Miese Stimmung in den USA

Stand: 07.11.2007, 20:25 Uhr

Die New Yorker Börsen sind weit ins Minus gerutscht. Dow Jones und Nasdaq Composite notieren zwei Stunden vor Schluss des New Yorker Handels rund 1,8 Prozent tiefer. Das hat den L-Dax weiter abwärts gedrückt.

Er schloss bei 7.764,56 Punkten - und damit noch einmal rund 35 Zähler unter dem Xetra-Schluss von 7.799,64. Der schwache Dollar und der hohe Ölpreis belasten die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks. Außerdem treibt Anleger die Frage um, wie viele Risiken im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise Unternehmen der Finanzbranche im Portfolio haben. Die größte US-Sparkasse Washington Mutual warnte, die Probleme am Immobilienmarkt in den USA würden auch 2008 anhalten, die Kreditausfälle zunehmen und die Hypothekenvergabe auf ein Acht-Jahres-Tief fallen. Finanzwerte rauschten abwärts. Der Kurs der Investmentbank Morgan Stanley gab acht Prozent abwärts.

Auch in Deutschland verbuchten Bank-Aktien Kursrücksetzer. Der Gewinnanstieg des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate konnte die Stimmung der Anleger nur für kurze Zeit aufhellen. HRE gingen mit einem Minus von 2,7 Prozent aus dem Handel. Die Commerzbank-Aktie verlor fast zwei Prozent. Deutsche Bank und Postbank sackten auf Jahrestiefsstände. Aus der Bankenwelt gab es außerdem noch einige Neuigkeiten: So berichtete das Handelsblatt, die Commerzbank stehe vor der kompletten Übernahme des Staatsfinanzierer Essen Hyp. Und laut einem US-Medienbericht zählt Deutsche Bank-Chef Josef zu den Kandidaten, die den Chefsessel bei den beiden amerikanischen Banken Citigroup und Merrill Lynch besetzen könnten.

Schwache Autoaktien
Im Dax waren außerdem Autowerte die großen Verlierer. Schuld ist der hohe Euro. Die Gemeinschaftswährung kletterte in der Spitze bis auf 1,4730 Dollar. Der starke Euro lässt die Gewinnmargen der exportabhängigen Autohersteller auf dem US-Markt schrumpfen. Die Aktien der Autobauer litten zudem unter den miserablen Quartalszahlen und der Milliardenabschreibung von General Motors. Die Aktien des US-Konzerns verloren zum Handelsauftakt in den USA rund fünf Prozent. Im Dax wurden die Titel von BMW Schlusslicht - vier Prozent betrug das Kursminus. VW-Aktien gaben 1,7 Prozent nach. Daimler-Anteilsscheine verloren trotz eines Rekordabsatzes der Pkw-Sparte ebenfalls an Wert, wenn auch nur leicht.

Sorgenkind "Ölpreis"
Belastungsfaktor war außerdem der hohe Ölpreis. Er drückte die Kurse der Luftfahrtaktien, da auf die Airlines höhere Kosten zukommen. British Airways gaben gut vier Prozent nach. Die Titel der Lufthansa verloren mehr als drei Prozent und waren damit hinter BMW zweitschwächster Wert im Dax.

Henkel mit höherer Prognose
Die Dax-Gewinner waren heute eindeutig in Unterzahl. Henkel-Vorzüge gehörten dazu, sie standen mit drei Prozent an der Spitze des Deutschen Aktienindex. Der Konsumgüterkonzern hatte Umsatz und Gewinn im dritten Quartal gesteigert und seine Prognose erneut angehoben.

Auch die Versorger schlugen sich recht gut. RWE legten gut ein Prozent zu, Eon 0,9 Prozent.

Telekom macht Kasse
Die T-Aktie gehörte ebenfalls zu den Gewinnern. Die Deutsche Telekom verkauft nach Zeitungsberichten ihr Rundfundnetzgeschäft Media & Broadcast an den französischen Sendenetzbetreiber TDF. Darauf hätten sich Telekom-Vorstand und Aufsichtsrat verständigt. Der Kaufpreis soll rund 700 Millionen Euro betragen.

Siemens punktet mit Windenergie
Die Siemens-Aktie schloss in etwa unverändert. Der Mischkonzern hat einen Großauftrag für Windenergieanlagen erhalten. Die Sparte Power Generation wird 86 Turbinen nach Kanada liefern.

Premiere im freien Fall
Im MDax gab es deutlich größere Einbußen als im Dax. So sackte die Premiere-Aktie mehr als zwölf Prozent abwärts und belegte den letzten Platz im Index. "Aus diesem Wert ist die Wachstumsfantasie draußen", sagte ein Händler. Der Bezahlfernseh-Sender hatte am Vortag seine Geschäftsprognose wgen der Unsicherheit über die Vergabe der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga für 2008 zurückgenommen. Die UBS senkte heute ihr Kursziel.

Auch die Titel von Pfleiderer verloren. Der Holzverarbeiter hatte zwar in den ersten neun Monaten dank einer starken Nachfrage sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis deutlich gesteigert. Bei den Analysten fielen die Kommentare der Analysten aber durchwachsen aus. Der enttäuschende Bericht zum dritten Quartal zog auch die Aktie des Finanzdienstleisters MLP abwärts. Das Unternehmen verfehlte die Analystenschätzungen. Immerhin bestätigte MLP aber seine Gesamtjahresprognose für den Gewinn und zerstreute damit Befürchtungen am Markt. Die ersten Wochen des vierten Quartals seien erfreulich verlaufen, sagte Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg.

Aufregung um Conergy
Schlechte Nachrichten gab es von Conergy. Der Solaranlagenbauer hat sich nämlich bei seiner Expansion vergaloppiert und musste nun die Notbremse ziehen. Firmenchef Hans-Martin Rüter verlässt das Unternehmen zum 15. November, wie Conergy am Mittwoch überraschend mitteilte. Rüter habe erkannt, dass nun ein erfahrener Konzernlenker die Geschicke des rasch wachsenden Unternehmens übernehmen müsse, erklärte ein Firmensprecher. Das Unternehmen räumte außerdem ein, vorübergehend Zahlungsschwierigkeiten gehabt zu haben. Bei den Banken habe sich Conergy daher eine zusätzliche Kreditlinie über 30 Millionen Euro besorgt und über eine Kapitalerhöhung 70 Millionen Euro eingenommen. Damit nicht genug der schlechten Nachrichten: Die Firma muss die Bilanzen des Jahres 2006 und des ersten Halbjahres 2007 auf Verlangen der Deutschen Prüfstelle für Rechnungsstellung noch einmal überprüfen lassen. Was auf die Aktionäre da noch alles zukommt? Die Aktien brachen daraufhin ein, konnten die Kursverluste merkwürdigerweise aber wieder wett machen.

GPC: "Das ergibt keinen Sinn"
Auf der TecDax-Kursliste erregte GPC noch mehr Aufsehen: Fast 30 Prozent ging es aufwärts für die Titel des Biotechunternehmens. Das sorgte für Kopfschütteln. "Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Ich kann mir nur vorstellen, dass jemand die Aktien aufkauft, um den Laden dann von der Börse zu nehmen", mutmaßte ein Börsianer.

Ringen um Tele Atlas geht weiter - Allzeithoch
Zweitstärkster Wert im TecDax war die Aktie von Tele-Atlas: plus 19 Prozent ging es aufwärts bis auf 32,07 Euro. Anleger sind begeistert von dem Bieter-Duell um den Anbieter digitaler Landkarten, das in eine neue Runde ging. TomTom hob sein Übernahmeangebot auf 30 Euro je Tele Atlas-Aktie an und übertrumpfte damit den Rivalen Garmin. Aktionäre spekulieren darauf, dass damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist - schließlich notiert der Tele-Atlas-Kurs über dem neuen Angebot. Den an der Nasdaq notierten Garmin-Aktien gekam der TomTom-Vorstoß übrigens gar nicht gut. Sie sackten mehr als fünf Prozent abwärts.

Drillisch macht Freenet Beine
Auch die Aktien des Telekommunikationsunternehmen Freenet verbuchen deutliche Kursgewinne. Drillisch hatte eine Kapitalerhöhung angekündigt - möglicherweise um seinen Anteil an Freenet erhöhen, spekulierte die Börse.

Microsoft entlässt IT-Chef
In den USA machte Microsoft Schlagzeilen. Der Konzern entließ seinen IT-Chef Stuart Scott, weil er nach Angaben des Windows-Konzerns gegen interne Regeln verstoßen hat. Details wurden in der Erklärung vom Dienstag und auch auf Anfragen von US-Medien nicht genannt. Die Aktie gab nach - wohl auch, weil Goldman Sachs die Papiere von ihrer Empfehlungsliste "Conviction Buy" gestrichen hatte.

Nasdaq kauft zu
Der US-Aktienmarktbetreiber Nasdaq will die Optionsbörse Philadelphia Stock Exchange für 652 Millionen Dollar kaufen. Damit wolle die Nasdaq ihre Präsenz auf dem schnell wachsenden Optionsmarkt ausbauen, teilte die zweitgrößte US-Börse am Mittwoch mit. Die PHLX ist die Nummer drei unter den US-Optionsbörsen. Käme sie in den Besitz der Nasdaq, würde diese etwa 15 Prozent des Optionshandels in den USA in ihrer Hand halten.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr