Märkte trotzen der Krise

Stand: 02.12.2011, 20:02 Uhr

Die Erwartungen der Anleger auf eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Schuldenkrise haben sich nicht erfüllt. Auch die US-Arbeitsmarktzahlen sind nicht so gut ausgefallen wie gehofft. Trotzdem schafft der Dax auch am Abend ein kleines Plus.

Weil vor dem Wochenende niemand ein zu großes Risiko eingehen will, muss der Dax bis zum Handelsschluss einen Großteil seiner Tagesgewinne wieder abgeben. Am Abend bleibt dennoch ein Plus von einem halben Prozent bei 6.073 Punkten. Der Xetra-Dax hatte noch 0,7 Prozent zugelegt auf 6.080 Punkt.

In den letzten fünf Handelstagen hat er damit ein Plus von rund 10,7 Prozent eingefahren - sein größter Wochenplus seit drei Jahren. Allein Am Mittwoch war er wegen der konzertierten Aktion der Notenbanken um fünf Prozent nach oben geklettert. Experten bezweifeln allerdings die Nachhaltigkeit der Kurssteigerungen in dieser Woche. "Der Markt wartet nun auf eine Bestätigung der Hoffnung zur Schuldenkrise", sagt Thilo Müller von MB Fund Advisory. Sollten sich die Lösungsvorschläge als zu kurzsichtig erweisen, dürfte es mit den Aktienmärkten wieder bergab gehen.

Auf und Ab nach US-Arbeitsmarktdaten
Am Nachmittag hatten die US-Arbeitsmarktzahlen den Dax kurzzeitig um bis zu 2,2 Prozent in die Höhe schnellen, auf 6.169 Punkte. Tatsächlich sind die Jobdaten gemischt ausgefallen. Die Arbeitslosenquote ist auf 8,6 Prozent gesunken - stärker als erwartet. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen von 120.000 entspricht in etwa den Schätzungen.

Auch an der Wall Street klettern die Kurse. Der Dow Jones-Index verliert aber im Handelsverlauf an Schwung und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt nur noch 0,2 Prozent höher bei 12.038 Zählern.

Bankenaufsicht gibt klein bei
Als Stütze erweist sich auch ein Bericht des "Handelsblatts" wonach die EU-Bankenaufsicht offenbar die Kriterien für die Berechnung der Kapitallücke der europäischen Geldinstitute nicht weiter verschärfen will. Damit bliebe es für die fünf betroffenen deutschen Banken bei einem Kapitalbedarf von rund zehn Milliarden Euro.

Zudem hat sich die Lage an den europäischen Anleihemärkten weiter normalisiert. Die Renditen für spanische und italienische Papiere sind in dieser Woche deutlich zurückgekommen und nähern sich dem Niveau vom August 2011. Die Rendite für richtungsweisende Zehnjahrespapiere aus Spanien fiel am Freitag um 24 Basispunkte auf 5,42 Prozent. Die italienischen Pendants gaben ebenfalls um 24 Punkte auf 6,37 Prozent nach.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,46
Differenz relativ
-1,44%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,50
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Commerzbank in der Favoritenrolle
Größter Kursgewinner im Dax mit einem Plus von gut zehn Prozent ist die Aktie der schwer gebeutelten Commerzbank. Zwar hat sich der Aufsichtsrat noch nicht zu konkreten Plänen zur Stärkung des Eigenkapitals durchringen können, doch gibt es Klarheit in einer wichtigen Personalfrage. Danach wird Stephan Engels zum neuen Finanzvorstand ernannt. Der 46jährige war bisher bei Daimler bisher in der zweiten Führungsriege unter Finanzvorstand Bodo Uebber angesiedelt. Er tritt zum 1. April 2012 die Nachfolge von Eric Strutz an.

Auf dem zweiten Platz im Dax rangiert die Aktie der Deutschen Bank.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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152,62
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-1,14%

Amis stehen auf deutsche Autos
Autoaktien laufen ebenfalls überdurchschnittlich. Die heimischen Hersteller haben im November auf dem wichtigen US-Markt erneut kräftig zugelegt. Am stärksten stieg der Absatz von Mercedes-Benz. Die Stuttgarter setzten 28.300 Fahrzeuge ab - ein Plus von 55 Prozent. VW profitierte vom neuen US-Passat und verkaufte insgesamt 28.400 Einheiten und damit 41 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Deutlich langsamer ging es für die Tochter Audi mit einem Plus von 4 Prozent auf 9.700 Autos vorwärts. Die künftige Tochter Porsche verbuchte sogar ein Minus von 7 Prozent auf knapp 2.300 Fahrzeuge. BMW meldete einen Zuwachs von 15 Prozent auf insgesamt 26.300 Fahrzeuge seiner Marken BMW und Mini.

ThyssenKrupp und das Milliardengrab
Die Liste der Verlierer im Dax wird dagegen von ThyssenKrupp angeführt. Der Konzern ist wegen hoher Abschreibungen auf sein Stahlwerk in Brasilien tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende September) sei ein Fehlbetrag von 1,783 Milliarden Euro verbucht worden, teilte der Konzern mit. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von 927 Millionen Euro erzielt worden. Zwar konnte ThyssenKrupp den Umsatz um 15 Prozent auf 49 Milliarden Euro erhöhen. Wertberichtigungen von 2,9 Milliarden Euro machten jedoch das Ergebnis zunichte. Dennoch sollen die Aktionäre wie im Vorjahr eine Dividende von 45 Cent je Aktie erhalten.

Vossloh hält Aktionäre bei der Stange
Zu den Favoriten im MDax gehört die Aktie von Vossloh. Nach einem Jahr mit vielen Rückschlägen verspricht der Verkehrstechnikkonzern Vossloh 2012 und 2013 wieder zu wachsen. Ein Rekordwert bei den Bestellungen und ein starker Auftragseingang im Heimatmarkt sowie in Nordamerika stimmen das Unternehmen optimistisch. Wegen schleppender Geschäfte in China und Projektverzögerungen in Russland hatte die Gesellschaft die Erwartungen für 2011 bereits zwei Mal zurückgeschraubt. Die Aktionäre sollen für das ablaufende Jahr wie im Vorjahr eine Dividende auf dem Rekordniveau von 2,50 Euro erhalten.

Morgan Stanley mag Celesio
Noch weiter oben auf der Liste der MDax-Gewinner steht die Celesio-Aktie. Grund ist eine Heraufstufung von "Underweight" auf "Equalweight durch Morgan Stanley. Das Kursziel wurde von 9,00 auf 10,40 Euro angehoben. Der zuständige Analyst hofft auf eine stabilere Gewinnentwicklung im kommenden Jahr.

Fraport an MDax-Ende
Vorschläge der EU-Kommission für mehr Wettbewerb an den Flughäfen belasten Fraport. Die Titel des Airportbetreibers geben 2,4 Prozent nach und sind damit mit Abstand größter Verlierer im MDax. Die EU-Kommission hat gestern erklärt, dass mehr Anbieter für Bodenverkehrsdienste zugelassen und die Fluggesellschaften ihre Start- und Landerechte (Slots) zu mindestens 85 statt wie bisher 80 Prozent ausnutzen sollen.

Baywa macht in Solar
Das Groß- und Einzelhandelsunternehmen Baywa expandiert im Solarmarkt. Das MDax-Mitglied beteiligt sich mit 70 Prozent an Tecno Spot, einem Großhandelsunternehmen für Photovoltaiksysteme aus Südtirol. Der Kaufpreis liegt bei acht Millionen Euro plus weiteren maximal 14,5 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen