Laues Lüftchen zum Wochenende

Stand: 08.04.2011, 20:02 Uhr

Die anhaltend kräftige Konjunktur in Deutschland sowie die Vorfreude auf die in der kommenden Woche beginnende Berichtssaison über die Entwicklung im ersten Quartal haben den Dax wieder deutlich über die Marke von 7.200 Punkten gehievt.

Nach einem Plus von einem halben Prozent im Xetra-Handel klettert das Börsenbarometer im Abendhandel um 0,3 Prozent auf 7.218. Im Laufe der Woche hat er sich damit nur geringfügig von der Stelle bewegt und letztendlich nur rund 0,5 Prozent gewonnen. Größter Dax-Gewinner in dieser Woche waren die Aktien von Eon mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent. Das Schlusslicht bildete die BMW-Aktie, die 4,4 Prozent verlor.

An der Wall Street ist der Dow-Jones-Index am Abend ins Minus gerutscht. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert er 17 Punkte tiefer als gestern bei 12.392. Händler verweisen auf geringe Umsätze. Die Anleger warteten den Börsianern zufolge auf den Start der Berichtssaison, die am Montag traditionell mit den Zahlen des Aluminiumherstellers Alcoa eingeläutet wird.

Neue Rekorde bei Gold und Silber
Parallel zu den Aktienmärkten setzen auch die Rohstoff- und Devisenpreise ihren Aufwärtstrend fort. Globale Krisenherde und die Angst vor einer Rückkehr der Inflation treiben den Goldpreis immer näher an die psychologisch wichtige Marke von 1.500 Dollar. Heute kostete eine Feinunze (rund 31 Gramm) des gelben Edelmetalls bereits rund 1.468 Dollar und damit so viel wie noch nie.

Auch Silber legt stark zu. Zum Wochenausklang wurden an den Londoner Rohstoffbörsen erstmals seit langem wieder über 40 Dollar für eine Feinunze gezahlt - so viel wie seit 31 Jahren nicht mehr.

Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostet inzwischen mehr als 124 Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der höchste Stand seit August 2008. Auch der Preis für US-Öl steigt weiter und liegt bereits deutlich über 111 Dollar je Fass. Innerhalb eines Jahres sind die Ölpreise damit für Brent um mehr als 40 Prozent, für US-Rohöl um gut ein Viertel gestiegen.

Die Aussicht auf weitere Zinsanhebungen lässt auch den Euro weiter zulegen. Die Gemeinschaftswährung hält sich am Nachmittag über der Marke von 1,44 Dollar, dem höchsten Stand seit Anfang vergangenen Jahres.

Deutsche Börse holt auf
Angeführt wird der Dax von den Titeln der Deutschen Börse. Wie der US-Sender "Fox Business" berichtet, wollen die Gremien der umworbenen Börsenplattform NYSE Euronext am Sonntag über das Übernahmeangebot des Rivalen Nasdaq OMX beraten. Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research betonte, dass der US-Sender bereits mit dem Gegengebot der Nasdaq OMX für die NYSE gut informiert gewesen sei. Insgesamt glaubt er weiter an eine Fusion mit der Deutschen Börse und sieht daher deren Aktie nach wie vor positiv.

Allianz bleibt standhaft
Überdurchschnittlich zulegen kann auch die Aktie der Allianz. Der Versicherer fürchtet trotz der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan nicht um seine Gewinnpläne. Es gebe aus heutiger Sicht keinen Grund, die Prognose eines operativen Ergebnisses von etwa acht Milliarden Euro zu korrigieren, sagte Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner heute in Frankfurt. Zudem reagiert der Versicherer auf die Atomkatastrophe in Fukushima. So will die Allianz deutlich mehr Geld in erneuerbare Energien stecken als bislang.

Lob für ThyssenKrupp
Um gut ein Prozent steigt die Aktie von Thyssenkrupp. Cheuvreux-Analyst Alexander Haissl äußerte sich nach einer Besichtigung des Stahlwerks in Alabama positiv über den Stahlhersteller. Die Tour habe seine positive Einschätzung bestätigt, so der Experte. Die Produktion sei für den Stahlkonzern sehr erfolgreich angelaufen. Das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres dürfte besser laufen als das erste.

Nicht voran kommen dagegen die Papiere von Salzgitter. Konzern-Chef Heinz Jörg Fuhrmann hatte im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" gesagt, der europäischen Stahlindustrie drohten weiter sinkende Margen durch noch kürzere Laufzeiten ihrer Rohstoffverträge.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,25
Differenz relativ
+3,40%

Commerzbank muss bluten
Ans Dax-Ende rutscht bis zum Börsenschluss die Aktie der Commerzbank. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" haben Marktteilnehmer in Milliardenhöhe auf den Kursverfall der Commerzbank-Aktie gesetzt. Die Zeitung beruft sich dabei auf den Londoner Datenanbieter Dataexplorer. Nun führt die angekündigte Kapitalerhöhung zu einer großen Verwässerung, was den Kurs der Aktie üblicherweise stark belastet.

Merck kann nicht überzeugen
Mit Verlusten aus dem Handel geht auch die Aktie des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Dabei will das Unternehmen in diesem Jahr beim Umsatz die Marke von zehn Milliarden Euro deutlich überschreiten. "Wir rechnen mit einem Anstieg der Gesamterlöse in einer Spanne zwischen 10 und 15 Prozent", sagte Konzernchef Karl-Ludwig Kley auf der heutigen Hauptversammlung in Frankfurt. Das operative Ergebnis will Merck sogar zwischen 35 und 45 Prozent steigern.

SGL Carbon im Höhenflug
Der MDax wird angeführt von den Aktien des Wiesbadener Graphitherstellers SGL Carbon. Sie gehören in dieser Woche zu den größten Gewinnern am Frankfurter Aktienmarkt mit einem Plus von rund elf Prozent. Der kürzlich erfolgte Einstieg von Volkswagen bei SGL hat die Fantasie der Anleger sichtlich beflügelt.

Roth & Rau gefällt
Kräftig aufwärts geht es auch mit der Aktie von Roth & Rau. Der auf die Solarbranche spezialisierte Anlagenbauer ist zwar im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht, peilt im laufenden Jahr aber wieder eine positive Ergebnismarge an, von vier bis sieben Prozent. Der Ausblick fiel an der Börse zunächst nicht auf fruchtbaren Boden. Erst aufkommende Übernahmespekulationen ließen die Aktie dann ins Plus drehen.

Catoil empfohlen
Im SDax ist die Aktie des österreichischen Energieindustrie-Dienstleisters Catoil einer der Favoriten. JP Morgan erhöhte das Kursziel von bereits lange überholten 5,50 Euro auf nun 10,00 Euro. Der Markt unterschätze noch immer das Potenzial des Unternehmens, glauben die Analysten.

Norma und Powerland gehen an die Börse
Mit dem heutigen Börsendebüt des hessischen Verbindungstechnik-Spezialisten Norma konnten Anleger nur wenig Geld verdienen. Die Aktie startete mit 21,50 Euro zwar gut zwei Prozent im Plus, fällt bis zum Nachmittag aber wieder auf ihren Ausgabepreis von 21 Euro zurück.

Am Montag ist dann der chinesische Handtaschen- und Lederwarenhersteller Powerland an der Reihe. Die Papiere werden zu je 15 Euro zugeteilt und liegen damit im unteren Drittel der Preisspanne, die von 14,25 bis 17,25 Euro reichte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"