Na also, geht doch!

Detlev Landmesser

Stand: 22.08.2008, 20:24 Uhr

Am Freitag präsentierten sich die Aktienmärkte wie ausgewechselt. Statt Krisenmeldungen überwogen die Hoffnungsignale aus der Finanzbranche. Zudem rutschte der Ölpreis am Abend weiter ab.

Ein Barrel der richtungsweisenden US-Sorte WTI zur Lieferung im September kostete am Abend 115 Dollar, über sechs Dollar weniger als am Donnerstag. Spiegelbildlich dazu zog sich der Euro unter die Marke von 1,48 Dollar zurück.

Der L-Dax ging 1,5 Prozent höher bei 6.343,91 Punkten ins Wochenende. Auch an der Wall Street erholten sich die Kurse bis zum Abend kräftig. Die Aktie von Lehman Brothers gewann in New York über zwölf Prozent. Die staatliche Korea Development Bank hatte mitgeteilt, sie erwäge einen Einstieg bei der angeschlagenen US-Investmentbank.

Buffett und Bernanke helfen

Auch Äußerungen des US-Milliardärs Warren Buffett stützten die Kurse. Der Großinvestor hatte sich positiv über die zukünftige Entwicklung des Dollar geäußert und erklärt, er halte Aktien heute für attraktiver als vor einem Jahr. Auch habe er seine Anteile an American Express und der Bank Wells Fargo erhöht.

Die Aussagen von Ben Bernanke wurden ebenfalls überwiegend positiv interpretiert. Der derzeitige Abschwung sei eine "der herausforderndsten Umgebungen seit Gedenken", sagte der US-Notenbankchef. Für die Fed stünden weiter die Risiken für die Konjunktur und die Finanzmärkte im Mittelpunkt. Das habe die Fed dazu bewogen, den Leitzins auf einem relativ niedrigen Niveau zu halten. Das schwächere Wirtschaftswachstum dürfte die Inflation 2008 und 2009 dämpfen, sagte Bernanke. Die Fed werde aber "alles Notwendige tun, um die Preisstabilität zu gewährleisten".

Wird's bald was mit den Banken?
In Deutschland gab es Neuigkeiten zum Dauerthema Bankenkonsolidierung. Nach Angaben einer "mit der Angelegenheit vertrauten Person" plant die Commerzbank für Ende kommender Woche eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats, um über einen Zusammenschluss mit der Dresdner Bank zu beraten.

Zwar hat es derartige Nachrichten schon zuhauf gegeben, aber im derzeitigen Umfeld wurden sie dankbar aufgenommen. Neben der Commerzbank zeigte sich vor allem die Aktie des Verkaufskandidaten Postbank kräftig erholt. Die Commerzbank und die Allianz verhandeln seit Monaten über die Dresdner Bank. Nach Angaben aus Finanzkreisen sind die Gespräche weit gediehen, abschließende Details aber noch nicht geklärt.

Deutsche Bank zur Kasse gebeten
Die Aktie der Deutschen Bank gewann knapp drei Prozent. Der Konzern muss wegen unverkäuflicher Anleihen in den USA eine Strafe von 15 Millionen Dollar zahlen. Außerdem muss die Bank Anleihen im Volumen von einer Milliarde Dollar von Anlegern zurückkaufen. Damit kam sie vergleichsweise glimpflich davon, denn Merrill Lynch und Goldman Sachs müssen wesentlich mehr zahlen. Die Banken hatten fälschlicherweise versprochen, die speziellen Anleihen seien stets verkäuflich. Der zuletzt 330 Milliarden Dollar schwere Markt der Auction Rate Securities (ARS) war aber im Februar wegen der Finanzkrise zusammengebrochen.

Die Aktie der Deutschen Post legte um 3,5 Prozent zu. Die Analysten von Goldman Sachs hatten den Dax-Titel zum Kauf empfohlen. Der aktuelle Kurs nehme ein viel zu negatives Szenario vorweg, als man für realistisch halte, hieß es von den Analysten.

Spekulationen um Hochtief
Beflügelt von Meldungen, wonach die spanische ACS den Baukonzern zerschlagen wolle, setzte sich die Aktie von Hochtief an die MDax-Spitze. Das "Manager Magazin" schrieb, dass Hochtief eine Übernahme und eine Zerschlagung durch seine Großaktionäre drohe. "Wir haben keinerlei Anzeichen, dass unser Großaktionär ACS uns übernehmen und zerschlagen will", sagte eine Sprecherin. Auch die Spanier dementierten.

MLP nach der Kapitalmaßnahme
Die MLP-Aktie gewann über drei Prozent. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, die gestrige Kapitalerhöhung sei zu 12,63 Euro je Aktie platziert worden. Ein Händler sagte: "Der Anteil von Swiss Life wurde unter 25 Prozent verwässert - das dürfte Spekulationen auslösen, dass die Schweizer ihre Beteiligung wieder aufstocken werden." Ein Equinet-Analyst sah die Transaktion aber kritisch, da die Kapitalerhöhung eine Übernahme unwahrscheinlich mache. Equinet stufte die MLP-Aktie daher von "Hold" auf "Sell" ab und senkte das Kursziel von 15 auf 10 Euro.

IKB in Bewegung
Die IKB-Aktie konnte ihre Verluste von bis zu 14,5 Prozent im Verlauf weitgehend wieder wettmachen. Am Freitag kamen für den Steuerzahler eher unerfreuliche Details des Verkaufs durch die KfW ans Licht: Wie eine Sprecherin des Finanzministeriums bestätigte, hat die Bundesregierung bei dem Verkauf weitere 600 Millionen Euro an Risiken abgesichert. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf Finanzkreise, Lone Star zahle rund 150 Millionen Euro für das IKB-Paket.

Arques zahlt 45 Millionen für SHC
Die Arques-Aktie erholte sich um fast 16 Prozent. Die Beteiligungsgesellschaft zahlt laut dem "Manager-Magazin" für das Schnurlostelefon-Geschäft SHC von Siemens rund 45 Millionen Euro. Der Verkauf von SHC an Arques war vor drei Wochen ohne Angabe des Kaufpreises gemeldet worden.

Lang & Schwarz gebremst
Die schwachen Börsen haben Lang & Schwarz ein schwaches Halbjahresergebnis von minus 552.000 Euro beschert. In der Vorjahresperiode hatte die Wertpapierhandelsbank noch 3,6 Millionen Euro Gewinn erzielt.

Ehlebracht wird profitabler
Die Aktie von Ehlebracht gewann rund vier Prozent. Das in der Kunststoff- und Möbelfunktions-Technik tätige Unternehmen hat im ersten Halbjahr mehr Umsatz und mehr Gewinn erzielt. Die Erlöse stiegen um 12,8 Prozent auf 32,5 Millionen Euro, das Ebit verdoppelte sich auf 1,8 Millionen Euro.

Schaltbau wächst kräftig
Um 2,4 Prozent legte die Aktie der Schaltbau Holding zu. Der seit Anfang Juli im Prime Standard geführte Verkehrstechnikanbieter meldete kräftige Zuwächse im ersten Halbjahr. Der Umsatz wuchs um 28 Prozent auf 140,1 Millionen Euro. Ohne den erstmals konsolidierten Bremsenhersteller Pintsch Bubenzer betrug das Wachstum 11,0 Prozent. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente das Münchener Unternehmen im ersten Halbjahr 12,9 Millionen Euro, nach 7,3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Auftragseingang erhöhte sich um 15,6 Prozent auf 151,6 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"