Mit Konjunktursorgen ins Wochenende

Mark Ehren

Stand: 14.08.2009, 20:03 Uhr

Wie die Woche begonnen hatte, so endete sie auch - mit Kursverlusten. Innerhalb der vergangenen fünf Handelstage büßte der deutsche Leitindex immerhin rund 150 Punkte ein.

Im Frankfurter Parketthandel am Abend konnte sich der Aktienmarkt nur unwesentlich von der Kursschwäche während des Xetra-Handels erholen. Der L-Dax stand um 20 Uhr bei 5.323 Punkten. Zuvor hatte der Dax 1,7 Prozent auf 5.309 Zähler verloren und nur mit Mühe und Not die 5.300er-Marke verteidigt.

"Einige Anleger nehmen daher erst einmal Gewinne mit. Das war überfällig. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der Dax in den vergangenen Wochen knapp 1.000 Punkte zugelegt hat", meinte ein Marktbeobachter.

Der am Donnerstag wegen des überraschenden BIP-Wachstums in Deutschland aufgekommene Konjunkturoptimismus war schon wieder vergessen. "Nach den positiven Daten der vergangenen Tage ist der Rückgang des US-Verbrauchervertrauens eine ganz klare Enttäuschung," hieß es auf dem Parkett.

Der August-Wert des von Universität Michigan ermittelten Verbrauchervertrauens-Index rutschte auf 63,2 Punkte von 66,0 Zählern im Vormonat. Das war der niedrigste Stand seit März. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 68,5 Punkten gerechnet. "Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass die Vorschusslorbeeren mit Blick auf die US-Wirtschaft übertrieben waren", gab ein Marktbeobachter zu bedenken.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,00
Differenz relativ
+0,46%

VW-Porsche-Saga mit weiterem Kapitell
Bei den Dax-Werten sorgte ein spektakulärer Kurssturz der VW-Aktie für Gesprächsstoff. Die Stammaktien büßten 16 und die Vorzugsaktien 6 Prozent ein. Als Grund wurde der Zusammenschluss von VW und Porsche genannt, der für die Wolfsburger ziemlich teuer wird. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass die VW-Stammaktien bei vielen Experten selbst auf dem etwas niedrigen Kursniveau als völlig überbewertet gelten.

VW wird sich im Zuge der Verschmelzung beider Konzerne mit 42 Prozent an der Porsche AG beteiligen. Dafür zahlt VW rund 3,3 Milliarden Euro. Zur Finanzierung des Milliardenbetrags wollen die Wolfsburger durch eine Kapitalerhöhung vier Milliarden Euro reinholen. Dazu bedarf es einer außerordentlichen Hauptversammlung, die die Kapitalmaßnahme noch im laufenden Jahr genehmigen soll. Der Konzern will im ersten Halbjahr neue Vorzugsaktien ausgeben. Während die VW-Aktien fielen, machten die Porsche-Vorzugsaktien einen Freudensprung um fast neun Prozent.

Später wurde zudem offiziell bekannt, dass Katar zehn Prozent der Stammaktien der Holding-Gesellschaft Porsche SE aus dem Besitz der Familien Porsche und Piech übernimmt und 17 Prozent an VW kauft. Der Kaufpreis liegt insgesamt bei über sieben Milliarden Euro. Durch diese Transaktion wird die Holding-Gesellschaft Porsche Holding SE liquide Mittel von über einer Milliarde Euro erhalten.

ThyssenKrupp wird pessimistischer
Einer der größten Dax-Gewinner war die Aktie von ThyssenKrupp, obwohl der am Morgen veröffentlichte Quartalsbericht enttäuschend ausgefallen war. Der Industriekonzern rutschte im dritten Geschäftsquartal noch deutlich tiefer als prognostiziert in die roten Zahlen und erwartet außerdem für das gesamte Geschäftsjahr einen höheren Verlust als bisher.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
199,20
Differenz relativ
-1,73%

Conti mit schlechter Moody's-Bewertung
Zu den schwächsten MDax-Werten gehörte die Conti-Aktie. Die US-Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Automobilzulieferer von "Ba3" auf "B1 heruntergestuft. Der Ausblick bleibt auf "negativ".

Hochtief mit Börsenträumen
Im MDax wartete Hochtief mit Quartalszahlen auf. Auftragseingang und Gewinn sanken im zweiten Quartal. Die Bilanz fiel aber besser aus als erwartet. Außerdem prüft der Konzern einen Börsengang seiner Flughafensparte. Das alles beförderte die Aktie deutlich ins Plus.

Kuka mit neuer Fantasie
Am Nachmittag startete die Aktie des Roboterbauers Kuka durch. Großaktionär Guy Wyser-Pratte erwägt, seinen Anteil an Kuka weiter aufzustocken. Dies sei "ziemlich wahrscheinlich", es gebe aber derzeit keine konkreten Pläne, sagte der US-Investor am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,12
Differenz relativ
+0,30%

Spekulationen um Infineon
Im TecDax war die Infineon-Aktie obenauf. Das Papier wurde von Gerüchten getrieben, der russische Mischkonzern Sistema habe Interesse an einem Anteil an dem Halbleiterkonzern.

Roth & Rau spürt die Krise
Zu den größten Verlierern im TecDax gehörte der Solarzulieferer Roth & Rau. Das Unternehmen hatte am Mittag noch seinen Quartalsergebnisse bekannt gegeben. Das TecDax-Mitglied hat im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang um knapp 15 Prozent auf 51 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das operative Ergebnis sank um 30 Prozent auf 4,9 Millionen Euro. Der Auftragseingang sank im ersten Halbjahr sogar um fast zwei Drittel auf 65,2 Millionen Euro. Der Vorstand bekräftigte aber seine Prognose.

SMA Solar erholt sich
SMA Solar rutschte im Handelsverlauf ins Minus. Im zweiten Quartal spürte der TecDax-Konzern eine deutliche Belebung und erwirtschaftete einen Umsatz von 160 Millionen Euro. Das waren 85 Prozent mehr als im schwachen ersten Jahresviertel, aber rund 10 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

MPC Capital schreibt hohen Verlust
Im SDax dreht die Aktie von MPC nach anfänglichen Kursgewinnen kräftig ins Minus. Wertberichtigungen auf Schiffsbeteiligungen haben den Hamburger Emissionshaus im ersten Halbjahr unter dem Strich einen Verlust von 41 Millionen Euro beschert, nachdem das Unternehmen vor Jahresfrist noch eine Million Euro verdient hatte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)