Marktbericht 20:02 Uhr

Gemischte Konjunkturdaten Moderate Gewinne zum Wochenauftakt

Stand: 15.07.2013, 20:02 Uhr

Positive Wachstumszahlen aus aus China haben an den Aktienmärkten auch am Montag für gute Stimmung gesorgt. Am Nachmittag bröckelten die Gewinne dann witgehend ab, wegen der von der Wall Street zurückhaltend aufgenommenen US-Konjunkturdaten ab.

Am Ende legte der Leitindex noch um 0,27 Prozent auf 8.234,81 Punkte zu. Nach sechs aufeinander folgenden Handelstagen im Plus beläuft sich der Gesamtgewinn in diesem Zeitraum auf rund fünfeinhalb Prozent.

Auch an der Wall Street fehlt den Anlegern am Montag der Mut für weitere Aktienengagements. Gebremst wird der Markt von widersprüchlichen Konjunkturdaten. Der Index der Federal Reserve in New York für das Verarbeitende Gewerbe fiel zwar fast dopelt so hoch aus als erwartet, die monatlichen Einzelhandelsumsätze blieben aber hinter den Erwartungen zurück.

Der Dow Jones-Index eröffnete leicht im Plus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 15.475 Punkten, 015 Prozent mehr als am Freitag. In der vergangenen Woche war der US-Leitindex auf ein Rekordhoch geklettert.

Händler Thorsten Engelmann von der Equinet Bank sieht in dem Stillstand keinen Grund zur Sorge. "Das ist für mich ein gesundes Durchschnaufen, denn wir haben seit vergangenen Monat gut 300 Punkte dazugewonnen." Zudem dürfte die Ferienzeit nicht vergessen werden, "da dann alles etwas ruhiger zu Sache geht".

Gebremst wird die Kauflaune der Anleger auch von den sich abschwächenden Wachstumszahlen aus China. Die Daten waren zwar besser als erwartet, aber doch nicht wirklich gut. In der Volksrepublik hatte sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal im Jahresvergleich auf 7,5 Prozent von 7,7 Prozent im Vorquartal abgeschwächt. Dies war zwar weniger schwach als von einigen befürchtet. Doch bedeute dies letztlich, dass Chinas Wirtschaftsmotor langsamer läuft - mit entsprechenden Folgen für die Im- und Exporte nach und von Europa und den USA.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Kurs des Euro hat sich am Montag ebenfalls kaum bewegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3012 (Freitag: 1,3034) Dollar fest. Nach den US-Konjunkturzahlen legte der Euro aber wieder zu und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 1,3042 Dollar.

Citigroup schaffelt Milliarden

Nach JPMorgan und Wells Fargo hat auch die einstmals größte US-Bank Citigroup im zweiten Quartal einen Milliardengewinn realisiert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Überschuss erreichte 4,2 Milliarden Dollar nach 2,9 Milliarden im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Analysten hatten im Schnitt mit 3,61 Milliarden gerechnet. Auch die Erlöse von 20,0 Milliarden waren höher als erwartet. Die Citigroup-Aktien legen im New Yorker Handel überdurchschnittlich zu.

Commerzbank macht reinen Tisch - in Großbritannien

Der Dax wird heute bis zum Handelsende von der Commerzbank-Aktie angeführt. Die verteuert sich um 4,7 Prozent. Grund ist der Verkauf von milliardenschweren Immobilienkrediten in Großbritannien. Weil das Paket nur mit einem Abschlag auf den Buchwert abgestoßen werden konnte, wird der Bankgewinn um insgesamt 179 Millionen Euro geschmälert. Die Bank ist aber um ein weiteres Risikopaket erleichtert. Gestützt wird das Papier zudem von Gerüchten über Verkaufsabsichten der Beteiligung des Bundes. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte allerdings am Nachmittag, ein solcher Schritt sei derzeit "nicht absehbar".

Daimler mit Gewinnmitnahmen

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schlusslicht im Dax bildet die Daimler-Aktie. Sie büßt 1,8 Prozent ein, nachdem sie am Freitag wegen den überraschend guten Quartalszahlen des Autobauers kräftig zugelegt hatte. JPMorgan hat die Einstufung für Daimler nach den vorläufigen Zahlen auf "Overweight" belassen. Die Eckdaten seien sehr stark ausgefallen, schrieb Analyst Jose Asumendi in einer Studie vom Montag.

Stratec bleibt auf Talfahrt

Im TecDax bleiben die Aktien des Labor- und Biotechzulieferers Stratec auch zu Wochenbeginn unter Druck. Das Unternehmen hatte am Freitag eine Umsatzwarnung ausgesprochen. Kepler Cheuvreux hat daraufhin die Kaufempfehlung einkassiert und empfiehlt nun nur noch den Wert zu halten. Das Kursziel wurde von 41 auf 28 Euro reduziert. Heute notiert die Aktie bereits darunter.

Cancom ist Spionage-Gewinner

Dagegen verhelfen positive Aussagen von Konzernchef Klaus Weinmann den Aktien von Cancom erneut zu einem satten Plus von knapp vier Prozent. Der Chef des IT-Serviceanbieter hatte gegenüber dem Magazin "Euro am Sonntag" sein Unternehmen als Gewinner der jüngsten Diskussionen über Datensicherheit gesehen, die durch die Ausspäh-Affäre des US-Geheimdienstes NSA losgetreten wurden. Im zweiten Quartal habe sich das Geschäft gut entwickelt, fügte der Unternehmenschef hinzu.

Aareal Bank gefällt

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im MDax ist die Aareal Bank der stärkste Wert. Der Grund: die Wiesbadener Immobilienbank hält in diesem Jahr einen Rekordgewinn für möglich. Es liege allemal im Bereich des Möglichen, dass die Bank ihr Rekordergebnis von 2011 wieder erreicht, sagte Finanzvorstand Hermann Merkens der "FAS" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung).

Rheinmetall: Hoffnung auf Großaufträge

Überdurchschnittlich zulegen kann auch die Rheinmetall-Aktie. Zeitungsberichten zufolge wollen Länder wie Katar und Saudi-Arabien weitere Milliardenaufträge an die deutsche Rüstungsindustrie vergeben. Angeblich wolle Katar in den nächsten sieben Jahren weitere 118 Leopard-Panzer sowie 16 Panzerhaubitzen bestellen. Beide Waffensysteme werden von den deutschen Firmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall hergestellt.

Klöckner & Co. bleibt in Rot

Abwärts geht es dagegen mit der ebenfalls im MDax notierten Aktie des Stahlhändlers Klöckner & Co. Die Firma rechnet auch für das laufende Jahr mit einem Verlust vor Steuern. 2013 bleibe wegen der anhaltenden Stahlkrise in Europa weiter schwierig, sagte der Finanzvorstand des Stahlhändlers der "Börsen-Zeitung". "Für ein positives Vorsteuerergebnis bräuchten wir noch ein sehr starkes zweites Halbjahr. Das ist aber nicht absehbar." Die Meldung drückt auch die Aktie von ThyssenKrupp ins Minus.

Praktiker wird zum Zockerobjekt

Die Aktien der insolventen Baumarktkette Praktiker machen einen Sprung um 34 Prozent. Konkrete Hoffnungen auf eine Rettung des Unternehmens gibt es jedoch nicht. Nur Aktionärssprecherin Isabella de Krassny glaubt noch an die Überlebensfähigkeit der Baumarktkette. "Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Auch innerhalb des Konzerns werde die Pleite als Chance für einen Neustart gesehen, berichtete das Magazin "Der Spiegel".

IVG-Aktie bald bei Null?

Weiter abwärts geht es mit der inzwischen nur noch mit rund 20 Cent bewerteten Aktie des Bonner Immobilienkonzerns IVG. Die hochverschuldete Firma hat eine Finanzlücke eingeräumt. Danach fehlen dem Unternehmen bis zu 120 Millionen Euro. Die Summe sei nötig, um den Liquiditätsbedarf ab Oktober zu decken. Für die Gesellschaft sei diese Finanzlücke gegebenenfalls sogar bestandsgefährdend, hieß es.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr