Libyen-Unruhen belasten weiterhin

Stand: 23.02.2011, 20:01 Uhr

Mit beängstigender Geschwindigkeit hat der Dax den am Montag begonnenen Sinkflug fortgesetzt. 1,7 Prozent verlor der Leitindex am Mittwoch, die Wall Street drückte den Dax im späten Handel noch weiter nach unten.

Die Revolution in Ägypten hatte an der Börse nicht die Auswirkung, die die gewalttätigen Unruhen in Libyen jetzt haben. 1,7 Prozent verlor der Dax am Mittwoch und schloss bei 7.194 Punkten. Die Kapitalmärkte setzten sich intensiv mit den Folgen des Aufstands in Libyen auseinander.

Die Sorge gilt, da zeigen die Kapitalmarktteilnehmer ihre harte Seele, auch dem lieben Öl. Da Libyen ein wichtiges Ölexportland ist, verteuerte sich der Fasspreis am Mittwoch weiter, WTI auf 98 Dollar, Brent auf mehr als 110.

Alles, was den Markt am Mittwoch hätte stützen können, wurde ausgeblendet. Der unerwartete Anstieg der Eigenheimverkäufe in Amerika wurde ignoriert. Die guten Bilanzen Commerzbank, Fresenius und Fresenius Medical Care, sie halfen gerade einmal der Fresenius-Aktie zu einem merklichen Kursgewinn.

Auch an der Wall Street blieben die Anleger in Alarmstimmung. Als der Parketthandel in Frankfurt beendet wurde, notierte der Dow Jones fast ein Prozent tiefer. Der LDax geriet im späten Handel ebenfalls unter Druck und verlor gegenüber dem Xetra-Dax 27 Punkte.

BASF: Wintershall stellt Produktion ein
BASF-Aktien schlossen etwas schwächer, nachdem sie bereits am Montag und Dienstag erheblich verloren hatten. Die Aktie war wegen des verhältnismäßig starken Engagements der BASF-Tochter Wintershall in Libyen unter Druck. Am Mittwoch kündigte Wintershall an, die Ölproduktion in Libyen - 100.000 Fass pro Tag - einzustellen.

Commerzbank knackt die Milliarde
Die wichtigste Bilanz an diesem an Bilanzen nicht armen Tag war die der Commerzbank. Die teilverstaatlichte Bank hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro gemacht und damit die Erwartungen übertroffen. Die Commerzbank begründete die guten Zahlen mit der verringerten Risikovorsorge. Die Aktie verlor dennoch. Vorstandschef Martin Blessing sagte auf der Hauptversammlung, dass die Aktionäre sich auch im kommenden Jahr wenig Hoffnung auf eine Dividende machen sollten.

Zahlen von den Gesundheitsdienstleistern
Die Konzerne der Fresenius-Familie legten ebenfalls Zahlen vor. Beiden Firmen gelang es, im vergangenen Jahr ihren Umsatz und Gewinn einigermaßen deutlich zu verbessern. Fresenius erreichte 16 Milliarden Euro Umsatz, Fresenius Medical Care 12,05 Milliarden Euro. Für 2011 sind weitere Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis geplant.

Berichte von Roth&Rau, Centrotherm und Conergy
Die im TecDax notierten Solarkonzerne Roth&Rau, Centrotherm und Conergy legten ihre Zahlen vor. Roth&Rau gab für 2010 einen Ebit-Verlust von knapp 26 Millionen Euro bekannt. Die Firma begründete dies mit Sondereffekten wegen Wertberichtigungen. Der Umsatz hingegen legte um mehr als ein Drittel auf knapp 269 Millionen Euro, die Auftragseingänge verdoppelten sich 2010 auf fast 400 Millionen Euro.

Centrotherm profitierte eindeutig vom Solarboom und konnte den Jahresumsatz um ein Viertel auf 624 Millionen Euro verbessern, das Ebit verdoppelte sich auf 75 Millionen Euro. Conergy machte 2010 weiterhin Verluste, doch halbierte sich der Fehlbetrag auf 42 Millionen Euro, der Umsatz des Hamburger Unternehmens stieg um die Hälfte auf 914 Millionen Euro.

Noch mehr Bilanzen aus den Indizes
Aus Tec-, M- und SDax erhielten die Anleger weitere frische Geschäftsberichte. Der Internetdienstleister Freenet berichtete über ein gestiegenes Ergebnis von nun 393 Millionen Euro. Der Umsatz fiel im vergangenen Jahr leicht auf 3,3 Milliarden Euro. Für 2011 ist Freenet nicht so optimistisch. Die Firma rechnet damit, dass das Ebit leicht zurückgehen wird.

Dieses Problem hat der Triebwerksbauer MTU aus dem MDax nicht. Die Firma will 2011 ihr Ergebnis von 2010 (142 Millionen Euro) in etwa halten. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro, auch dieser soll 2011 weiter ansteigen. Da Aktionäre sich für die Jahresbilanz etwas mehr erhofft hatten, verlor die MTU-Aktie 4,2 Prozent.

Auch der Waggonvermieter VTG aus dem SDax legte seine Jahresbilanz vor. Wegen der konjunkturellen Erholung konnte die Firma bei Umsatz und Gewinn leicht zulegen, auf 629 beziehungsweise 154 Millionen Euro. Für 2011 gibt sich VTG sehr optimistisch, und auch die Aktionäre können sich freuen. VTG hob die Dividende um 10 Prozent auf 33 Cent an.

Bilanzen von Cewe, Dürr, MLP und Jungheinrich
Ebenfalls aus dem SDax berichteten Jungheinrich, Dürr, MLP und Cewe Color. Der Fotodienstleister Cewe Color verbesserte seinen Umsatz um fast ein Zehntel auf 447 Millionen Euro, der Nettogewinn wurde auf 13,7 Millionen Euro verdoppelt. Cewe will die Dividende anheben und erwartet für dieses Jahr weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Der Finanzmakler MLP will auch seine Dividende erhöhen, wegen des um 41 Prozent verbesserten Gewinns. Der Umsatz ging indes leicht auf 523 Millionen Euro zurück.

Der Anlagenbauer Dürr hat seine vergangene Woche vorgelegten vorläufigen Zahlen bestätigt. Neu ist die Umsatzprognose für 2011: Um 15 Prozent sollen die Erlöse wachsen, das Ergebnis sogar noch stärker. Und der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich schaffte 2010 ein Ergebnis von 97 Millionen Euro, nach einem Millionenverlust im Jahr zuvor. Auch der Umsatz legte zu.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"