Na, also! Geht doch

von Detlev Landmesser

Stand: 24.01.2007, 20:09 Uhr

Zur Wochenmitte fand der deutsche Aktienmarkt zu alter Stärke zurück: Die Kurse kletterten fast kontinuierlich. Gründe für die Kursgewinne gab es genug.

Vor allem trieben neue Übernahmefantasien und eine gut aufgelegte Wall Street die Kurse. Der L-Dax ging mit 6.747,83 Punkten aus dem Handel.

An der Wall Street näherten sich die Indizes am Abend ebenfalls ihren bisherigen Jahreshöchstständen. Die US-Investoren verteilten Gunst und Missfallen zur Wochenmitte recht deutlich: Für ihre Quartalszahlen wurden Sun Microsystems und Yahoo überschwänglich gefeiert, während der Chipriese Advanced Micro Devices (AMD) für seinen Quartalsausweis kräftig geprügelt wurde.

RWE und Eon wieder in Mode

Am deutschen Markt fielen die Versorgertitel RWE und Eon mit kräftigen Kursgewinnen auf. Händler sprachen vor allem von einer Erholung von den Kursverlusten zu Jahresbeginn. Eon konnte sich außerdem über gute Geschäfts-Aussichten der spanischen Endesa freuen, die man übernehmen will. Auch die geplante Klage der EU-Kommission gegen Spanien, das Eon bei der Endesa-Übernahme Knüppel zwischen die Beine geworfen hat, sollte nicht zum Schaden von Eon sein.

Neue Gerüchte um MAN
Die MAN-Aktie war ebenfalls stark gefragt. Nachdem der LKW-Konzern seine feindliche Übernahmeofferte für Scania zurückgezogen hat, kursierten nun Gerüchte, Volkswagen und der Scania-Großaktionär Investor wollten eine Übernahme von MAN vorbereiten. Angeblich sei ihnen der Deal 85 Euro pro MAN-Aktie wert. Der Dax-Titel sprang zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent nach oben.

Geht Postbank-Chef vorzeitig?
Die Aktie der Postbank drehte am Nachmittag ins Plus. Das "Manager Magazin" hatte berichtet, Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann wolle vorzeitig sein Amt niederlegen. Eine Ausstiegsklausel in seinem bis April 2008 laufenden Vertrag ermögliche dem 59-Jährigen den vorzeitigen Abschied. Ein Postbank-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Schimmelmann steht seit acht Jahren an der Spitze der Post-Tochter. Er baute das Geldinstitut zu einer der erfolgreichsten deutschen Privatkundenbanken aus.

SAP-Anleger verzweifeln
SAP hingegen machte seinen Aktionären weiter Kummer. Die Aktie verlor über sechs Prozent, nachdem das Unternehmen seinen Ausblick für 2007 präsentiert hatte. SAP rechnet für 2007 wegen höherer Investitionen in das Geschäft mit dem Mittelstand mit einer niedrigeren Profitabilität. Das Wachstum beim Produktumsatz solle höher ausfallen als 2006, eine einzelne Prognose für den Lizenzerlös gab SAP nicht ab. Die operative Marge werde 2007 zwischen 26,0 und 27,0 Prozent liegen und damit leicht unter Vorjahresniveau.

Drakonische Strafe für Siemens
Die Siemens-Aktie zeigte sich angesichts der jüngsten Nachrichten auffallend robust. Der Technologieriese soll an Brüssel wegen illegaler Preisabsprachen bei Schaltsystemen für Stromnetze ein Rekord-Bußgeld von insgesamt fast 419 Millionen Euro zahlen. Siemens kündigte umgehend an, gerichtlich gegen die Entscheidung vorzugehen. Morgen steht dem Konzern wegen der Hauptversammlung, die ganz im Zeichen der jüngsten Affären steht, ein turbulenter Tag bevor.

Squeeze-out bei der HVB
An die MDax-Spitze setzte sich die Aktie der HypoVereinsbank. Grund dafür ist die geplante Zwangsabfindung der Restaktionäre, nachdem die italienische Unicredit bereits 95 Prozent der HVB hält. Anleger hoffen offenbar auf einen Aufschlag beim Abfindungsangebot. Da die HVB-Aktie nach Überschreiten der 95-Prozent-Schwelle ihren Platz im MDax räumen muss, stieg auch die Aktie des wahrscheinlichsten Nachfolge-Kandidaten, des Spezialchemie-Konzerns Symrise.

Bush-Feuer bei Solaraktien
Solar-Titel, aber auch Aktien anderer Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energien zogen deutlich an. US-Präsident George Bush hatte in einer Rede erneut bekräftigt, die Abhängigkeit seines Landes vom Öl weiter senken zu wollen. Die Ersol-Aktie gewann über sieben Prozent. Auch Solarworld waren gefragt. Der deutsche Branchenprimus erhielt zudem von Canadian Solar einen Auftrag zur Lieferung von Wafern im Wert von 180 Millionen Euro über die kommenden zwölf Jahre.

GPC-Aktie steht wieder auf
Die Aktie von GPC Biotech wurde nur zeitweise von der Kapitalerhöhung des TecDax-Unternehmens belastet. Im Rahmen einer Privatplatzierung seien 1.564.587 Aktien zum Preis von je 21,50 Euro an institutionelle Investoren ausgegeben worden, teilte GPC am Nachmittag mit. Mit den eingenommenen 33,6 Millionen Euro will das Biotech-Unternehmen die Vertriebsstruktur in den USA ausbauen. Außerdem soll die Entwicklung des Krebsmittels Satraplatin weiter beschleunigt werden.

KlöCo fällt zurück
Im SDax stand die Aktie von Klöckner & Co unter Druck. Der Großaktionär Lindsay, Goldberg & Bessemer (LGB) hat seinen Anteil an dem Duisburger Werkstoffhändler von 45,2 Prozent auf nur noch 15,5 Prozent reduziert. Die Aktien seien an institutionelle Investoren verkauft worden, teilte die Fondsgesellschaft am Mittwoch mit.

Neue Spekulationen um Balda
Die Balda-Aktie drehte dagegen am Nachmittag deutlich ins Plus. Laut "Focus Money" rückt der Handyausrüster ins Visier von Firmenjägern. Diese könnten bei einer Übernahme 14 Euro je Aktie bieten, meinte das Magazin. Zunächst hatte der SDax-Titel wegen gescheiterter Verhandlungen um einen begrenzten Stellenabbau leicht verloren.

Bertrandt weiter gefragt
Zweistellige Gewinne verbuchte erneut die Aktie von Bertrandt. Das Papier profitierte weiter von den am Montagabend veröffentlichten Quartalszahlen. Der Ingenieurdienstleister, der zu den Pionieren des ehemaligen Neuen Marktes gehört, hatte dabei eine Verdopplung des operativen Ergebnisses bekannt gegeben.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat