Neigung zur Schwäche

Stand: 04.09.2008, 20:05 Uhr

Einen verlustreichen Börsentag mussten Investoren am Donnerstag in Kauf nehmen. Schwache US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag reichten aus, um dem Dax noch einen deutlichen Ruck nach unten zu bescheren.

Auch der späte Parketthandel brachte keine Linderung für geschundene Anleger. Weil die Börsen an der Wall Street sich auch am Abend nicht aufbäumten, schloss der Late-Dax sogar noch einige Punkte unter dem Xetra-Endstand.

Die US-Börsen hätten derzeit eine "Neigung zur Schwäche" kommentierte ein Händler am Abend die deutlichen Verluste in New York, der Dax folgte den US-Börsen wie üblich auf ihrem Abwärtsweg. Am Nachmittag hatten die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe negativ überrascht, auch gestiegener ISM-Dienstleistungsindex konnte den Börsen da nicht mehr helfen.

Öllager leer - na und?

Ein kleines Trostpflaster dürfte die verhaltene Reaktion auf deutlich gesunkene Öllagerbestände in den USA sein, die Rohölnotierungen zogen nach der Meldung am Spätnachmittag nicht wieder nach oben.

EZB sieht Wachstumsdelle
Die steigende Gefahr einer Rezessionsgefahr in Euro-Land hatte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Nachmittag eingestanden. Das Wachstum im Euro-Raum, schwäche sich derzeit ab, so Trichet. Dies sei aber eine "Episode". Der Leitzins in Euroland bleibt erwartungsgemäß bei 4,25 Prozent.

Juncker redet Euro abwärts
Für einen Kursrutsch beim Euro sorgte wenig später Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker. Der Politiker hält die Gemeinschaftswährung immer noch für überbewertet, woraufhin der Euro sogleich die Marke von 1,44 Dollar nach unten durchbrach und derzeit mit 1,4360 Dollar auf dem tiefsten Stand seit Januar 2008 notiert.

Verluste allüberall
Kursminus herrschte am Donnerstag im gesamten Dax, außer bei der Conti-Aktie, vor. Schwergewichte wie Siemens, ThyssenKrupp oder MAN büßten zwischen vier und fünf Prozent ein.

Gute Reise, Tui
Üppig bergab ging es am Donnerstag mit der Aktie des Reise- und Schifffahrtskonzerns. Dass Tui den Dax-Platz am 22. September räumen muss, ist nun offiziell. Aber auch die Aktie des Dax-Neulings, des Düngemittel-Konzerns K+S, schaffte es im MDax nicht in die Pluszone.

Deutsche Börse nicht "prickelnd"
"Die Umsätze am Markt sind weiter niedrig, und die aktuellen Umsatzzahlen waren nicht gerade prickelnd", kommentierte ein Händler das derzeitige Dilemma des Dax-Konzerns. Der Börsenbetreiber meldete, dass man die eigene Handelsplattform weiterentwickeln will, um sich besser gegen die neue Konkurrenz alternativer Handelsplattformen zu wappnen.

SAP vor Milliardendeal?
Nur am Mittag hatten es die Papiere von SAP kurz ins Plus geschafft, am Handelsende verloren sie ebenfalls deutlich. Vorstandschef Henning Kagermann hatte auf einer Investorenkonferenz gesagt, man könne sich einen weiteren Zukauf in der Größenordnung von Business Objects (4,8 Milliarden Euro) vorstellen. SAP hatte zudem am Vormittag mitgeteilt, dass man 21 Millionen eigene Aktien einzieht und das Grundkapital und rund 1,68 Prozent reduziert. Der Anteil eigener Aktien am Grundkapital beträgt nach der Einziehung rund 3,16 Prozent, teilte SAP mit.

Merck auf Nano-Pirsch
Der Darmstädter Pharmakonzern Merck hat mit dem belgischen Biotechunternehmen Ablynx eine Zusammenarbeit bei der Medikamentenforschung vereinbart. Dabei geht es um die Entwicklung neuer Arzneimittel auf der Basis von kleinen Nanoteilchen. Die Merck-Aktie gehörte zu den Papieren mit den geringsten Tagesverlusten im Dax.

HRE verkauft Collineo
Der Immobilienfinanzierer verkauft seinen Vermögensverwalter Collineo an die Privatbank Sal. Oppenheim. Der Verkauf werde spätestens Anfang 2009 abgeschlossen sein, so Hypo Real Estate (HRE). Über den Preis hatten die beiden Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Bayer lässt Vasovist fallen
Der Pharmakonzern gibt die weltweiten Vermarktungsrechte für das Kontrastmittel an den Partner Epix Pharmaceuticals zurück. Das Präparat, das in Zusammenarbeit mit der übernommenen Schering entwickelt worden war, hatte die Umsatzhoffnungen von Bayer bei weitem nicht erreicht.

Rheinmetall rüstet Südafrika auf
Die Aktie des Rüstungskonzerns reagierte mit Verlusten auf die Meldung, dass das Unternehmen den Mehrheitsanteil an der südafrikanischen Denel Munitions übernehmen kann. Mit dem Einstieg ist nach Unternehmensangaben ein langfristiger Liefervertrag für die südafrikanischen Streitkräfte verbunden.

KlöCo macht Kasse
Auch die Nachricht, dass der Stahlhändler beim Verkauf seiner Tochter Koenig Verbindungstechnik einen dreistelligen Gewinn erzielt hat, vermag der Aktie keinen Schub zu geben, sie notiert minimal im Plus. Mit dem Verkauf hat KlöCo nach eigenen Angaben die Fokussierung auf das Kerngeschäft fortgesetzt.

Aixtron unter Druck
Sehr schwach entwickelt sich auch die Aktie des Spezialmaschinenbauers Aixtron im TecDax. Händler verwiesen auf charttechnische Gründe, nachdem die Aktien unter die Unterstützung bei 6,89 Euro gefallen waren. Außerdem sorgt ein Bericht in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "digitimes.com" für Gegenwind. Laut dem haben die LED-Hersteller Epistar und Formosa Epitaxy ihre Expansionspläne wegen einer schwachen Auftragslage ausgesetzt.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr