Mit Zuversicht ins Wochenende

Stand: 20.04.2012, 20:01 Uhr

Der erneut gestiegene Ifo-Index sowie ermutigende Meldungen zur Schuldenkrise haben die Anleger am Freitag aus der Reserve gelockt. Aus Frankreich gibt es aber einige Bremszeichen.

"Der starke Ifo-Index nährt die Zuversicht, dass die Unternehmen auch weiterhin gut verdienen werden", sagte ein Börsianer. Die bevorstehende erste Runde der französischen Präsidentenwahlen an diesem Sonntag habe aber größere Kursgewinne verhindert.

Trotzdem geht der Dax mit einem Plus von 1,2 Prozent (79 Punkte) aus dem Handel bei 6.750 Zählern. Im Tagesverlauf war das Börsenbarometer am Freitag, einem kleinen Verfallstag, nervös auf und ab gependelt zwischen 6.651 und 6.760 Punkten. Auch der Euro legt deutlich zu und steigt über die Marke von 1,32 Dollar.

Die Erlösung kam schließlich mit der Bestätigung, dass sich die Stimmung der deutschen Unternehmen weiter aufhellt. Nach dem ZEW-Index und den gestiegenen Prognosen der Wirtschaftsforscher deutet der weitere Anstieg des Ifo-Index darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr weiter zulegen wird - deutlich schwächer zwar als 2011 (damals stieg das BIP 3,0 Prozent), aber doch kräftiger als noch vor wenigen Wochen erwartet.

"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig", musste sogar Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zugeben, dem selten optimistische Aussagen zu entlocken sind. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im April um 0,1 auf 109,9 Zähler. Damit trotzt die deutsche Wirtschaft weiterhin dem Abschwung seiner Partner in Südeuropa.

Gute Nachrichten aus Washington
Gestützt wird der Dax auch von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Der ist optimistisch, dass die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) die IWF-Krisenkasse um 400 Milliarden Dollar oder mehr erhöhen wird. "Ich bin zuversichtlich, wir werden dieses Ziel auf dem G20-Treffen heute erreichen", sagte Rehn am Freitag in Washington. Diese Summe sei völlig ausreichend, um ein glaubwürdiges Sicherheitsnetz aufzuspannen. Zuvor war am Rand der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) verlautet, dass es "feste Zusagen" für diesen Betrag gebe.

Dank starker Unternehmenszahlen haben auch die US-Börsen nach zwei Verlusttagen am Freitag wieder zugelegt. Zudem befeuern Marktbeobachtern zufolge die positiven Geschäftserwartungen in Deutschland. Der Dow Jones- Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,7 Prozent (86 Punkte) höher bei 13.050 Punkten - auf diesem Niveau winkt dem Leitindex ein Wochenplus von gut anderthalb Prozent.

GE besser als gedacht
Der Siemens-Rivale General Electric hat zu Jahresbeginn von einem gut laufenden Industriegeschäft profitiert. Hier konkurriert der US-Konzern mit den Deutschen etwa bei Gasturbinen, Windanlagen, medizinischen Apparaten oder Zügen. Doch gleichzeitig schrumpften im ersten Quartal die Erträge der wichtigen Finanzsparte, wie GE am Freitag mitteilte. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit einem zweistelligen Wachstum. Nach anfänglichen Verlusten ist die Aktie im vorbörslichen New Yorker Handel ins Plus gedreht. Die Papiere von Siemens können davon aber nicht sonderlich profitieren. Sie steigen im Rhythmus des Gesamtmarktes.

McDonald's mit starkem US-Geschäft
Gute Geschäfte in den USA haben der weltgrößten Fast-Food-Kette McDonald's im ersten Quartal einen Gewinnanstieg beschert. Dank des aufkeimenden Wachstums in dem Land legte der Umsatz um 8,9 Prozent zu. Im schuldengeplagten Europa erreichte das Plus immerhin noch fünf Prozent. Insgesamt steigerte der Schnellimbiss seine Erlöse um sieben Prozent auf 6,55 Milliarden Dollar, den Gewinn um fünf Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar, wie die Schnellrestaurant-Kette am Freitag mitteilte.

Bayer bald wieder bei 54 Euro
Kräftig voran geht es dagegen mit der Aktie von Bayer. der Leverkusener Konzern hat weltweit die erste Zulassung für ein neues Mittel zur Bekämpfung von Pilzbefall bei Saatgut erhalten. Die Markteinführung sei in diesem Jahr in Kanada vorgesehen. Damit klettert die Bayer-Aktie wieder in Richtung ihres langjährigen Mittelwertes von 54 Euro.

Merck baut um
Die Aktien des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck legen um 3,3 Prozent zu und sind damit der stärkste Wert im Dax. Das Unternehmen will seinen Sparkurs forcieren. Firmenchef Karl-Ludwig Kley stimmte die Aktionäre auf der heutigen Hauptversammlung in Frankfurt auf einen umfassenden Umbau des Traditionsunternehmens sowie massive Kostensenkungen ein. Auch sollen weltweit Stellen gestrichen werden. Mit dem Sparkurs will Kley die Konzernstruktur entschlacken, eine neue Führungsorganisation aufbauen und das Unternehmen auf mehr Rendite trimmen. Solche Aussagen kommen bei Investoren immer gut an.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,71
Differenz relativ
+0,12%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,86
Differenz relativ
+0,47%

Bank-Papiere holen auf
Überdurchschnittlich zulegen können auch die Bankaktien, allen voran die Papiere der Commerzbank. Sie klettern um 2,5 Prozent. Auch die Papiere der Deutschen Bank und der Allianz kommen gut voran. Börsianer sprechen von einer Gegenreaktion auf die heftigen Verluste der Vortage.

MAN schwächelt
Ins Plus drehen schließlich auch die Papiere von MAN. Das überwiegend von VW kontrollierte Unternehmen verfügt über eine gute Auftragslage, hat operativ im vergangenen aber weniger verdient als 2010. Unklar bleibt zu welchen Effizienzgewinnen die Integration in den VW-Konzern führen wird.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,88
Differenz relativ
-0,42%

RWE und VW ex Dividende
Die Aktien von RWE und VW werden am Freitag ex Dividende gehandelt. Der Energieversorger zahlt seinen Aktionären je Anteilsschein zwei Euro, der Autokonzern schüttet pro Vorzugsaktie sogar 3,06 Euro an seine Anteilseigner aus. RWE-Titel hatten am Donnerstag 0,4 Prozent höher bei 35,72 Euro geschlossen, VW-Papiere hatten 3,4 Prozent auf 127 Euro eingebüßt.

Nordex weiter auf Talfahrt
Die Aktien von Nordex haben ihre Talfahrt am Freitag beschleunigt. Die Aktien des Windkraftanlagen-Herstellers sind die schwächsten Werte im TecDax. Sie brechen um 10,3 Prozent ein und sind mit 3,44 Euro so billig wie seit fünf Monaten nicht mehr. Damit hat Nordex binnen zweier Handelstage 16 Prozent seines Börsenwertes eingebüßt. Das Unternehmen hatte am Mittwoch bekanntgegeben, seine Pläne für den Bau von Windrädern auf hoher See aufgeben zu wollen.

Nestlé: Schwellenländer treiben Wachstum
Boomende Verkäufe in den Schwellenländern und eine ungebrochene Nachfrage nach Nespresso-Kaffeekapseln haben den weltgrößten Lebensmittelkonzern Nestlé gut ins neue Jahr starten lassen. Der Umsatz legte um 5,6 Prozent auf 21,39 Milliarden Franken zu und traf damit die Analystenerwartungen. Die Aktie büßt dennoch leicht ein.

Microsoft unerwartet stark
Der US-Technologiekonzern Microsoft steigerte den Umsatz um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 17,4 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn sank jedoch unter anderem wegen gestiegener Entwicklungskosten um zwei Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Mit den Zahlen übertraf Microsoft die Erwartungen der Analysten.

AMD dreht auf
Für die Titel des Chipherstellers AMD, der beim Umsatz besser als erwartet in das Jahr gestartet war ging es um 1,25 Prozent auf 8,07 Dollar hoch. Begünstigt worden war die Geschäftsentwicklung durch nachlassende Engpässe bei Lieferanten sowie eine steigende Nachfrage nach Computer-Prozessoren. Im ersten Quartal schrieb der Intel-Konkurrent allerdings einen Verlust von 590 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatte es noch 510 Millionen Dollar Gewinn gegeben.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr