Marktbericht 20:02

Warten auf die EZB Leichte Gewinne zum Wochenbeginn

Stand: 04.11.2013, 20:02 Uhr

Hoffnungen auf eine erneute geldpolitische Lockerung durch die EZB haben den europäischen Aktienmärkten am Montag neuen Auftrieb verschafft. In Frankfurt kann der Dax die Marke von 9.000 Punkten trotz schwächelnder Kurse an der Wall Street verteidigen.

Der deutsche Leitindex schließt 0,33 Prozent oder 29,4 Zähler höher als am Freitag bei 9.037 Punkten. Bereits zu Handelsbeginn gaben die Anleger wieder Gas, so dass der Dax zeitweise bis auf 9.054 Punkte kletterte. Einen Dämpfer erhielten die Kurse am Nachmittag, weil die amerikanische Industrie im September etwas weniger Aufträge erhalten hat als erwartet.

Als wichtigste Stütze erweisen sich die neu aufgeflammten Spekulationen auf eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank. Zwar sind die Aussichten gering, dass die Notenbanker einen solchen Schritt bereits auf ihrer nächsten Ratssitzung an diesem Donnerstag beschließen, doch Anleger erhoffen sich Hinweise auf eine weitere Lockerung. Die erscheint möglich, weil die Inflationsrate in der Eurozone auf nur noch 0,7 Prozent zurückgegangen ist.

Wall Street kommt nicht vom Fleck

Auch an der Wall Street hat die Geldpolitik der Notenbank zunächst für weiter steigende Kurse gesorgt. Die Anleger erwarten, dass die Notenbank Fed ihre Konjunkturhilfen wegen des jüngsten Haushaltsstreits erst ab Anfang kommenden Jahres zurückfahren wird. Der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, sagte, die Notenbank werde ihre Entscheidung nicht überstürzen.

Nach dem unerwartet schwachen Anstieg der Aufträge für die Industrie im September dreht der Dow Jones-Index allerdings leicht ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow wieder neun Punkte höher bei 15.624 Punkten. Generell war die Stimmung am Markt aber nicht deutlich getrübt. "Der Weg des geringsten Widerstands weist weiter nach oben", sagte ein Portfoliomanager in Philadelphia.

Euro wieder über 1,35 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1422
Differenz relativ
+0,46%

Der Euro ist am Montag wieder über die Barriere von 1,35 Dollar geklettert, nachdem er zuvor auf ein Tagestief von 1,3441 Dollar gefallen war. Die Gemeinschaftswährung hat seit der vergangenen Woche rund 3 US-Cent eingebüßt. Der Grund sind Spekulationen über eine neuerliche Zinssenkung durch die EZB.

Blackberry stürzt ab

Der schwer angeschlagene Smartphone-Pionier Blackberry ändert seine Sanierungspläne: Der geplante Verkauf werde abgesagt, stattdessen soll eine Milliarde Dollar frisches Geld eingesammelt werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der aus Deutschland stammende Chef Thorsten Heins werde gehen. Die Aktie bricht zweistellig ein.

Twitter wird teurer

Twitter will beim anstehenden Börsengang deutlich mehr Geld einnehmen als zuletzt gedacht. Die 70 Millionen Aktien sollen Investoren nun zu jeweils 23 bis 25 Dollar angeboten werden, wie der Kurznachrichtendienst am Montag mitteilte. Bislang war eine Preisspanne von 17 bis 20 Dollar angepeilt worden. Der Ausgabepreis wird voraussichtlich am Mittwoch bekanntgegeben.

K+S-Aktie außer Rand und Band

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,65
Differenz relativ
-0,92%

Im Dax schießt die K+S-Aktie bis zum Handelsende um gut neun Prozent in die Höhe, nachdem die britische Investmentbank HSBC den Wert von "Underweight" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel von 16,80 auf 21,00 Euro angehoben hat. Es gebe einige Zeichen für eine Verbesserung des Preisumfeldes, hieß es. Bereits am Freitag hatten Aussagen von Uralkali zu einer Stabilisierung der Preise der Aktie Auftrieb verschafft.

VW weiter auf der Überholspur

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,12
Differenz relativ
+0,57%

Die Vorzugsaktien von VW ziehen weiter an. Offenbar wirken immer noch die Quartalszahlen aus der vergangenen Woche nach. Mit 192 Euro notieren sie auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Allerdings hatten die damals noch im Dax notierten Stammaktien im Zuge der Übernahmeschlacht mit Porsche vor einigen Jahren kurzzeitig bei mehr als 1.000 Euro notiert.

Deutsche Bank leidet unter Verdächtigungen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,54
Differenz relativ
-1,35%

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Aktie der Deutschen Bank. Das Papier leidet unter dem sich ausbreitenden Skandal um mutmaßliche Manipulationen auf dem Devisenmarkt. Deutschlands Branchenprimus ist neben den Konkurrenten UBS, Barclays und der HSBC ins Visier der Aufseher geraten. Das missfällt den Anlegern.

SMA fährt Achterbahn

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,34
Differenz relativ
-3,34%

Im TecDax fährt die Aktie von SMA Solar an diesem Montag Achterbahn. Nachdem das Unternehmen am Nachmittag seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt stürzt das Papier zunächst ab, dreht dann aber ins Plus. Statt einem ausgeglichenen Ergebnis erwartet der Kasseler Hersteller von Wechselrichtern jetzt einen Verlust von 80 bis 90 Millionen Euro. Der Umsatz soll 0,9 bis 1,0 Millarden Euro erreichen. Bisher waren 0,9 bis 1,3 Milliarden erwartet worden. 2014 ist aber die Rückkehr in die schwarze Zahlen geplant. Auch der Umsatz soll wieder steigen.

Fuchs gefällt trotzdem

Im MDax ist Fuchs Petrolub ganz vorne. Dabei hat der Mannheimer Schmierstoffhersteller in den ersten neun Monaten unter dem starken Euro gelitten. Auch die Jahrsprognose gerät ins Wanken. "Die bisherige Dynamik beizubehalten dürfte nicht zuletzt aufgrund der Wechselkursentwicklung schwer werden", warnte das Unternehmen. Anleger reagieren dennoch gelassen, hatten sie doch schlechtere Zahlen erwartet.

Deutsche Bank schickt Stada auf Talfahrt

Dagegen verlieren Stada-Aktien auffällig stark. Die Analyseabteilung der Deutschen Bank hat die Papiere von "Buy" auf "Hold" abgestuft, aber das Kursziel auf 40 Euro belassen. Nachdem die Aktie das Kursziel erreicht habe, fehlten Treiber für weitere Gewinne, hieß es zur Begründung.

Wacker Chemie bleibt ein "Sell"

Auch bei der Aktie von Wacker Chemie hinterlässt die Deutsche Bank tiefe Spuren. Zwar hat das Geldhaus das Kursziel von 39 auf 55 Euro angehoben. Die Einstufung bleibt aber bei "Sell". Grund seien die stagnierenden Verkaufspreise für Polysilizium trotz einer hohen Nachfrage.

Deutsche Wohnen am Ziel

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ist mit seinem Übernahmeangebot für den Konkurrenten GSW erfolgreich gewesen. Bis zum 30. Oktober haben 78,57 Prozent der GSW-Aktionäre das Angebot angenommen. Die Aktien der beiden im MDax notierten Firmen legen um gut ein Prozent zu.

Baywa ködert Anleger

Im SDax macht der Agrarhändler Baywa seinen Aktionären Hoffnung auf eine steigende Dividende. Der Baywa-Chef kündigte zudem eine weitere Übernahme an: "Es ist gut möglich, dass wir in den nächsten Monaten einen weiteren internationalen Obsthändler übernehmen."

Sixt erhöht Prognose

Deutschlands größter Autovermieter Sixt setzt sich nach einem überraschend guten dritten Quartal höhere Ziele fürs Gesamtjahr 2013. Sixt kündigt jetzt ein Konzernergebnis vor Steuern über dem Vorjahreswert von 118,6 Millionen Euro an. Bisher war der Autovermieter von einem leichten Rückgang ausgegangen.

Ryanair-Aktie im Sturzflug

Zweistellig bergab geht es mit der Aktie von Ryanair. Die einst erfolgreiche Preisstrategie erweist sich für den Billigflug-Pionier immer mehr als Bumerang. Wegen des harten Konkurrenzkampfs kappte die irische Fluggesellschaft am Montag zum zweiten Mal binnen zwei Monaten ihre Gewinnziele. Nach zunehmender Kritik am Umgang mit den Passagieren peilt Europas größter Billigflieger nun einen Imagewechsel an und will mit größer Kundenfreundlichkeit und einem besseren Service punkten.

Alcatel will Milliarden einsammeln

Der französische Telekomausrüster Alcatel-Lucent will für den Konzernumbau frisches Kapital beschaffen. Über eine Kapitalerhöhung sollten 955 Millionen Euro eingenommen werden, teilte der angeschlagene Konzern am Montag mit. Über die Ausgabe einer hoch-verzinsten Anleihe sollen zudem 750 Millionen Dollar in die Kasse fließen. Des weiteren sei eine syndizierte Kreditlinie über 500 Millionen Euro vereinbart worden.

HSBC spart sich gesund

Die britische Großbank HSBC hat im Sommer dank ihres Sparprogramms mehr verdient. Trotz der Flaute im Investmentbanking und stagnierender Erträge ist der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern um zehn Prozent auf knapp 5,1 Milliarden Dollar gestiegen. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar - und damit 28 Prozent mehr als vor einem Jahr. Allerdings wird auch die HSBC verdächtigt, an Manipulationen auf dem Devisenmarkt beteiligt zu sein.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr