Märkten fehlen die Signale

Stand: 12.07.2012, 20:00 Uhr

Konjunktursorgen und von der US-Notenbank Fed enttäuschte Hoffnungen haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag unter Druck gesetzt. Daran konnten auch die Rekordumsätze von SAP nichts ändern.

Der Dax rutscht zeitweise bis auf 6.366 Punkte ab. Von diesem Tagestief kann er sich zwar erholen, geht dennoch mit einem Abschlag von einem halben Prozent aus dem Handel bei 6.419 Punkten. Der Euro notiert am Abend unverändert bei 1,223 Dollar.

Die fehlenden Signale für eine weitere Geldspritze durch die Fed belasteten die Börsen, urteilen Experten mit Blick auf das am Vorabend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank. Diese habe sich von der jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und ernüchternden Arbeitslosenzahlen aus dem eigenen Land nicht unter Druck setzen lassen, schrieb Marktstratege Arkadius Materla von GKFX Deutschland.

Belastend wirken auch Befürchtungen, die flaue Konjunktur könnte sich im zweiten Quartal auf die Gewinne der Konzerne durchgeschlagen haben.

Etwas weniger pessimistisch klingt Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. Immerhin könne man das vorläufige Stillhalten der amerikanischen Notenbanker auch so interpretieren, dass sie die konjunkturelle Erholung in den Vereinigten Staaten weitaus solider einschätzten als der Markt.

Wall Street holt Verluste auf
So scheinen das auch die Anleger an der Wall Street zu sehen. Nach anfänglichen Verlusten kann der Dow Jones-Index im Tagesverlauf seine Verluste wieder wettmachen. Am Abend dreht der US-Leitindex sogar hauchdünn ins Plus und notiert bei 12.601 Punkten.

Für kurze Lichtblicke sorgen am Nachmittag die etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitslosenzahlen aus der vergangenen Woche. Statt 370.000 beantragten "nur" 350.000 Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe. Erfreuliche Nachrichten kamen am Nachmittag auch von dem deutschen Softwarehersteller SAP.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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SAP auf Rekordkurs
Gute Zahlen haben SAP vom Dax-Ende auf den ersten Platz im deutschen Leitindex katapultiert. Erlöse mit Software-Lizenzen sind zwischen April und Juni um 26 Prozent auf die Bestmarke von 1,06 Milliarden Euro geklettert. Einschließlich der Service-Erlöse habe der Umsatz im zweiten Quartal um 21 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zugelegt. Dagegen sank die operative Marge im ersten Halbjahr um 1,6 Prozentpunkte auf 21,4 Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Finanzwerte unter Druck
Bergab geht es dagegen mit den Papieren der Deutschen Bank und der Commerzbank. Vor den morgen erwarteten Quartalszahlen der Investmentbank JP Morgan geraten damit auch die Aktien der beiden großen deutschen Geldhäuser unter Druck.

Fast zwei Prozent abgeben müssen auch die Aktien der Deutschen Börse. Die UBS hat das Papier von der "Most Preferred List" für diversifizierte Finanzwerte gestrichen, die Einstufung aber auf "Buy" belassen.

Carrefour stützt Metro
Dagegen trotzt die Metro-Aktie heute der schlechten Laune. Grund sind besser als erwartet ausgefallene Umsatzzahlen des französischen Konkurrenten Carrefour. Im zweiten Quartal verbuchte der größte europäische Einzelhändler ein geringeres Umsatzminus als befürchtet. Die Carrefour-Aktien steigen um fast sieben Prozent.

Hugo Boss weckt Fantasie
Kauffantasien gibt es dagegen bei Hugo Boss. Das Papier klettert um 5,0 Prozent und ist damit der größte Favorit im MDax. Gerüchten zufolge könnte der Hedgefonds Permira einen Teil seiner Anteile an dem Modekonzern verkaufen. Permira selbst dementierte dies. Die Anteile hat der Investor in der Holding Red & Black gelagert. Einen Teil der Boss-Aktien hatte Permira im vergangenen Jahr losgeschlagen. Aktuell liegt der Anteil Permiras bei 66 Prozent.

Auch Südzucker gefällt
Gefallen finden die Anleger auch an den endgültigen Quartalszahlen von Südzucker. Das Unternehmen konnte seinen Gewinn - auch dank Steuereffekten - mehr als verdoppeln. Der Umsatz stieg um 15 Prozent.

Auftragsschub für MTU
Leicht zulegen kann auch die Aktie des ebenfalls im MDax notierten Triebwerksherstellers MTU. Das Unternehmen hat auf der Luftfahrtmesse in Farnborough Aufträge im Wert von über 1,3 Milliarden Euro eingesammelt. "Das ist in der Geschichte von MTU ein absoluter Rekord", freute sich Vorstandschef Egon Behle. Vor allem die Antriebe für den A 320 und A 320neo von Airbus verkaufen sich gut.

Schlacht um Rhön in neue Runde
Derweil wird es für Fresenius immer schwieriger den Konkurrenten Rhön Klinikum zu schlucken. Am Morgen wurde bekannt, dass auch der viertgrößte private deutsche Klinikbetreiber Sana Kliniken Rhön-Aktien aufgekauft hat. Wie hoch der Anteil von Sana ist, bleibt unklar. Die Rhön-Aktie kann davon allerdings nicht profitieren.

Singulus an TecDax-Spitze
Zu den wenigen TecDax-Gewinnern zählt Singulus. Das Unternehmen hat einen weiteren Halbleiter-Auftrag erhalten. Es ist bereits die fünfte Bestellung für die Vakuum-Beschichtungsanlage für Timaris in diesem Jahr.

Zooplus auf Erholungskurs
Beim Online-Händler Zooplus aus dem SDax geht es nach dem Kurssturz der letzten Monate wieder aufwärts. Das Papier legt bis zum handelsende vier Prozent zu und ist damit der größte Gewinner in dem Kleinwertesegment. Zooplus hatte Ende Mai nach einer längeren Durststrecke wieder schwarze Zahlen vorgelegt.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"