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Dax-Erholung gestoppt "Mercron-Effekt" an den Börsen verpufft

Stand: 19.05.2020, 15:15 Uhr

Die anfängliche Freude am Markt über den deutsch-französischen Vorstoß für einen 500 Millionen Euro schweren EU-Wiederaufbaufonds währte nur kurz. Der Dax ist wieder ins Minus gerutscht. Der Euro dagegen dreht auf.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nach dem Traumstart in die neue Woche machen viele Börsianer erst mal Kasse und nehmen Gewinne mit. Der Dax verliert 0,2 Prozent, hält sich aber über der Marke von 11.000 Punkten. Am Morgen war der deutsche Leitindex zeitweise auf bis 11.200 Punkte geklettert. Die zunehmenden Lockerungen der Corona-Restriktionen, ermutigende Studienergebnisse bei der Suche nach einem Impfstoff und Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell hatten zu Wochenbeginn den Dax um 5,7 Prozent nach oben katapultiert.

Deutsch-französischer Plan für Wiederaufbaufonds

Der deutsch-französische Plan für einen europäischen Wiederaufbaufonds wurde am Dienstag positiv an den Märkten aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollen über einen Fonds den von der Pandemie besonders gebeutelten Staaten wie Italien und Spanien Zuschüsse von insgesamt 500 Milliarden Euro gewähren. Zur Finanzierung soll die EU-Kommission erstmals Anleihen aufnehmen dürfen.

Doch die Freude an den Märkten wich rasch der Ernüchterung. "Es war ein bedeutender Durchbruch, aber von jetzt an wird es nicht ganz einfach sein", sagte Vasileios Gkionakis, Währungsstratege bei Lombard Odier mit Blick auf den von nördlichen EU-Ländern geäußerten Widerstand. Auch Österreich pocht darauf, dass es sich bei Corona-Hilfen für Krisenstaaten nicht um Zuschüsse, sondern um zurückzuzahlende EU-Kredite handelt.

Euro legt zu, Italien-Renditen auf Sechs-Wochen-Tief

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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An den Devisen- und Anleihemärkten ist der "Mercron-Effekt" aber noch zu spüren. Der Euro kostete am frühen Dienstagnachmittag mit 1,0950 Dollar rund ein Prozent mehr als vor Bekanntgabe der Pläne am Montagabend. Auch bei Anleihen südeuropäischer Staaten griffen Investoren beherzt zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 1,599 Prozent. Ihre Pendants aus Spanien und Portugal rentierten mit 0,69 und 0,75 Prozent jeweils so niedrig wie zuletzt vor sieben Wochen.

Wall-Street-Rally stockt

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street dürften sich die Anleger am Dienstag ebenfalls eine Atempause gönnen. Kurz vor Handelsstart taxierte der Broker IG den US-Leitindex Dow Jones 0,3 Prozent tiefer bei 24.532 Punkten, nachdem er am Montag um fast vier Prozent nach oben gesprungen war. Positive Nachrichten zu einem möglichen Impfstoffkandidaten gegen Covid-19, Optimismus über zunehmende Lockerungen in einigen US-Bundesstaaten und die fortgesetzte Erholung am Ölmarkt hatten Dow & Co kräftig angetrieben. Ferner stützten Aussagen von US-Notenbankpräsident Jerome Powell, der bereits im Sommer eine Konjunkturerholung erwartet.

ZEW-Index: Konjunkturwende im Sommer?

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 11.45 Uhr: Börsenprofis rechnen mit Konjunkturerholung

Darauf deutet auch der ZEW-Index hin. Börsen-Profis sind überraschend optimistisch für die deutsche Konjunktur. Das Barometer ihrer Erwartungen für die nächsten sechs Monate stieg im Mai um 22,8 auf plus 51 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 202 Analysten und Anlegern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 32 Zähler gerechnet.

