Laues Lüftchen am Abend

Lothar Gries

Stand: 27.08.2008, 20:02 Uhr

Robuste Konjunkturdaten aus Amerika haben die Sorge vor einer Rezession heute in den Hintergrund gedrängt. Die Freude war so groß, dass die Wall Street am Abend kräftig ins Plus drehte. Das sorgte auch im Dax für Auftrieb.

Der deutsche Leitindex beendet den Abendhandel mit leichten Kursgewinnen von knapp zehn Zählern bei 6337. Im elektronischen Handel musste der Dax noch einen Verlust von knapp 20 Punkten verbuchen. Ausgelöst wurde der Auftrieb am Nachmittag von den neuesten US-Konjunkturdaten. Danach sind die Bestellungen für langlebige Güter in den Vereinigten Staaten im Juli um 1,3 Prozent gestiegen ist. Volkswirte hatten dagegen mit stagnierenden Zahlen gerechnet. Das sorgte an der New Yorker Wall Street für deutlich steigende Kurse von zeitweilig mehr als einem Prozent.

Selbst der wieder gestiegene Ölpreis konnte die Stimmung am Abend nicht mehr trüben. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober 118,58 Dollar und damit 2,25 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte um zwei Dollar auf 116,64 Dollar.um 1,2 Prozent auf 117,62 Dollar je Fass. Grund ist die Sorge vor einem Wirbelsturm im Golf von Mexiko.

EZB nicht zu Zinssenkung bereit
Trotz Konjunkturflaute und rückläufiger Inflation weigert sich die Europäische Zentralbank (EZB), der Wirtschaft mit Zinssenkungen unter die Arme zu greifen. "Ich glaube, die Diskussion über sinkende Zinsen in Europa ist verfrüht", sagte EZB-Ratsmitglied Axel Weber, der zu den härtesten Falken der Notenbank gehört. Weber hält das aktuelle Zinsniveau von 4,25 Prozent noch für stimulierend.

Postbank größter Dax-Gewinner
Die Aktien der Postbank sind zeitweise um mehr als vier Prozent in die Höhe geschnellt. Händler konnten keine Erklärung dafür finden. "Beim Verkauf der Dresdner Bank kommt ja allmählich Schwung in die Sache, und vielleicht hoffen da jetzt einige, dass auch bei der Postbank bald einmal etwas passiert", mutmaßte ein Händler. Ein anderer Börsianer sprach von einem technischen Ausbruch der Aktie.

K+S plant Milliardeninvestitionen
Der Düngemittelhersteller K+S will seine Kaliproduktion in den kommenden Jahren mit massiven Investitionen ausbauen. "Wir haben das Ziel, unseren derzeitigen Marktanteil von über zehn Prozent langfristig mindestens zu halten", sagte Vorstandschef Norbert Steiner dem "Handelsblatt" (Donnerstagsausgabe). Dies bedeute eine Ausweitung der Produktion um zwei bis drei Millionen Tonnen und ein Investitionsvolumen von deutlich mehr als zwei Milliarden Euro in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Im vergangenen Jahr kam K+S, die als heißer Anwärter für eine
Mitgliedschaft im deutschen Leitindex Dax gilt, auf einen Marktanteil von 11,8 Prozent.

Conti: Ziele schwerer zu erreichen
Der Autozulieferer Continental hält trotz des sich abschwächenden wirtschaftlichen Umfeldes an seinen Jahreszielen fest. "Bisher haben wir keinen Grund, von unserem Ausblick abzurücken, aber es ist etwas schwerer geworden, die Ziele zu erreichen", sagte Finanzvorstand Alan Hippe am Abend. Im Juli und August sei das Marktumfeld auch für Conti schwieriger geworden. "Ich bin aber nicht wirklich besorgt über die Situation." Conti peilt im laufenden Jahr einen Umsatz von 26,4 Milliarden Euro an. Die um Abschreibungen auf den VDO-Kaufpreis bereinigte Umsatzrendite soll bei mindestens 9,3 Prozent liegen. Unterdessen nähert sich Schaeffler seinem Ziel, an Continental eine Beteiligung von 49,9 Prozent zu erreichen.

Gea kauft weiter zu
Der Spezialmaschinen- und Anlagenbauer GEA Group hat mit dem Zukauf eines britischen Kältetechnik-Spezialisten die siebte Akquisition seit Jahresbeginn getätigt. Die International Cooling Group (ICG) aus Fareham bei Southampton sei der bislang größte Zukauf des Jahres. Die Firma hat im vergangenen Jahr mit 500 Mitarbeitern 70 Millionen Euro umgesetzt und einen nicht näher ausgewiesenen Gewinn erwirtschaftet. Die Gea-Aktie notiert leicht im Plus.

Tui wartet auf Asiaten
Zu den schwachen Dax-Werte gehört die Tui-Aktie. Dem Reise- und Schifffahrtkonzern droht ein Interessent für die Tochter Hapag-Lloyd abhanden zu kommen. Die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur hat angesichts der schwierigen Marktbedingungen Erwartungen auf ein endgültiges Gebot für Hapag-Lloyd gedämpft. "Der Markt geht gerade dramatisch runter, da wird es immer riskanter, ein integriertes Unternehmen wie Hapag-Lloyd zu kaufen", sagte NOL-Chef Ronald Widdows mit Tageszeitung "Die Welt".

Siemens drohen hohe Kosten
Der geplante Abbau von knapp 17.000 Stellen wird den Siemens-Konzern in einer Größenordnung von 800 Millionen Euro belasten, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die genaue Summe werde davon abhängen, wie viele Beschäftigte die Abfindungen in Anspruch nähmen.

Eon streicht 1800 Stellen
Die Arbeitsplätze sollen bis Ende 2012 bei den Regionalversorgern des Konzerns wegfallen, teilte der größte deutsche Versorger am Mittwoch mit. Die Stellen sollen sozialverträglich und ohne Kündigungen abgebaut werden. Der Konzern wolle auf diese Weise mehrere Hundert Millionen Euro einsparen. Die Aktie reagiert kaum.

ProSieben vorn
Mit weitem Abstand notieren die Vorzugsaktien von ProSiebenSat.1. an der MDax-Spitze. Goldman Sachs hat die Papiere von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber von 8,50 auf 7,93 Euro gesenkt. Der Titel scheine zu niedrig bewertet, hieß es. Zudem sei der Ausblick von ProSiebenSat.1 einer der besten unter den Fernsehsendern.

GfK gibt auf
Das Marktforschungsunternehmen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beendet den Bieterwettbewerb um den britischen Konkurrenten Taylor Nelson Sofres. Alle Gespräche über den Zusammenschluss zum zweitgrößten Marktforscher der Welt seien beendet, erklärte die GfK. Damit ist der Weg frei für eine Übernahme von TNS durch den britischen Medienkonzern WPP Group. Die GfK macht einen Freudensprung, denn die Börse hatte ein überteuerte Übernahme befürchtet.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"