Märkte erhalten ersten Dämpfer

Stand: 04.01.2012, 20:00 Uhr

Gewinnmitnahmen und Sorgen um die Refinanzierung europäischer Banken haben zur Wochenmitte die Rally der vergangenen Tage beendet und dem Dax einen Dämpfer versetzt. Auch von der Wall Street kommt keine Unterstützung.

Der Dax weitet zeitweise seine Verluste deutlich auf und fällt auf 6.088 Punkte zurück. Kurz vor Börsenschluss setzt dann eine Gegenbewegung ein, so dass der Leitindex schließlich mit einem Minus von 55 Punkten (0,9 Prozent) bei 6.111 den elektronischen Handel beendet. Auch im Abendhandel kommt es zu Verlusten. Der Dax geht auf 6.116 Punkte zurück.

Auch der Euro schwächelt und fällt im Tagesverlauf bis auf 1,290 Dollar ab, nach 1,305 Dollar am Vorabend. Bei Börsenschluss notiert der Euro wieder bei 1,294 Dollar. Händler erklären die Kursentwicklung mit den Sorgen der Anleger im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Europa. Zudem scheinen die geopolitischen Risiken, besonders im Iran-Konflikt, für den Dollar als sicheren Hafen zu sprechen. Laut EU-Diplomaten wollen die EU-Staaten den Iran mit einem Importverbot für iranisches Öl unter Druck setzen.

Refinanzierung von Staaten steht an
Den Anlegern werde allmählich wieder klar, dass sich an den fundamentalen Problemen wie der Schuldenkrise und dem Konjunkturabschwung bislang nichts geändert habe, so Börsianer. Immerhin stehe im ersten Quartal die Refinanzierung von insgesamt 157 Milliarden Euro an Staatspapieren an.

Aus Deutschland kamen indes positive Signale: Der Bund hat seine erste Anleihe-Auktion im neuen Jahr unfallfrei über die Bühne gebracht. Zudem honorierten die Kapitalmärkte die Sanierungsbemühungen vom Schuldensünder Portugal. Das pleitebedrohte Euro-Land bekam frisches Geld zu den niedrigsten Zinsen seit dem Hilfsantrag im April vergangenen Jahres.

An der Wall Street hangelt sich der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte bis zum Börsenschluss in Deutschland hauchdünn ins Plus bei 12.414 Punkten, nachdem er zuvor leichte Verluste von 0,3 Prozent verbucht hatte.

Analysten sprechen von "Gewinnmitnahmen in überkauften Märkten". Zudem seien viele Indizes nach der zuletzt positiven Entwicklung kurz vor wichtigen Widerständen gestoppt worden. Dass der Auftragseingang der US-Industrie im November etwas weniger als erwartet gestiegen ist, spiele für die schwächelnden Aktienmärkte keine Rolle. Im Monatsvergleich kletterten die Neuaufträge um 1,8 Prozent. Erwartet war ein Anstieg um 2,0 Prozent.

Preisauftrieb verlangsamt
Die Preissteigerungsrate in der Eurozone hat sich im Dezember leicht abgeschwächt. Nach Berechnungen von Eurostat lag die Inflationsrate bei 2,8 Prozent nach 3,0 Prozent jeweils in den drei Monaten zuvor. Experten hatten mit dem Rückgang gerechnet, der in Deutschland noch stärker ausfiel, auf 2,4 Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
Differenz relativ
-0,87%
Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
181,54
Differenz relativ
+0,81%

Bankaktien am Dax-Ende
Dass sich an den fundamentalen Problemen der Eurozone nicht geändert hat bekommen am Mittwoch vor allem die Banken zu spüren. Die Aktien von Commerzbank, Deutscher Bank und führen die Liste der Verlierer im Leitindex an. Auch die Titel der Versicherer Allianz und Munich Re müssen überdurchschnittlich abgeben.

Grund ist die Kapitalerhöhung der italienischen Bank UniCredit, Mutter der deutschen HypoVereinsbank. Sie bietet ihre neuen Aktien mit einem hohen Abschlag von mehr als 40 Prozent an. Aktionäre können für je eine gehaltene Aktie zwei neue zum Preis von 1,943 Euro kaufen. Die Bank hofft auf einen Erlös von 7,5 Milliarden Euro. Der Abschlag gilt aber auch als ein Warnschuss für die anderen Großbanken der Eurozone, allen voran der Commerzbank, die ebenfalls ihr Eigenkapital erhöhen müssen. Der Versicherer Allianz will 150 Millionen Euro aufbringen, um seinen Zwei-Prozent-Anteil zu halten.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,16
Differenz relativ
-0,39%

Immer mehr Amis mögen VW
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten haben sich viele US-Amerikaner zu Weihnachten ein neues Auto zugelegt. Bei VW stiegen die Verkäufe im Dezember verglichen zum Vorjahresmonat um 36 Prozent auf 32 500 Autos. "Das war unser bester Dezember seit 1972", sagte Nordamerika-Chef Jonathan Browning am Mittwoch. Verkaufsschlager ist die mittelgroße Limousine Jetta, die aus dem Werk im mexikanischen Puebla stammt. Die VW-Aktie dreht kurz ins Plus.

Zum Vergleich: Branchenprimus General Motors konnte die Verkäufe im Dezember um annähernd fünf Prozent auf 234.400 Autos steigern.

Vestas schockiert die Anleger
Nach Verlusten und Pleiten bei Solarfirmen schockiert nun der weltgrößte Windturbinenbauer Vestas mit seiner Ankündigung, 2011 in die roten Zahlen geraten zu sein. Die Aktie des dänischen Unternehmens fällt um 15 Prozent. Der drohende Verlust wirft ein Schlaglicht auf die immer noch ungelösten Probleme der Branche, die unter Kampfpreisen, steigenden Personalkosten und hohen Kapitalanforderungen beim kostspieligen Bau von Windparks auf hoher See leidet. Die Probleme von Vestas drücken auch den Aktienkurs des deutschen Windkraftherstellers Nordex.

Solarbranche ebenfalls unter Druck
Noch größere Kursverluste müssen die heimischen Solarfirmen verbuchen. Q-Cells und SMA Solar verlieren mehr als sieben Prozent. Auch Solarworld büßen überdurchschnittlich ein. Grund ist offenbar die Furcht vor der stärker werdenden chinesischen Konkurrenz. Auch büßen die Firmen für die letzten Insolvenzen in der Branche.

Gerresheimer will expandieren
Um 1,6 Prozent zulegen kann dagegen die Aktie von Gerresheimer. Der Pharmazulieferer aus dem MDax will auf lange Sicht seinen Umsatz verdoppeln. "Langfristig wollen wir einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erzielen", sagte Konzernchef Uwe Röhrhoff dem "Handelsblatt". Nach dem Kauf der brasilianischen Vedat, einem Hersteller von Kunststoffverpackungen für Arzneimittel, peilt Röhrhoff neue Akquisitionen an. "Ich bin optimistisch, dass wir bald etwas zu verkünden haben."

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr