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Karsten Leckebusch

Stand: 10.08.2007, 20:01 Uhr

So schlimm war das doch gar nicht. Auf dem Parkett machte der Dax am Freitag Abend noch ein paar Pünktchen gut und schloss auf dem Stand von Montag. Die amerikanische Kreditkrise ist allerdings noch längst nicht ausgestanden.

Die amerikanische Notenbank pumpte zu Wochenschluss Milliarden in die notleidende Kreditwirtschaft. Die Wall Street beruhigte sich daraufhin spürbar, Dow Jones und Nasdaq notierten am frühen Abend zwar leicht im Minus, die "Panik" von Donnerstag war jedoch gebannt.

Die deutschen Aktienmärkte orientierten sich wie schon am Donnerstag sklavisch am amerikanischen Desaster und beendeten den Freitagshandel mit zum Teil drastischen Verlusten. In der Dax-Familie schloss lediglich der Dax noch mit relativ geringen Abschlägen oder 7.343 Punkten, was einem Minus von 1,5 Prozent entspricht. Im späten Handel machte der Leitindex sogar noch ein paar Punkte gut, der L-Dax ging mit 7.374 Zählern aus dem Handel.

In den zweiten und hinteren Reihen war die Ausverkaufsstimmung tatsächlich fast mit den Händen spürbar. Der MDax verlor 2,7 Prozent und schloss zum ersten mal seit April unter der Marke von 10.000 Punkten, der TecDax sackte um 3,7 Prozent ab und beim SDax stand ein Minus von 3,3 Prozent zu Buche.

Fortis, ABN Amro und Barclays
Im benachbarten europäischen Ausland verlor die ABN-Amro-Aktie in der Spitze mehr als acht Prozent. Offenbar hat die belgische Fortis Probleme, das Geld für die geplante ABN-Amro-Übernahme zusammen zu kriegen. Das berichtet eine Zeitung. Fortis dementierte dies und beteuerte, seinen Anteil an der Übernahme in Höhe von 24 Milliarden Euro finanzieren zu können.

Die britische Bank Barclays verbilligte sich, aus demselben Grund, um mehr als sieben Prozent. Auch Barclays bietet für ABN Amro (65 Milliarden Euro), und glaubt man dem Independent von heute, hat auch die alterwürdige britische Bank Probleme mit ihren Hedge-Fonds und muss Anlagen verkaufen.

Bilanzen unter ferner liefen
ThyssenKrupp hat am Morgen die Quartalsbilanz vorgestellt, und im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten glatt übertroffen. Der Konzern hob außerdem die Jahresprognose an und will 2007 etwa 50 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Der Konzern äußerte sich etwas skeptisch zum Nickel- und Edelstahlgeschäft, die Aktie schloss dennoch mit schlägt sich im Dax-Umfeld gut und verliert "nur" 0,5 Prozent.

Bei den Technologiewerten schloss Jenoptik nach einer Gewinnwarnung zehn Prozent schwächer. Die Aktie war am Morgen vom Handel ausgesetzt worden, nachdem das Technologieunternehmen mitgeteilt hatte, dass es im ersten Halbjahr überraschend weniger Gewinn erzielt habe und deshalb die Gewinnprognose für 2007 gefährdet sei. Nachdem der Handel mit Jenoptik-Aktien wieder aufgenommen wurde, stürzte der Kurs zunächst um 15 Prozent ab.

Bechtle und United Internet legten ebenfalls ihre Bilanzen vor. Die beiden im Technologieindex TecDax notierten Unternehmen verbuchten Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Die Bechtle-Aktie verlor 2,2 Prozent, United Internet ging um 3,8 Prozent geschwächt aus dem Handel.

Im SDax verlor die H&R Wasag-Aktie 6,3 Prozent. Der Spezialchemiekonzern hat sowohl bei Umsatz als auch Gewinn einen absoluten Rückgang verbucht, allerdings hatte sich der Konzern zuvor von seinem Explosivgeschäft getrennt. Die Eigenkapitalquote stieg allerdings auf 46 Prozent.

Unwetter belasten Allianz
Die Allianz-Aktie verliert drei Prozent. Der Konzern rechnet mit höheren Schadensbelastungen durch die Überschwemmungen in England und die Unwetter in Deutschland.

Es gibt sogar Gewinner
Im MDax gewann die Vossloh-Aktie nach dem Kurssturz am Mittwoch heute 3,9 Prozent. Die Bafin untersucht den achtprozentigen Kursverfall auf den Verdacht des Insiderhandels. Erst am Donnerstag hatte der Bahntechnikkonzern mitgeteilt, dass Vorstandschef Eschenröder gehen müsse. Möglicherweise habe jemand vorher schon etwas davon gewusst, so die Bafin.

Auch der Flughafenbetreiber Fraport gehört mit einem Plus von vier Prozent zu den wenigen Gewinnern in der Dax-Familie. Vage Spekulationen, dass die Private-Equity-Firma Blackstone bei Fraport einsteigen könne, ließen den Kurs steigen. Von Fraport gab es dazu kein Kommentar.

Amitelo hat einen neuen Chef
Bei den kleineren Werten zog die Aktie von Amitelo um etwa 70 Prozent an. Der Telekommunikationsdienstleister hatte gestern seinen Vorstandschef ausgetauscht. Offenbar versprechen sich die Anleger davon bessere Geschäfte.

Dax-Chart realtime

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Konjunktur:
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