Marktbericht 20:02 Uhr

Dax erreicht höchsten Schluss der Geschichte Mit Rekordlaune ins Wochenende

Stand: 03.05.2013, 20:02 Uhr

Die von den Notenbanken ausgelöste Geldschwemme hat die Aktienmärkte am Freitag weltweit auf neue Höhen getrieben. Während der Dow Jones-Index erstmals die Marke von 15.000 Punkten erklomm, kam auch der Dax seiner bisherigen Bestmarke von 8.151 Punkten sehr nahe. Am Ende reicht es für den höchsten Schlusskurs aller Zeiten.

Der Dax geht zwei Prozent oder 160 Punkte höher aus dem Handel bei 8.122 Punkten. Im Handelsverlauf hat sich das Börsenbarometer sogar bis auf 8.130 Zähler vorgearbeitet und ist damit dem am 13. Juli 2007 erreichten Allzeithoch von 8.151 Punkten bis auf 21 Zähler nahe gekommen. An der Wall Street erreicht der Dow Jones-Index zeitweise sogar eine neue Bestmarke bei 15.009. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow gut ein Prozent höher bei 14.978 Zählern.

Grund für die Euphorie waren die besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. Im April wurden in den USA außerhalb der Landwirtschaft 165.000 neue Stellen geschaffen, 20.000 mehr als erwartet. Zudem wurden die Zahlen der in den Vormonaten entstandenen Stellen nach oben revidiert. "Die Anleger haben auf einen Auslöser für weitere Kursanstiege gewartet - und ihn in überraschend guten Daten vom US-Arbeitsmarkt gefunden", sagte Analyst Heino Ruland von Ruland Research.

Grundsätzlich ist die anhaltende Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte mit der reichlich vorhandenen Liquidität zu erklären, denen ein Mangel an Anlagealternativen gegenüberstehe. Da es auch keine Aussicht auf steigende Zinsen gibt, bleibt als Anlagealternative nur der Aktienmarkt.

Viele Experten erwarten deshalb, dass der Aufschwung an den Aktienmärkten weitergeht. Auch zeige sich, dass die US-Wirtschaft offenbar doch nicht so schwach sei wie es manche Konjunkturdaten vermuten ließen, meint Heino Ruland. Das zeige auch ein Blick auf die Bilanzsaison der Unternehmen. Mehr als 70 Prozent der Firmen in den USAhätten die Erwartungen übertroffen.

Dem Euro haben die am Nachmittag veröffentlichten schwachen US-Konjunkturdaten wieder auf die Sprünge geholfen. Die Gemeinschaftswährung erobert die Marke von 1,31 Dollar zurück, nachdem sie nach den guten Arbeitsmarktdaten auf 1,3040 Dollar gefallen war. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,3104 Dollar.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.661,54
Differenz relativ
+0,80%

Adidas ist Spitze

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
185,75
Differenz relativ
-1,59%

Spitzenreiter im Dax ist die Adidas-Aktie, die 7,5 Prozent zulegt. Der Sportartikelhersteller hat im ersten Quartal die Analystenschätzungen mit einem Umsatz von 3,75 Milliarden Euro und einem Gewinnplus von sechs Prozent auf 308 Millionen Euro erfüllt. Im Ausblick bestätigte das Management zudem die Gesamtjahresprognose.

ThyssenKrupp beflügelt

Kräftig zulegen kann auch die Aktie von ThyssenKrupp, nach den Verlusten am Donnerstag. UBS hat ThyssenKrupp von "Sell" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 15,40 auf 16,00 Euro angehoben. Zudem wurde der Titel von der "Least Preferred List" European Mining gestrichen. Da im Thyssen-Kurs für Steel Americas ein Wert von nur 0,8 Milliarden Euro eingepreist sei sowie wegen der von ihm nicht geteilten Ängste vor einer möglichen Kapitalerhöhung sieht Analyst Carsten Riek in einer Studie vom Freitag eine gute Kaufgelegenheit für die Papiere. Davon profitieren auch die im MDax notierten Papiere von Salzgitter und Klöckner.

Conti sieht Silberstreif

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
202,00
Differenz relativ
+0,85%

Mehr als sechs Prozent bergauf geht es auch mit der Aktie des Autozulieferers Continental. Das Unternehmen rechnet nach einem Gewinnrückgang zu Jahresbeginn in den nächsten Monaten mit einer Erholung. Die ersten drei Monate des Jahres seien wegen der Autokrise in Europa wie erwartet schwierig gewesen. Das Geschäft habe aber weltweit wieder Fahrt aufgenommen, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Freitag bei der Präsentation der Zwischenbilanz und bekräftigte die Ziele für 2013.

Hugo Boss mit weniger Permira

Dagegen büßt die im MDax notierte Aktie von Hugo Boss 5,8 Prozent im Minus. Der Finanzinvestor Permira hat seinen Anteil am Modeunternehmen gesenkt und rund sieben Millionen Aktien platziert, rund zehn Prozent des Grundkapitals. De Aktien werden zu Preisen zwischen 89,25 und 90,50 Euro angeboten, womit Permira rund 630 Millionen Euro erlösen würde. Permira bleibt aber trotzdem Mehrheitsaktionär mit rund 56 Prozent des Kapitals, der Streubesitz erhöht sich auf nunmehr etwa 42 Prozent.

Sky-Aktien schießen hoch

Immer besser läuft es auch beim Bezahlsender Sky, der im ersten Quartal dank eines kräftigen Kundenzustroms ein operatives Ergebnis von 5,8 Millionen Euro ausgewiesen hat. Noch im Vorjahr lag das Minus bei über 40 Millionen Euro. Netto verringerte sich der Verlust von 73 auf 37,6 Millionen Euro. Sky bestätigte die Jahresprognose, nach der 2013 operativ schwarze Zahlen geschrieben werden sollen. Sky-Aktien legen über sieben Prozent zu und sind Spitzenreiter im MDax.

Morphosys schreibt wieder schwarz

Im TecDax gehören die Papiere von Morphosys zu den Favoriten. Das Biotech-Unternehmen schreibt wieder schwarze Zahlen und hat im ersten Quartal seine Umsätze um 44 Prozent gesteigert.

Telefonica Deutschland stößt auf großes Interesse

Bergauf geht es auch mit der Aktie des ebenfalls im TecDax notierten Mobilfunkanbieters Telefonica Deutschland (O2). Umsatz und Gewinn gingen im ersten Quartal zwar leicht zurück, insgesamt profitierte das Unternehmen aber von seiner guten Marktposition. Einen Ausblick gab es nicht. Die Tochtergesellschaft der spanischen Telefonica ist der drittgrößte Anbieter in Deutschland und feierte vor einem halben Jahr ihr Börsendebut.

Aus dem europäischen Ausland

Mit der französischen BNP Paribas und der Royal Bank of Scotland haben zwei der größten europäischen Banken Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. BNP musste im ersten Quartal einen Rückgang seines Nettogewinns verzeichnen, während die Konkurrenten UBS und Deutsche Bank zulegen konnten. Der gewaltige Einbruch von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist einzig einem Recheneffekt geschuldet, denn vor Jahresfrist hatte BNP durch den Verkauf von Unternehmensteilen einmalige Einnahmen verbucht.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es dagegen bei der skandalerprobten Royal Bank of Scotland (RBS). Die verstaatlichte Bank hat zum Jahresauftakt den ersten Quartalsgewinn seit 2011 verbucht. Unter dem Strich stand ein Plus von 393 Millionen Pfund (rund 467 Mio Euro) nach einem Verlust von 1,55 Milliarden Pfund im Vorjahresquartal. Die Bank profitierte dabei von einer deutlich gesunkenen Vorsorge für Kreditausfälle und gesunkenen Kosten. Zudem fielen dieses Mal so gut wie keine Sonderbelastungen an.

Die französisch-niederländische Fluglinie Air France-KLM ist derweil im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust des Lufthansa-Konkurrenten stieg um zwei Drittel auf 630 Millionen Euro. Die Aktie tendiert ebenfalls schwächer.

Vallourec deutlich über den Erwartungen

Ein über den Erwartungen liegendes Ergebnis und eine Bekräftigung der Prognosen hat den Aktien der französischen Vallourec zu einem Kurssprung verholfen. Die Papiere des Herstellers von Stahlrohen waren mit einem Plus von 11,6 Prozent auf 40,16 Euro größter Gewinner im Pariser Leitindex. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen ist im ersten Quartal dank steigender Erlöse im Öl- und Gas-Sektor um 26 Prozent auf 191 Millionen Euro gestiegen. Im Gesamtjahr werde der Konzern den Umsatz steigern und die Rendite des operativen Geschäfts verbessern, sagte Vorstandschef Philippe Crouzet.

AIG springt an

Der Allianz -Rivale AIG hat im Kerngeschäft womöglich die Trendwende geschafft. Erstmals seit dem Sommerquartal 2010 wies der einst weltgrößte Versicherer, der in der Finanzkrise nach riskanten Wertpapier-Investments kollabierte und vom Staat aufgefangen werden musste, im wichtigen Schaden/Unfallgeschäft wieder schwarze Zahlen aus. Im vorbörslichen New Yorker Handel steigt die Aktie um drei Prozent.

Tomorrow Focus in den Miesen

Die Burda-Tochter Tomorrow Focus ist dank guter Geschäfte mit Reiseportalen und Abo-Modellen mit einem Umsatzschub ins Jahr gestartet. Unter dem Strich rutschte das Unternehmen im ersten Quartal wegen Abschreibungen aber in die roten Zahlen. Die Umsätze kletterten um 27 Prozent auf 46,2 Millionen, wie Tomorrow Focus am Freitag in München mitteilte. Nach Steuern fiel ein Verlust von 0,5 Millionen Euro an, nach 0,4 Millionen Euro Gewinn vor Jahresfrist.

Höft & Wessel fährt Achterbahn

Die Aktie des zuletzt von schwachen Ergebnissen geplagten Automatenherstellers fährt heute Achterbahn, ohne dass zunächst erkennbare Gründe für die heftigen Schwankungen vorlagen. Während das Papier im Xetra-Handel um 9,7 Prozent fällt, legt es auf dem Frankfurter Parkett bei einem gleichhohen Umsatz um elf Prozent zu.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr