Mubarak geht, Dax steigt

Stand: 11.02.2011, 20:10 Uhr

Ein wenig waren die politischen Umwälzungen in Kairo auch an der Börse in Frankfurt zu spüren. Als bekannt wurde, dass Husni Mubarak abdanken würden, stiegen die Kurse. Nur wenig zwar, der Dax schloss die Woche aber mit einem neuen Dreijahreshoch ab.

Dass die Börse Klarheit liebt und das Ungewisse verabscheut, ist eine der Binsenweisheiten der Kapitalmarktindustrie. Daher dürfte dieser Freitag die Börse von zwei schweren Gewichten befreit haben, die sie sonst in das Wochenende mitgenommen hätte.

Zunächst klärte sich am Nachmittag die Unsicherheit um die zukünftige Rolle von Axel als Noch-Bundesbankchef. Die Gerüchte, dass der Bundesbankchef sein Amt verlässt, wurden von einem Regierungssprecher bestätigt. Am 30. April werde Axel Weber abtreten, aus "persönlichen Gründen".

Kursbewegend war diese Nachricht kaum, sie bewegte allenfalls den Euro etwas nach oben. Weit mehr Beachtung fand der Rücktritt Husni Mubaraks. Als sie am Freitag offiziell von Vizepräsident Omar Suleiman verkündet wurde, reagierten die Börsen mit deutlichen Kursgewinnen.

Der Dax beschloss die Woche mit einem Gewinn von 0,4 Prozent auf 7.371 Punkte am Freitag, so dass auch dieser Tag mit einem neuen Dreijahreshoch endete. Insgesamt hat der deutsche Leitindex in dieser Woche damit mehr als 100 Punkte gut gemacht.

Die sonstigen Nachrichten des Tages verblassten hinter dem Rücktritt Mubaraks. Amerikanische Konjunkturdaten wurden nebenbei abgehandelt, das Außenhandelsdefizit von 40,58 Milliarden Dollar im Dezember und der Verbrauchervertrauensindex von 75,1 Punkten entsprachen den Prognosen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,66
Differenz relativ
-2,26%

Autowerte lagen vorn
Die im Dax notierten Autoaktien beschlossen den Tag als klare Kurssieger. Daimler-, BMW- und VW-Aktien bildeten die Top 3 im Leitindex. Zum Wochenausklang honorierten Anleger noch einmal die gute Absatzentwicklung der drei; VW legte seine Monatszahlen vor. Im Januar seien fast ein Fünftel mehr Autos ausgeliefert worden als vor einem Jahr, teilte der Wolfsburger Hersteller mit. VW gab sich bescheiden: Trotz der guten Zahlen agiere man weiterhin vorsichtig und beobachte die Entwicklungen auf den Weltmärkten genau, sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,85
Differenz relativ
-3,06%

ThyssenKrupp: Belastungen
Die Quartalszahlen den Stahlkonzerns ThyssenKrupp fanden nicht das Wohlwollen der Anleger, die Aktie verlor 2,7 Prozent. Der Umsatz kletterte zwar um mehr als ein Fünftel auf 11,4 Milliarden Euro im ersten Geschäftsquartal 2010/11. Wegen Anlaufverlusten der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA schrumpfte der Gewinn jedoch um fast die Hälfte auf 101 Millionen Euro.

Sky sendet mit der Telekom
Deutliche Kursgewinne verzeichnete die Aktie des im MDax notierten Bezahlsenders Sky, die 7,8 Prozent zulegte. Die Firma gab bekannt, dass sie möglicherweise bald mit der Deutschen Telekom zusammenarbeiten werde: Die Telekom speise demnach alle Sender von Sky in lokale Kabelnetze ein. Ein guter Deal für Sky wäre dies, kommentierten Händler.

Bilanzen von Carl Zeiss und Medion
Quartalsberichte gab es am Freitag von Carl Zeiss Meditec aus dem TecDax und Medion aus dem SDax. Carl Zeiss Meditec schaffte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 einen Umsatz von 185 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wuchs um 28,5 Prozent auf 24 Millionen Euro, die Aktie schloss fünf Prozent fester. Der Elektronikgroßhändler Medion verbesserte ebenfalls Umsatz und Gewinn, erwartet für das laufende Jahr allerdings stagnierende Erlöse. Die Prognose sei etwas unbefriedigend, sagten Händler, die SDax-Aktie verlor 2,7 Prozent.

IVG schafft die Kapitalerhöhung
Die Immobilienfirma IVG aus dem MDax meldete den erfolgreichen Abschluss ihrer Kapitalerhöhung. 87 Millionen Euro bekommt die Firma durch die Platzierung von 12,6 Millionen Aktien zu je 6,90 Euro. An der Börse verlor die IVG-Aktie 1,3 Prozent auf knapp über 7 Euro.

Dürr verspricht höhere Dividende
Der Anlagenbauer Dürr aus dem SDax hat angesichts guter Geschäfte eine höhere Ausschüttung versprochen. Für 2010 könnte die Quote, die gewöhnlich 30 bis 40 Prozent des Jahresüberschusses betrage, höher liegen, sagte Vorstandschef Ralf Dieter der Nachrichtenagentur Reuters. Für 2011 erwartet Dürr eine "klar" verbesserte Marge, der Umsatz soll im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zulegen.

Zwei kleine Bilanzen
Der Elektronikzulieferer Fortec Elektronik hat das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2010/2011 mit einem deutlich höheren Umsatz von 21,9 Millionen Euro geschlossen. Der Nettogewinn verzehnfachte sich auf fast 600.000 Euro. Die Aktie legte leicht zu. Die Aktie von Westag & Getalit, einem Hersteller von Sperrholz- und Kunststofferzeugnissen, war ebenfalls gefragt. Die Firma erhöhte 2010 ihren Umsatz um 7,6 Prozent auf 216,6 Millionen Euro, der Jahresüberschuss legte leicht auf 10,7 Millionen Euro zu.

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
91,19
Differenz relativ
+1,36%

Nokia und Microsoft
Mehr als 13 Prozent verlor die Nokia-Aktie. Die Firma gab am Morgen eine umfassende Zusammenarbeit mit dem Softwarekonzern Microsoft bekannt. Unter anderem werde man Windows Phone 7 als zentrale Smartphone-Software einsetzten. Die eigene Symbian-Plattform dürfte Nokia damit praktisch aufgeben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr