Marktbericht 20:15 Uhr

Late-Dax steigt 100 Punkte Mario Draghi sorgt doch noch für Fantasie

Stand: 04.12.2015, 20:15 Uhr

Man soll ihn nicht zu früh abschreiben, den Präsidenten der EZB. Nach Handelsschluss in Europa sprach Mario Draghi in New York. Und was er sagte, gefiel der Börse schon viel besser als zuletzt.

Draghi sprach am Abend MEZ vor dem renommierten Economic Club in New York und verteidigte dort die Lockerung der Geldpolitik. Er signalisierte zugleich die Entschlossenheit, weiter zu handeln. "Wir sind natürlich jederzeit bereit, unsere Instrumente anzupassen, um sicherzustellen, dass die Inflation zu unserem Zielwert ohne Verzögerung zurückkehrt", sagte Draghi laut Redetext.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Er deutete zudem auch eine Verstärkung der geldpolitische Schritte an. "Es kann keine Grenzen geben, wie weit wir bereit sind, bei unseren Werkzeugen zu gehen - innerhalb unseres Mandats." Er würde bestreiten, dass die Notenbank keine Kraft habe, ihr Ziel zu erreichen, betonte er.

L/E-Dax legt zu

Obwohl wohl nicht mehr allzu viele Marktteilnehmer nach Xetra-Schluss handelten, reichten die Aussagen, um den Late-Dax gut 100 Punkte nach oben zu treiben auf 10.853 Punkte. Eine ungewöhnliche Bewegung im nachbörslichen Handel, der wesentlich umsatzärmer ist, als dies während der regulären Xetra-Handelsstunden zwischen 9.00 und 17.30 Uhr der Fall ist.

Worte wie diese hätten sich die zuletzt arg gerupften Bullen wohl auch gerne schon am Donnerstag von Draghi gewünscht. Dass er jetzt mehr Entschlossenheit zeigt, könnte die Märkte am Montag wieder beflügeln. Die feste Tendenz im Späthandel wird zudem noch gestützt durch eine feste US-Börse, wo es aktuell kräftig bergauf geht.

Katerstimmung trotz guter Wall Street

Während des regulären Handelstages herrschte heute hingegen Katerstimmung. Der Dax verlor weiter, wenn auch bei weitem nicht so hoch wie am Vortag. Am Ende war es ein Rücksetzer von 0,3 Prozent oder 37 Punkte auf 10.752 Punkte. Im Wochenvergleich steht damit ein Minus von 4,8 Prozent an der Anzeigetafel. Der europäische Auswahlindex EuroStoox 50 verlor 4,5 Prozent.

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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3.116,07
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Wer auf eine Gegenreaktion nach den heftigen Verlusten des Vortages gesetzt hatte, wurde damit enttäuscht. Nur phasenweise konnte der Index kleine Ausflüge in positives Terrain verbuchen, ansonsten blieb er die meiste Zeit mehr oder weniger stark im Minus.

Eine zunehmend freundlichere Tendenz im frühen Geschäft an der Wall Street half aber zumindest, die Dax-Verluste gegen Handelsschluss einzugrenzen. Der Index bewegte sich dabei in einer Bandbreite zwischen 10.632 und 10.811 Punkten. Wesentlich glimpflicher kamen die anderen Indizes der Deutschen Börse davon. Der MDax stieg sogar 0,25 Prozent, SDax und TecDax verbuchten nur Mini-Verluste.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23.003,77
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SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10.221,40
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TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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2.479,84
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EZB-Nachwehen

Keine Frage, die Bären haben nach den mit Enttäuschung aufgenommenen Beschlüssen der EZB vom Vortag derzeit Oberwasser. Die Erkenntnis, dass auch Mario Draghi nicht immer noch expansiver werden kann, hat bei vielen Anlegern für ziemliche Ernüchterung gesorgt. "Die EZB druckt zwar weiter Geld, aber eben nicht so viel, wie von vielen erhofft", sagte ein Händler lapidar. Ob die nachbörslichen Worte des Notenbankpräsidenten für einen erneuten Stimmungsumschwung sorgen, muss aber erst abgewartet werden.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Aber auch die Bären werden wohl noch abwarten müssen, denn noch ist nicht klar, ob jetzt ein dauerhafter Trendbruch begonnen hat. Denn wirkliche Alternativen bietet insbesondere der Zinsmarkt nicht und sie sind auch weit und breit nicht in Sicht. Wenn sich also der Rauch verzogen hat, könnten die Karten neu gemischt werden, zumal der Weihnachtsmonat Dezember saisonal ein starker Börsenmonat ist.

Wall Street im Aufwind

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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24.539,67
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Ganz anders stellt sich die Lage derzeit an der Wall Street da, wo die Aktienmärkte zulegen. Der Leitindex Dow Jones baut seine Gewinn derzeit aus und legt kräftig um knapp 1,9 Prozent zu. Die robusten Daten vom Arbeitsmarkt werden positiv aufgenommen. "Die Investoren feiern, dass die Wirtschaft stark genug ist, um eine Zinserhöhung zu verkraften", sagte Chef-Investmentstratege Jack Ablin von BMO Private Bank.

Arbeitsmarkt boomt

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Im November wurden 211.000 neue Jobs geschaffen, erwartet waren nur 200.000. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,0 Prozent. "Der Arbeitsmarkt setzt seine Erholung fort und nähert sich weiter dem Vollbeschäftigungszustand an", kommentiert Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Das ist eine erhebliche Dynamik, denn Fed-Chefin Janet Yellen geht davon aus, dass 100.000 neue Stellen im Monat ausreichen, damit der Jobaufbau mit dem Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung Schritt hält.

Eine erste Zinserhöhung der Notenbank nach fast zehn Jahren nach der nächsten FOMC-Sitzung am 16.Dezember ist mit den heutigen Zahlen wohl beschlossene Sache. Dies hatte Yellen in der abgelaufenen Woche relativ deutlich in Aussicht gestellt. Entscheidend wird nun für die US-Märkte sein, wie es weitergeht. Mit einem langsamen Anziehen der Zinszügel könnte der Markt wohl leben.

Euro um 1,09 Dollar

Auch der Euro muss anscheinend sein neues, erhöhtes Niveau erst finden. Er schwankte um die Marke von 1,09 Dollar. Auch der Devisenmarkt ist dabei, die gestrigen EZB-Entscheidungen zu verdauen, die deutlich unter den Erwartungen der meisten Marktteilnehmer gelegen hatten. Nach Draghis Worten in New York fiel die Gemeinschaftswährung wieder zurück.

"Heute werden sich die Märkte neu sortieren, das Blatt hat sich noch nicht vollständig gewendet", sagte Moritz Westerheide, Analyst bei der Bremer Landesbank. "Die Anzeichen für eine kurzfristige Korrektur sind da, müssen sich aber heute in einer Konsolidierung setzen."

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Entscheidungen der EZB seien eine "extreme Überraschung" gewesen, kommentiert Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Der Kursanstieg sei auch in seiner Höhe gerechtfertigt gewesen. Gestützt wurde der Euro heute noch durch die im Oktober stärker als erwartet gestiegenen Industrieaufträge aus Deutschland.

Ölpreis fällt nach Opec-Sitzung

Entgegen allen Markterwartungen hat das Opec-Ölkartell seine Förderquoten angehoben. Diskutiert wurde zuletzt eher über eine Absenkung angesichts des Überangebotes an Öl auf dem Weltmarkt. Der Ölpreis sackte entsprechend ab. Vor allem die schwachen Energiepreise gelten zum Ärgernis der Notenbanken als eine der Hauptursache für die geringe Inflation in vielen Industriestaaten.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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VW: Absatzeinbruch in Großbritannien

Der Abgasskandal brockt Volkswagen auch auf dem britischen Markt einen herben Absatzeinbruch ein. Im November gingen die Neuzulassungen der Marke Volkswagen um 20 Prozent auf rund 13.000 Fahrzeuge zurück. Die Konzernholding Porsche SE kann sich hingegen über eine Steuernachzahlung von 280 Millionen Euro für das Jahr 2009 freuen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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145,76
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Die Aktie zeigte sich robust und notierte gegen den Markt besser. Der Chart riecht allerdings weiterhin nach Top-Bildung. Erst mit einem Anstieg über das jüngste Hoch bei 146,50 Euro würde die Wolfsburger Aktie ein frisches Kaufsignal senden.

ThyssenKrupp will Stahlsparte noch effizienter machen

Der Dax-Konzern will mit dem auf fünf Jahre ausgerichteten Effizienzprogramm "one steel" seine Stahlsparte wetterfest machen. "Ziel von one steel ist es, dauerhaft mehr als unsere Kapitalkosten zu erwirtschaften", erklärte Andreas Goss, Vorstandsvorsitzender der Thyssenkrupp Steel Europe AG. "Insgesamt gesehen müssen wir umdenken. Wie wir Stahl produzieren, in den Markt bringen und unser Geschäft effizienter und kundenorientierter machen, müssen wir neu gestalten."

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,75
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Bereits 2013 hatte ThyssenKrupp ein Sparprogramm für die Sparte aufgelegt, das auch schon Früchte getragen hat. Grund zur Entwarnung gibt es aber trotzdem nicht. Denn die Branche leidet derzeit unter einer weltweiten Überproduktion, die vor allem aus China kommt und die Preise drückt.

Briefporto steigt deutlich

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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27,93
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Gute Nachrichten für die Deutsche Post. Die Bundesnetzagentur hat dem Unternehmen eine kräftige Preiserhöhung auf 0,70 Euro für den Standardbrief gestattet. Es ist die stärkste Erhöhung seit 30 Jahren. In den kommenden drei Jahren dürfen die Preise dafür nicht mehr erhöht werden, erklärte Behördenchef Jochen Homann am Freitag. Die Entscheidung war so erwartet worden, trotzdem erholte sich das Deutsche-Post-Ppaier am Nachmittag.

Compugroup: Mehr Umsatz dank e-Health-Gesetz?

Compugroup: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Größter TecDax-Gewinner ist die Compugroup-Aktie. Nach der Verabschiedung des e-Health-Gesetzes durch den deutschen Bundestag dürfte der Spezialist für Arztsoftware von der stärkeren Implementierung der Telematik-Infrastruktur in Deutschland profitieren, so die Deutsche Bank. Sie hat, ebenso wie die Baader Bank, ihre Kaufempfehlung bestätigt.

MeVis erhöht die Prognose

Aktien des auf medizinische Bildprodukte spezialisierten Softwareherstellers legten zu, nachdem das Unternehmen seine Prognose erhöht hat. Für 2015 wird jetzt mit einem deutlichen Umsatzwachstum auf 15,5 Millionen Euro bis 16,0 Millionen Euro gerechnet (vorherige Prognose: Wachstum auf 14,5 bis 15,0 Millionen Euro) - Für das Ebit werden jetzt EUR 4,5 bis EUR 5,0 Millionen Euro erwartet und damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert (vorherige Prognose: stabil bei 3,5 Mio. bis 4,0 Millionen Euro). Grund für die Erhöhung ist der gute Geschäftsverlauf, insbesondere im Segment Digitale Mammographie.

Alles neu macht der Dezember

Die frühere Bayer-Sparte Covestro steigt zum 21. Dezember in den Mittelwerte-Börsenindex MDax auf und ersetzt dort den Lastwagenbauer MAN. Der Außenreklamekonzern Ströer wird Kabel Deutschland ersetzen.

Covestro: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,20
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-15,56%
MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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90,30
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Ströer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,30
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In den SDax werden die Aktien von Scout24, Schaeffler, WCM Beteiligungs- und Grundbesitz und Hypoport aufgenommen. Die Papiere von Tom Tailor, Gesco und SHW verlassen den Index.

Dürr mit kleinerem Zukauf

Die Digitalisierung seiner Produktion hat Dürr mit dem Zukauf der Software-Firma iTac im Sinn. iTac stellt Leittechnik her, mit der die immensen Datenmengen von Produktionsprozessen ausgewertet werden. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro und 90 Mitarbeitern wird komplett übernommen. Zum Kaufpreis machte Dürr keine Angaben. Branchenexperten zufolge dürfte der Preis bei 30 Millionen Euro bis 40 Millionen Euro gelegen haben.

Dividendenkönig Axa

Der französische Versicherer Axa will seine Taschen für seine Aktionären künftig etwas weiter öffnen. Vom bereinigten Gewinn sollen 45 bis 55 Prozent als Dividende ausgeschüttet werden, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Bisher hatte die Spanne bei 40 bis 50 Prozent gelegen. Das kam an der Pariser Börse gut an, zumal Axa sowieso schon zu den dividendenstärksten Titeln gehört. Die Aktie zog deutlich gegen den Markt an

Samsung zahlt an Apple

Die Koreaner zahlen nahezu fünf Jahre nach dem erbittert geführten Rechtsstreit über Patentrechte gut eine halbe Milliarde Dollar. Genauer gesagt wird Samsung bis Mitte Dezember 548 Millionen Dollar zahlen. Sie sind Teil einer Gesamtsumme von 900 Millionen Dollar, zu denen Samsung verurteilt wurde. Apple hatte seinem Erzrivalen 2011 vorgeworfen, Design und Technik seiner iPhoes und iPads kopiert zu haben.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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155,81
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Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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818,52
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rm

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat