Mal wieder das alte Lied...

Detlev Landmesser

Stand: 27.08.2007, 20:33 Uhr

Zu Wochenbeginn gewannen die Sorgen um die US-Kreditkrise dann doch die Oberhand, und der Dax musste die Marke von 7.500 Punkten wieder preisgeben. Die Verluste hielten sich aber in engen Grenzen.

Der L-Dax schloss bei 7.491,39 Punkten. Wegen des Bankenfeiertags in London waren die Umsätze am deutschen Markt ungewöhnlich gering.

Am Abend berappelten sich die Kurse an der Wall Street nach schwachem Start wieder ein wenig. Das bestimmende Konjunkturdatum kam vom schwächelnden US-Immobilienmarkt. Die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser sei im Juli auf das Jahr hoch gerechnet um 0,2 Prozent auf 5,75 Millionen Einheiten zurückgegangen, teilte die National Association of Realtors (NAR) mit. Volkswirte hatten im Schnitt mit 5,756 Millionen Einheiten gerechnet. Das Angebot von unverkauften Einfamilienhäusern sei so hoch wie seit 1991 nicht mehr, teilte der führende Maklerverband weiter mit.

Fällt die EZB-Zinserhöhung aus?

Dem Euro machten Äußerungen von Jean-Claude Trichet zu schaffen. Der EZB-Präsident hat ein mögliches Abrücken von der für September signalisierten Zinserhöhung angedeutet. Der EZB-Rat werde die Lage auf seiner Sitzung am 6. September neu bewerten, sagte Trichet in Budapest. "Wir werden die Risiken abschätzen (...) und zu dem Zeitpunkt die geeigneten Schritte tun." Bisher hatte Trichet noch erklärt, die Preisentwicklung mit "großer Wachsamkeit" zu verfolgen. Mit dieser Wortkombination kündigt EZB in der Regel eine Zinserhöhung für den nächsten Monat an.

Tui-Fantasie hält an
Ohne fundamentale Neuigkeiten setzte sich die Tui-Aktie an die Dax-Spitze. Händler begründeten das mit den anhaltenden Spekulationen, nach denen der neue Anteilseigner John Fredriksen den Reise- und Schifffahrtskonzern aufspalten wolle. Wegen des momentan ruhigen Marktgeschehens habe bereits eine geringe Nachfrage ausgereicht, den Kurs stark nach oben zu treiben, sagten die Händler.

HSBC mag Conti
Die Conti-Aktie profitierte von einer Hochstufung durch die HSBC. Die Analysten erhöhten ihre Einschätzung nach den jüngsten Quartalszahlen von "Neutral" auf "Overweight".

T-Systems will 16.000 Mitarbeiter auslagern
Die T-Aktie legte leicht zu. Laut einem Bericht des Magazins "Focus" will die Telekom einen Teil ihrer Geschäftskundensparte T-Systems in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen. Dabei würden 16.000 Programmierer und Computertechniker ausgelagert. "Das wäre der lange erwartete erste Lösungsschritt für die angeschlagene T-Systems", kommentierte ein Börsianer.

Adidas und DFB begraben Kriegsbeil
Die Adidas-Aktie machte ebenfalls Boden gut. Der Sportartikelhersteller wird für die Fortsetzung seiner Partnerschaft mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ab 2011 rund 25 Millionen Euro pro Jahr zahlen. Die derzeit gezahlte Summe von rund zehn Millionen Euro pro Jahr werde verdoppelt, hinzu kämen Ausrüstung und Sachleistungen, die sich noch einmal im Wert auf rund fünf Millionen Euro beliefen, erklärte Adidas-Chef Herbert Hainer die finanzielle Einigung am Montag. Der amerikanische Konkurrent Nike, der Adidas als Ausrüster ablösen wollte, hatte mit 500 Millionen Euro über den Zeitraum von acht Jahren deutlich mehr geboten.

Studienerfolg für Bayer
Die Bayer-Aktie musste ihren anfänglichen Gewinn wieder preisgeben. Anleger hatten erfreut auf gute Studienergebnisse bei dem Leberkrebsmittel Nexavar reagiert. Die im asiatisch-pazifischen Raum durchgeführte Studie der Phase III habe ergeben, dass sich die Überlebenszeit bei Leberkrebs der Patienten verlängert. Die Studie werde wegen der guten Daten abgebrochen, damit die Patienten, die in der Studie ein Placebo erhielten, ebenfalls mit Nexavar behandelt werden könnten.

BASF dreht in China und Indien auf
Besser als der Dax tendierte die BASF-Aktie. Der Chemiekonzern will aufgrund der steigenden Nachfrage in der Automobilindustrie seine Anlagen für Automobilkatalysatoren in China und Indien erweitern. BASF Catalysts werde die Produktionskapazitäten in Shanghai nahezu verdoppeln und in Chennai verdreifachen.

Nordex gefragt
Im TecDax weitete die Nordex-Aktie ihre jüngsten Kursgewinne zeitweise um mehr als neun Prozent aus. Am vergangenen Donnerstag hatte es Medienberichte gegeben, wonach Goldman Sachs und CMP Capital ihre Anteile an dem Windkraftanlagenbauer von etwa 42 Prozent noch in diesem Jahr verkaufen wollten. Nun hoffen Börsianer auf eine ähnlich preistreibende Übernahmeschlacht wie beim Konkurrenten Repower.

