Mit Frühlingsgefühlen ins Wochenende

Angela Göpfert

Stand: 18.04.2008, 20:08 Uhr

Am Ende der Handelswoche hat der deutsche Leitindex regelrecht aufgeblüht. Zahlreiche positive Quartalszahlen von US-Firmen wie Google und Citigroup beflügelten die Kurse auf beiden Seiten des Atlantiks. Ist das endlich die lang ersehnte Wende?

"Die Kapitalmärkte scheinen das Tal der Tränen verlassen zu haben", kommentierte jedenfalls Aktienstratege Dennis Nacken von Allianz Global Investors. Die US-Quartalssaison liefere bislang angesichts einiger positiver Überraschungen eine gute Vorlage. Der L-Dax ging bei einem Punktestand von 6.844 aus dem späten Parketthandel. Das bedeutete ein Plus von 2,4 Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss des Vortages. Damit setzte der Freitagshandel einen glamourösen Schlussstrich unter die Wochenbilanz: Der deutsche Leitindex konnte am Freitag gleich zwei Hunderter-Marken nehmen und auf Fünf-Tage-Sicht 3,6 Prozent wettmachen.

Auch die US-Börsen lagen zu Handelsschluss in Frankfurt deutlich im Plus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und auch der breiter gefasste S&P-500-Index legten jeweils rund 1,9 Prozent zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann knapp 2,7 Prozent. Der MSCI World Index stieg am Freitag gar auf seinen höchsten Stand seit dem Crash am 15. Januar.

Citigroup begeistert?
Dabei war vor allem die Quartalsbilanz der Citigroup ein wahrer Stimmungsaufheller. Zwar musste die Bank allein wegen der US-Immobilienkrise erneut sechs Milliarden US-Dollar abschreiben und unter dem Strich einen unerwartet hohen Verlust von 5,1 Milliarden Dollar verbuchen. Doch am Markt waren zuletzt offenbar weitaus höhere Abschreibungen befürchtet worden. Zudem blieb die Citigroup bei den Erträgen mit einem Rückgang um fast 50 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar noch über der Analystenschätzung von 12,8 Milliarden Dollar.

Google lässt Markt "durchschnaufen"
Zuvor hatte bereits Google mit seinen Quartalszahlen für gute Stimmung an den Börsen gesorgt. Google-Papiere konnten gar mit einem Plus von bis zu 21 Prozent den stärksten Kursanstieg seit ihrem Börsendebüt verzeichnen. Der führende Suchmaschinenbetreiber konnte mit einem überraschend starken Gewinnsprung allen Wachstumssorgen trotzen. Der Konzern erklärte bei Vorlage seiner Zahlen bereits am Donnerstagabend nach Börsenschluss, er sehe keine Auswirkungen der schwächelnden US-Konjunktur.

"Google hat die Stimmung etwas gehoben, sodass der Markt ein wenig durchschnaufen kann", sagte ein Händler. Mit Google konnte nach Intel und IBM in dieser Woche ein weiteres Schwergewicht der Technologiebranche die Märkte angesichts der grassierenden US-Rezessionsängste positiv überraschen. Allerdings ist bei Google zu beachten, dass der Internet-Riese inzwischen mehr als die Hälfte seiner Umsätze außerhalb seines Heimatmarktes USA erzielt.

Honeywell und Caterpillar machen Mut
Für gute Stimmung sorgten am Freitag auch die Quartalszahlen von Honeywell und Caterpillar. Der US-Mischkonzern Honeywell konnte dank der starken Nachfrage aus dem Flugzeugsektor seinen Gewinn um mehr als ein Fünftel steigern und übertraf damit die Markterwartungen bei Weitem. Der Gewinn je Aktie betrug 85 Cent, Analysten hatten im Schnitt 82 Cent erwartet. Angesichts dieses erfolgreichen Quartals hob Honeywell auch seine Ziele für 2008 an.

Auch der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar konnte einen überraschend kräftigen Quartalsgewinn einfahren. Dabei übertraf das Unternehmen die bereits hoch angesetzten Analystenprognosen.

Dollarstärke bedroht Rohstoffpreise
Papiere des US-Chipherstellers AMD gewannen ebenfalls, obwohl der Konzern den sechsten Quartalsverlust in Folge ausweisen musste. Der Ausblick für das laufende Quartal fiel aber nicht so schlecht aus wie erwartet. Das trieb auch Infineon-Papiere in die Höhe: Sie konnten bis Xetra-Schluss 5,65 Prozent zulegen und bauten diese Gewinne im späten Parketthandel weiter aus, sodass sie sogar Commerzbank-Papiere von Platz eins im Dax verdrängen konnten. Die Infineon-Tochter Qimonda legt ihre Zwischenbilanz am Montagabend (21. April) nach Börsenschluss in den USA vor.

Am Devisenmarkt gaben die positiven Quartalsberichte der US-Firmen dem Dollar Auftrieb: Der Euro fiel sogar unter die Marke von 1,575 Dollar, nachdem die Gemeinschaftswährung am Morgen noch mit rund 1,5950 Dollar gehandelt worden war. Öl, Gold und auch viele Basismetalle gerieten daraufhin spürbar unter Druck. Zudem trübten Sorgen, der Rohstoffhunger Chinas könnte in Zukunft schneller gestillt sein, die Stimmung.

Finanztitel auf der Gewinnerseite
Bei den Dax-Titeln konnten vor allem Finanzwerte von den insgesamt positiven Zahlen der Citigroup profitieren. So sprangen Commerzbank-Papiere bis zum Xetra-Schluss mit einem Plus von 6,19 Prozent zunächst an die Dax-Spitze, büßten einen Teil dieser Gewinne aber im späten Parketthandel wieder ein. Papiere des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate konnten 3,7 Prozent zulegen, Aktien der Deutschen Bank gewannen gar 3,73 Prozent. Im MDax setzte sich die Aareal Bank mit einem Aufschlag von 6,78 Prozent an die zweite Stelle.

Im europäischen Leitindex DJ EuroStoxx 50 belegte ebenfalls eine Bank den ersten Platz. Papiere der Société Générale profitieren dabei aber auch von einer Umstrukturierung der Konzernspitze: Drei Monate nach dem Milliardenskandal um Spekulationsverluste beschloss die Großbank die Ablösung des glücklosen Konzernchefs Daniel Bouton von der effektiven Konzernleitung.

Seltsamer Anstieg bei FMC
Im deutschen Leitindex gehen Aktien von Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Aufschlag von 4,68 Prozent aus dem Handel. Händler verwiesen auf erneute Gerüchte darüber, dass Baxter International ein Übernahmeinteresse am deutschen Dialyse-Spezialisten habe. Doch Experten halten das angesichts der Eigentümerstruktur des Dialyse-Spezialisten nicht für ein realistisches Szenario: "Hinter FMC steht der Mutterkonzern Fresenius und an dem ist die Else Kröner Fresenius Stiftung als Großaktionärin beteiligt", sagte eine Analystin. Bei der Spekulation handle es sich "wohl eher um Marktgerüchte, um den Kurs zu treiben".

Am Dax-Ende tauchten die Aktien von Münchener Rück und RWE auf. Beide Papiere wurden am Freitag ex Dividende gehandelt und waren die einzigen Dax-Titel, die Verluste verbuchen müssen. Bei dem Rückversicherer beträgt der Dividendenabschlag 5,50 Euro, bei RWE 3,15 Euro. Außerdem hat Merrill Lynch den Titel auf ihre "Least Preferred List" gesetzt. Sie beurteilen die Aktie also negativ.

K+S von Yara nach oben katapultiert
Im MDax belegt die Demag Cranes-Aktie den letzten Platz: Händler verwiesen auf Sorgen um die Ergebnisentwicklung bei dem Kranbauer, nachdem der finnische Wettbewerber Cargotec schlechte Ergebnisse vorgelegt habe. Aufgekommene Marktgerüchte über eine Gewinnwarnung dementierte Demag unterdessen. "Wir stehen zu unserer Prognose", sagte ein Sprecher.

Die Gewinnerliste im MDax wird dagegen von K+S angeführt: Der Titel legte 7,15 Prozent zu, was Händler mit dem starken Quartalsergebnis des norwegischen Rivalen Yara erklärten. Der Konkurrent des Salz- und Düngemittelherstellers hatte für das erste Quartal ein überraschend gutes Ergebnis ausgewiesen.

Premiere-Chef heizt Spekulationen an
Nach Xetra-Schluss heizte Premiere-Chef Börnicke die Spekulationen an, dass der Medienmogul Rupert Murdoch den Anteil seines Konzerns News Corp an Premiere von derzeit 22,7 Prozent weiter aufstocken könnte. "Das hätte für mich Logik", sagte Börnicke. "Dass er über 30 Prozent geht, das erwarte ich aber überhaupt nicht." Das "Wall Street Journal" hatte zuletzt unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, Murdoch strebe eine Sperrminorität von 25 Prozent an. Börnicke bekräftige zudem sein Interesse am TV-Sender Sat1, der zur ProSiebenSat1.

Die im TecDax notierte Aktie des IT-Dienstleisters
Bechtle konnte am letzten Handelstag der Woche bis zu 8,68 Prozent zulegen und ging mit einem Aufschlag von über fünf Prozent aus dem Handel. Marktbeobachter führten dies darauf zurück, dass die Bechtle-Aktie eine charttechnisch bedeutsame Widerstandslinie, die bei 20 Euro verläuft, knacken konnte.

Tele Atlas schockt
Nach Xetra-Schluss schockte der ebenfalls im TecDax notierte Digitalkarten-Anbieter Tele Atlas mit der Nachricht, dass er wegen negativer Währungseffekte einen Umsatzeinbruch im ersten Quartal verzeichnet habe. Die Erlöse seien um knapp acht Prozent auf 59 Millionen Euro zurückgegangen, teilte das Unternehmen mit. Nach dieser Hiobsbotschaft gibt die Aktie einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab.

Als weiteren Grund für den Rückgang nannte Tele Atlas einen Abbau der Lagerbestände bei seinen Kunden. Der niederländische Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat 2,9 Milliarden Euro für seinen Zulieferer geboten. Derzeit wird die Fusion von der Europäischen Kommission geprüft.

Gerry Weber will einen zweiten Fall Hugo Boss verhindern
Im SDax gewannen Gerry Weber-Aktien 2,65 Prozent. Um sich vor unliebsamen Investoren zu schützen, hat sich die Gründerfamilie des westfälischen Modekonzerns Gerry Weber mit weiteren Aktien ihres Unternehmens eingedeckt. Ralf Weber habe seine Anteile auf 10,02 Prozent aufgestockt, teilte die Gesellschaft am Freitag mit.

Insgesamt lägen damit inzwischen rund 56 Prozent der Anteile bei den Familien Weber und Hardieck, sagte Finanzvorstand Hans-Dieter Kley. "Wir wollen so verhindern, dass Fondsgesellschaften uns reinreden." Kley verwies dabei auf den inzwischen hoch verschuldeten Wettbewerber Hugo Boss . Dieser war von seinem Anteilseigner, dem Finanzinvestor Permira, zur Zahlung einer Sonderdividende von 350 Millionen Euro gedrängt worden.

Gewinnsprung bei Bauer
Der Tiefbaukonzern Bauer ging mit einem Aufschlag von 1,98 Prozent aus dem Handel: Bauer konnte im vergangenen Jahr seinen Gewinn mehr als verdoppeln. Der Konzerngewinn kletterte auf 74,4 von 35,2 Millionen Euro im Jahr zuvor, wie das Unternehmen aus dem bayerischen Schrobenhausen am Freitag mitteilte. Damit übertraf Bauer seine mehrfach angehobene Prognose. Den kompletten Jahresabschluss will der Konzern am 22. April vorlegen.

Von dem Rekordjahr sollen auch die Aktionäre profitieren: Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen den Angaben zufolge, der Hauptversammlung am 26. Juni eine Verdopplung der Dividende auf 1,00 Euro je Stückaktie vorzuschlagen.

Am SDax-Ende verloren Vivacon-Aktien wegen eines negativen Analystenkommentars über vier Prozent. Die Citigroup hatte die Aktien des Immobilienunternehmens nach Zahlen von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 24,00 auf 13,00 Euro gesenkt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr