Marktbericht 20:10

Dax legt kräftig zu Mario Draghi treibt die Kurse nach oben

Stand: 04.07.2013, 20:10 Uhr

Erstmals überhaupt deutet die EZB an, wohin in Euroland die Reise geht. Von Straffung keine Spur, sogar eine Art Zeitplan hat Notenbankchef Draghi gegeben. Das Gegenprogramm zur Fed - die Börse jubelt, so etwas gab es noch nie.

War was ? Der Dax steht am Donnerstag nach einem kräftigen Tagesgewinn von 2,1 Prozent nur einen Hauch unter der Marke von 8.000, bei 7.994 Zählern. Im Tageshoch hatte das führende deutsche Börsenbarometer mit 8.015 Punkten die Nase schon wieder über die 8000er-Marke gereckt. Die Börsianer wischten alle Sorgen der vergangenen Tage weg und ließen es am Nachmittag kräftig krachen. Der MDax legte 1,8 und der TecDax 1,7 Prozent zu. Der L/E-Dax bewegte sich nachbörslich kaum und schloss bei 7.996 Punkten.

Dies wohl auch, weil die New Yorker Börse am heutigen amerikanischen Nationalfeiertag geschlossen bleibt. Morgen aber dürften die Börsianer wieder hellwach sein, denn um 14:30 Uhr stehen die Arbeitsmarktdaten für den Juni auf der Agenda. Ein wichtiger Meilenstein im Konjunkturszenario der Federal Reserve, von dem das weitere Vorgehen der US-Geldpolitiker abhängt.

EZB bleibt expansiv - Abkoppelung von der Fed

Die Tatsache, dass die EZB bei ihrer weiter lockeren Geldpolitik bleibt war an sich keine Überraschung - der Leitzins blieb unverändert bei 0,5 Prozent. Aber die Aussicht darauf, dass dies bis auf weiteres auch erst einmal so bleiben wird, brachte die Märkte in Verzückung. Vom Ausstiegsszenario in Raten à la Ben Bernanke keine Spur. Damit deutet sich eine Abkoppelung der Europäer von der Politik der US-Notenbank an, die langsam wieder gegensteuert - und das symbolträchtig auch noch ausgerechnet am Unabhängigkeitstag der USA.

Erstmals überhaupt legte sich Mario Draghi zudem darauf fest, dass die Notenbank auf dem aktuellen oder sogar einem niedrigeren Zinsniveau für einen längeren Zeitraum bleiben wird. Für Commerzbank-Analyst Michael Schubert ist die erstmalige Selbstbindung der EZB sogar eine "historische Entscheidung".

Im Gleichschritt mit der Bank of England

Auch die Bank of England hat auf ihrer heutigen Sitzung alles beim Alten gelassen - von einer Straffung der Geldpolitik ebenfalls keine Spur. Unter der Leitung des neuen Gouverneurs Mark Carney blieb der Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent, zudem werden die Ankäufe von Staatsanleihen vorerst nicht ausgeweitet. Bisher hat die Notenbank aber schon für 375 Milliarden Pfund Anleihen gekauft.

Euro knickt ein, Renten steigen

Die Gemeinschaftswährung hat sich nur leicht von ihrem Absturz auf zeitweise unter 1,29 Dollar erholt. Aktuell liegt der Euro bei 1,2921 Dollar. Am Mittag hatte die EZB den Referenzkurs noch bei 1,2984 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt erholten sich die Kurse nach zunächst schwachem Handelsverlauf ebenfalls. Der Bund-Future legt leicht um 0,1 Prozent zu.

Porsche-Zahlen beflügeln VW

Der Sportwagenbauer hat im ersten Halbjahr so viele Autos verkauft wie nie. Die Auslieferungen stiegen im Jahresvergleich um 17,9 Prozent auf 81.565 Fahrzeuge, so viel wie noch nie in diesem Zeitraum. Verkaufsschlager war der "Cayenne". Während Porsche in den USA, Asien, Afrika und Mittlerer Osten deutlich zulegte, bleibt die Lage in Europa weiter angespannt.

Auch die anderen Autoaktien blieben gefragt. Auslöser ist offenbar der Optimismus von Goldman Sachs. Die Investmentbank ist der Meinung, dass sich das Geschäftsumfeld für die europäischen Autobauer verbessert.

Commerzbank springt an die Dax-Spitze

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,12
Differenz relativ
-0,10%

Die Commerzbank-Aktie beendete den Handel auf einem ungewöhnlichen ersten Platz im Dax. Das Papier legte kräftig um 6,6 Prozent auf 6,21 Euro zu. Der Umschwung kam, nachdem sich Finanzvorstand Stephan Engels zuversichtlich zum Abbau des als problematisch geltenden Schiffsfinanzierungs-Portfolios geäußert hatte. Er sieht sein Institut beim Abbau der Risiken auf Kurs und trat damit anderslautenden Spekulationen entgegen, die den Kurs der Aktie zuvor massiv belastet hatten. Am Morgen war das Papier zunächst bis auf ein Tagestief bei 5,55 Euro abgerutscht. Das war der tiefste Stand aller Zeiten.

Bei Germanwings stehen die Zeichen auf Streik

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,33
Differenz relativ
+0,78%

Der "Billigtochter" der Lufthansa droht zu Beginn der kommenden Woche ein Arbeitskampf mit dem Kabinenpersonal. Die Tarifverhandlungen mit der Kabinengewerkschaft Ufo brachten keine Ergebnisse. Am Freitag soll weiterverhandelt werden, Experten schätzen die Erfolgsaussichten aber als gering ein.

Ufo verlangt fünf Prozent mehr Lohn, zudem sollen befristete Arbeitsverträge ausgeschlossen werden. Die Arbeitgeber lehnen dies bisher ab. Für die Lufthansa ist Germanwings ein wichtiger Teil des Kostensenkungsprogrammes "Score" - unter dem Lufthansa-Logo werden nur noch die attraktiven Flüge von den Drehkreuzen Frankfurt und München geflogen. Der Rest wird von Germanwings bedient, bei der die Kosten deutlich niedriger liegen als bei der Muttergesellschaft.

Rational-Chef bremst die Euphorie

Der Chef des Großküchenherstellers aus dem MDax, Günter Blaschke, hat vor negativen Auswirkungen auf das Wachstum des Unternehmens wegen Währungseffekten gewarnt. "Das bedeutet schnell mal ein bis zwei Prozentpunkte weniger Wachstum", erklärte der Firmenchef gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Insgesamt bestätigte er aber die Prognose für 2013, wonach Umsatz und Gewinn im hohen prozentual einstelligen Bereich wachsen sollen. Üblich waren allerdings in der Vergangenheit Umsatzanstiege von mehr als zehn Prozent. Die Rational-Aktie legte in einem freundlichen Gesamtmarkt unterdurchschnittlich um 1,3 Prozent zu.

Celesio entlässt Chef

Die Aktie des Pharmagroßhändlers Celesio fällt nach dem gestrigen Paukenschlag auch am Donnerstag weiter nach unten. Der im MDax notierte Konzern hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass der Aufsichtsrat Konzernchef Markus Pinger mit sofortiger Wirkung abberufen hat. Die Celesio-Aktie war mit einem Minus von 7,6 Prozent Schlusslicht im MDax.

SHW gut in Form

Der Autozulieferer SHW hat im zweiten Halbjahr seinen Umsatz trotz des schwierigen Marktumfelds um sieben Prozent verbessert. Besonders stark entwickelte sich der Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten. Der Auftragseingang stieg mit Plus 11,8 auf 96,8 Millionen deutlich schneller als der Umsatz. Das Unternehmen aus dem Prime Standard rechnet für das zweite Quartal mit einer Verbesserung der Ebitda-Marge gegenüber dem Niveau des ersten Quartals.

rm

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