Historische Höhen für Solon
Die Aktie von Solon thronte unangefochten an der TecDax-Spitze. Ein Börsianer verwies auf neue Rekordstände nach Überwinden des alten Hochs bei 55,31 Euro als Impulsgeber. Im ruhigen Handel bei dünnen Umsätzen habe das neue Rekordhoch das Anlegerinteresse auf sich gezogen und Anschlusskäufe ausgelöst. Fundamental gebe es indes nichts Neues.

Solar-Fabrik zapft den Markt an
Der kleinere Wettbewerber Solar-Fabrik kündigte indessen eine Barkapitalerhöhung im Verhältnis 2:1 an. Die bis zu 4.450.000 neuen Aktien können von den Aktionären vom 30. August bis voraussichtlich 13. September bezogen werden. Der Bezugspreis werde erst während der Bezugsfrist unter Berücksichtigung der aktuellen Marktsituation festgelegt und rechtzeitig bekannt gegeben, teilte das Freiburger Unternehmen mit.

Großauftrag für Balda
Im SDax haussierte die Balda-Akite mit einem Plus von gut 20 Prozent. Ein "führender Mobiltelefonhersteller" habe Balda mit der Lieferung von jährlich sechs bis acht Millionen so genannter Touch-Sensoren beauftragt, teilte das Unternehmen mit. Zur Identität des Auftraggebers sowie zum Auftragsvolumen machte Balda keine Angaben. Händler tippten auf Samsung oder Sony als Kunden, WestLB-Analyst Thomas Langer schätzte das Umsatzvolumen auf 50 bis 60 Millionen Euro. Die WestLB erhöhte ihre Einstufung von "Reduce" auf "Hold".

CTS-Ergebnis normalisiert sich
Die Aktie von CTS Eventim lag leicht im Plus. Der Ticketvermarkter hat trotz einer Umsatzsteigerung im ersten Halbjahr deutlich weniger verdient. Das operative Ergebnis (Ebit) sei um zehn Prozent auf 27 Millionen Euro gefallen, teilte das SDax-Unternehmen am Nachmittag mit. Vor einem Jahr hatte die Fußball-WM das Ergebnis noch getrieben. Der Umsatz kletterte von Januar bis Juni indes um 14 Prozent auf gut 213 Millionen Euro, was auch an Unternehmenszukäufen lag. Für das Gesamtjahr bekräftigte der Vorstand seine Prognose, das Ergebnis gegenüber 2006 steigern zu wollen.

"Potente Investoren" für Beate Uhse?
Na was denn nun? Der schwächelnde Erotikkonzern Beate Uhse hat Gespräche über eine mögliche Übernahme durch den Schweizer Erotikhändler Patrik Stöckli dementiert. "Es gibt keine Gespräche", sagte eine Sprecherin in Flensburg. Die Meldungen entbehrten jeglicher Grundlage. Stöckli hatte zuvor gegenüber dpa einen entsprechenden Bericht der Schweizer Boulevardzeitung "SonntagsBlick" bestätigt. Er wolle den Konzern "zusammen mit potenten Finanzinvestoren" übernehmen, sagte er der Zeitung. Beate Uhse hatte im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch verzeichnet.

Weiterer Interessent für Primacom-Teile?
Auf den umworbenen Kabelnetzbetreiber Primacom hat offenbar ein weiteres Unternehmen ein Auge geworfen. Der Kabelnetzkonzern Unitymedia sei an einem Kauf der Primacom-Netze in Wiesbaden und Aachen interessiert, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montag zu Reuters. Unitymedia hatte aus ähnlichen Gründen bereits den Netzbetreiber Tele Columbus übernommen, sich dessen Infrastruktur in Hessen und Nordrhein-Westfalen einverleibt und die übrigen Unternehmensteile an andere Kabelkonzerne weitergereicht. Die Konkurrenten Kabel Deutschland und Orion hatten zuletzt eine Übernahme von Primacom geplant.

Isra sieht rot
Schlappe Zahlen und Aussichten ließen die im Prime Standard notierte Aktie von Isra Vision um mehr als 17 Prozent einbrechen. Der Umsatz stagnierte in den ersten neun Monaten, das Ebit brach von 6,4 auf 4,2 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr erwartet Isra einen Ergebnisrückgang.

Uzin Utz auf Wachstumspfad
Die im Geregelten Markt notierte Aktie von Uzin Utz tendierte seitwärts. Der Bauzulieferer hat den Halbjahresumsatz um rund elf Prozent ausgebaut. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte in den ersten sechs Monaten um zwölf Prozent. Für das Gesamtjahr ist Uzin Utz optimistisch, den Umsatz deutlich zu steigern und das Vorjahresergebnis zu übertreffen.

Bavaria auf Verdoppelungskurs
Die im Entry Standard notierte Aktie der Bavaria Industriekapital verlor über fünf Prozent. Dabei hat das Unternehmen im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis deutlich verbessert. Im Gesamtjahr will Bavaria den laufenden Umsatz bis knapp verdoppeln.

MBB mit neuer Übernahme
Die Aktie von MBB Industries wurde um mehr als sieben Prozent teurer. Die Beteiligungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf mittelständischen Industrieunternehmen hat die Reimelt Henschel Gruppe übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das zugekaufte Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als 80 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"