiten Quartal um 60 Prozent sowie die Ankündigung einer Dividendenkürzung. Zuletzt hatten bereits ExxonMobil, Royal Dutch Shell und BP Gewinneinbrüche vermeldet.

Auch beim französischen Konkurrenten Total hinterließ der gefallene Ölpreis Spuren in der Bilanz. Nach Bekanntgabe eines 54-prozentigen Gewinnrückgangs notierten die Titel des Unternehmens über zwei Prozent tiefer.

In den USA gerieten Chevron-Aktien unter Druck. Der US-Ölgigant hatte einen massiven Gewinneinbruch auf 0,87 Dollar je Aktie erlitten und damit die Markterwartungen von 0,97 Dollar deutlich verfehlt.

Ölpreis weiter hochvolatil
Die Ölpreise sind am Freitag nach einer Berg- und Talfahrt deutlich gestiegen. Ein Barrel WTI kostete mehr als 68 Dollar. Dabei ist das aktuelle Preisniveau nach Meinung der Commerzbank-Analysten schon lange nicht mehr durch fundamentale Daten zu begründen. So seien die amerikanischen Ölimporte zuletzt auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren gefallen. Insgesamt sei die Ölnachfrage nach wie vor schwach und die weltweiten Lager gut gefüllt. "Wir sind daher skeptisch, dass der Ölpreis das derzeitige Niveau auf Dauer halten kann."

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat