Märkte im freien Fall

Stand: 27.04.2010, 20:02 Uhr

Tagelang haben die Anleger die Sorge vor einer griechischen Staatspleite verdrängt. Doch nun sorgt eine weitere Herabstufung der Anleihen des Landes für Panikstimmung. Auch Portugal gerät zunehmend ins Visier der Finanzexperten.

Um gleich zwei Noten hat die an den Märkten immer noch hochgeschätzte Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft, von A+ auf A-. Gleichzeitig zweifelt S&P immer offener an der Fähigkeit Griechenlands, eine Pleite doch noch abwenden zu können. Deshalb senkte sie das Rating der Anleihen des Landes auf BB+/B mit einem negativen Ausblick, was an den Märkten als Ramschstatus betrachtet wird. Eine Refinanzierung Griechenlands aus eigener Kraft ist damit nicht mehr möglich.

Zuvor war bereits der Risikoaufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen auf einen Rekordwert von 712 Basispunkten gestiegen. Derweil verkündete das griechische Finanzministerium, dass die Verhandlungen mit der EU und dem IWF bis zum Sonntag abgeschlossen sein werden. Und Bundesfinanzminister Schäuble betonte am Abend, Deutschland werde Griechenland nicht im Stich lassen. Eine Umschuldung des Landes sei aber kein Thema. Eine solche Maßnahme ist mit einem Forderungsverzicht der Gläubiger verbunden und deshalb besonders unpopulär - allen voran bei den Banken.

Es kann also nicht überraschen, dass die Anleger auf die Herabstufungen mit massiven Verkäufen reagieren. Der Dax weitet im Abendhandel seine Verluste weiter aus. Das Börsenbarometer schließt 176 Punkte (2,8 Prozent) tiefer bei 6.167.

Auch an der Wall Street rauschen die Kurse in die Tiefe. Bis zum Handelsschluss in Deutschland verliert der Dow Jones-Index mehr als 100 Punkte (1,0 Prozent) und rutscht auf 11.090.

Stimmung der Verbraucher aufgehellt
Weitgehend ignoriert wurden dabei die zunehmend besseren Konjunkturmeldungen. In Deutschland ist die Stimmung der Verbraucher auf den höchsten Stand seit November gestiegen. Das ergab der GfK-Konsumklimaindex, der im Mai auf 3,8 von revidiert 3,4 Punkten geklettert ist.

Auch in den USA hat sich die Stimmung der Verbraucher deutlich gebessert. Im April stieg der vom Conference Board ermittelte Index von revidiert 52,3 Punkten im Vormonat auf 57,9 Punkte. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf lediglich 53,3 Punkte gerechnet.

Zudem sind die Preise für Wohnimmobilien in den USA im Februar erstmals seit gut drei Jahren wieder gestiegen. Sie kletterten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,6 Prozent, wie aus dem heute veröffentlichten Index von Standard & Poor's/Case Shiller für die 20 größten Ballungszentren hervorgeht.

Euro und Öl tiefer
Der Ölpreis gibt weiter nach. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni kostete 82,55 Dollar. Das waren 1,65 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 92 Dollar auf 85,91 Dollar.

Auch der Kurs des Euro ist durch die Herabstufungen Griechenlands und Portugals deutlich unter Druck geraten. Die Gemeinschaftswährung ist am Abend auf 1,32 gesunken.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank enttäuscht
Trotz eines über den Erwartungen liegenden Quartalsgewinns von 1,8 Milliarden Euro gehört die Deutsche Bank-Aktie zu den größten Verlierern im Dax. Händler erklärten die Enttäuschung mit dem Ausbleiben einer konkreten Gewinnprognose für das laufende Jahr. Zumal belaste auch die Griechenlandkrise die Aktie. Auch Merrill Lynch belässt die Aktie auf Underperform.

Gewinnmitnahmen bei MAN und Infineon
Die Aktien des LKW-Bauers schwächeln ebenfalls, müssen den Platz des größten Verlierers aber an Infineon abgeben. Dabei hat der Nutzfahrzeugmarkt in der Europäischen Union (EU) im März erstmals seit fast zwei Jahren wieder steigende Neuzulassungen verzeichnet. Ein Börsianer erklärte, die Aktie leide unter Gewinnmitnahmen nach einer entsprechenden Empfehlung der DZ Bank. Zuvor hat die Aktie allein an den vorangegangenen zwei Handelstagen knapp acht Prozent hinzugewonnen.

Dupont auf Höhenflug
Der US-Chemieriese Dupont hat seinen Gewinn im ersten Vierteljahr mehr als verdoppelt und auch den Umsatz unerwartet stark gesteigert. Der BASF-Konkurrent vermeldete am Mittag einen Nettogewinn von 1,13 Milliarden Dollar und einen gut 20-prozentigen Umsatzanstieg auf 8,48 Milliarden Dollar. Im vorbörslichen New Yorker Handel steigt die Aktie um mehr als drei Prozent. Die BASF-Aktie kann von den Zahlen aber nicht profitieren.

Ford mit gemischtem Start
Der Autobauer Ford hat im ersten Quartal Gewinn und Umsatz gesteigert. Die Erträge lagen mit 0,50 Dollar pro Anteilsschein deutlich über den Erwartungen der Analysten von 0,31 Dollar. Ford warnte jedoch davor, die Zahlen auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Diese Vorsicht missfällt den Anlegern. Im vorbörslichen amerikanischen Handel fällt die Aktie um 1,8 Prozent.

3M hakt Krise ab
Das Geschäft in allen sechs Sparten des US-Mischkonzerns florierte zu Jahresbeginn. Konzernchef George Buckley sprach am Nachmittag von einem "fantastischen" Auftakt. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um ein Viertel auf gut 6,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 80 Prozent auf unterm Strich 930 Millionen Dollar. Die Aktie haussiert.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler-Neuigkeit verpufft
Auch die Daimler-Aktie leidet unter Gewinnmitnahmen. Dass der Autokonzern heute seine Prognose für das Betriebsergebnis des laufenden Geschäftsjahres auf mehr als vier Milliarden Euro, statt der ursprünglichen 2,3 Milliarden angehoben hat, lässt die Anleger kalt.

Unter Verkaufsdruck geriet auch die Aktie von Renault. Dabei hat das Unternehmen in den ersten drei Monaten seine Erlöse um fast 30 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro gesteigert. Ob Renault in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben wird, sagte der Konzern nicht.

Rückruf belastet Porsche
Die Aktie des Sportwagenbauers hat ihre Verluste ausgeweitet und bis zu drei Prozent verloren. Ein Händler verwies auf Medienberichte, wonach der Sportwagenbauer sämtliche seiner Panamera-Modelle wegen Problemen mit Sicherheitsgurten zurückrufe. Betroffen seien weltweit rund 11.300 Fahrzeuge, sagte ein Porsche-Sprecher.

Goldman empfiehlt K+S
Dank einer Kaufempfehlung gehörte die K+S-Aktie bis kurz vor Börsenschluss zu den wenigen Gewinnern im Dax. Goldman Sachs hat den Wert von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel von 42,00 auf 52,80 Euro angehoben. Besonders gut gefällt den Analysten die Nachfrage im Kalimarkt, die sich im ersten Quartal wieder verbessert habe.

Krones beeindruckt nicht
Der Abfüllanlagenhersteller Krones hat im ersten Quartal 2010 wieder Gewinne geschrieben von 9,1 Millionen Euro, nach einem Verlust von 5,1 Millionen Euro vor Jahresfrist. Von Freude ist bei den Anlegern dennoch nichts zu spüren. Im Gegenteil. Sie hatten noch mehr erwartet und schicken die Aktie auf Talfahrt.

Software AG unter Erwartungen
Die Aktie von Deutschlands zweitgrößtem Softwarehersteller Software AG ist heute der schwächste Wert im TecDax. Dabei hat das Unternehmen dank der Übernahme von IDS Scheer seinen Umsatz von 165 auf 250 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn fiel mit 28 Millionen Euro aber niedriger aus als erwartet.

Morphosys steigen doch
Das Biotech-Unternehmen Morphosys hat im ersten Quartal erneut weniger verdient. Der Gewinn sank von 3,5 auf 3,2 Millionen Euro. Marktbeobachter sprachen dennoch von starken Ergebnissen. Das scheinen auch die Anleger so zu sehen. Die Aktie legt leicht zu.

Konkurrenz treibt Aixtron
An der Spitze des TecDax stehen die Aktien des Spezialmaschinenbauers Aixtron. Sie Der amerikanische Branchenkollege Veeco hatte am Montag mit seinen guten Quartalsergebnissen und dem Ausblick überzeugt.

Patrizia macht Kasse
Das im SDax gelistete Immobilienunternehmen Patrizia hat auf einen Schlag 274 Wohnungen verkauft. Der Verkaufspreis liegt bei gut 42 Millionen Euro. Käufer ist laut Patrizia ein institutioneller Investor, der ungenannt bleiben möchte. Die Patrizia-Aktie hat sich an der Spitze des SDax festgesetzt.

Mühlbauer auf Talfahrt
Das Technologieunternehmen Mühlbauer hat im ersten Quartal den bisher höchsten Auftragseingang in seiner Geschichte verbucht. Das weckt Hoffnungen auf ein deutlich besseres Geschäft ab dem zweiten Quartal. In den ersten drei Monaten des Jahres ging das Betriebsergebnis um 23 Prozent auf 1,8 Millionen Euro zurück. Die Aktionäre sind enttäuscht und schicken das Papier in den Keller.

Vivacon springen hoch
Die Aktie des angeschlagenen Immobilienunternehmens macht einen Freudensprung von zeitweise mehr als 27 Prozent. Der Grund: Vivacon hat mit wesentlichen Hauptgläubigern Sanierungsvergleiche geschlossen. Sie ermöglichen eine nachhaltige Finanzierungs- und Liquiditätsplanung für die zukünftige Geschäftstätigkeit. Die Vivacon AG konzentriert sich künftig wieder auf ihre Kernkompetenz im Bereich Erbbaurecht. Dazu sollen auch verschiedene Dienstleistungen in diesem Bereich für Dritte gehören.

BP ist wieder obenauf
Noch ein Blick auf Europa. Der britische Ölkonzern BP hat zum Jahresauftakt von den kräftig gestiegenen Ölpreisen profitiert. Der Gewinn vor Bestandswertveränderungen schoss um 135 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar in die Höhe. Dennoch gibt die Aktien nach.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen