Mit neuer Hoffnung in das Wochenende

Stand: 17.06.2011, 20:01 Uhr

Die Angst vor einem Zahlungsausfall Griechenlands und die Unfähigkeit der Eurozone, sich auf Hilfen für das Land zu einigen, beschäftigen die Aktienmärkte seit Tagen. Am Freitag einigten sich Frankreich und Deutschland, die Börse reagierte erleichtert.

Deutschland und Frankreich wollen bei der Einbindung privater Gläubiger in die Rettung Griechenlands künftig gemeinsam vorgehen. Bei einem Treffen in Berlin habe man eine grundsätzliche Einigung erzielt, teilten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Nicolas Sakozy mit.

Die Märkte reagierten wie erwartet, der Dax legte in der Spitze auf bis zu 7.222 Punkte zu, der Euro verteuerte sich um einen Cent auf 1,43 Euro. Dass jetzt der Weg zu weiteren Hilfen für Griechenland freigeräumt ist, ist allerdings ein Irrglaube. Diese Entscheidung werde kommenden Dienstag in Griechenland getroffen, wenn der Premierminister im Parlament die Vertrauensfrage stelle, erklärte ein Händler.

Daher und auch wegen eines nicht ganz euphorischen Handels in Amerika zog sich der Dax im Nachmittagshandel wieder unter die 7.200 Punkte zurück. Bei 7.164 Punkten endete der Xetrahandel, plus 0,8 Prozent. Freundlich endete auch die gesamte Handelswoche: Hier verbuchte der Dax ein Plus von 1,3 Prozent.

Erwähnenswert waren am Freitag noch zwei amerikanische Konjunkturdaten. Während das Verbrauchervertrauen mit 71,8 Punkten die Erwartungen klar verfehlte, war der Frühindikatorindex des Conference Boards besser als erwartet. Den Gang der Aktienmärkte beeinflussten diese Zahlen nicht nachhaltig, ebenso wenig wie der dreifache Verfall am Optionsmarkt in Deutschland. Der so genannte Hexensabbat sorgte am Freitag nur für kurzfristige Kursausschläge.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
190,30
Differenz relativ
-0,78%

MüRü wird gelobt, Infineon leidet unter RIM
Im Dax legte die Aktie der Müchener Rückversicherung 2,3 Prozent zu. Bei den Versicherern gebe es derzeit einen positiven Branchentrend, sagten Händler. Außerdem empfahl Morgan Stanley die Aktie als "Top Pick" der Branche.

Die Aktie des Chipkonzerns Infineon litt unter der Prognosesenkung des kanadischen Smartphone-Herstellers RIM. Statt erwarteter 1,40 Dollar je Aktie will RIM im laufenden Quartal nur 0,75 bis 1,05 Dollar Gewinn machen. Die Firma begründete dies mit der verspäteten Einführung neuer Produkte. Außerdem senkte RIM den Jahresausblick. Die RIM-Aktie gab um mehr als 20 Prozent nach, Infineon-Papiere schlossen 1,8 Prozent im Minus.

ACS übernimmt die Macht bei Hochtief
Der im MDax notierte Baukonzern Hochtief ist in spanischer Hand. Der spanische Großaktionär ACS habe sich die Aktienmehrheit an Hochtief gesichert, teilte Hochtief am Freitag mit. ACS kontrolliert demnach 50,16 Prozent der Stimmrechte. Hochtief hatte sich monatelang erfolglos gegen die Übernahme gewehrt.

Tognum baut in Russland
Der Motorenhersteller Tognum expandiert nach Russland. Südlich von Moskau wird der Friedrichshafener Konzern zusammen mit dem russischen Lokomotivenhersteller Transmashholding ein Montagewerk bauen. Mittelfristig will Tognum dort Motoren für den russischen und asiatischen Markt entwickeln.

Celesio senkt die Ziele
Der Pharmagroßhändler Celesio wird in diesem Jahr wegen staatlicher Preisregulation und eines starken Wettbewerbes weniger verdienen als noch 2010. Das operative Ergebnis werde 2011 nicht mehr deutlich über der unteren Zielmarke von 600 Millionen Euro liegen, sagte Vorstandschef Fritz Oesterle. 2010 hatte Celesio noch ein Ergebnis von knapp 700 Millionen Euro erzielt.

Sunways warnt
Auch die Solarfirma Sunways warnte vor schlechteren Geschäften. Das zweite Quartal könnte mit einem Verlust geendet haben, teilte Sunways mit. Der Verkauf der MHH Solartechnik könnte allerdings noch die Bilanz retten, sagte Vorstandschef Michael Wilhelm auf der Hauptversammlung. Absatz und Umsatz seien außerdem höher als vor einem Jahr. Wilhelm kritisierte auf der HV die Bundesregierung: Sie habe die Energiewende verpatzt und es versäumt die Solarenergie zu fördern.

Wilex bricht ein
Der Biotechfirma Wilex muss wohl länger auf die Zulassung ihres ersten Medikamentes in den USA warten. Die Zulassungsbehörde FDA fordert neue Unterlagen von Wilex zur Krebsdiagnosesubstanz Redectane. Von der Sicherheit und Wirksamkeit des Mittels sei die FDA allerdings überzeugt, teilte Wilex mit. Da sich die Markteinführung nun wahrscheinlich verzögern wird, verlor die Wilex-Aktie 7,6 Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"