Leichte Erholung vom Papandreou-Schock

Stand: 02.11.2011, 19:59 Uhr

Der Dax hat sich vom gestrigen Schock des geplanten Griechenland-Referendums wieder etwas erholt. Zweifel an der Auszahlung der nächsten Tranche für das Mittelmeerland grenzen am Abend die Gewinne aber wieder ein.

Der Dax legt im Abendhandel nur noch um rund ein Prozent zu, nachdem er im elektronischen Handel 2,25 Prozent (131 Punkte) auf 5.965 Zähler zulegen konnte. Grund für die neuerliche Zurückhaltung der Anleger sind Äußerungen am Rande des Euro-Gipfeltreffens in Cannes wonach die Auszahlung der nächsten Kredittranche für Griechenland in Höhe von acht Milliarden noch einmal diskutiert werden müsse. Es müsse sichergestellt sein, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nachkomme, hieß es.

Auch die US-Notenbank sorgte am Abend für Enttäuschung. Entgegen den am Nachmittag aufgekommenen Gerüchten über neue Hilfsprogramme vermied es Fed-Chef Ben Bernanke ein klares Signal für weitere geldpolitische Lockerungen durch Anleihekäufe zu senden. Damit bleibt es vorerst bei den im September angekündigten Maßnahmen, bis Mitte kommenden Jahres Anleihen mit langen Laufzeiten im Volumen von 400 Milliarden Dollar zu kaufen. Wie erwartet hat die Fed am Abend ihren Zinssatz unverändert gelassen.

Der Dow Jones-Index grenzte daraufhin seine Gewinne zunächst ein. Bei Börsenschluss am Abend notiert der US-Leitindex aber wieder 1,5 Prozent höher als gestern bei 11.834 Zählern, nachdem zuvor nur noch 0,9 Prozent zugelegt hatte.

Ermutigende ADP-Zahlen
Ermutigt wurden die Anleger von positiven Daten vom US-Arbeitsmarkt. Den neuesten ADP-Zahlen zufolge ist die Beschäftigung im Privatsektor der USA im Oktober stärker gestiegen als erwartet. Im Monatsvergleich sei die Zahl der Beschäftigten um 110.000 geklettert, teilte ADP mit. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs um 100.000 Beschäftigte gerechnet. Zudem wurde der Anstieg im September deutlich nach oben revidiert. Statt eines Stellenzuwachses von 91.000 ergibt sich nun für den September ein Plus von 116.000 Stellen.

Experten weisen aber daraufhin, dass es sich bei dem heutigen Kursplus lediglich um eine überwiegend Gegenbewegung handelt. In den kommenden Tagen könnte es also durchaus wieder bergab gehen. "Ein Abdriften in den Bereich von 5.400 Punkten ist durchaus wahrscheinlich", meint etwa Christoph Geyer von der Commerzbank.

Viel hängt allerdings davon ab, ob es den EU-Politikern und der EZB gelingt, die von der geplanten Volksabstimmung in Griechenland geschockten Anleger zu beruhigen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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MAN von Gerüchten befeuert
Spekulationen, Volkswagen plane eine Aufstockung seiner Beteiligung an MAN haben der Aktie trotz enttäuschender Quartalszahlen Auftrieb verschafft. VW wollte die Spekulationen wie üblich nicht kommentieren. MAN-Finanzvorstand Frank Lutz sagte, er habe keine Anzeichen dafür, dass VW eine Aufstockung plane. Gestützt wird die Aktie auch den zuversichtlichen Aussichten des LKW-Bauers.

Auch die VW-Aktie legt deutlich zu. Trotz der sich abkühlenden Konjunktur in China setzt Volkswagen weiter auf das Reich der Mitte als seinen Hauptwachstumstreiber. Der dortige Pkw-Markt lege 2011 deutlich schwächer zu als in den vergangenen Jahren, aber auch Wachstumsraten von acht bis neun Prozent in den kommenden Jahren seien für einen solch großen Markt fantastisch, sagte der für China zuständige VW-Manager Karl-Thomas Neumann am Abend in Berlin.

Fresenius-Familie mit gemischten Zahlen
Enttäuscht reagieren die Anleger auf die Zahlen des Dialyse-Unternehmens Fresenius Medical Care (FMC). Die Firma hat im dritten Quartal zwar absolut betrachtet gut abgeschnitten, doch die Analysten hatten mehr erwartet. Der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 3,24 Milliarden Dollar und der Gewinn um 13 Prozent auf 279 Millionen Dollar.

Zulegen kann dagegen die Aktie der Mutter Fresenius SE. Das Unternehmen aus Bad Homburg kappt allerdings trotz eines Gewinnanstiegs im dritten Quartal die Umsatzerwartung für das Gesamtjahr. Gegenüber 2010 mit einem Umsatz von 16 Milliarden Euro werden die Erlöse demnach währungsbereinigt nur um sechs Prozent ansteigen. Bislang war das Unternehmen von sieben bis acht Prozent ausgegangen.

Heideldruck mit ungewohntem Vorzeichen
Zu den größten Favoriten im MDax gehört die Aktie von Heidelberger Druck. "Die Titel waren gestern in der Spitze bis auf 1,30 Euro gefallen, das ist jetzt eine rein technische Gegenbewegung", sagte ein Händler. Deutsche-Bank-Analysten sehen den Wert bei zwei Euro fair bewertet.

Gea

Gea: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gea macht Anlegern Freude
Noch kräftiger zulegen kann aber die Aktie des ebenfalls im MDax notierten Maschinenbauers Gea. Das Unternehmen hat im dritten Quartal den Umsatz von 1,12 auf knapp 1,4 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn konnte sogar mehr als verdoppelt werden auf 85,9 Millionen Euro. Das Unternehmen seinen Ausblick.

Hugo Boss gut in Form
Auch die Aktie von Hugo Boss kommt voran. Der Modeanbieter hat im dritten Quartal seine Erlöse um 14 Prozent auf 615 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn kletterte sogar um 30 Prozent auf 120 Millionen Euro. Damit schnitt Hugo Boss besser als erwartet ab.

Wacker von Analysten belastet
Negative Analystenkommentare lasten dagegen auf den Papieren von Wacker Chemie. Equinet die Titel auf "Hold" von "Accumulate" herunter und senkte das Kursziel wegen der unsicheren Aussichten für die Entwicklung der Polysilizium-Preise auf 82 von 104 Euro. Die Analysten von HSBC schraubten ihr Kursziel auf 111 von 120 Euro herunter. Die Aktie ist der schwächste Wert im MDax.

Medion in der Flaute
Bergab geht es auch mit der Aktie des Aldi-Lieferanten Medion. Das vom chinesischen PC-Hersteller Lenovo dominierte Unternehmen hat die Konsumflaute in Europa zu spüren bekommt. Jetzt will Medion mit Lenovo im Weihnachtsgeschäft mit einem Tablet auf den von Apple und Samsung dominierten Markt für mobile Geräte vordringen. Medion verbuchte in den ersten neun Monaten Umsatzeinbußen von 11,5 Prozent auf 999 Millionen Euro. Dank Kostensenkungen stieg das operative Ergebnis um 6,8 Prozent auf 13 Millionen Euro.

Harry Potter verzaubert Time Warner
Der Zauberlehrling Harry Potter hat bei dem US-Medienkonzern Time Warner die Kassen klingeln lassen. Der internationale Erfolg des Kinofilms "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" bescherten dem Unternehmen einen Gewinnanstieg von 57 Prozent auf 822 Millionen Dollar. Der Umsatz kletterte um elf Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Der Mutterkonzern der TV-Sender CNN und HBO, des "Time"-Magazins sowie der Filmstudios Warner Bros profitierte dabei auch von höheren TV-Werbeeinnahmen und Kabelgebühren.

Mastercard verdient prächtig
Einen Kursgewinn von zeitweise acht Prozent verbucht auch die Aktie von Mastercard. Der Kreditkartenanbieter profitiert überraschend stark von der Kauffreude seiner US-Kunden. Der Finanzkonzern steigerte seinen Gewinn im dritten Quartal binnen Jahresfrist um 38 Prozent auf 716 Millionen Dollar. Beim Umsatz wies Mastercard am Mittwoch ein Plus von 27 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar aus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)