Mini-Korrektur nach Mega-Rally

Angela Göpfert

Stand: 10.11.2009, 20:04 Uhr

Binnen einer Woche hat der Dax mehr als sechs Prozent zulegen können. Da war die heutige Verschnaufpause wohl verdient. Auch an der Wall Street ließen es die Investoren heute ruhiger angehen. Das charttechnische Bild des Dow-Jones-Index' sieht dabei überzeugender aus als das des Dax'.

Der amerikanische Leitindex hat die Kursrückgänge in der vergangenen Woche mittlerweile wieder mehr als wettgemacht, die seit März bestehende mittelfristige Aufwärtstrendlinie zurückerobert und seine Performance am Dienstag sogar noch mit einem neuen Jahreshoch von 10.260 Punkten gekrönt.

Von einem solchen Kunststück ist der deutsche Leitindex hingegen noch weit entfernt - trotz der Aufholjagd der vergangenen Tage, welche den Dax von 5.312 bis auf 5.650 Zähler getragen hatte. Die derzeit bei 5.688 Punkten verlaufende unter Begrenzung des seit März bestehenden Aufwärtstrend hat der Dax jedoch noch nicht knacken können.

Fed-Aussagen sorgen für Ernüchterung
Den heutigen Xetra-Handel und auch den späten Parketthandel beendete der Dax bei 5.613 Punkten - das bedeutete ein Minus von 0,1 Prozent. Grund war die schwächelnde Wall Street: Zu Parkettschluss notierte der US-Leitindex Dow Jones 0,1 Prozent tiefer, die Kurse an der Nasdaq fielen um 0,4 Prozent.

Neben Gewinnmitnahmen machten Marktbeobachter dafür auch die zurückhaltenden Äußerungen von zwei führenden Fed-Mitgliedern zu den Erholungsaussichten der US-Wirtschaft verantwortlich. "Stärke und Länge des Wachstums stehen infrage", sagte die Präsidentin der Notenbank von San Francisco, Janet Yellen.

Atlantas Fed-Chef Dennis Lockhart verwies darauf, dass die Wirtschaft vor allem durch zeitlich begrenzte Staatshilfen gestützt worden sei. Außerdem fielen Daten zu Bankenpleiten, Zwangsversteigerungen, Arbeitslosigkeit und Einkommen weiterhin enttäuschend aus.

HSBC und Barclays wittern Morgenluft
Gegen den Trend konnten sich Aktien der Bank of America stemmen, die von positiven Branchennachrichten profitierten. Die beiden größten britischen Banken HSBC und Barclays haben im abgelaufenen Quartal vom Boom im Investmentbanking profitiert - getragen vom ungebremsten Kapitalhunger von Staaten und Firmen. Bei HSBC war zudem der Umfang der faulen Kredite in den USA erstmals seit 2006 gesunken.

Johnson & Johnson: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
105,67
Differenz relativ
-0,84%

Lieber etwas Defensives
Insgesamt waren Finanztitel aber eher nicht gefragt. Unter den verschiedenen Sektoren am US-Aktienmarkt konnten lediglich Pharma- und Gesundheitstitel sowie nicht-zyklische Konsum-Aktien im Schnitt ein Plus einfahren. Aktien von Pfizer, Johnson & Johnson und Merck & Co., aber auch von Kraft Foods, Altria und Coca-Cola zählten zu den großen Gewinnern.

Der deutsche Aktienmarkt hatte zuvor ein ähnliches Bild geboten. Auch im Dax setzten Anleger am Dienstag verstärkt auf defensive Titel. Dazu zählten Anteilsscheine des Gesundheitskonzerns Fresenius und seiner Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care ebenso wie die Konsum-Titel Beiersdorf und Henkel.

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,34
Differenz relativ
+8,45%

Stahltitel nicht gut gelitten
Zykliker aus der Stahlindustrie wie Salzgitter und ThyssenKrupp wurden dagegen von Anlegern gemieden. Bei ThyssenKrupp lasteten zusätzlich Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung auf dem Kurs. Der Konzern hält Ende des Monats seine Bilanz-Pressekonferenz ab.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,04
Differenz relativ
-0,48%

Katar lässt VW-Aktien einbrechen
Für den ganz großen Wirbel sorgte jedoch Katar: Das Golf-Emirat hat nämlich mit seinen VW-Anteilen im großen Stil Kasse gemacht. Der Großaktionär nutzte am Dienstag den Kursanstieg der Vorzugsaktien in den vergangenen Monaten und bot bis zu 25 Millionen Papiere zum Kauf an. Händlern zufolge lag der Platzierungspreis bei 60 Euro. VW-Vorzüge brachen daraufhin um 15,8 Prozent auf 60,22 Euro ein.

Auch VW-Stämme wurden in Mitleidenschaft gezogen, sie büßten 8,0 Prozent auf 102 Euro ein. Analysten rechnen nämlich nun damit, dass Katar seinen Anteil an den VW-Stämmen erhöhen und der Streubesitz damit weiter sinken dürfte. Den Titeln drohte dann der Rauswurf aus dem Dax.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,48
Differenz relativ
-0,58%

Mehr Lufthansa-Passagiere
Die Lufthansa-Aktie zählte nach Verkehrszahlen ebenfalls zu den Dax-Verlierern. Dabei hat der Konzern hat die jüngsten Zukäufe im Oktober knapp 27 Prozent mehr Passagiere befördert als im Vorjahresmonat. Im Frachtgeschäft ging die Nachfrage um 4,1 Prozent zurück.

Adidas kommt beim Schuldenabbau voran
Die Adidas-Aktie gewann hingegen überproportional hinzu. Eine vorzeitig gekündigte Wandelanleihe, die eigentlich eine Laufzeit bis 2018 hatte, wurde vollständig in Aktien getauscht. Damit reduziert sich der Schuldenstand des Sportartikelherstellers um knapp 400 Millionen Euro.

Bilfinger-Strategieschwenk kommt gut an
Ansonsten dominierte eine Zahlenflut in den Nebenwerte-Indizes gelisteter Unternehmen das Börsengeschehen. Dank guter Zahlen und der Ankündigung eines Konzernumbaus setzten sich Titel von Bilfinger Berger mit einem Plus von 7,6 Prozent an der MDax-Spitze fest. Bilfinger will das schwankungsanfällige Baugeschäft um zwei Drittel einstampfen und den Konzern damit grundlegend zum Dienstleister umgestalten.

HeidelDruck und Wincor nach Zahlen gefragt
Bei Heidelberger Druck sahen es die Anleger positiv, dass der Kapitalabfluss im dritten Quartal gestoppt wurde und der operative Free Cash Flow positiv ist. Die Analysten der Unicredit bezeichneten hingegen die hohe Nettoverschuldung von 675 Millionen Euro per 30. September als "beunruhigend".

Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf hat hingegen mit seinen Quartalszahlen die Analystenschätzungen leicht übertreffen können. Händler hoben vor allem die positive Entwicklung beim Free Cashflow und die angekündigte Dividende von 1,85 Euro positiv hervor.

Ebenso Aareal und Rational
Aktien der Aareal Bank profitierten ebenfalls von Quartalszahlen: Der Immobilienfinanzierer schrieb erneut schwarze Zahlen und verbuchte einen Gewinn von sechs Millionen Euro. Trotz der soliden Entwicklung will Aareal die erhaltene Staatshilfe noch nicht zurückgeben. Auch Papiere des Großküchenausrüsters Rational waren nach einem überraschend starken Gewinnanstieg im dritten Quartal sehr gefragt.

Leoni wird skeptischer
Leoni-Aktien übernahmen mit einem Minus von 5,9 Prozent die rote Laterne. Der Autozulieferer und Kabelproduzent hat sich zwar dank massiver Einsparungen im dritten Quartal zurück in die schwarzen Zahlen gekämpft, doch die Umsatzentwicklung gibt keinen Anlass zu Optimismus: Der Umsatz werde 2009 eher auf 2,1 als nur auf 2,2 Milliarden Euro sinken, sagte Konzernchef Klaus Probst.

Tognum schwach auf der Brust
Tognum-Papiere büßten 3,5 Prozent ein. Vor allem der schwache Auftragseingang bereitet Investoren wie Analysten Sorgen: Ulrich Scholz, Analyst bei Sal. Oppenheim, sieht angesichts des aktuellen Auftragsbestandes auch seine Umsatzschätzung für 2010 gefährdet und senkte den Titel von "Buy" auf "Neutral".

Gagfah rückt mit CFO-Wahrheit raus
Gagfah-Aktien zählten trotz der Ankündigung einer außergewöhnlich hohen Dividende von 20 Cent je Anteilsschein für das vergangene Quartal zu den MDax-Verlierern. Gagfah bestätigte am Nachmittag Spekulationen, dass sein Finanzchef Rolf Glessing bereits Ende Oktober den Konzern verlassen hatte - Marktbeobachter werteten dies als kein gutes Zeichen.

Qiagen ein wenig optimistischer
Im TecDax haussierte die Qiagen-Aktie mit einem Plus von 4,5 Prozent: Das Indexschwergewicht sah sich nach einem deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg im dritten Quartal gut für weiteres Wachstum aufgestellt und hob die Jahresprognosen an. Cheuvreux stufte daraufhin den Titel hoch von "Underperform" auf "Outperform".

Jenoptik im Würgegriff der Krise
Die Jenoptik-Aktie konnte sich zu Handelsschluss doch noch ins Plus retten. Dabei leidet der Konzern weiterhin unter der der Halbleiter- und Automobilindustrie, für die optische Systeme und Messtechnik gefertigt werden. Jenoptik schrieb im dritten Quartal operativ rote Zahlen und will nun jede zehnte Stelle im Konzern streichen.

Evotec und andere Verlierer
Auf der Verliererseite im TecDax tummelten sich hingegen Aktien, die sich zuletzt außerordentlich stark präsentiert hatten wie Evotec, Aixtron und Dialog Semiconductor.

Kapitalabfluss bei Julius Bär
In der Schweiz zählte die Julius-Bär-Aktie zu den schwächsten Titeln. Der internationale Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis bremst die Geschäfte der Privatbank. Seit Jahresmitte hat sich der Zufluss der Kundengelder bei dem größten reinen Vermögensverwalter des Landes verlangsamt. "Das angespannte regulatorische Umfeld in einigen europäischen Ländern veranlasst einige Kunden, ihre Vermögen zu verlagern", hieß es am Dienstag im Zwischenbericht der Bank, in dem sich die Bank traditionell auf qualitative Angaben beschränkt.

Vodafone stellt nicht zufrieden
Zu den größten Verlierern im Stoxx50 zählten Vodafone-Aktien mit einem Abschlag von 1,5 Prozent. Der britische Mobilfunkriese hatte seinen Sparkurs zwar drastisch verschärft, enttäuschte die Anleger aber mit der Gewinnmarge.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr