Mit Schwung ins Wochenende

Stand: 23.04.2010, 20:02 Uhr

Der Dax hat in der abgelaufenen Woche 1,3 Prozent zugelegt und die charttechnisch wichtige Linie von 6.220 Zählern hinter sich gelassen. Starke Quartalszahlen und eine sich weiter aufhellende Konjunktur haben dazu beigetragen. Für Erleichterung sorgt auch der Hilferuf Griechenlands.

Nach den heftigen Spekulationen der vergangenen Tage hat die griechische Regierung nun die EU um Nothilfe gebeten. Damit ist eine Insolvenz des Landes erst einmal abgewendet. An den Märkten wurde die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen, auch wenn die Rettung im ersten Jahr bis zu 45 Milliarden Euro kosten dürfte. Zuvor hatte die Furcht vor einer Pleite Griechenlands die Aktienmärkte immer wieder belastet.

Dass es heute wieder aufwärts ging, liegt jedoch überwiegend an den verbesserten Konjunkturaussichten. Im April ist der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex auf 101,6 Punkte von 98,2 Zählern im März geklettert und hat damit den höchsten Stand seit Mai vergangenen Jahres erreicht.Tatsächlich dürfte die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Bundesbank im laufenden Quartal deutlich zulegen, nachdem das BIP in den ersten drei Monaten des Jahres nach ersten Schätzungen voraussichtlich stagniert hat.

Auch in den USA geht es voran. Dort sind die Verkäufe neuer Häuser im März um 27 Prozent auf 411.000 gestiegen. Volkswirte hatten nur mit 330.000 Verkäufen gerechnet.

Kein Wunder also, dass die Anleger nach dem gestrigen Rückzug heute wieder in Kauflaune waren. Dank der guten Zahlen vom US-Immobilienmarkt stieg der Dax bis auf ein Tageshoch von 6.287 Punkten. Auch im Abendhandel kann der Leitindex kräftig zulegen. Zum Handelsschluss gewinnt der Dax 72 Punkte (1,2 Prozent) auf 6.270.

Deutlich zurückhaltender reagieren dagegen die Anleger an der Wall Street. Nach einem anfänglichen Anstieg auf 11.180 Punkte, rutscht der Dow Jones-Index zeitweise sogar ins Minus. Bei Börsenschluss in Deutschland gewinnt das Börsenbarometer 26 Punkte und steigt auf 11.159. Vor allem die Aktien von Microsoft und Amazon lasteten auf dem Markt. Hinzu kam ein unerwarteter Rückgang der US-Auftragseingänge für langlebige Güter im März.

Euro und Öl hoch
Der Hilferuf aus Athen hat auch dem Euro kräftig auf die Sprünge geholfen. Nach einem Rückgang auf unter 1,32 Dollar notiert die Gemeinschaftswährung am Abend erholt bei 1,3364 Dollar.
Die Ölpreise sind ebenfalls weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) kostete am Nachmittag 84,55 Dollar und damit 85 Cent mehr als am Vortag. In London kletterte der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent um 1,09 US-Dollar auf 86,76 Dollar.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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52,92
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Volvo zieht MAN an die Spitze
Die guten Quartalsergebnisse von Volvo haben die Papiere des deutschen Konkurrenten MAN an die Dax-Spitze katapultiert. Auch die Daimler-Aktie bekommt Auftrieb. Ein Analyst bezeichnete das Zahlenwerk von Volvo als "atemberaubend". Es signalisiere bessere Zeiten für den gesamten Lkw-Markt. Das Unternehmen verbuchte unter anderem im ersten Quartal 15 Prozent mehr Aufträge als ein Vierteljahr zuvor.

Adidas erfreut mit besserer Prognose
Adidas-Aktien machen nach den überraschend positiven Zahlen vom Vorabend ebenfalls einen kräftigen Sprung. Beflügelt werden die Papiere auch von der angehobenen Jahresprognose. Im Gefolge steigen auch die Aktien von Puma kräftig.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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75,21
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BMW profitiert von China
Auch die BMW-Aktie kann überdurchschnittlich zulegen. Händlern zufolge profitiert das Papier von der Automobilmesse Auto China 2010. Dort hatte Konzernchef Norbert Reithofer gesagt, der Konzern werde im laufenden Jahr in China (ohne Hongkong) 120.000 Fahrzeuge absetzen. Bisher hatte BMW von nur 100.000 Einheiten gesprochen.

Salzgitter muss Abstriche machen
Deutlich nach unten geht es dagegen mit der Salzgitter-Aktie. Nach Aussage von Salzgitter-Chef Wolfgang Leese muss der Stahlkonzern seine Jahresprognose eventuell nach unten revidieren. Grund seien gestiegene Rohstoffpreise und die anhaltende Unsicherheit in der Branche. "Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir unsere Prognose anpassen", sagte Leese der "Financial Times Deutschland". Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei 50 Prozent.

Heideldruck begeistert
Die Freude über die Quartalszahlen hat die Heidelberger-Druck-Aktie an die Spitze des MDax katapultiert. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 hat das Unternehmen operativ wieder schwarze Zahlen geschireben. Das weckt Hoffnung auf eine weitere Besserung. Derweil belassen die Analysten von Unicredit die Einstufung für die Aktie auf "Sell" mit einem Kursziel von 5,00 Euro. Im Schlepptau klettern auch die Aktien des im SDax notierten Konkurrenten Koenig & Bauer mit.

Drägerwerk VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,90
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Drägerwerk an TecDax-Spitze
Die Aktie des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk hat mit einem Freudensprung auf die Quartalszahlen reagiert. Besonders gut angekommen ist der angehobene Ausblick für das laufende Jahr. Das Unternehmen erwartet nun eine Ebit-Marge am oberen Ende der bereits prognostizierten Bandbreite von fünf bis sechs Prozent.

Die Analysten von Cheuvreux stuften die Titel deshalb von "Underperform" auf "Outperform" hoch und verdoppelten das Kursziel fast von 32 auf 60 Euro. Er glaube, dass Drägerwerk mit seinen herausragenden Zahlen die Kurve gekriegt habe, schrieb Analyst Oliver Reinberg.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE mit Dividendenabschlag
In der Flop-Liste im Dax steht die RWE-Aktie heute an der Spitze. Grund ist der Dividendenabschlag nach der gestrigen Hauptversammlung. Der Konzern hat 3,50 Euro je Stammaktie ausgeschüttet.

Schlumberger überzeugt mit Ausblick
Der Gewinn des weltgrößten Ölfeld-Dienstleisters Schlumberger ist zu Jahresbeginn deutlich eingebrochen. Das Nettoergebnis ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 672 Millionen Dollar zurück. Analysten hatten mit einem etwas höheren Rückgang gerechnet. Auch der Umsatz gab nach. Trotzdem blickt Schlumberger relativ optimistisch in die Zukunft und erwartet eine rasche Erholung der Märkte. Die Aktie legt kräftig zu.

Aurubis wieder mit vollen Auftragsbüchern
Die Konjunkturerholung sorgt bei der Hamburger Kupferhütte Aurubis wieder für volle Auftragsbücher und eine hohe Auslastung. "Wir registrieren eine deutliche Verbesserung der Nachfrage nach Kupferprodukten sowohl gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahr als auch zum ersten Quartal von Oktober bis Dezember 2009", sagte Vorstandschef Bernd Drouven in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gewinnprognose für das im September endende Geschäftsjahr beließ Drouven trotzdem unverändert. Erst zur Jahresmitte könne man sagen, ob sich das Geschäft besser entwickelt habe. Die Aktie steigt kräftig.

Axel Springer-Anleger sehen rot
Der Plan des Medienkonzerns Axel Springer, im laufenden Jahr 2,93 Millionen eigene Aktien an der Börse zu platzieren, wird am Markt mit Verlusten quittiert. Kein Wunder, will doch auch die Deutsche Bank ihre 2,75 Millionen Axel-Springer-Aktien veräußern. Insgesamt könnten damit rund 17 Prozent des Grundkapitals des Unternehmens am Markt platziert werden.

Sky noch nicht über den Berg
Der Bezahlfernsehsender Sky Deutschland stimmt seine Aktionäre auf eine weitere Durststrecke ein. "2010 wird ein schwieriges Jahr", sagte Aufsichtsratschef Markus Tellenbach auf der heutigen Hauptversammlung. Bis zu 170 Millionen Euro Verlust dürften in diesem Jahr zu Buche stehen, erst 2011 soll Sky kostendeckend arbeiten. Die Aktie steigt trotzdem überdurchschnittlich.

SAF-Holland macht Freude
Mit einem kräftigen Kurssprung von mehr als sechs Prozent begrüßen die Anleger heute die Zahlen des LKW-Zulieferers SAF-Holland. Das im Prime Standard gelistete Unternehmen setzte im ersten Quartal 125 Millionen Euro um. Das waren elf Prozent mehr als vor Jahresfrist. Das bereinigte Ebit konnte SAF von minus 0,5 auf 4,8 Millionen Euro verbessern.

Honeywell wieder optimistisch
Der US-Mischkonzern Honeywell ist im ersten Quartal wieder gewachsen. Der Umsatz legte um drei Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn blieb mit 386 Millionen Dollar zwar noch leicht hinter dem Wert des Vorjahreszeitraums zurück, doch das Unternehmen ist zuversichtlich, im Gesamtjahr seine Gewinnprognose zu übertreffen. Die Aktie legt zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr