Leichte Gewinnmitnahmen

Detlev Landmesser

Stand: 11.04.2007, 20:31 Uhr

Zur Wochenmitte setzte der Dax zunächst seine Rally fort und notierte zeitweise über 7.200 Punkten. Angesichts einer schwächelnden Wall Street waren diese Gewinne aber nicht zu halten.

Der L-Dax schloss bei 7.166,40 Zählern. Die Begründung einiger Börsianer, es seien Sorgen in Bezug auf die startende US-Berichtssaison aufgekeimt, scheint wenig stichhaltig, zumal der traditionelle Saison-Eröffner Alcoa mit seinem Quartalsbericht durchaus überzeugen konnte. Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Zuwächsen sind da eine schlüssigere Erklärung, wobei der neue islamistische Terror in Algerien ein möglicher Auslöser war.

Um 20:00 Uhr wurde das Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom 20. und 21. März veröffentlicht. Darin heißt es, das Gremium sei sich einig gewesen, dass eine weitere Stärkung der Zinspolitik nötig sein könnte, um die Inflation niedrig zu halten. Das wurde an der Wall Street wenig erfreut aufgenommen, die großen Indizes weiteten zunächst ihren Tagesverlust aus. Auch der Euro rutschte vorübergehend auf ein Tagestief von knapp über 1,34 Dollar.

Puma-Aktionäre setzen auf höheres Gebot

Im Fokus der Börse stand weiterhin der Übernahmekandidat Puma, der zudem seine Hauptversammlung abhielt. Am Dienstag hatten die Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz ihren über die Investmentfirma Mayfair gehaltenen 27,1-prozentigen Anteil an dem Sportartikelhersteller an den französischen Luxusgüterkonzern PPR verkauft. Den freien Aktionären will PPR ebenfalls 330 Euro je Aktie zahlen. Mittlerweile notiert der MDax-Titel allerdings schon über 350 Euro. Konzernchef Jochen Zeitz erklärte auf der HV, er habe kein Indiz für eine höhere Offerte von PPR, und bezeichnete diese weiterhin als "fair". Einer der Puma-Aktionäre, die Investmentgesellschaft Atlantic Investment, betrachtet 400 Euro als fairen Preis. Für Donnerstag um 10:30 Uhr kündigten Puma und PPR eine gemeinsame Pressekonferenz zur Übernahme an.

Von der Entwicklung profitierte auch wieder die Aktie von Adidas. "Je weiter Puma steigt, desto günstiger wirkt demgegenüber die Bewertung von Adidas. Daher werden die Titel mit nach oben gezogen", sagte ein Marktbeobachter.

Ein Herz für Tui?
Wie die Börsianer eben sind, begannen sie sogleich zu spekulieren, wohin die Herz-Milliarden aus dem Puma-Deal denn nun fließen sollen. Die Wahl fiel auf Tui - die Aktie des Touristik- und Containerkonzerns führte mit zeitweise über sechs Prozent Plus die Gewinnerliste im Dax an. Die Beteiligungsgesellschaft Mayfair kommentierte gegenüber dem "Hamburger Abendblatt", "diesbezügliche Gerüchte stimmen nicht". Günter Herz erklärte gegenüber dpa: "Das ist guter Marktquatsch. Sie erwarten doch nicht, dass ich das kommentiere."

SAP von Gerüchten geschüttelt
Die SAP-Aktie kippte im Verlauf ins Minus ab, nachdem Gerüchte um eine angeblich bevorstehende Gewinnwarnung aufgekommen waren. Börsianer verwiesen auf Spekulationen, der Walldorfer Softwarekonzern könnte im ersten Quartal weniger verdient haben als erwartet. Eine vorzeitige Veröffentlichung der Quartalszahlen sei daher denkbar, sagte ein Händler. SAP wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Das Unternehmen will seine Quartalszahlen am 20. April bekannt geben.

Conti expandiert in der Slowakei
Gut aufgelegt war auch die Continental-Aktie. Der Reifenhersteller kündigte die Übernahme von 51 Prozent an dem slowakischen Wettbewerber Matador an. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Nach Angaben einer mit der Übernahme vertrauten Person gegenüber Reuters soll sich der Preis im unteren dreistelligen Millionen-Bereich bewegen.

Deutsche Börse blickt in die Schweiz
Die Aktie der Deutsche Börse gehörte ebenfalls zu den Gewinnern. Der Börsenbetreiber will die Kooperation mit der Schweizer Börse SWX vertiefen, berichtet die "Handelszeitung". "Wir sind sehr glücklich über die bestehende Kooperation mit der SWX und würden es begrüßen, die Zusammenarbeit auszubauen", sagte Deutsche Börse-Chef Reto Francioni dem Schweizer Blatt.

Bei Daimler tut sich was
Der mögliche Verkauf von Chrysler sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, will sich ein hochrangiger DaimlerChrysler-Manager offenbar noch in dieser Woche mit Vertretern des Konsortiums aus den Beteiligungsgesellschaften Blackstone und Centerbridge, des Investors Cerberus sowie des Konsortiums aus dem kanadischen Autozulieferer Magna International und dem Finanzinvestor Ripplewood treffen. Alle Investoren gelten als mögliche Käufer der angeschlagenen US-Sparte. Die Beteiligungsgesellschaft Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian scheint aber nicht berücksichtigt zu werden. Außerdem hat die Citigroup das Kursziel für das Papier von 62 auf 72 Euro erhöht.

Rückschlag für Merck
Die Aktie des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck KGaA gehörte zu den schwächeren Werten im MDax. Das Krebsmedikament Erbitux hat in einer klinischen Studie das Leben von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht signifikant verlängert. Das Medikament ist eines der wichtigsten Produkte der Darmstädter.

Aixtron weiter gefragt
An die TecDax-Spitze setzte sich erneut die Aixtron-Aktie. Bereits am Dienstag hatte die Aktie des Spezialmaschinen-Herstellers nach Übernahmegerüchten knapp zehn Prozent zulegen können. Am Abend hatte das Unternehmen Gespräche mit Applied Materials oder anderen möglichen Interessenten dementiert.

Jungheinrich guter Dinge
Jungheinrich hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um sechs Prozent auf 1,75 Milliarden Euro steigern können. Der Gewinn kletterte von 62 auf 67 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr ist der im SDax notierte Gabelstaplerhersteller optimistisch. "2007 gehen wir von einem weiterhin günstigen Geschäftsverlauf aus", sagte Unternehmenschef Wolfgang Kiel. Auftragseingang und Umsatz sollen deutlich wachsen.

Manipulationen bei Amitelo?
Aufregung um Amitelo: Die Aktie des Schweizer Internet-Telefonie-Anbieters brach nach einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal 21" zeitweise um über 75 Prozent ein. Danach führt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) derzeit eine Untersuchung wegen Verdachts der Marktmanipulation in den im Entry Standard gelisteten Amitelo-Aktien durch. Anderen Vorwürfen des Magazins widerspach das Unternehmen in einer Mitteilung am Abend.

SMT Scharf verhalten gestartet
Die Aktie der SMT Scharf AG hat heute ihr Börsendebüt im Prime Standard gefeiert. Die auf Bahnsysteme für den Bergbau spezialisierte Gesellschaft hatte den Ausgabekurs der Aktie auf 9,50 Euro festgelegt. Damit lag der Preis am unteren Ende der Preisspanne, die bis 11,50 Euro reichte. Der erste Kurs an der Börse betrug 9,50 Euro, bis zum Handelsschluss in Frankfurt kletterte die Notierung auf 9,83 Euro.

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Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer