Marktbericht 20:02 Uhr

Angst vor der Fed Mit leichten Verlusten ins Wochenende

Stand: 31.05.2013, 20:02 Uhr

Gute Konjunkturdaten aus den USA und steigende Kurse an der Wall Street konnten am Freitag nicht verhindern, dass der Dax nach einer rasanten Aufholjagd bis kurz vor Handelsschluss sich dann doch mit Verlusten ins Wochenende verabschiedet hat.

Händlern zufolge ist es die anhaltende Debatte über ein baldiges Ende der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed, die die Anleger am Ende doch zu Gewinnmitnahmen veranlasste.

Der Dax beendet den elektronischen Handel deshalb 51 Punkte oder 0,61 Prozent tiefer als gestern bei 8.348. Bis kurz vor Börsenschluss war er noch bis auf 8.401 Punkte geklettert und hatte damit seine Tagesverluste wieder wettgemacht.

Am Vormittag war das Börsenbarometer zunächst um mehr als ein Prozent auf 8.297 Punkte abgerutscht, gut 100 Punkte unter dem Schluss vom Vortag. Damit verbuchte der deutsche Leitindex ein Wochenplus von 0,53 Prozent. Auf Monatssicht legte er um 5,5 Prozent zu.

Ideales Umfeld

Das Umfeld sei für die Aktien im Grunde ideal, sagte Kristina Hooper, Chef-Portfoliostrategin bei Allianz Global Investors in New York. Die Wirtschaft erhole sich zwar, aber nicht so stark, dass die US-Notenbank Fed die Zügel in ihrer Geldpolitik bald anziehen werde.

Die Fed kauft derzeit Anleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar monatlich, um damit die heimische Konjunktur anzukurbeln. Sie will damit so lange fortfahren, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent von derzeit 7,5 Prozent gefallen ist. In den vergangenen Wochen hatten einige Fed-Vertreter allerdings laut darüber nachgedacht, die Käufe zu drosseln, sollte sich die US-Konjunktur deutlich erholen.

Vorsicht an der Wall Street

Am Markt herrscht deshalb eine große Nervosität. Auch an der New Yorker Börse bleiben die Anleger vorsichtig. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend ist der Dow Jones-Index wieder ins Minus gedreht bei 15.320 Zählern, ein Minus von vier Punkten.

Im Mai hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Region Chicago vom Rückschlag im Vormonat erholt und konnte sich überraschend stark aufhellen. Der entsprechende Index stieg von 49,0 Punkten im Vormonat auf 58,7 Zähler. Das ist der höchste Wert seit März 2012. Dagegen sind die US-Konsumausgaben im April mit minus 0,2 Prozent etwas stärker zurückgegangen als erwartet.

Der Euro ist am Freitag von schwachen Konjunkturdaten aus dem Währungsraum und robusten Zahlen aus den USA belastet worden. Bei Börsenschluss kostet die Gemeinschaftswährung 1,2960 Dollar und damit einen Cent weniger als im Tageshoch.

Deutsche Börse profitiert von Mini-Steuer

Im Dax kann heute vor allem die Deutsche Börse deutlich zulegen. Dabei profitiert der Börsenbetreiber von Spekulationen über eine deutlich abgespeckte Version der geplanten Finanzmarktsteuer. Die UBS bekräftigte mit Verweis die verminderte Steuer ihre Kaufempfehlung für die Deutsche-Börse-Aktie.

Autos vorn

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehören auch die Aktien der drei Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen. Sie profitieren von einer Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs, die bereits gestern die Autowerte gestützt hat. Daimler empfiehlt Daimler zum Kauf und hat den fairen Wert des Papiers auf 66 Euro angehoben. Auch VW gilt für Goldman bei einem Ziel von 224 Euro je Aktie als ein Kauf.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,77
Differenz relativ
+0,53%

ThyssenKrupp rutscht wieder ab

Schwächster Wert im Dax ist die Aktie von Thyssenkrupp. Auch andere Stahltitel müssen vor dem Wochenende Federn lassen: Die seit Anfang Mai gut gelaufenen ThyssenKrupp gehörten zu den größten Verlierern im Dax, im MDax ging es für Klöckner & Co (KlöCo) und im EuroStoxx 50 für ArcelorMittal bergab. Im Bernecker-Börsenbrief "AB-Daily" schrieben die Experten mit Blick auf den Sektor, es sollte nicht überraschen, "wenn die bisherigen Gewinner plötzlich weiche Knie bekommen". Nachlegen sollten die Anleger erst, wenn bei ThyssenKrupp die Entscheidung falle, wann und zu welchem Preis die zwei Stahlwerke in Übersee verkauft werden.

Telekom lässt den Anlegern kaum eine Wahl

Auch die Aktie der Deutschen Telekom ist deutlich unter geraten. Der Konzern hat das Bezugsverhältnis für ihre geplante Dividende in Form von Aktien bekanntgegeben. Aktionäre, die sich für die Ausschüttung in Aktien statt in bar entscheiden, erhalten für je 12,5 eigene Aktien eine weitere Aktie hinzu. Der rechnerische Bezugspreis entspricht damit der auf 12,5 Aktien entfallenden Bardividende für 2012 von 70 Cent und beträgt 8,75 Euro. Der Anreiz für einen Verzicht auf die Bardividende ist damit gering.

Nomura glaubt nicht an Salzgitter

Im MDax sind die Aktien von Salzgitter der mit Abstand größte Verlierer. Grund ist eine Herabstufung durch Nomura. Die Investmentbank erwartet, dass die Stahlsparte unter Preis- und Kostendruck gerät. Im Röhrengeschäft dürfte der Ausblicks auf ein klar negatives Vorsteuerergebnis für das Gesamtjahr gesenkt werden.

Dell fragt Aktionäre

Der PC-Hersteller Dell will seine Anteilseigner am 18. Juli über den Übernahmeplan von Gründer Michael Dell abstimmen lassen. Dell will die von ihm 1984 gegründete Firma mit Hilfe von Investoren zurückkaufen und von der Börse nehmen. Dann will er den laufenden Umbau beschleunigen. Der Deal wäre nach dem aktuellen Angebot 24,4 Milliarden Dollar schwer. Allerdings gibt es massiven Widerstand großer Anteilseigner.

lg

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