Marktbericht 20:10 Uhr

Rückzug aus Aktien, Flucht in Gold Stürmischer April-Tag an der Börse

Stand: 05.04.2016, 20:10 Uhr

April, April, die Börse macht, was sie will! Obwohl es wenig Neues gab, stürzte der Dax am Dienstag um über 250 Punkte ab. Schwache deutsche Konjunkturdaten und neue Zinsspekulationen in den USA verunsicherten die Anleger.

Die Frühlingsgefühle der Börsianer sind vorerst verflogen. Weltweit machte sich an den Aktienmärkten am Dienstag wieder Pessimismus breit. Marktteilnehmer sprachen von "viel Nervosität zu Beginn des neuen Quartals über die weiteren Aussichten". "Kurz vor der Berichtssaison bekommen die Anleger erneut kalte Füße", meinte Händler Thorsten Engelmann von der Equinet Bank.

Hebt die Fed doch öfter die Zinsen an?

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Da genügten schon Aussagen eines nicht all zu bekannten US-Notenbankers, um die Börsen in den Keller zu drücken. Fed-Vertreter Eric Rosengren, der üblicherweise zu den Verfechtern einer lockeren Geldpolitik gehört, schürte die Angst vor baldigen Zinsanhebungen. Er fand es überraschend, dass die Märkte bislang lediglich mit einer oder zwei Zinserhöhungen im laufenden Jahr rechnen. Diese Einschätzung könnte sich als zu pessimistisch herausstellen. Rosengren schlug damit einen weniger vorsichtigen Ton als zuletzt Fed-Präsidentin Janet Yellen.

Wall Street im Rückwärtsgang

Die Unklarheit über die künftige Zinspolitik der US-Notenbank und auch skeptische Äußerungen von IWF-Chefin Christine Lagarde zur Weltkonjunktur belasteten die Wall Street. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,5 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P 500 sank noch stärker um ein Prozent auf 2.046 Zähler.

Ölpreise machen Verluste wett

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Weder gute Konjunkturdaten noch die Erholung der Ölpreise konnten die Kursverluste lindern. Überraschend hellte sich die Stimmung im US-Dienstleistungssektor im März unerwartet deutlich auf. Der Einkaufsmanagerindex des ISM stieg auf 54,5 Punkte. Volkswirte hatten lediglich mit 54,2 Zählern  gerechnet. Am Nachmittag stabilisierten die Ölpreise wieder. Ein Barrel der Nordseesorte Brent pendelte sich bis zum Abend auf dem Vortagesniveau von 37,69 US-Dollar ein. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stagnierte bei 35,70 Dollar. Die Analysten der Commerzbank erwarten einen weiteren Rückgang der Ölpreise, da sich im Vorfeld der Sitzung wichtiger Ölproduzenten in Doha in knapp zwei Wochen die Finanzanleger weiter zurückziehen dürften.

Dax auf Vier-Wochen-Tief

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die schwächelnde Wall Street und die Zinssorgen drückten den Dax deutlich nach unten. Der deutsche Leitindex sackte um 2,6 Prozent auf 9.563 Punkte ab. So tief notierte er zuletzt vor vier Wochen. Fast die gesamten Gewinne des Monats März sind wieder dahin. Ähnlich groß waren die Verluste an den anderen europäischen Börsen. Der EuroStoxx50 büßte 2,4 Prozent ein.

Auftragsflaute in der deutschen Industrie

Enttäuschte Konjunkturdaten aus Deutschland heizten die Kurstalfahrt an. Überraschend gingen die Aufträge der deutschen Industrie im Februar um 1,2 Prozent zurück. Es war der stärkste Rückgang seit August. Experten hatten einen leichten Anstieg erwartet. "Die deutsche Industrie schnuppert noch lange keine Morgenluft", meinte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Der Euro hielt sich dennoch knapp unter der Marke von 1,14 US-Dollar.

Flucht in den Yen...

Sorgen macht auch die Yen-Stärke. Der Dollar rutschte auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief, obwohl die japanische Notenbank ihre bereits extrem lockere Geldpolitik bei Bedarf noch ausweiten will. Welche Rolle Carry Trades dabei spielen, lesen Sie hier.

...und in Gold

Neben dem Yen flüchteten Anleger in einen anderen sicheren Hafen: Gold. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 1.231 Dollar je Feinunze. Auch bei Bundesanleihen griffen Investoren zu. Die Rendite der zehnjährigen Titel fiel auf ein Mehrmonats-Tief von unter 0,1 Prozent. Nun droht bald eine negative Rendite. Bei den neunjährigen Bonds wurde bereits ein Minus von 0,03 Prozent erreicht.

Immobilienaktien als sicherer Fels

Einzig Henkel und die Immobilienaktien konnten dem negativen Marktumfeld trotzen. Die Titel von Vonovia schlossen nahezu unverändert, die Papiere von LEG Immobilien, Deutsche Wohnen und Alstria Office waren die wenigen Gewinner im MDax. In einer aktuellen Branchenstudie prophezeiten die Experten von JPMorgan, dass Immobilienwerte vor einem beschleunigten Aufschwung stünden.

HeidelCement macht Zugeständnisse

Für die milliardenschwere Übernahme des italienischen Zementherstellers Italcementi bietet HeidelbergCement den Kartellwächtern Zugeständnisse an. Um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuschließen, will der Dax-Konzern die gesamten Aktivitäten von Italcementi in Belgien verkaufen. Deutschlands größter Baustoffkonzern hatte im vergangenen Sommer den Kauf von Italiens Nummer eins für 3,7 Milliarden Euro angekündigt. Am vergangenen Freitag wurde die Übernahme formell bei der EU-Kommission angemeldet. Die Aktien büßten drei Prozent ein.

Gewinnmitnahmen bei ThyssenKrupp

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktien von ThyssenKrupp gaben um fast fünf Prozent nach. Die Anleger nutzten jüngste Kursgewinne im Zuge der Konsolidierungsfantasie in der europäischen Stahlbranche dazu, im deutlich eingetrübten Marktumfeld Kasse zu machen. Am Dienstag gab ThyssenKrupp die Komplettübernahme des brasilianischen Problem-Stahlwerks CSA bekannt. Analysten glauben, dass sich das Stahlwerk besser verkaufen lasse, sobald die Essener das alleinige Sagen dort haben.

Bankaktien werden verprügelt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Unter Druck standen europaweit die Bankenwerte - allen voran die Titel der Deutschen Bank mit einem Abschlag von 5,1 Prozent auf 14,05 Euro. Händler erklärten, viele Anleger fürchteten schlechte Quartalsergebnisse nach dem turbulenten Beginn des Börsenjahres. Die jüngsten "Panama Papers"-Enthüllungen sind außerdem nicht hilfreich für das angeschlagene Image der Banken

Schaeffler öffnet Tor Richtung MDax

Schaeffler VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im SDax brach der Kurs von Schaeffler um über sieben Prozent ein. Die fränkische Milliardärsfamilie Schaeffler hat mit dem Verkauf von Aktien ihres gleichnamigen Autozuliefer-Konzerns über Nacht 1,24 Milliarden Euro eingenommen. Die 94,4 Millionen Vorzugspapiere seien zum Preis von je 13,10 Euro bei Investoren untergebracht worden. Damit befinden sich jetzt alle Vorzugsaktien im Streubesitz. Die Chancen für einen Aufstieg in den MDax sind gestiegen.

Mehrere Steilmann-Töchter insolvent

Nach der Insolvenz des Modeherstellers Steilmann haben mehrere Konzerntöchter Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Es handelt sich um die IDS Idea, die Kettenbach GmbH und die MR Hometextile GmbH. Angesichts der nun erforderlich gewordenen Wertberichtigungen gehe der Vorstand davon aus, dass die Steilmann Holding überschuldet sei. Die Steilmann-Aktien stürzten erneut um 23 Prozent ab.

BP schließt Ölpest-Akte ab

An der Londoner Bölrse fielen die Aktien von BPO um rund zwei POrozent. Sechs Jahre nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ist der Streit mit der US-Regierung beigelegt. Ein Gericht in New Orleans billigte den Vergleich, den der Konzern im Oktober 2015 mit den USA geschlossen hatte. BP zahlt eine Rekordsumme von 20,8 Milliarden Dollar.

Tesla verfehlt eigene Ziele

Die Aktien von Tesla setzten am Dienstag ihren Höhenflug fort. Dabei hat der Elektroauto-Pionier im ersten Quartal zwar mehr Fahrzeuge ausgeliefert, seine eigenen Absatzziele jedoch nicht erreicht. Das US-Unternehmen verkaufte in den ersten drei Monaten 14.820 Autos - rund 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 16.000 waren eigentlich geplant gewesen.

Pfizer-Deal wackelt

Aufregung am Markt lösten neue Schritte der US-Regierung zur Bekämpfung von Steuerflucht aus, die die 160-Milliarden-Dollar Fusion der Pharmariesen Pfizer und Allergan platzen lassen könnten. Die Aktien des Botox-Herstellers Allergan brachen um 20 Prozent ein. Die Papiere von Pfizer stiegen hingegen um zwei Prozent.

Twitter landet Football-Coup

Endlich mal wieder gute Nachrichten gab's am Dienstag von Twitter. Der Kurznachrichtendienst wird künftig Spiele der Nationalen Football-Liga (NFL) per Livestream übertragen. Twittere erwarb die Rechte für zehn der Donnerstagsspiele – und setzte sich gegen große Konkurrenten wie Amazon und Verizon durch. Die Aktien zogen etwas an.

Valeant auf Erholungskurs

Gleich um rund zehn Prozent kletterten die Aktien von Valeant nach oben. In der Bilanz seien keine weiteren Unregelmäßigkeiten aufgetaucht, hieß es am Dienstag. Wegen eines Bilanzskandals war der Kurs von Valeant zuletzt eingebrochen.

nb

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr