Morgen Anleger wird's was geben

Mark Ehren

Stand: 10.12.2007, 20:01 Uhr

An der Börse herrschte zu Wochenbeginn Vorfreude auf den morgigen Dienstag. Denn dann steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed an. Im Vorfeld kletterte der Dax auf über 8.000 Punkte.

Nach 8.033 Stellen zum Ende des regulären Xetra-Handels lag der im späten Handel auf dem Frankfurter Börsenparkett berechnete L-Dax einen Punkt höher.

Der Offenmarktausschuss der Notenbank (FOMC) wird das Ergebnis seiner turnusmäßigen Sitzung am Dienstag um 20:15 Uhr deutscher Zeit bekannt geben. Praktisch alle Marktbeobachter rechnen mit einer Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte, eine Reihe von Optimisten sogar mit einem großen Schritt um 0,5 Punkte, um eine Rezession in den USA zu verhindern.

Das Thema Finanzkrise beherrschte am Montag auch den Dax. Die Verlustwarnung des Finanz-Riesen UBS hatte den Index zu Handelsbeginn in die Knie gezwungen. Die UBS muss wegen der Probleme bei minderwertigen US-Hypothekenkrediten weitere zehn Milliarden US-Dollar abschreiben.

Doch die Nachricht, dass zwei Investoren insgesamt dreizehn Milliarden Franken (7,86 Milliarden Euro) in die UBS investieren wollen, besänftigte die Anleger schnell wieder. "Der Markt hat sich die Hoffnung erkämpft, dass damit nun zumindest bei UBS alles vom Tisch ist", sagte ein Händler.

Analysten sind optimistisch

Die heutigen Kursgewinne passen auch gut zum Optimismus der Analysten. Die Nachrichtenagentur Reuters hat insgesamt neunzehn Marktbeobachter befragt. Und die rechnen im Schnitt mit einem Dax-Stand Ende kommenden Jahres von 8.500 Punkten.

Rückenwind gab es am Montag auch durch wieder etwas positivere Nachrichten von angeschlagenen US-Immobilienmarkt. Dort stieg die Zahl der schwebenden Hausverkäufe im Oktober den zweiten Monat in Folge. Der entsprechende Index der Maklervereinigung National Association of Realtors (NAR) kletterte im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent auf 87,2 Punkte. Der Konjunkturbarometer gilt als ein wichtiger Frühindikator für den US-Immobilienmarkt.

Von den Dax-Aktien setzte sich die Commerzbank auffällig gut in Szene. Nach Angaben des Vorstands für das Privatkundengeschäft Achim Kassow hat die Bank in den vergangenen zwölf Monaten 650.000 Privatkunden gewonnen. Auch Postbank und Deutsche Bank liefen nach dem Investoren-Einstieg bei der UBS überdurchschnittlich.

Durch die Papiere der Schwergewichte Eon und RWE wurde der Index allerdings gebremst. Die Aktien standen unter Druck, weil das Bundeskartellamt die beiden Konzerne zwingen will, ihre Beteiligungen an Stadtwerken zu veräußern.

Auch die VW-Stammaktie hat schon bessere Tage gesehen. Die Tochter Audi ist im November deutlich langsamer gewachsen als im bisherigen Jahresverlauf. Der Autohersteller lieferte 75.600 Fahrzeuge aus. Das war nur 0,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Deutsche Börse kauft sich selbst
Die Deutsche Börse hat seit Mitte September erneut für knapp 250 Millionen Euro Aktien zurückgekauft. Bis Ende des Jahres will der Konzern insgesamt eigene Papiere im Wert von rund 300 Millionen Euro erworben haben.

Q-Cells sichert sich Silizium
Im TecDax lief es für den Solarzellenhersteller Q-Cells ganz hervorragend. Das Unternehmen hat sich über einen Liefervertrag mit der chinesischen LDK zusätzliche Siliziummengen gesichert. Damit könne man ab 2009 deutlich stärker wachsen als bislang geplant, teilte die Firma mit. Erst Mitte November hatte der Vorstand seine Erwartungen für die kommenden Jahre nach oben geschraubt.

Gerüchte treiben Premiere
Der Bezahlfernsehsender Premiere war am Montag an der Börse sehr angesagt. Der französische Medienkonzern Vivendi habe Interesse an dem Unternehmen, sagten Londoner Händler. Die Franzosen wollten 1,8 Milliarden Euro zahlen - dies wäre ein Aufschlag von rund 25 Prozent für den Bezahlsender, hieß es weiter. Erfahrungsgemäß sind solche Gerüchte allerdings mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Tognum erhält Großauftrag
Der Dieselmotorenhersteller Tognum konnte mit einem neuen Großauftrag punkten. Er wird 405 Schützenpanzer der Bundeswehr mit Triebwerken ausrüsten. Tognum beziffert den Umsatz mit rund 350 Millionen Euro. Bis Ende 2008 könne der Auftrag für die Motoren erteilt werden, die ab 2010 geliefert werden sollen, teilte das Unternehmen mit. Der Kurs steigt deutlich.

Balda präzisiert Kapitalerhöhung
Der Handy-Zulieferer Balda rechnet aus der laufenden Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von 68 Millionen Euro. Die Aktien würden zum Preis von zehn Euro ausgegeben, teilte die Gesellschaft mit. Der Ausgabepreis liegt damit über dem Schlusskurs vom vergangenem Freitag. Die neuen Anteile werden vollständig von den Altaktionären gezeichnet. Mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung will Balda seine Verbindlichkeiten zurückfahren und zugleich sein Wachstum finanzieren. Die Aktie profitierte.

Gildemeister schneller im MDax
Der Maschinenbauer Gildemeister wird bereits kommenden Mittwoch und nicht erst am 27.Dezember in den MDax aufsteigen. Er wird dort den von der australischen Bank Macquarie übernommenen Heizkörperableser Techem ersetzen. Gleichzeitig rücken Highlight in den SDax vor.

Immobilienwerte im Blick
Vivacon legten kräftig zu, nachdem Merrill Lynch die Papiere des Immobilien-Finanzdienstleisters von "Sell" auf "Neutral" hochgesetzt hat. Die Aktie des Unternehmens notiere nun wieder dicht am Buchwert, schrieb Analyst Bernd Stahl in einer Branchenstudie. Die Risiken dürften etwas ausgewogener sein, so der Experte.

Schlechter lief es für die Papiere der Deutsche Wohnen - ebenfalls nach Aussagen von Merrill Lynch. Die Analysten stuften die Aktie von "Neutral" auf "Sell". Das Immobilienunternehmen habe für das Gehag-Portfolio zu viel bezahlt. Zudem verwies man auf den nach Meinung des zuständigen Analysten anhaltend geringen Cash-Flow und eine wahrscheinliche Dividendenkürzung.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier