Mieser Konjunkturmix verdirbt Anlegern die Laune

Stand: 22.03.2012, 20:05 Uhr

Von Frühlingsstimmung war an den Börsen am Donnerstag nichts zu spüren. Schlechte Konjunkturdaten aus China und Deutschland vertrieben den Optimismus der Anleger. Der Dax konnte nicht einmal die Marke von 7.000 Punkten halten.

Ist das die längst überfällige Konsolidierung am deutschen Aktienmarkt oder nur eine kleine Verschnaufpause? Der Dax rutschte am Donnerstag deutlich um 1,3 Prozent ab und schloss erstmals seit sieben Handelstagen wieder unter der Marke von 7.000 Punkten. Manche Börsianer sehen das nur als kleinen Rücksetzer vor dem nächsten Kursaufschwung. "Viele Anleger warten nur darauf, bei niedrigen Kursen wieder einzusteigen." Der Dax hat seit Jahresbeginn gut 20 Prozent zugelegt.

Auch von der Wall Street kam keine Unterstützung. Der Dow Jones gab bis zum Abend rund 0,6 Prozent, die Nasdaq 0,5 Prozent ab.

Dämpfer für die deutsche Konjunktur
"Die Negativnachrichten kamen heute in geballter Form", meinte ein Händler. Negative Signale aus China und der Eurozone schürten die Angst vor einer Konjunkturabkühlung. Überraschend brach der deutsche Einkaufsmanagerindex auf 48,1 Punkte ein. Werte unter 50 Zähler deuten daraufhin, dass es kein Wachstum gibt. Die stärkste Volkswirtschaft Europas könnte doch nicht so robust sein wie ursprünglich gedacht, mutmaßte Händlerin Anuta Paluch von Gekko Global Markets.

China verliert an Fahrt
Auch die Wachstumslokomotive China verlor an Schwung. Dort sank der HSBC-Einkaufsmanagerindex der Industrie den fünften Monat in Folge. "China befindet sich inmitten einer weichen Landung", meinten die Analysten der NordLB. Ohne Moll-Töne könne auch diese nicht erfolgen.

Lichtblick aus den USA
Da halfen auch gute Konjunkturdaten aus den USA nicht. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken in der vergangenen Woche um 5.000 auf 348.000, den tiefsten Stand seit vier Jahren. Volkswirte hatten mit einem geringeren Rückgang gerechnet. Die Frühindikatoren stiegen stärker als erwartet - um 0,7 Prozent. Volkswirte hatten mit einem etwas schwächeren Zuwachs um 0,6 Prozent gerechnet. Der Sammelindex setzt sich aus zehn Frühindikatoren zusammen, darunter die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Neuaufträge in der Industrie, das Verbrauchervertrauen und die Baugenehmigungen.

Draghi: "Das Schlimmste ist vorüber"
Die optimistischen Töne von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), konnten die Märkte ebenfalls nicht beruhigen. "Das Schlimmste ist vorüber", sagte der Italiener in der "Bild"-Zeitung mit Blick auf die Finanz- und Schuldenkrise. Zwar bestünden weiter Risiken, aber die Lage stabilisiere sich. Ähnlich äußerte sich der Europäische Systemrisikorat. Er sieht Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaft und an den Finanzmärkten.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nur zwei Gewinner
Im Dax gab es ganz nur wenige Gewinner. Nur Adidas und HeidelbergCement schlossen im Plus. Dagegen wurden konjunkturabhängige Werte gemieden. Am schlimmsten erwischte es ThyssenKrupp. Die Aktie war mit einem Minus von über drei Prozent Dax-Schlusslicht. Auch die Autoaktien befanden sich auf der Verliererspur.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank-Dividende 2013?
Auf der Verkaufsliste standen mal wieder die Bankenwerte. Die Titel der Commerzbank büßten drei Prozent, die Aktien der Deutschen Bank knapp zwei Prozent ein. Ein Börsianer verwies auf zuletzt wieder aufkeimende Sorgen um Spanien. Da half auch die Ankündigung von Commerzbank-Chef Martin Blessing im "Manager-Magazin" nicht, dass vielleicht ab 2013 Aktionäre wieder eine Dividende erhalten könnten.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nyse lässt Deutsche Börse im Stich
Die New Yorker Börse lässt die Deutsche Börse bei ihrer Klage gegen das Nein der EU-Kommission gegen die Mega-Fusion allein. Die Nyse erklärte am Donnerstag, dass sie das Veto juristisch nicht anfechten wolle. Die Deutsche Börse präzisierte derweil ihren Ausblick für 2012. Demnach will der Frankfurter Börsenbetreiber das operative Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau halten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern werde zwischen 1,20 und 1,35 Milliarden Euro liegen, teilte die Börse in ihrem Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr mit. Beim Umsatz peilt die Deutsche Börse ein Plus von fünf bis zwölf Prozent auf 2,35 und 2,50 Milliarden Euro an.

Lanxess ist der MDax-Star
Zahlreiche Firmen aus der zweiten Reihe haben am Donnerstag ihre Bilanzen enthüllt. Dabei konnte vor allem Lanxess glänzen. Die Aktie des Spezialchemiekonzerns kletterte um über acht Prozent nach oben und führte den MDax an. Dank der hohen Nachfrage der Autoindustrie nach Spezialkautschuk sprang der Gewinn von Lanxess auf 506 Millionen Euro nach 379 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen eine vom 70 Cent 85 Cent Euro je Aktie erhöhte Dividende erhalten.

SGL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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SGL gibt Dividenden-Bonbon
Um knapp acht Prozent schoss die Aktie von SGL Group nach oben. Der Kohlenstoffspezialist hat im vergangenen Jahr seine Umsatz- und Gewinnziele erreicht und will trotz einiger Unsicherheiten im laufenden Jahr weiter zulegen. Seinen Aktionären will der Konzern nach langer Pause wieder eine Dividende von 20 Cent zahlen. Das entzückte die Anleger. Unterm Strich stieg der Gewinn um 40 Prozent.

Fuchs auf richtiger Fährte
Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub ist gut ins Jahr gestartet. Umsätze und Erträge hätten in den ersten beiden Monaten über dem Niveau des Vorjahres gelegen, teilte der MDax-Konzern anlässlich der endgültigen Zahlen fest. 2011 lag der Umsatz mit 1,67 Milliarden Euro um 14 Prozent über dem Vorjahr. Der Nettogewinn stieg leicht von 172 auf 183 Millionen Euro. Die Dividende soll um je zehn Cent auf ein 1,00 Euro je Vorzugs- und 0,98 Euro je Stammaktie erhöht werden. Anleger hatten sich offenbar noch mehr versprochen. Die Aktie büßte fast zwei Prozent ein.

Gute Nachrichten von Biotest
Im SDax ragten die Aktien von Biotest hervor. Sie gewannen knapp vier Prozent und waren zeitweise größter Gewinner im Kleinwerte-Index. Die Ankündigung, die Dividende anzuheben auf 0,44 Euro je Stammaktie und 0,50 Euro je Vorzugsaktie, kam an der Börse gut an.

Hornbach trotzt dem Branchentrend
Leicht aufwärts ging es im SDax für das Hornbach-Papier. Mit einem Umsatzplus von gut sechs Prozent wuchs der Konzern in dem Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr stärker als die Konkurrenz. Die 134 Bau- und Gartenmärkten steigerten im Geschäftsjahr ihren Umsatz um 5,8 Prozent auf drei Milliarden Euro. Die Branche verzeichnete flächenbereinigt 2011 in Deutschland lediglich ein Umsatzplus von einem Prozent.

Takkt kauft in den USA zu
Ebenfalls leicht im Plus lagen die Aktien von Takkt. Das SDAx-Unternehmen hat in den USA einen Zukauf angekündigt. Takkt übernimmt George Patton Associates. Das Unternehmen passe gut in das Portfolio von Takkt, lobte Hauck & Aufhäuser. Zudem werde das US-Geschäft gestärkt.

Cewe Color wird zum Drucker
Fotobücher haben im vergangenen Jahr den Umsatz von Cewe Color angetrieben. Die Erlöse stiegen um fünf Prozent auf 469 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich um über ein Drittel auf 18,6 Millionen Euro. Den Cewe-Aktionären winkt eine 15 Cent höhere Dividende von 1,40 Euro je Aktie. 2012 erhofft sich Cewe einen zusätzlichen Wachstummschub von seinem neuen Geschäftsfeld Online-Druck. Der Umsatz soll um sieben bis zwölf Prozent zulegen. Beim Ebit wird ein Niveau von 27 bis 33 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Aktie rutschte um zwei Prozent ab.

Prime Office vor schwierigem Jahr
Größter SDax-Verlierer war Prime Office mit einem Minus von 4,6 Prozent. Der Immobilienkonzern stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein. Das operative Ergebnis (FFO) dürfte 2012 auf 17 bis 19 Millionen Euro fallen. Grund seien Sonderkosten von sieben Millionen Euro., mit denen neue Mieter angelockt werden müssten. Wegen seiner zu niedrigen Eigenkapitalquote droht zudem der Börsenneuling den gerade erst erworbenen Status als REIT zu verlieren. Prime Office besitzt 14 Büroimmobilien in Westdeutschland.

Frieden zwischen Drillisch und Telekom
Größter TecDax-Gewinner war dagegen Drillisch mit einem Plus von fünf Prozent. Drillisch und die Deutsche Telekom haben ihren Rechtsstreit beigelegt. Beide Seiten vereinbarten, die anhängigen Zivilverfahren einzustellen. Es werde außerdem sichergestellt, dass die Übernahme von Kunden, die nach der Beendigung der Verträge noch immer im Telekom-Netz telefonieren, funktioniere und die verbleibenden Kunden weiterhin das Netz der Telekom nutzen könnten, hieß es. Der Vollzug der Vereinbarung steht unter verschiedenen Vorbehalten. Die Telekom hatte im November ihre Zusammenarbeit mit Drillisch mit der Begründung aufgekündigt, Drillisch habe sich Provisionen erschlichen.

Centrotherm ganz vorn
Stark gefragt im TecDax waren ebenfalls die Aktien von Centrotherm., die gut fünf Prozent zulegten. Die vom US-Handelsministerium verhängten Strafzölle gegen chinesische Hersteller fielen geringer aus als gedacht. Davon profitiert Centrotherm. Der Zulieferer kooperiert mit chinesischen Solarproduzenten.

Solarworld ganz hinten
Dagegen leidet das einstige deutsche Solarvorzeige-Unternehmen, Solarworld, unter der chinesischen Konkurrenz: Im abgelaufenen Jahr schrumpfte der Umsatz auf rund eine Milliarde Euro. Unterm Strich gab es einen Verlust von knapp 300 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte der Solarkonzern noch einen Gewinn von 87,3 Millionen Euro erwirtschaftet. "Das sind erschreckende Zahlen, sie passen genau ins Krisenbild der Branche", sagte ein Händler. Für dieses Jahr peilt Solarworld wieder operativ schwarze Zahlen an. Die Aktie sackte um über fünf Prozent ab und war TecDax-Schlusslicht.

Kizoo verwöhnt die Aktionäre
Rund neun Prozent legte am Donnerstag die Aktie von Kizoo zu. Die Beteiligungsgesellschaft mit Schwerpunkt Internet und digitale Kommunikation schüttet einer Sonderdividende von 2,50 Euro je Aktie an die Aktionäre aus. Das Unternehmen, Nachfolger von Combots, verdiente im abgelaufenen Jahr 2,9 Millionen an. Operativ fielen Verluste von 2,2 Millionen Euro an.

Fedex schlägt leisere Töne an
Starke Zahlen, aber einen ernüchternden Ausblick präsentierte der US-Paketdienst Fedex. Dank des starken Weihnachtsgeschäfts verdiente Fedex im dritten Quartal 2011/12 (Dezember bis Ende Februar) mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal zeigte sich der US-Paketdienst aber deutlich vorsichtiger. Kunden würden sich aus Kostengründen verstärkt entschließen, ihre Sendungen per Lkw und nicht per Flugzeug zu schicken. Fedex rechnet nun nur noch mit einem Gewinn von 1,m75 bis zwei Dollar je Aktie. Experten hatten 1,98 Dollar je Anteilsschein auf ihrer Rechnung. Die Fedx-Titel gaben über drei Prozent nach.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr