Marktbericht 20:02 Uhr

Dax nahezu unverändert Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Stand: 12.03.2015, 20:02 Uhr

Die Anleger haben am Donnerstag erst einmal inne gehalten, nachdem sie am Vortag Aktien gekauft hatten als gäbe es kein morgen. Doch lange wird die Pause nach Meinung der meisten Marktexperten nicht dauern.

"Es bleibt dabei, der Deutsche Aktienindex kann in diesen Tagen von nichts und niemandem in seiner Rekordjagd aufgehalten werden", urteilt CMC-Stratege Andreas Paciorek. Am Vormittag war der Dax bis auf 11.830 Punkte vorgeprescht und hatte damit ein neues Rekordhoch erreicht.

Im weiteren Handelsverlauf setzten dann erste Gewinnmitnahmen ein, so dass der Leitindex etwas abbröckelte. Zeitweise ging es bis auf 11.755 Zähler abwärts. Am Ende geht der Dax bei 11.799,39 Punkten aus dem Handel, nur 6,6 Pünktchen unter dem Vortagesschluss. Damit fehlen dem Börsenbarometer nur noch rund 200 Punkte bis zur nächsten Schallmauer von 12.000 Punkten. Dass die schon bald erreicht werden kann, scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Zuwächse in New York

Wichtigster Treiber der Hausse in Europa ist natürlich die Geldschwemme der EZB und damit eng verknüpft die willkommene Schwäche des Euro. EZB-Direkor Benoit Coeure teilte am Vormittag mit, die EZB habe bereits für 9,8 Milliarden Euro Anleihen gekauft. Jeden Monat sollen 60 Milliarden ausgegeben werden, hauptsächlich für Staatsanleihen. Das wirkt sich schon aus - die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt nur noch bei 0,188 Prozent, so tief wie noch nie. Spanische Anleihen rentieren unter einem Prozent.

In New York geht es dagegen am Donnerstag wieder aufwärts. Der leicht nachgebende Dollar sowie der Einbruch der US-Einzelhandelsumsätze im Februar um 0,6 Prozent haben den Aktienmärkten positive Impulse beschert. Nach dem Motto: „Bad news are good news“, wecken sie die Hoffnung auf eine spätere Zinswende als noch vor Tagen befürchtet. Volkswirte rechnen wegen der erstarkenden Konjunktur weiter damit, dass im Juni die erste Zinserhöhung in den USA erfolgt.

Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 1,35 Prozent höher bei 17.873 Zählern. An den vergangenen Handelstagen hatte die starke US-Währung für erhebliche Einbußen gesorgt, weil sie amerikanische Produkte im Ausland oftmals verteuert.

DZ Bank warnt vor Blase

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Derweil warnt die DZ Bank angesichts des steilen Anstiegs der Aktienkurse vor einer Blasenbildung. Das für den US-Aktienmarkt befürchtete Szenario einer "irrationalen Übertreibung" müsse nun auch auf Europa ausgeweitet werden, schrieb Analyst Christian Kahler in einer Studie. Er hob sein Ziel für den deutschen Leitindex für das Jahresende auf 12.500 Punkte an.

Euro leicht erholt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1747
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Der Euro hat sich am Donnerstag nach dem Fall auf ein Zwölfjahrestief spürbar erholt. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0615 Dollar. Am Morgen war sie noch auf Talfahrt und hatte bei 1,0495 Dollar den tiefsten Kurs seit Januar 2003 erreicht. Der Referenzkurs wurde zuvor von der Europäische Zentralbank (EZB) auf 1,0613 (Mittwoch: 1,0578) Dollar festgesetzt.

Intel warnt

Schlechte Nachrichten kommen vom weltgrößten Chiphersteller Intel: Wegen schwächerer PC-Nachfrage dürfte der Umsatz im ersten Quartal mit 12,8 Milliarden Dollar rund 900 Millionen Dollar niedriger ausfallen als erwartet. Analysten hatten mit 13,7 Milliarden gerechnet. Die Intel-Aktie ist der größte Verlierer im Dow Jones-Index und fällt um gut vier Prozent. Auch die Papiere des deutschen Chipherstllers Infineon büßen überdurchschnittlich ein.

Post-Aktie herabgestuft

Schwächster Wert im Dax sind die Aktien der Deutschen Post. Händlern zufolge hat das Bankhaus Metzler die Aktien des Logistikers von "Buy" auf "Hold" abgestuft. Das Kursziel liege bei 28,00 Euro. Am Mittwoch hatten die Post-Papiere bereits als einziger Verlierer im Leitindex 1,74 Prozent eingebüßt, da der geschäftliche Ausblick auf das laufende Jahr die Anleger enttäuscht hatte.

Lufthansa: 2015 bleibt schwierig

Auch die Lufthansa-Aktie muss kräftige Einbußen verkraften. Der ungelöste Tarifstreit mit den Piloten, die seit dem ersten Streik im April vorigen Jahres die Arbeit insgesamt elf Mal niederlegten, bleibt 2015 ein Dauerrisiko. Wenn es schlecht laufe, könnten erneute Streiks die Jahresprognose eines Betriebsgewinns (bereinigtes Ebit) von 1,5 Milliarden Euro zu Fall bringen, betonte Finanzchefin Simone Menne. Voriges Jahr lag die Kennzahl bei 1,2 Milliarden Euro.

BMW: Gewinnmitnahmen nach Rekordmarken

Auch die BMW-Aktien sind etwas unter Druck geraten. Nachdem die Anteilsscheine seit Jahresbeginn um überdurchschnittliche 30 Prozent zugelegt hatten und zur Wochenmitte auf ein Rekordhoch geklettert waren, hätten einige Anleger nun Kasse gemacht, sagte Analyst Frank Schwope von der NordLB. Dabei hat das Unternehmen für das vergangene Jahr eine neue Rekordbilanz vorgelegt.

VW macht Kampfansage

Leichte Gewinnmitnahmen verzeichnen die VW-Vorzüge. Der Konzern will trotz der zahlreichen Unsicherheiten und Krisen in diesem Jahr keinen Gang zurückschalten. Während wichtige Automärkte wie Russland oder Brasilien am Boden liegen und die Branche nur auf wenige Wachstumstreiber vertrauen kann, macht VW-Chef Martin Winterkorn vielmehr eine Kampfansage an die Konkurrenz: "Der Volkswagen-Konzern erhöht die Schlagzahl", sagte er am Donnerstag zur Bilanzvorlage in Berlin. "Wir setzen jetzt zum Überholmanöver an."

K+S bringt Anleger zum Jubeln

Einen Freudensprung um knapp acht Prozent an die Dax-Spitze macht dagegen die K+S-Aktie. Der scharfe Sparkurs und die Erholung der Düngemittelpreise bringen den Salz- und Düngemittelhersteller K+S wieder auf die Beine. Zwar fielen Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr, allerdings weniger stark als befürchtet. Für 2015 zeigte sich Steiner zuversichtlich und stellte einen deutlichen Ergebnisanstieg in Aussicht.

Hugo Boss warnt schon wieder

Im MDax gehören die Boss-Aktien zu den Verlierern. Der Modekonzern hat sein Umsatzziel für dieses Jahr in Höhe von drei Milliarden Euro zurückgenommen. Währungsbereinigt werden nur noch 2,57 Milliarden erwartet, man erwarte damit beim Wachstum eine mittlere einstellige Prozentzahl. Am Markt waren bisher 2,8 Milliarden Euro erwartet worden. Das Ebitda soll um fünf bis sieben Prozent steigen. Die Dividende wird trotz des stagnierenden Ergebnisses für 2014 um acht Prozent auf 3,62 Euro erhöht.

Osram arbeitet noch an der Strategie

Leicht zulegen kann die Osram-Aktie. Der Leuchtmittelhersteller aus dem MDax hat erklärt, dass er noch keine Entscheidung über die zukünftige Ausrichtung des Konzerns getroffen habe. Das Ergebnis der neuen Aufstellung werde erst im Frühjahr bekannt gegeben. Gestern hatten Spekulationen um eine Abspaltung von Geschäftsteilen nach einem Interview des Finanzchefs Klaus Patzak den Kurs getrieben.

Airbus vor Großauftrag

Zu den größten Gewinnern im MDax gehört die Airbus-Aktie. Der Konzern kann sich auf eine Hubschrauber-Bestellung im Volumen von drei Milliarden Dollar freuen. Die Verhandlungen mit den südkoreanischen Auftraggebern stünden kurz vor dem Abschluss, hieß es in französischen Medienberichten.

Schaltbau-Zahlen kommen gut an

Im SDax ist die Schaltbau-Aktie gefragt. Obwohl das Münchener Unternehmen 2014 operativ weniger verdient hat, kommen die Zahlen gut an. Die Dividende wird um vier Cent auf 1,00 Euro erhöht. Das Ebit sackte um fast ein Viertel auf 27,3 Millionen Euro ab, unter anderem wegen Verzögerungen bei einem wichtigen Projekt in Brasilien. Der Umsatz kletterte auf 430 Millionen Euro, wozu auch die Erhöhung der Beteiligung an der polnischen Tochter beigetragen hat.

SAF-Holland auf Erfolgskurs

Schwächster Wert im SDax ist SAF-Holland. Das Unternehmen hat 2014 Umsatz und Ertrag gesteigert. Die Erlöse legten um zwölf Prozent auf 959,7 Millionen Euro zu, höher als die eigene Prognose zwischen 920 und 945 Millionen Euro. Das Ebit stieg um 19,2 Prozent auf 70,7 Millionen Euro. Pro Aktie sollen 0,32 Euro Dividende gezahlt werden. SAF-Holland stellt Systeme und Bauteilen für Anhänger für LKW, Busse und Camping-Fahrzeuge her.

US-Stresstest: Deutsche Bank gelobt Besserung

Die Deutsche Bank ist in der zweiten Runde der US-Stresstests wie befürchtet gescheitert und steht wegen ihrer Risikokontrolle am Pranger. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) rügte "zahlreiche und erhebliche Mängel" bei der amerikanischen Tochter des größten deutschen Geldhauses. Unter dem strengen Blick der Prüfer, die insgesamt 31 Wall Street-Banken unter die Lupe nahmen, scheiterte auch die spanische Santander. Die Deutsche Bank gelobte nach Veröffentlichung der Prüfergebnisse in der Nacht zum Donnerstag umgehend Besserung.

Comdirect mit neuem Chef

Die Onlinebank Comdirect hat nach rund dreimonatiger Vakanz einen neuen Vorstandschef. An diesem Sonntag wird der bisherige Commerzbank-Bereichsvorstand Arno Walter offiziell die Amtsgeschäfte übernehmen, wie die Commerzbank-Tochter am Donnerstag in Quickborn bei Hamburg mitteilte. Der 47-Jährige tritt die Nachfolge von Thorsten Reitmeyer an, der im Dezember überraschend zurückgetreten war.

Rückt Zalando anstelle von Tui auf?

Mit dem Ticketvermarkter CTS Eventim und dem Online-Modehändler Zalando könnten bald zwei Neulinge den Index der mittelgroßen Börsenunternehmen MDax bereichern. Ausscheiden könnten dafür zwei alteingesessene MDax-Mitglieder: der Reisekonzern Tui und der Pharmahändler Celesio. Zur anstehenden Index-Neuzusammensetzung am Freitag, 20. März, wird ein Wechsel vermutlich allerdings noch nicht geschehen. "Ab April jedoch sind die Chancen für einen Aufstieg recht gut", sagt Index-Expertin Sophia Wurm von der Commerzbank.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen