Nächster Rückschlag

Stand: 10.07.2007, 20:00 Uhr

Ein schwacher Aufgalopp in die US-Berichtssaison und ein starker Euro haben den Handel am Dienstag belastet. Der Dax machte kurz vor dem neuen Rekordhoch kehrt und fiel wieder unter 8.000 Punkte.

Auch im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett war von neuem Schwung nichts zu spüren: Der Late-Dax endete noch ein ganzes Stück unter dem Schlussstand des Xetra-Handels und schon deutlich von der Tausendermarke entfernt.

Euro und Wall Street machen Sorgen

Nachdem mit Home Depot und Alcoa zwei US-Schwergewichte mit ihren Quartals-Bilanzen und Ausblicken enttäuscht hatten, waren die Aktien an den US-Börsen auf eine kleine Talfahrt gegangen. Aus deutscher Sicht entpuppte sich der Euro als weiterer Belastungsfaktor für hiesige Aktien: Die Gemeinschaftswährung hatte am Nachmittag das bisherige Allzeithoch gegenüber dem US-Dollar im Sturm genommen und erstmals die Marke von 1,37 Dollar übertroffen. Schlechte Nachrichten für viele der exportorientierten Konzerne hier zu Lande, meinten einige Händler auf dem Börsenparkett.

Bernanke-Äußerungen verpuffen
Zunächst kaum Auswirkungen hatten dagegen am Abend Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke vor dem US-Repräsentantenhaus. Der Fed-Chef relativierte den Einfluss von steigenden Energiepreisen auf die Inflation in den USA. Auch auf das US-Wachstum hätten diese nicht Besorgnis erregend gewirkt.

Die Dax-Rangliste bestand am Dienstagabend fast ausschließlich aus Kursverlierern. Nur Infineon und Linde hielten sich am Handelsende hauchdünn im Plus. Siemens, BASF oder BMW verloren zwischen zwei und drei Prozent.

Adidas redet DFB-Vertrag klein
Der Verlust des Ausrüstervertrages mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) wäre nach Ansicht von Adidas-Chef Herbert Hainer ein begrenzter Schaden. Um den Prestige-Auftrag der Ausstattung der deutschen National-Kicker konkurriert Adidas mit dem US-Konzern Nike. Die Adidas-Aktie schloss den Parkett-Handel mit knapp zwei Prozent im Minus.

ThyssenKrupp will von Allegheny nichts wissen
Der Stahlkonzern hat nach Angaben von Händlern wegen Gerüchten um eine Übernahme des US-Konzerns Allegheny ein deutliches Kursminus verzeichnet. Das wurde allerdings bereits am späten Nachmittag wieder ein wenig kleiner. Das Unternehmen hatte ein Interesse an dem Konkurrenten dementiert.

Tui: Kursdruck vor AR-Sitzung
Vor einer wichtigen Aufsichtsratssitzung rutschte die Aktie des Reisekonzerns Tui um fast drei Prozent nach unten. Am Mittwoch wird das Kontrollgremium über die Fusion der Touristiksparte mit der britischen First Choice beraten. Möglicherweise geht es dabei auch um Umbildungen im Vorstand. Die Tui-Aktie geriet offenbar aber auch wegen leicht enttäuschender Sommerbuchungen beim Konkurrenten Alltours unter Druck.

BMW trotz China-Bonus im Minus
Auch die BMW-Aktie gehörte am Dienstag zu den schwächsten Dax-Titeln. Dabei hatte der Münchener Auto-Konzern sogar frohe Kunde für Anleger. Im ersten Halbjahr 2007 hat BMW nämlich seinen Absatz in China um mehr als ein Drittel auf 23.667 Autos gesteigert. Die Marke BMW hat nach Unternehmensangaben ihren Verkaufserfolg im Reich der Mitte um 36 Prozent erhöht.

Guter Juni für die Lufthansa
Auch die Lufthanse-Aktie schaffte es nicht in positives Terrain. Die Airline hatte am Mittag ermutigende Verkehrszahlen für den Monat Juni vorgelegt. Danach konnte die Zahl der Passagiere um 4,8 Prozent auf fünf Millionen gesteigert werden. Die "verkaufte Flugstrecke" stieg sogar um 7,6 Prozent auf 10,6 Milliarden Kilometer.

Cumerio will mit Norddeutscher Affi
Das Management der belgischen Kupferhütte Cumerio hat ihren Aktionären empfohlen, die Übernahmeofferte durch MDax-Konzern Norddeutsche Affinerie anzunehmen. Damit stellt sich Cumerio demonstrativ gegen den Willen ihres neuen Großaktionärs, des österreichischen Mischkonzerns A-Tec. Dieser hatte kürzlich eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie an den Belgiern erworben.

MLP zieht ab
Der Finanzdienstleister will in Spanien und Großbritannien nicht mehr vertreten sein. Damit zieht das MDax-Unternehmen einen Schlussstrich unter eine verlustreiche Expansion in die beiden europäischen Staaten. Einen einstelligen Restrukturierungsaufwand werde die Neuausrichtung kosten, teilte MLP mit. Die strategische Kehrtwende wurde von Analysten begrüßt, der MLP-Aktie half das aber nur kurzzeitig.

Gespaltene Solartitel
Im TecDax sorgten Analystenstimmen für Bewegung. Die Societe Generale (SG) hat ihre Berichterstattung über die Aktie von Q-Cells mit "Buy" und einem Kursziel von 75 Euro gestartet, was dem Solartitel den größten Gewinn im TecDax einbringt. Für Conergy fiel das Urteil der Analysten weniger günstig aus. Die Experten stuften die Aktien in einer Ersteinschätzung mit "Sell" beim Kursziel 52 Euro ein - prompt rutschte die Aktie zwischenzeitlich ans TecDax-Ende.

Freenet in Bewegung
Zwischenzeitlich deutlich im Plus, dann wieder auf Vortagesniveau pendelte die Freenet-Aktie am Dienstag. Eine Zerschlagung des Internetzugangs- und Mobilfunkanbieters wird immer wahrscheinlicher. Aktionäre um Drillisch wollen laut "Handelsblatt" dem Freenet-Vorstand auf der Hauptversammlung das Vertrauen entziehen und ein neues Kontrollgremium einsetzen. Dies hat Drillisch-Chef Paschalis Choulidis mit den Worten "wir wollen einen neutralen Aufsichtsrat", gegenüber Agenturen inzwischen unterstrichen.

Großauftrag für Jenoptik
Aus der Solarindustrie hat der Technologiekonzern einen Millionen schweren Großauftrag an Land gezogen. Die Jenaer werden dazu Laser zur Bearbeitung von Dünnschicht-Solarzellen liefern. Den konkreten Kunden wollte das Unternehmen allerdings nicht nennen. Die Jenoptik-Aktie schloss am Dienstag rund 2,4 Prozent im Plus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen