Mini-Sommer-Rally geht weiter

Notker Blechner

Stand: 16.07.2009, 20:07 Uhr

Starke Quartalszahlen von JP Morgan und positive Signale vom US-Arbeitsmarkt haben den Börsen neuen Schwung gegeben. Der Dax setzte seine Erholungstour fort und flirtete gar mit der 5000-Punkte-Marke. Störfeuer wurden ignoriert.

Bereits den vierten Handelstag in Folge schloss der Dax im Plus. Seit Wochenbeginn hat das Börsenbarometer rund 400 Zähler zugelegt und notiert auf dem höchsten Stand seit Mitte Juni. "Die Stimmung in dieser Woche hat in dieser Woche klar vom Negativen ins Positive gedreht", meinte ein Händler. Nach einem verhaltenen Start drehte der Dax am Donnerstagmittag auf und legte zeitweise über ein Prozent zu. Die schwächelnde Wall Street bremste dann aber den Kursanstieg. Am Ende rettete sich der Dax mit einem Plus von 0,58 Prozent bei 4.957 Punkten aus dem Xetra-Handel. Im späten Parketthandel tat sich nicht mehr viel. Der L-Dax schloss bei fast 4959 Punkten.

Lichtblick vom US-Arbeitsmarkt

Zwar fielen die neuesten Konjunkturdaten aus den USA durchwachsen aus, Anleger suchten aber lieber das Positive: die wöchentlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe. Sie sanken überraschend deutlich auf 522.000. Die Prognosen hatten bei 565.000 gelegen. Der Rückschlag beim Philly-Fed-Index wurde hingegen verdrängt. Das Barometer, das die wirtschaftliche Aktivität in der Region Philadelphia misst, sackte im Juli auf minus 7,5 Prozent. Im Vormonat hatte es noch bei minus 2,2 Prozent gelegen. Volkswirte hatten mit einem kleineren Rückschlag auf minus 5,0 Punkte gerechnet.

JP Morgan glänzt, Nokia enttäuscht
Auch von der Quartalszahlen-Front gab es widersprüchliche Signale. Während der Handy-Gigant Nokia die Börsianer mit einem Gewinneinbruch und schrumpfendem Marktanteil schockte, übertraf die US-Großbank JP Morgan die Erwartungen. Dank des brummenden Geschäfts im Investmentbanking kletterte der Gewinn im zweiten Quartal um über ein Drittel auf 2,72 Milliarden Dollar oder 0,28 Dollar je Aktie. Analysten hatten nur mit mickrigen vier Cents gerechnet. Der Dax steckte den Dämpfer von Nokia locker weg. "Aktuell schaut der Investor vor allem auf die Zahlen der US-Banken", erklärte Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank. "Enttäuschende Zahlen von Nokia werden da eher gelassen gesehen." Mit Spannung blicken die Anleger nun auf die Zahlen von Google und IBM am Donnerstag nach US-Börsensschluss und auf die Bilanzen von General Electric und Citigroup am Freitagmittag.

Metro will Talfahrt im Großhandel stoppen
Größter Dax-Gewinner war Metro mit einem Plus von 3,5 Prozent. Nach Börsenschluss kündigte Metro-Vorstand Frans Muller vor Journalisten an, bis zum Jahresende die Rückgänge im schwächelnden Großhandelsgeschäft zu stoppen. Rote Zahlen werde es in diesem Jahr nicht geben. 2010 soll der Bereich wieder zu profitablem Wachstum zurückkehren, versprach Muller. Auch von Metro-Rivale Carrefour gab es am Abend vielversprechende Nachrichten. Zwar sank der Umsatz im zweiten Quartal um 1,2 Prozent. Analysten hatten aber noch einen stärkeren Rückgang befürchtet. Gleichzeitig bekräftigte Carrefour seine Jahresprognose.

Salzgitter hat Luft nach oben
Knapp hinter Metro lag die Aktie von Salzgitter mit einem Plus von fast drei Prozent. Händler sprachen von einem charttechnischen Ausbruch als Kurstreiber. Nachdem der Stahltitel die Marke von 64,30 Euro überwunden habe, sei nun viel Luft nach oben.

K+S profitiert von Übernahmefantasie
Eine Berg- und Talfahrt erlebte am Donnerstag die K+S-Aktie. Nachdem sie lange Zeit wegen schwacher Zahlen des Konkurrenten Yara und einer Herabstufung durch Analysten größter Dax-Verlierer war, drehte sie am Nachmittag kräftig ins Plus. Für Fantasie sorgten Pressespekulationen über eine neue Mega-Übernahme im Düngemittelsektor. Angeblich will der brasilianische Minenkonzern Vale den US-Düngemittelhersteller Mosaic für 25 Milliarden Dollar schlucken.

Lufthansa verschärft Sparkurs
Ähnlich gut hielt sich die Lufthansa-Aktie. Laut einem Medienbericht will die Fluggesellschaft mit einem massiven Sparprogramm auf die weltweite Krise des Luftverkehrs reagieren. Jährlich sollen eine Milliarde Euro eingespart werden. Derweil geht der Übernahmepoker um die österreichische Fluglinie AUA weiter. Am Abend legte die Lufthansa der EU-Kommission ein neues Angebot mit wettbewerbsrechtlichen Zugeständnissen vor. Man sei hier an die Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen, erklärte ein Sprecher.

Einigung bei Fusion von VW und Porsche?
Für Gesprächsstoff sorgten am Donnerstag erneut Porsche und VW. Laut mehreren Presseberichten haben sich angeblich die Eigentümerfamilien über das Zusammengehen von VW und Porsche geeinigt. Demnach soll VW rund 49 Prozent am Sportwagenbauer erhalten. Dies dementierte Uwe Hück, Vize-Aufsichtsratschef von Porsche. Es habe noch keine Entscheidung gegeben. Auf der Feier zum 100-jährigen Bestehen von Audi in Ingolstadt wies Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Rücktrittsgerüchte zurück und beteuerte: "Ich bin ein glücklicher Vorstandsvorsitzender und fühle mich in dieser Rolle pudelwohl." Am Donnerstag kommender Woche soll entschieden werden, wie das künftige Verhältnis von Porsche und VW aussehen soll. Die Porsche-Aktie erholte sich um vier Prozent.

Fraport kurz vor Zuschlag für St. Petersburg
Im MDax gehörte die Aktie von Fraport mit einem Plus von über zwei Prozent zu den größten Gewinnern. Der Frankfurter Flughafenbetreiber ist im Rennen um den Petersburger Flughafen ein großes Stück weiter gekommen. Am Rande des Treffens zwischen Russlands Präsident Dimitri Medwedew und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei München unterzeichneten Fraport-Chef Wilhelm Bender und die Gouverneurin von St. Petersburg eine Absichtserklärung zur Übertragung der Betriebsrechte an ein Konsortium um Fraport. Ein endgültiger Vertrag soll bis Jahresende geschlossen werden.

Arcandor-Sanierer wirft das Handtuch
Einen herben Rückschlag gab es am Abend für den insolventen Handelskonzern Arcandor. Der Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg legte überraschend sein Mandat nieder. Als Begründung nannte er die mangelnde Unterstützung durch den Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim.

Infineon verblüfft
Einen kräftigen Kurssprung von fast zwölf Prozent machte Infineon. Der Halbleiterhersteller hat überraschend erste vorläufige Quartalszahlen vorgelegt. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 konnte Infineon im Vergleich zum ersten Quartal seinen Umsatz um 13 Prozent auf 845 Millionen Euro verbessern. Die Ergebnisse der einzelnen Sparten fielen aber besser als erwartet aus. Infineon machte jedoch keine Angaben, wie hoch das Ergebnis auf Konzernebene ausgefallen ist.

Zocker bei Conergy am Werk
Größter TecDax-Gewinner war Conergy mit einem Plus von 14,5 Prozent. Doch Händler warnten. "Das ist nur noch Zockerei, da steht nichts dahinter", meinte ein Händler.

Solarworld hofft auf "Poldi"-Effekt
Die Solarwerte präsentierten sich uneinheitlich. Während Solon über zwei Prozent und Solarworld rund ein Prozent zulegten, sackte Q-Cells erneut um über fünf Prozent auf elf Euro ab. Verantwortlich hierfür war eine Reihe von Abstufungen, unter anderem von der Commerzbank, die ihr Kursziel von 19 auf 10 Euro fast halbierte. Mit millionenschweren Werbekampagnen wollen Q-Cells und Solarworld das ramponierte Image der Solarbranche wieder aufpolieren. Solarworld setzt gar auf Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski. Was "Poldi" mit Sonnenenergie verbindet, bleibt freilich unklar.

Elexxion geht das Geld aus
Die Aktie von Elexxion büßte am Donnerstag ein Drittel ihres Werts ein. Der Dental-Laser-Spezialist gab bekannt, dass die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei. Für den 26. August lädt der Vorstand deshalb zur außerordentlichen Hauptversammlung ein. Dort sollen Maßnahmen zum Erreichen der Gewinnschwelle vorgestellt werden.

Magix deutlich profitabler
Deutlich besser geht es der Software-Firma Magix. Sie konnte in den ersten drei Quartalen das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 0,1 auf 0,6 Millionen Euro und den Umsatz um neun Prozent auf 24,2 Millionen Euro steigern. Die Aktie gewann rund drei Prozent. Damit notiert das Papier rund 20 Prozent höher als vor einem Jahr.

CIT vor der Pleite
In den USA könnte das Bankensterben ein neues prominentes Opfer erwischen: den Mittelstandsfinanzierer CIT Group. Nach den gescheiterten Rettungsgesprächen mit der US-Regierung brach die Aktie von CIT um 75 Prozent ein und war nur noch 40 Cents wert.

Marriott leidet unter Schweinegrippe
Die US-Hotelkette Marriott erlitt im zweiten Quartal einen unerwartet heftigen Gewinneinbruch. Marriott verdiente mit 37 Millionen Dollar mehr als drei Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schrumpfte um knapp ein Fünftel. Schuld daran ist die Reiseflaute. Zuletzt habe auch die Schweinegrippe das Geschäft belastet, hieß es.

Harley Davidson findet immer weniger Käufer
Auch Harley-Davidson trifft die Krise mit voller Wucht. Die Kultmarke musste im zweiten Quartal einen Absatzeinbruch von 30 Prozent hinnehmen. Mit 20 Millionen Dollar verdiente Harley-Davidson nur noch ein Zehntel dessen, was im Vorjahreszeitraum erwirtschaftet wurde.

Biogen überzeugt
Einzig Biogen konnte glänzen. die Biotech-Firma verdiente im zweiten Quartal vor Sonderposten 75 Cents je Aktie - acht Cents mehr als prognostiziert. Die Aktie legte zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen