Marktbericht 15:00 Uhr

Marktbericht negativ U-turn

Rolle rückwärts Mit Skepsis in den Nachmittag

Stand: 27.03.2020, 15:00 Uhr

Der Dax gibt die Gewinne des Vortages heute wieder ab. Denn die Corona-Lage bleibt extrem angespannt. Der erlösende Durchbruch in der Bekämpfung der Pandemie zeichnet sich weiterhin nicht ab.

Der Dax hat am Nachmittag seine Verluste ausgebaut und steht bei rund 9.600 Punkten wieder dort, wo die gestrige Intraday-Rally begonnen hatte. Dem Index fehlt die Kraft, um nachhaltig über die 10.000er-Marke zu steigen. Angesichts der Tatsache, dass es auch weiterhin keine wirklich guten Nachrichten in der Coronakrise gibt, gehen die Anleger lieber in Deckung.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9.647,95
Differenz relativ
+0,16%

Trotzdem, der Dax steuert auf einen Wochengewinn von derzeit rund 7,5 Prozent zu. Die billionenschweren Hilfsprogramme der Regierungen haben die Börse damit zumindest stabilisiert, auch wenn die Unsicherheit groß bleibt.

"Es bestehen jede Menge berechtigte Zweifel, dass es sich bei den starken Pluszeichen der vergangenen Tage schon um den Beginn einer nachhaltigen Erholung handelt", sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus AxiTrader. Die Erholungsrally sei erst einmal vorbei, meinte auch Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners.

Wall Street eröffnet im Minus

Auch in New York ziehen sich die Anleger zurück. Der Leitindex Dow Jones gibt rund 4,0 Prozent nach und fällt damit unter die Marke von 22.000 Punkten. Noch am Donnerstag hatte das große Konjunkturpaket in den USA zur Stützung der Wirtschaft den US-Börsen mächtig Auftrieb gegeben. Und dies trotz verheerender Daten vom Arbeitsmarkt. Der Dow hatte mit einem Zuwachs von mehr als sechs Prozent geschlossen.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
21.673,31
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+0,59%

Inzwischen haben die USA China als das Land mit den meisten Corona-Infektionen abgelöst, besonders New York ist schwer von der Pandemie betroffen. Die Vereinigten Staaten haben inzwischen mehr bekannte Coronavirus-Infektionen als jedes andere Land. Bis Freitagmorgen gab es knapp 86.000 bekannte Infektionen und in China rund 81.800, wie aus einer Übersicht der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität hervorgeht.

US-Konjunkturdaten wie erwartet

Die Verbraucher in den USA haben vor der Ausbreitung des Coronavirus ihren Konsum leicht gesteigert. Im Februar kletterten die Ausgaben um 0,2 Prozent zum Vormonat, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Damit wurden die Erwartungen genau getroffen.

Die Ausbreitung des Virus und Sorgen vor negativen Folgen für die Konjunktur drücken die Stimmung der Konsumenten jedoch, wie auch das Mitte des Monats von der Universität Michigan veröffentlichte vorläufige Barometer für das Verbrauchervertrauen im März zeigt. Am Nachmittag soll es hierzu endgültige Daten geben, die nochmals schwächer ausfallen dürften.

Dollar wieder etwas stärker

Am Devisenmarkt legt der Dollar leicht zu gegen den Euro auf 1,0964 Dollar. Gefragt waren zum Wochenschluss Währungen, die als sicherer Rückzugsort gelten. Der japanische Yen und der Schweizer Franken legten gegenüber vielen anderen Devisen zu.

Das britische Pfund gab derweil einen kleinen Teil seiner Kursgewinne gegenüber dem Dollar ab, nachdem bekannt geworden war, dass sich der britische Premierminister Boris Johnson mit dem Coronavirus infiziert hat. Er habe milde Symptome, Husten und Fieber entwickelt, sagte Johnson in einer Videobotschaft. "Ich arbeite von zuhause, ich bin in Selbstisolation."

Alles tiefrot im Dax

Unter den 30 Dax-Werten gibt es fast keine Gewinner. Lediglich Versorger Eon und die Fresenius-Tochter FMC kämpfen mit der Nulllinie. Eine Tendenz, die aber nicht in Stein gemeißelt ist. Größte Verlierer sind die beiden Autoaktien Daimler und Volkswagen, aber auch die Deutsche Bank und die Deutsche Börse. Banken stehen im Fokus der Politik, denn ein Überspringen der Coronakrise auf den Finanzsektor würde wie ein Brandbeschleuniger wirken. Vor allem in den Aufsichtsbehörden werden daher Lockerungen diskutiert.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,46
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+3,15%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26,39
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-2,98%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,66
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-4,05%

Verluste am Ölmarkt

Keine Entwarnung gibt es auch am Ölmarkt. Sowohl der Preis für die Nordseesorte Brent als auch der für die US-Leichtölsorte WTI bleiben angesichts sehr schwieriger Marktbedingungen unter Druck. Zum einen sorgen die schwachen Konjunkturdaten aus den USA für Gegenwind, zum anderen gibt es weiterhin einen Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien.

Der niedrige Ölpreis zwingt die Ölindustrie bereits zu Zwangsmaßnahmen. Unternehmen in Brasilien und Kanada kürzten bereits die Fördermenge, während man in Nigeria noch so lang wie möglich zu niedrigen Preisen fördern will. Aus Sicht des britischen Marktforschungsinstituts IHS Markit könnten weltweit innerhalb der nächsten drei Monate keine Lagerkapazitäten für Öl mehr verfügbar sein. Auch kleinere Opec-Staaten kommen wegen der niedrigen Preise immer mehr in Schwierigkeiten. Der Goldpreis bewegt sich am Nachmittag kaum und bleibt bei 1.624 Dollar je Feinunze auf hohem Niveau.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,60
Differenz relativ
-7,91%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,08
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-5,86%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.622,37
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-0,26%

Deutsche Bank rechnet mit Billionen-Belastung

Die Corona-Pandemie könnte die Bundesrepublik nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Chefvolkswirts David Folkerts-Landau bis zu 1,5 Billionen Euro kosten. In einem "Focus"-Interview sagte Folkerts-Landau laut Vorabbericht vom Freitag, die Kosten zur Bewältigung der Krise dürften bei einer Billion bis 1,5 Billionen Euro liegen. "Deutschland kann das stemmen, denn die Staatsverschuldung ist mit knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) derzeit vergleichsweise niedrig". Jetzt zeige sich, wie richtig die solide Haushaltspolitik der vergangenen Jahre gewesen sei. Das deutsche BIP werde 2020 um rund sieben bis acht Prozent sinken. "Aber ab dem vierten Quartal geht es wieder aufwärts, für 2021 rechnen wir mit einem spürbaren Plus beim Wirtschaftswachstum."

Infineon liefert Chips für Lebensretter

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,40
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+0,06%

Der Chiphersteller Infineon hat einen Großauftrag zur Lieferung von Teilen für Beatmungsgeräte erhalten. Dabei geht es um 38 Millionen Leistungshalbleiter zur Steuerung von Elektromotoren, die in den nächsten drei bis sechs Monaten geliefert werden sollen, wie eine Sprecherin am Freitag sagte. Finanziell gehe es für das Unternehmen aus Neubiberg bei München um ein Volumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Zum Auftraggeber hieß es von Infineon nur, dass es sich um einen weltweit führenden Produzenten von Beatmungsgeräten handle. Dessen normales Bestellvolumen habe sich mit der Order verachzigfacht. Wie viele Geräte sich mit den Chips bauen lassen, sagte die Sprecherin nicht. Es werden aber mehrere pro Gerät verwendet.

S&P stuft deutsche Autobauer ab

Die Ratingagentur S&P hat wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise den Daumen für die deutschen Autobauern gesenkt. Sie stufte BMW von "A+" auf "A" und Daimler von "A-" auf "BBB+". Bei VW hat S&P nur den Ausblick von "stabil" auf "negativ" reduziert. Die Virus-Krise habe einen sehr schnellen Rückgang der globalen Autonachfrage ausgelöst, was die Autobauer stark unter Druck setze, teilte S&P mit. Schlechtere Ratings können für Unternehmen die Finanzierungskosten erhöhen, wenn Investoren zum dem Schluss kommen, dass sich Risikoprofil unvorteilhaft verändert hat.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
44,33
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-2,61%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26,39
Differenz relativ
-2,98%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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102,42
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-2,85%

VW braucht offenbar keine Staatshilfe

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
102,42
Differenz relativ
-2,85%

Volkswagen will in der Corona-Pandemie ohne staatliche Finanzhilfen auskommen. "Aus heutiger Sicht schließe ich das aus", sagte Finanzvorstand Frank Witter der "Börsen-Zeitung". Der Konzern verfüge "im Autobereich über einen starken Cash-Flow und eine ordentliche Nettoliquidität". Dafür sei im vergangenen Jahr die Basis gelegt worden.

Kurzarbeitergeld hingegen wird VW in Anspruch nehmen. Wegen Lieferengpässen und einem Absatzschwund wollen die Wolfsburger dies für rund 80.000 Beschäftigte beantragen. Trotz der Reserven geht es VW in der Krise darum, das Geld zusammenzuhalten. Jüngst musste der Autobauer seinen Produktionsstopp verlängern.

In der "Financial Times" wendet sich Witter nicht an den Staat, sondern an die Europäische Zentralbank. Zur Stabilisierung der Märkte solle die EZB verstärkt kurzfristige Schuldtitel von Firmen kaufen. "So bald wie möglich" sollten klare Signale gesetzt werden, sechs- bis neunmonatige Papiere aufzukaufen.  | mehr

Adidas will keine Miete mehr zahlen

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
202,60
Differenz relativ
-3,04%

Der Sportartikelhersteller Adidas will für seine derzeit geschlossenen Shops von April an keine Miete mehr zahlen. "Es ist richtig, dass Adidas, wie viele andere Unternehmen auch, vorsorglich Mietzahlungen temporär aussetzt, wo unsere Läden geschlossen sind. Wir sind dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch", sagte eine Sprecherin und bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung.

Va-Q-tec will trotz Corona weiter wachsen

Va-Q-Tec: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,86
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-3,70%

Der Vakuum-Spezialist Va-Q-tec ist trotz der Corona-Krise optimistisch. Für 2020 erwartet das Würzburger Unternehmen derzeit ein moderates bis mittelstarkes Wachstum. Für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) plant Va-Q-tec mit einer stabilen Marge gegenüber 2019.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen aus dem Prime Standard seinen Umsatz um 28 Prozent auf 64,7 Millionen Euro gesteigert. Das Ebitda stieg um 220 Prozent auf 9,7 Millionen Euro.

ProSiebenSat.1-Chef gibt auf

Nach monatelangen Führungsquerelen verlässt Max Conze den Chefsessel bei ProSiebenSat.1. Finanzchef Rainer Beaujean löst ihn ab. Der Medienkonzern ändert seine Strategie. Die Münchner wollen das operative Geschäft wieder stärker auf den Unterhaltungssektor ausrichten. Der Schwerpunkt liege hier auf lokalen und Live-Formaten. Der Chefwechsel kommt gut an. Die Aktien legen im vorbörslichen Handel fünf Prozent zu. Seit Monaten gibt es Übernahmespekulationen um ProSiebenSat.1.  | mehr

Corona-Test treibt NanoRepro an

NanoRepro: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
3,52
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+30,37%

Das Diagnostik-Unternehmen NanoRepro war heute sehr gefragt. Das Unternehmen will seinen Schnelltest zur Diagnose des Corona-Virus' schon bald auch für Privatkunden auf den Markt bringen. Der Test könne damit von jedermann in Drogeriemärkten, Apotheken oder auch im Online-Shop des Unternehmens bezogen werden.

"Anders als der herkömmliche Labortest, der Ergebnisse erst nach Einsendung von Speichelproben in ein Labor nach ein oder zwei Tagen liefert und etwa 200 bis 300 Euro kostet, zeigt der Corona-Schnelltest von NanoRepro Ergebnisse bereits nach 15 Minuten und kostet in etwa nur ein Zehntel davon", teilte das Unternehmen mit.

Aida-Mutter Carnival unter Druck

Carnival: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,80
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-11,95%

Mit einem Kursminus von über 14 Prozent sind die Aktien von Carnival erneut Schlusslicht im Londoner Leitindex FTSE. Börsianern zufolge befürchten Anleger, dass die "Aida"-Mutter als teils britisches Unternehmen bei den geplanten US-Milliardenhilfen für die wegen der Coronakrise angeschlagene Kreuzfahrtindustrie weniger bedacht werden könnte. Carnival ist eine Dual Listed Company mit Sitz in Miami und Southampton, aber in Panama registriert.

Dell streicht Prognose für 2021

Der Computerhersteller streicht die Prognose für 2021. Ein Ausblick sei wegen der Coronavirus-Pandemie derzeit nicht möglich, teilte das US-Unternehmen mit.

Dell war im vierten Quartal wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Umsatz stieg im Berichtszeitraum allerdings nur um knapp ein Prozent auf 24,03 Milliarden Dollar. Das war der schwächte Zuwachs bei den Erlösen seit dem Comeback des Unternehmens an der New Yorker Börse im Dezember 2018.

rm

Tagestermine am Montag, den 30. März

Firmen:
Leoni: Jahreszahlen (detailliert), 07:00 Uhr
Grammer: Jahreszahlen (detailliert), 07:00 Uhr
Biotest: Jahreszahlen, 07:00 Uhr
Stroeer: Jahreszahlen (detailliert), 07:05 Uhr
Indus Holding: Jahreszahlen (detailliert), 07:15 Uhr
RIB Software: Geschäftsbericht, 07:30 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Jahreszahlen
ElringKlinger: Bilanz-Pk als Webcast
Software AG: Geschäftsbericht, 16:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Wirtschaftsstimmung 03/20, 11:00 Uhr
Deutschland: Inflationsrate 03/20 (erste Schätzung), 14:00
USA: Schwebende Hausverkäufe 02/20, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Deutschland: Sondergutachten der Wirtschaftsweisen zu Folgen der Coronavirus-Krise