Mini-Korrektur oder Trendwende?

von Angela Göpfert

Stand: 24.07.2009, 20:04 Uhr

Der Dax hat erstmals seit zehn Tagen im Minus geschlossen und damit seine sensationelle Gewinnserie beendet - so viel ist klar. Nur wie dieser Rückgang zu bewerten ist, da sind sich Marktbeobachter noch uneins.

Einige sprechen sogar schon von einer Trendwende: Technische Analysten weisen darauf hin, dass der Dax genau am bedeutsamen 5.300er Widerstand kehrt gemacht habe. Zudem seien die Märkte nach der rasanten Rally der vergangenen Tage nun "gefährlich überkauft" und somit reif für noch deutlichere Kursrückgänge.

Andere wiederum sprechen von einer notwendigen Korrektur und - nach neun Gewinntagen - ganz natürlichen Gewinnmitnahmen. So kommentierte eine Händler: "In den vergangenen Tagen haben wir einen ziemlich großen Schluck aus der Pulle genommen, da ist so eine kleine Verschnaufpause ganz normal."

Nur ein kleines Kursminus
Tatsächlich ist das Dax-Minus am Freitag auch ziemlich niedrig ausgefallen - vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass in den USA das Verbrauchervertrauen kräftig gesunken war und gleich drei Börsenschwergewichte desaströse Zahlen gemeldet hatten. Das ist als eher "bullishes" Signal zu werten.

Am Ende des Xetra-Handels stand schließlich ein Punktestand von 5.229 auf der Dax-Tafel, ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vortag. Den späten Parketthandel beschloss der Late-Dax sogar minimal im Plus bei 5.243 Zählern. Das war vor allem der besseren Verfassung der Wall Street geschuldet: Im Handelsverlauf hatten der Dow-Jones-Index und der marktbreite S&P 500 ins Plus gedreht. Zu Parkettschluss notierte nur noch die Technologiebörse Nasdaq im Minus.

Wenn Giganten taumeln ...
Der Softwaregigant Microsoft hatte mit einem Umsatzminus im vergangenen Quartal - dem ersten seit seinem Börsengang 1986 - vor allem bei Technologietiteln für Verkaufsstimmung gesorgt. Die Hoffnungen, die mit starken Zahlen von IBM, Intel und Apple aufgekeimt waren, wurden damit empfindlich gedämpft.

Auch der weltgrößte Internet-Einzelhändler Amazon und der Kreditkartenanbieter American Express sorgten mit drastischen Gewinneinbrüchen für Verdruss. Amazon verwirrte zudem die Anleger mit einer vagen, nachgerade absurden Jahresprognose: Zwischen einem Verlust von 25 Prozent und einem Gewinn von einem Drittel sei alles drin.

Doppelbelastung für Merck
Am deutschen Aktienmarkt tat sich die Merck-Aktie negativ hervor. Sie war mit einem Minus von 14,7 Prozent der mit Abstand größte Dax-Verlierer. Die europäische Arzneimittelbehörde hatte sich gegen den Einsatz des Mittels Erbitux gegen fortgeschrittenen Lungenkrebs ausgesprochen. Zudem fiel der Gewinneinbruch im zweiten Quartal überraschend heftig aus.

Bayer und Lufthansa leiden unter Konkurrenz
Die Bayer-Aktie verlor 1,9 Prozent. Der Branchennachbar Syngenta hatte nach einem unerwartet starken Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr sein Gewinnziel gekippt. Aktien des Schweizer Agarchemiekonzerns verloren bis zu 5,3 Prozent. Lufthansa-Papiere verloren nach einem Gewinneinbruch und miesen Ausblick von Air-France-KLM 1,3 Prozent.

Gefragt: ThyssenKrupp, VW und K+S
An der Dax-Spitze haussierte die ThyssenKrupp-Aktie mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent auf 20,48 Euro. Die UBS hatte das Kursziel für den Titel von 23 auf 30 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen.

Die VW-Stammaktie zog um 2,5 Prozent an - Händler konnten dafür keine fundamentalen Gründe ausmachen. Das Kursplus bei K+S von 1,7 Prozent führten sie hingegen auf die guten Vorgaben von den Konkurrenten Potash und Mosaic zurück.

EADS kann aufatmen
Im MDax arbeitete sich am Nachmittag die EADS-Aktie nach oben, sie schloss 1,4 Prozent im Plus: Trotz massiver Verzögerungen halten Deutschland und sechs seiner Nato-Partner am Militärtransporter A400M fest. Für den Airbus-Mutterkonzern EADS wäre eine Kündigung ein finanzielles Desaster gewesen. Er hätte Anzahlungen in Höhe von 5,7 Milliarden Euro zurückzahlen müssen.

ProSiebenSat.1 steigt und steigt
Noch besser setzte sich die Aktie von ProSiebenSat.1 in Szene. Sie setzte ihre Klettertour der vergangenen Tage fort und stieg um knapp sechs Prozent. Der MDax-Titel profitierte dabei auch von einer Hochstufung durch Sal.Oppenheim.

Singulus schockt
Im TecDax brachen Singulus-Aktien um 10,6 Prozent ein. Im ersten Halbjahr hat sich der operative Verlust mehr als versechsfacht. Der Spezialmaschinenbauer rechnetn nun auch für das Gesamtjahr mit einem "deutlich negativen" Ergebnis. "Die Zahlen und der Ausblick sind einfach nur desaströs", sagte ein Händler.

Solarhausse im TecDax
Dagegen haussierten Solaraktien nach positiven Quartalsberichten der US-Mitbewerber SunPower und MEMC. Aktien von Q-Cells stiegen um 5,4 Prozent, Solon kletterten um 4,3 und Solarworld um 2,7 Prozent.

Solon-Aktien profitierten dabei zusätzlich von einem Großauftrag aus Italien: Der Solarmodulhersteller soll in Padua die größte Photovoltaik-Dachanlage der Welt bauen. Der Solarzellenhersteller Q-Cells und die amerikanische MEMC planen derweil gemeinsam den Bau von Deutschlands größtem Solarpark im bayerischen Strasskirchen.

"Warnsignal" von Ericsson
Unter den ausländischen Titeln stachen Ericsson-Aktien mit einem Minus von bis zu 8,6 Prozent ins Auge: Der schwedische Telekomausrüster hatte zwar einen unerwartet hohen Gewinn eingefahren, sich aber äußerst vorsichtig zum Geschäftsumfeld geäußert. Laut WestLB-Analyst Thomas Langer sollte dies "als Warnsignal für das restliche Jahr gesehen werden".

Dollarschwäche nährt Rohstoffmärkte
Dagegen wollte sich an den Rohstoffmärkten am Freitag keine rechte Ernüchterung breitmachen: So notierte Kupfer nur knapp unter seinem am Vortag erreichten Zehn-Monats-Hoch. Der Ölpreis konnte sogar etwas zulegen auf 67,39 Dollar je Fass der US-Referenzsorte WTI. Den Grundstein dafür legten erneut der Risikoappetit der Investoren und der schwächere Dollar.

Die Dollar-Schwäche stützte auch den Goldpreis, der auf rund 953 Dollar kletterte. Allerdings sind weitere Gewinne laut Händlern durch starke charttechnische Widerstände und eine schwache Schmuck- und Investmentnachfrage nach dem Edelmetall begrenzt.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr