Märkte in Unruhe

Detlev Landmesser

Stand: 17.12.2008, 20:06 Uhr

Von der spektakulären Zinssenkung der Fed konnte der Aktienmarkt am Mittwoch nur wenig profitieren. Während der Euro haussierte, konnte die Opec den Ölpreis auch mit einem historischen Schritt nicht nach oben manipulieren.

Nach positivem Start im Zuge der drastischen Leitzinssenkung der Fed rutschte der Dax am Vormittag um bis zu 1,9 Prozent ab, erholte sich bis zum Abend aber wieder deutlich. Der L-Dax schloss 0,4 Prozent höher bei 4.752,23 Punkten.

Der Euro legte einen rekordverdächtigen Kurssprung von drei US-Cent innerhalb von nur zwei Stunden hin. In der Spitze erreichte die Gemeinschaftswährung 1,4436 Dollar. Der Schwächeanfall des Dollar ist allerdings kaum verwunderlich. Die Nullzinspolitik der amerikanischen Notenbank und wohl noch mehr die Absicht, nun auch die Anleihemärkte mit Zentralbankgeld zu fluten, gefährdet die Stabilität der US-Währung.

Opec-Entscheidung verpufft zunächst

Mit der größten Förderkürzung ihrer Geschichte will die Opec die Ölpreise wieder nach oben treiben. Bei dem Treffen im algerischen Oran vereinbarte das Kartell eine Kürzung um weitere 2,2 Millionen Barrel pro Tag ab 1. Januar, was im Rahmen der Erwartungen von Beobachtern lag. Bereits auf den beiden vorangegangenen Treffen hatte die Opec eine Kürzung der Fördermenge um 2,0 Millionen Barrel pro Tag beschlossen. Auch Russland will den Rohstoffpreis mit Förderkürzungen nach oben manipulieren. Nun ist die Frage, ob die Mitgliedsstaaten die beschlossenen Kürzungen auch konsequent umsetzen.

Der richtungsweisende US-Ölpreis reagierte jedenfalls nur mit vorübergehenden Aufschlägen auf die Neuigkeiten. Die Notierung fiel bis zum Abend sogar um rund zwei Dollar gegenüber dem Vortag auf 41,90 Dollar, wobei sie auch von einem weiteren Anstieg der amerikanischen Lagerbestände belastet wurde.

An der Wall Street überwogen am Abend die Pluszeichen. So verarbeitete der Markt vor allem einen überraschend hohen Quartalsverlust von Morgan Stanley. Die Aktie der Großbank stürzte in New York zunächst um mehr als acht Prozent ab, rettete sich dann aber deutlich ins Plus. Für das vierte Quartal meldete Morgan Stanley ein Fehlbetrag von 2,34 Dollar pro Aktie, während Analysten nur mit einem Verlust von 0,33 Dollar pro Aktie gerechnet hatten.

Sorgen um Deutsche Bank
Im Dax war die Deutsche Bank mit einem Abschlag von 8,8 Prozent der schwächste Titel. Nachdem die französische BNP Paribas einen Millionenverlust im Investmentbanking gemeldet hatte, wurde das Gerücht am Markt herumgereicht, der deutsche Branchenprimus müsse im vierten Quartal einen hohen Verlust melden.

Wenig erbaulich war auch die Nachricht, dass die niederländische ABN Amro die Vereinbarung zum Verkauf von Firmenteilen an die Deutsche Bank für nicht mehr gültig ansieht. Die Deutsche Bank hatte sich Anfang des Jahres mit dem belgischen Finanzkonzern Fortis auf den Kauf von Teilen von ABN Amro für 709 Millionen Euro geeinigt. Der Kaufpreis liegt unter dem Nettowert der übernommenen Teile, weshalb Analysten von einem Schnäppchen sprachen.

Razzia bei der HRE
Die Aktie der Hypo Real Estate hielt sich dagegen angesichts der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München recht gut. Es seien Büros der Bank sowie Privaträume und Büros von früheren Vorständen und des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der HRE durchsucht worden, teilte die Behörde am Nachmittag mit. Es gehe um den Verdacht auf Marktmanipulation und unrichtige Darstellungen nach dem Aktiengesetz. Auch der Vorwurf der Untreue werde geprüft.

Merck nimmt einen Gang raus
Die Aktie der Merck KGaA gab um 4,5 Prozent nach. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern wird in einigen Anlagen die Produktion drosseln. Vor allem konjunkturabhängige Bereiche wie die Flüssigkristall-Sparte sehen sich einem Nachfragerückgang gegenüber.

Bahn vertraut weiter auf Siemens
Trotz der technischen Probleme bei ICE-Zügen bestellt die Deutsche Bahn bei Siemens 15 neue Züge zum Preis von insgesamt 500 Millionen Euro. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Siemens-Chef Peter Löscher unterzeichneten den Vertrag am Mittwoch in Berlin. Die ersten Züge sollen ab Dezember 2011 fahren. Sie sind laut Bahn mit "neu dimensionierten" Radsatzwellen ausgestattet, also einer neuen Achskonstruktion.

Lufthansa hofft auf Synergien
Die Lufthansa erwartet positive Effekte in Höhe von rund 500 Millionen Euro im Fall einer Partnerschaft mit der italienischen Alitalia. Das sagte Bereichsvorstand Holger Hätty einer italienischen Zeitung. Die Kranich-Aktie konnte gegen den Trend zulegen. Allerdings haben die Analysten von Morgan Stanley ihr Kursziel für den Dax-Titel von 14,75 auf 13 Euro gesenkt.

Die Aktie von Air Berlin profitierte im SDax davon, dass die US-Banker ihr Kursziel von 3,80 Euro auf 4,65 Euro erhöht haben und gewann zwei Prozent.

Affi mit Rekord, aber schwachem Ausblick
Die Aktie der Norddeutschen Affinerie verlor nach der Zahlenvorlage 2,2 Prozent. Der Umsatz erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 mit 8,385 Milliarden Euro nicht ganz die Erwartungen des Marktes. Beim Überschuss von 237 Millionen Euro lag der Kupferkonzern aber über den Analystenprognosen. Für das angelaufene Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen, das sich im Frühjahr in "Aurubis" umbenennen will, aber eine "deutliche Abschwächung des Ergebnisses".

Bilfinger baut für Australien
Zu den MDax-Gewinnern zählte Bilfinger Berger. Der Baukonzern hat vom australischen Staat zwei Großaufträge im Gesamtvolumen von 425 Millionen Euro ergattert. Die Militäreinrichtungen in Adelaide sollen bis 2011 fertig gestellt sein.

Colonia und DIC machen Kasse
Wie zuletzt auch andere Immobilien-Unternehmen haben auch Colonia Real Estate und DIC Asset Immobilien verkauft, um ihre Bilanzrelationen zu verbessern. Colonia meldete den Verkauf des Kölner Projektes Disch-Haus für über 40 Millionen Euro. DIC meldete mehrere Transaktionen im Gesamtvolumen von 36 Millionen Euro. Die Einnahmen aus den Verkäufen in Bayern, Berlin und dem Ruhrgebiet hätten die letztjährigen Marktwerte der Objekte übertroffen, teilte das SDax-Unternehmen mit. Einen Ergebnisbeitrag aus den Verkäufen erwartet DIC noch im laufenden Quartal.

VTG bekräftigt Wachstumsziele
Die Aktie des Waggonvermieters VTG profitierte im SDax von Aussagen des Vorstandschefs Heiko Fischer. Er sagte gegenüber dem "Handelsblatt", dass die großen Waggonvermieter trotz der Wirtschaftskrise "eine hohe Nachfrage, die im Moment noch von Monat zu Monat steigt", verzeichnen. Für das Gesamtjahr hält VTG an der beabsichtigten Umsatzsteigerung von acht bis zehn Prozent und einem Wachstumsziel beim Betriebsergebnis von bis zu 14 Prozent fest.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)