Montag der Zauderer

Stand: 23.08.2010, 20:02 Uhr

Wieder einmal reichte es ganz knapp für die 6.000er-Marke im Dax. Dass der Dax sich gegen die massiven Sorgen um die amerikanische Wirtschaft behaupten konnte, verdankten die Anleger einer Welle von Fusionen und Übernahmekämpfen.

Wie vergangenen Freitag schaffte es der Dax ganz knapp, über der Marke von 6.000 Punkten zu bleiben. 0,1 Prozent legte der Leitindex zu, auf Xetra schloss der Dax bei 6.011 Punkten. Die Sorge um die amerikanische Wirtschaft, die gemäß jüngsten Konjunkturzahlen Wachstumsprobleme hat, zerrte weiter an den Nerven der Investoren.

Dass die Börse überhaupt noch die Kraft für kleine Gewinne hat, verdanken die Anleger lediglich einem weltweit Fusions- und Übernahmefieber. Und das ist nicht nur das 39 Milliarden Dollar schwere Übernahmegefecht um den kanadischen Düngemittelhersteller Potash, den sich BHP Billiton einleiben will.

Auch der amerikanische Computerhersteller Hewlett Packard meldete am Montag, dass er das erst letzte Woche von Erzkonkurrent Dell abgegebene Gebot für den Speicherspezialisten 3Par um ein Drittel aufstocken wolle. 24 Dollar je Aktie will Hewlett Packard zahlen, milde 1,7 Milliarden Dollar insgesamt, die Aktie von 3Par stürmte 40 Prozent nach oben. Hewlett Packard und Dell hingegen verzeichnen Verluste. Bekannt wurde am Montag auch, dass der Lebensmittelhersteller Campbell Soup angeblich an der Übernahme des britischen Unternehmens United Bisquits interessiert sei. Kostenpunkt: Etwa 2,3 Milliarden Dollar.

Die Übernahmeschlacht um Potash sorgte im Dax immerhin für Kursgewinne bei der Aktie des Düngemittelherstellers K+S. Sie stieg um 2,1 Prozent. Wobei die Käufer lediglich auf das Übernahmekarussell setzten, denn die mögliche Übernahmen von Potash durch BHP könnte das Preisgefüge auf dem weltweiten Kalimarkt noch stark durcheinanderbringen.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,52
Differenz relativ
+0,93%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,01
Differenz relativ
-0,94%

RWE und Eon und die 2,3 Milliarden
Die Aktien der Versorger Eon und RWE tendierten zum Handelsende schwächer. Im Streit um die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke hat die Bundesregierung erklärt, dass die bislang als Brennelementesteuer vorgesehene Versorgerabgabe von jährlich 2,3 Milliarden Euro auf jeden Fall kommen werde. Strittig sei lediglich, ob die Konzerne noch einen zusätzlichen Beitrag für die Förderung der Erneuerbaren Energien entrichten müssten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,76
Differenz relativ
-1,26%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,13
Differenz relativ
-1,12%

Was bewegt die Bank-Aktionäre?
Die Aktien der Dax-Banken standen ebenfalls im Blickpunkt. Bei der Deutschen Bank griffen Anleger zu, erklärte ein Händler, weil die zunehmende weltweite M&A-Aktivität auf bessere Geschäfte für Banken schließen ließe. Die Aktie der Commerzbank schloss etwas geschwächt. Sie profitierte nur am Morgen von der Ankündigung Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubles, dass der Staat nicht die Absicht habe, "zu lang Anteilseigner der Commerzbank zu sein." Analysten begegnen dieser Aussage indes mit Skepsis.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
90,02
Differenz relativ
+0,02%

Herauf- und heruntergestuft
Ein Kommentar der Unicredit half am Montag den Aktien des Pharmakonzerns Merck auf die Sprünge. Die Fachleute hoben das Kursziel auf 82 Euro und empfahlen Merck zum Kauf. Kursverluste mussten die Beiersdorf-Anleger hinnehmen. Das Kursziel ihrer Aktie wurde von Bernstein Research gesenkt. Die Konsumneigung sei weiterhin mäßig, dies würde Konsumgüterkonzerne belasten.

China bestellt bei Vossloh
Der Eisenbahntechnikkonzern Vossloh meldete am Mittag einen Auftrag aus China. Das chinesische Eisenbahnministerium habe für 140 Millionen Euro Schienenbefestigungssysteme für eine 1.800 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke bestellt, teilte das MDax-Unternehmen mit. Die Aktie legte 2,5 Prozent zu.

Sky und Arques melden Gutes
Die Aktien von Sky und Arques legten erheblich zu. Sky-Papiere gewannen 11,3 Prozent. Die Aktionäre begrüßten damit offensiv die Ankündigung des Bezahlfernsehsenders, durch ein Bündnis mit Kabelanbietern mehr Abonnenten gewinnen zu wollen. Das sagte Sky-Vorstandsdirektor Brian Sullivan in einem Zeitungsinterview. Sky hat 2,5 Millionen Abonnenten, benötigt aber etwa 2,8 bis 3 Millionen, um profitabel zu arbeiten. Die Beteiligungsgesellschaft Arques wartete ebenfalls mit guten Nachrichten auf. Der Verkauf der größten Arques-Beteiligung Gigaset komme voran, meldete die einst im SDax notierte Firma. Die Aktie gewann 9,6 Prozent.

Kabel Deutschland verlässt Amerika
Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland will seine Notierung an der Wall Street beenden. Man habe am Montag den Antrag auf Deregistrierung eingereicht, teilte das MDax-Unternehmen mit. Man gehe nun davon aus, dass die Beendigung der Registrierung in knapp drei Monaten in Kraft treten wird.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.