Märkte schwelgen im Übermut

Stand: 10.05.2010, 20:02 Uhr

Nach dem verheerenden Kurseinbruch der vergangenen Woche, beginnt die neue Woche mit einer spektakulären Erleichterungsrally. Der Euro kann davon allerdings nur bedingt profitieren.

Bis zum Mittag zieht die Gemeinschaftswährung zwar kräftig an um rund drei Cent auf knapp 1,31 Dollar. Im Tagesverlauf bröckelt der Kurs jedoch wieder ab und im Abendhandel rutscht er zeitweise sogar wieder unter die Marke von 1,28, dem Kurs vor der Rettungsaktion vom Wochenende. Am Abend stabilisiert sich der Euro knapp oberhalb von 1,28 Dollar.

Ganz anders sieht es dagegen auf den Aktienmärkten aus. Der Dax beendet den elektronischen Handel gut 300 Punkte (5,3 Prozent) höher als am Freitag und schafft mit 6.017 Zählern sogar den Sprung über die psychologisch wichtige Hürde von 6.000 Punkten. Beim MDax beträgt das Kursplus knapp sieben Prozent. Politiker in ganz Europa reagierten erleichtert auf die spontane Entspannung an den Finanzmärkten und eine Stabilisierung der Gemeinschaftswährung.

Im Abendhandel ist die Freude aber nicht mehr ganz so groß. Der Dax schließt 4,3 Prozent höher bei 5.996. Auch die US-Börsen bejubeln das Rettungspaket mit heftigen Kurssprüngen. Der Leitindex Dow-Jones legt zeitweise um mehr als 400 Punkte (knapp vier Prozent) zu. Dann setzen Gewinnmitnahmen ein, so dass der Dow bis zum Ende des Abendhandels in Frankfurt "nur" noch um 336 Punkte (3,25 Prozent bei 10.718.

Agentur prüft weitere Herabstufung
Für Verunsicherung sorgt am Abend eine Ankündigung der Ratingagentur Moody's, demnächst die Kreditwürdigkeit von Portugal und Griechenland herabstufen zu wollen. Für Portugal sei dabei eine Verschlechterung auf das Niveau "AA3" wahrscheinlich. Aber auch eine Änderung auf "A1" sei nicht ausgeschlossen. Griechenland werde wohl auf unterhalb des Investment-Niveaus herabgestuft. Die Überprüfungen der beiden Länder würden aber wohl noch drei bis vier Wochen dauern.

EZB kauft erste Staatsanleihen
Die EZB hat heute zum ersten Mal seit Einführung der Gemeinschaftswährung begonnen, Staatsanleihen von Euro-Ländern zu kaufen. EZB-Chef Jean Claude Trichet betonte, diese Entscheidung habe die Notenbank aus freien Stücken getroffen und nicht auf Anweisung der Politiker. "Wir haben niemanden gefragt, ob wir etwas tun sollen oder nicht. Wir haben unter Berücksichtigung der Umstände entschieden, völlig unabhängig von jeder Form von Ratschlägen", sagte Trichet. Dies habe er den verschiedenen Regierungen in Europa überaus deutlich gemacht.

Spreads halbieren sich
Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen haben sich heute halbiert. Die Spreads für portugiesische und spanische gingen ebenfalls deutlich zurück. Die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite Griechenlands ist aus Sicht der Anleger stark gesunken. Die Kosten für eine Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren Kredites an das Land gingen um knapp die Hälfte auf 578.500 Euro zurück.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%

Bankaktien geben den Ton an
Den Bankaktien beschert das Rettungsprogramm zweistellige Zuwachsraten. Papiere der Deutschen Bank sind die größten Kursgewinner im Dax, obwohl das Bankhaus stets betont hatte, keine Griechen-Anleihen zu besitzen. Zudem hat Merrill Lynch die Aktie der Deutschen Bank von "Underperform" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 61,00 Euro belassen.

An zweiter Stelle folgt die Commerzbank mit einem Kursplus von knapp neun Prozent. Auch die im MDax notierten Papiere der Aareal Bank legen zweistellig zu. Allianz-Aktien sind ebenfalls stark gefragt.

BMW gefallen wieder
Der Autokonzern BMW hat im April weltweit mehr Autos verkauft als vor einem Jahr. Die Auslieferungen stiegen um 14,6 Prozent auf knapp über 116.000 PKW. Vor allem in Asien konnte BMW zulegen, in Europa stiegen die Verkäufe um lediglich 3,8 Prozent auf rund 64.500 Autos. BMW profitierte nach eigenen Aussagen von der allgemein zunehmenden Nachfrage.

Rückschlag für BP
Die gescheiterten Versuche zur Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko haben die Aktie von BP belastet. Die Papiere können von der allgemeinen Markterholung nicht profitieren und sind zeitweise der einzige Verlierer im Londoner Leitindex. Die Ölpest hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bislang 350 Millionen Dollar gekostet.

Vedanta größter Zinkproduzent
Kräftig zulegen kann dagegen die Aktie des indischen Bergbaukonzerns Vedanta. Er hat für 1,3 Milliarden Dollar die Zink-Förderstätten vom britischen Bergbaukonzern Anglo American übernommen. Der Verkauf ist Teil der im vergangenen Oktober angekündigten Strategie von Anglo American, sich auf seine Kerngeschäftsfelder zu fokussieren.

ElringKlinger führt im MDax
Um mehr als 15 Prozent springen die Papiere des Automobilzulieferers ElringKlinger in die Höhe. Die Firma steigerte dank einer Markterholung und neuer Produkte ihre Erlöse um 41 Prozent auf knapp 183 Millionen Euro, das operative Ergebnis versechsfachte sich im Jahresvergleich auf 23,4 Millionen Euro.

Bilfinger begeistert
Auch die Aktie des Baukonzerns Bilfinger Berger macht einen zweistelligen Kurssprung. Das Unternehmen hat im vergangenen Quartal sein Ergebnis stärker als erwartet auf 48 Millionen Euro gesteigert. Bilfinger Berger rechnet für 2010 mit einer weiteren Verbesserung von Umsatz und Ergebnis.

Dialog einsamer Verlierer
Die Papiere des Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor sind die einzigen Verlierer im TecDax. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Dabei erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr ein anhaltendes Umsatz- und Gewinnwachstum. Im ersten Quartal hatte Dialog die Erlöse um 70 Prozent steigern können, der Nettogewinn explodierte von 0,8 auf 4,9 Millionen Dollar.

Nach oben geht es dagegen mit der ebenfalls im TecDax notierten Aktie des Funkchip-Entwicklers Smartrac. Dessen Erlöse kletterten um ein Viertel auf 36,8 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 43 Prozent auf fünf Millionen Euro. Für 2010 erwartet Smartrac weiteres Wachstum.

Einen noch höheren Sprung macht die die SDax notierte Aktie des Internetreifenhändlers Delticom. Die Firma profitierte im ersten Quartal von dem strengen Winter und steigerte ihren Umsatz um fast die Hälfte auf 74,5 Millionen Euro, das Ebit erreichte 5,9 Millionen Euro.

DIC Asset zieht Immowerte hoch
Die gute Bilanz des Immobilienkonzerns DIC Asset zieht die anderen ebenfalls im SDax notierten Branchenaktien nach oben. Dabei stieg der Gewinn von DIC Asset im vergangenen Jahr nur moderat von 2,6 Millionen Euro auf 2,8 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit einem deutlich schlechteren Ergebnis gerechnet. Die Aktie steigt um mehr als 15 Prozent und beflügelt auch die Papiere der Konkurrenten Alstria- und Patrizia.

Evotec und Genentech
Um mehr als acht Prozent steigt auch die Aktie des im TecDax notierten Biotechkonzerns Evotec. Der Grund: Die Firma hat mit einem der Großen der Biotechbranche, Genentech, eine Forschungsallianz vereinbart. Ziel sei es, sogenannte niedermolekulare Wirkstoffkandidaten zu identifizieren. Einzelheiten zu den finanziellen Details wurden nicht bekannt gegeben.

Spanierinnen boykottieren Bijou Brigitte
Ein schwaches Spaniengeschäft hat den Gewinn der Modeschmuckkette Bijou Brigitte im ersten Quartal gedrückt. Der Reingewinn fiel um 18 Prozent auf 7,2 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte nur dank der Neueröffnung von Filialen um drei Prozent auf 78,5 Millionen Euro, flächenbereinigt ergab sich ein Rückgang um zwei Prozent. Die Aktie steigt wegen der allgemeinen Freude über die Rettung der verschuldeten Staaten trotzdem.

Paion erhält Finanzspritze
Kräftig nach oben geht es auch mit der Aktie des biopharmazeutischen Unternehmens Paion. Die im Prime Standard notierte Firma erhält 15 Millionen Euro Eigenkapital von der kanadischen Acqua Capital Management Inc..Die Zusage hat eine Laufzeit von 36 Monaten und gibt Paion das Recht, in mehreren Tranchen neue Aktien auszugeben, um seine Liquiditätsbasis zu verbessern.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
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Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

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