WTI nähert sich Brent an

Die Ölpreise tendieren etwas uneinheitlich. Während die Preise ür ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juni bei 34,90 US-Dollar stagnieren, verteuert sich die US-Sorte WTI kräftig. Sie legt um fast drei Prozent auf 32,58 Dollar zu.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Dramatischer Einbruch bei neuen Autos

In der Corona-Krise ist der Automarkt in der Europäischen Union fast zum Erliegen gekommen. Im April kamen lediglich rund 271.000 Neuwagen auf die Straßen, 76 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das gab der europäische Herstellerverband ACEA am Dienstag in Brüssel bekannt. Dies sei der schärfste monatliche Rückgang seit Beginn seiner Aufzeichnungen, so der Verband. Grund war der fast vollständige Stillstand sowohl der Autoproduktion als auch des Autohandels zur Eindämmung der Pandemie.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Börse: Krisengewinner mit Einschränkungen

Auf der virtuellen Hauptversammlung der Deutschen Börse kassierte der Vorstand einen Dämpfer. Das neue Vergütungssystem wurde zwar verabschiedet, doch stimmten nur gut 65 Prozent der Anleger dafür. Wichtige Investoren wie DWS und Union Investment kritisierten, dass es nicht transparent genug sei. Mehr als 99 Prozent der Aktionäre sprachen sich dagegen für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus. Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer will seinen Vertrag erfüllen, hält sich aber einen Wechsel an die Spitze des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats offen.  | mehr

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg Audio

ARD-Börse: Deutsche Börse - Corona-Profiteur

TCI stellt Strafanzeige gegen Wirecard-Management

Neuer Ärger für Wirecard: Der britische Hedgefondsmanager Christopher Hohn will gerichtlich gegen das Wirecard-Management vorgehen. Hohns Hedgefonds TCI hat am Dienstag bei der Staatsanwaltschaft München Strafanzeige gegen Wirecard-Verantwortliche gestellt. Nach Einschätzung von TCI haben sich aus dem Ende April veröffentlichen KPMG-Sonderbericht Auffälligkeiten ergeben, die möglicherweise strafrechtlich relevant sein könnten. Die Wirecard-Aktie weitete ihre Verluste leicht aus.

Wirecard betrachtet die Anzeige als rein taktisches Manöver eines Leerverkäufers. TCI hält nach eigenen Angaben eine Short-Position auf Wirecard-Aktien, spekuliert also auf fallende Kurse. Diese lag am 28. April bei 1,53 Prozent der Aktien. Wirecard sieht sich als Opfer von Shortsellern, die mit schlechten Nachrichten und fallenden Kursen Kapital aus der Aktie schlagen wollen.

Thyssenkrupp-Neuausrichtung kommt gut an

Die Kursgewinne von Thyssenkrupp setzten sich heute fort. Die geplante Neuausrichtung wird am Markt positiv gesehen. Der Konzern soll weiter schrumpfen. Behalten wollen die Essener den Werkstoffhandel sowie das Geschäft mit Industrie- und Automobilkomponenten. Für die Stahlsparte prüft Thyssenkrupp mehrere Optionen - sowohl einen Verbleib des Geschäfts im Konzern als auch eine mögliche Fusion - zum Beispiel mit Salzgitter. Gleiches gelte für die Marine-Sparte.  | mehr

Corona-Gewinner verlieren

Bei den zu den Krisengewinnern gehörenden Papieren von Hellofresh und Delivery Hero scheint die Luft erst einmal raus zu sein. Bereits zum Wochenauftakt hatten beide Aktien in einem starken Gesamtmarkt nachgegeben. Auch heute setzen sich die Verluste fort. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem zuletzt starken Lauf. In der Vorwoche hatte beide Titel noch Rekordhöhen erreicht.

Tui: Werden Verlustbringer fallengelassen?

Laut einem Medienbericht zieht der Reisekonzern eine Trennung von Verlustbringern in Erwägung. Zunächst wolle Tui aber versuchen, die entsprechenden Unternehmenssparten wieder fit zu machen. Welche Bereiche genau von der Trennung betroffen sein würden, stehe noch nicht fest. Derzeit verliert das Unternehmen jeden Monat eine dreistellige Millionensumme. Die jüngste Nachricht kam am Markt aber gut an, die Tui-Aktie legte zwischenzeitlich um 8,5 Prozent zu.  | mehr

Hornbach: Yippie jaja yippie yippie yeah!

Der Baumarktkonzern Hornbach rechnet trotz der coronabedingten vorübergehenden Schließung vieler Filialen mit einem insgesamt guten ersten Geschäftsquartal. Umsatz und Ertrag dürften in dem bis 31. Mai laufenden ersten Geschäftsjahresviertel "signifikant über den Vorjahreswerten liegen", teilte das Unternehmen mit. Die durch die Schließung bedingten Einbußen seien dank der hohen Umsätze in den geöffneten beziehungsweise wiedereröffneten Baumärkten, Onlineshops und Baustoffhandelsniederlassungen "mehr und mehr überkompensiert" worden.  | mehr

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz Audio

Börse 09.20 Uhr: Hornbach trotzt der Corona-Pandemie

KWS: Corona bremst erst später

Der Saatgutkonzern KWS Saat stellt sich nach einem kräftigen Wachstum auf verzögerte Folgen der Corona-Krise ein. Die Aussichten für das Geschäftsjahr 2020/21 seien gedämpft. Für das laufende Geschäftsjahr ist die KWS-Führung allerdings etwas optimistischer. Der Vorstand peilt nun den oberen Bereich der Zielspannen für Umsatz und operative Marge an. Totz der Covid-19-Pandemie habe KWS Saat die Landwirte rechtzeitig zum Frühjahr mit Saatgut versorgen können. Die KWS-Aktien gehörten zu den Topverlierern im SDax.

Sixt beschleunigt weiter

Die Commerzbank hat die im SDax notierten Vorzugsaktien von Sixt von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 47 auf 57 Euro angehoben. Die von Bundesaußenminister Heiko Maas avisierte schrittweise Lockerung der Reisebeschränkungen sei für die von der Corona-Krise am stärksten betroffene Branche eine enorme Erleichterung, schrieb Analyst Adrian Pehl in einer Studie.

Scout24 steigt auf Rekordhoch

Topgewinner im MDax war Scout24. Die Aktie stieg auf über 67 Euro und damit den höchsten Stand seit dem Börsengang. Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel von 63,50 auf 69 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Analyst Richard Eary lobte in einer Studie eine qualitativ sehr gute Aktie mit deutlichem Wachstumspotenzial. Das erste Quartal habe das starke Geschäftsmodell des Online-Marktplatzbetreibers unterstrichen.

Dermapharm profitiert von Corona

Das Arzneiunternehmen Dermapharm ist mit zweistelligen Wachstumsraten in das neue Geschäftsjahr gestartet. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal um 17,7 Prozent auf 192,5 Millionen Euro. Die Corona-Pandemie habe dabei in einzelnen Therapiegebieten zu verstärkter Nachfrage geführt, hieß es. Dermapharm geht jedoch davon aus, dass sich dieser Effekt im Jahresverlauf wieder ausgleichen wird. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um gut ein Fünftel auf 49,2 Millionen Euro.

Walmart: Nicht so bescheiden

Der US-Handelsriese hat im ersten Quartal des Bilanzjahres 2020/21 (zum 30. April) vom sprunghaft angestiegenen Onlinehandel und Hamsterkäufen in der Coronakrise profitiert. Bei einem Umsatzplus von zehn Prozent auf 134,6 Milliarden stieg das Betriebsergebnis um 5,6 Prozent auf 5,22 Milliarden Dollar, wie Walmart mitteilte. Beim Umsatz und Gewinn schlug der Konzern die Analystenerwartungen.  | mehr

Home Depot: Eigentlich läuft doch alles

Die US-Baumarktkette Home Depot hat die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 gestrichen. Die Ergebnisse des ersten Quartals sind aber gar nicht so ernüchternd. Home Depot konnte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent auf 28,3 Milliarden Dollar steigen. Der Nettogewinn fiel aber niedriger aus. Laut Management lag das vor allem an höheren Personalkosten in Zuge der Krise. Vorbörslich verlor der Titel am Dienstag rund 2,6 Prozent - die Aktie bewegt sich dennoch in der Nähe des Rekordhochs.  | mehr

Teslas Absatz in China bricht ein

Der Elektroautobauer Tesla hat im April einen Dämpfer in China erlitten. Die Zahl der Zulassungen, einschließlich importierter Autos, fiel von 12.709 im März um 64 Prozent auf 4.633 Fahrzeuge, wie das Beratungsunternehmen LMC Automotive mitteilte. Nach Angaben der China Passenger Car Association verkaufte Tesla im vergangenen Monat 3.635 Elektroautos des Modells 3. Der Autobauer rechnet damit, im Juni 4.000 Einheiten pro Woche herzustellen und im ersten Quartal 2021 mit der Massenproduktion von Geländewagen des Modells Y zu beginnen, sagte Tesla-Vizepräsident Tao Lin.

Foot Locker schließt Runners Point

Der amerikanische Handelskonzern Foot Locker schließt seine Laufschuhkette Runners Point und nimmt die Marke vom Markt. "Alle Filialen werden geschlossen", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Dies gelte auch für die Filialen in Österreich und der Schweiz. Anfang Februar gab es in Deutschland, Österreich und der Schweiz laut Geschäftsbericht insgesamt 81 Filialen. Im Internet listet Runners Point aktuell 73 Filialen in Deutschland auf, vor allem in den alten Bundesländern und in Berlin.  | mehr

TikTok besser als Disney?

Disneys Streaming-Chef Kevin Mayer wechselt zur chinesischen Videoplattform TikTok. Mayer wird Chef bei TikTok und soll zugleich das operative Geschäft beim chinesischen Mutterkonzern Bytedance führen.

TikTok mit seinen kurzen Videoclips ist besonders bei jungen Nutzern populär. Mayer war zuletzt für den Aufbau des im vergangenen Jahr gestarteten Streamingdienstes Disney+ zuständig. Deshalb wurde er auch als aussichtsreicher Nachfolger des langjährigen Disney-Chefs Robert Iger gehandelt. Den Spitzenposten bekam aber im Februar der bisherige Chef der Themenpark-Sparte, Bob Chapek.

nb

Tagestermine am Dienstag, den 26. Mai

Firmen:
Fraport: Verkehrszahlen, 21.KW, 07:00 Uhr
Suzuki: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Hella: Telefonkonferenz, 09:00 Uhr
Fraport: Hauptversammlung (online), 10:00 Uhr
Nordex: Hauptversammlung (online), 10:00 Uhr
Dr. Hönle: Hauptversammlung (online), 10:00 Uhr
Siemens: Abspaltungsbericht für Siemens-Energy, 10:00 Uhr
Basler: Hauptversammlung (online), 13:30 Uhr
Air France-KLM: Hauptversammlung, 14:30 Uhr
Merck & Co.: Hauptversammlung, 15:00 Uhr

Konjunktur:
Japan: All Industry Acitivity Index 03/20, 06:30 Uhr
EU: Acea Nfz.-Zulassungen 04/20, 08:00 Uhr
Deutschland: GfK-Verbrauchervertrauen 06/20, 08:00 Uhr
USA: CFNA-Index 04/20, 14:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 05/20, 16:00 Uhr
USA: Verkauf neuer Häuser, 16:00 Uhr