Lauern auf neue Börsen-Impulse

Notker Blechner

Stand: 12.10.2010, 20:10 Uhr

Starke Kursverluste der Versorger-Aktien und die schwächere Wall Street haben den Dax am Dienstag ausgebremst. Im späten Handel rutschte er unter die 6.300 Punkte. Am Abend gab die US-Notenbank Einblick in ihre künftige Geldpolitik.

Das mit Spannung erwartete Protokoll der Fed-Zinssitzung vom 21. September, das um 20 Uhr veröffentlicht wurde, enthielt das, worauf die Anleger gehofft hatten: eine weitere Lockerung der Geldpolitik hält die Notenbank in nächster Zeit für angemessen. Viele Mitglieder der Fed hätten sich dafür ausgesprochen, falls das Wachstum zu gering sei, um die Arbeitslosenrate zu senken, oder falls die Inflation weiter falle. Als mögliches Instrument wird der Kauf weiterer Staatsanleihen erwogen.

Zuvor hatte Janet Yellen, Vize-Chefin der US-Notenbank Fed, Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik gedämpft. Die Stellvertreterin des Fed-Chefs Ben Bernanke warnte vor den Gefahren zu niedriger Zinsen. Es sei denkbar, dass eine lockere Geldpolitik letztendlich zu einer übermäßigen Kreditnachfrage verführe und damit die Gefahr von Finanzblasen verstärke, sagte sie.

Dow dreht ins Plus

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik sorgte an der Wall Street für Erleichterung. Der Dow drehte ins Plus, die Nasdaq baute ihre Gewinne aus. Der Euro kletterte auf über 1,39 Dollar. Dem Dax konnte das nicht mehr helfen. Die Frankfurter Börse war schon geschlossen. Vor der Veröffentlichung des Fed-Protokolls hatte der deutsche Leitindex nahezu unverändert im Xetra-Handel geschlossen, nachdem er zuvor fast den ganzen Tag über im Minus gelegen hatte. Im späten Parketthandel büßte der L-Dax aber etwas an Boden ein und schloss bei knapp unter 6.300 Zählern.

Milliardenübernahme im Pharmabereich

Für Gesprächsstoff an der Wall Street sorgte eine neue Milliardenübernahme. Der weltgrößte Pharmariese Pfizer schluckt den Schmerzspezialisten King Pharmaceuticals für 3,6 Milliarden Dollar. Das Management beider Unternehmen sei sich einig, teilte Pfizer mit. King-Aktionären winkt ein Aufschlag von 40 Prozent auf den Schlusskurs von Montag. Die Aktien von King Pharmaceuticals sprangen um 39 Prozent auf über 14 Dollar nach oben, die Titel von Pfizer stiegen leicht. Für Pfizer ist es der größte Deal seit dem Kauf des US-Rivalen Wyeth im vergangenen Jahr für 68 Milliarden Dollar. Pharma-Konzerne stehen unter Zugzwang, neue Mittel auf den Markt zu bringen, weil der Patentschutz bei vielen alten Medikamenten ausläuft.

Warten auf Intel
Die US-Berichtssaison geht am späten Dienstagabend in ihre heiße Phase. Nach US-Börsenschluss wird der Chip-Konzern Intel seine Quartalszahlen vorlegen. Dies dürfte Aufschluss über die Lage der US-Wirtschaft, insbesondere der Hightech-Industrie geben.

Griechenland zahlt weniger Zinsen
Erfreuliche Nachrichten gab es aus Athen: Griechenland hat seine halbjährliche Anleihe für 1,17 Milliarden Euro platziert. Das hochverschuldete Land musste dafür weniger Zinsen bieten als noch im Vormonat. Die Rendite lag bei 4,54 Prozent. Bei der Anleihe im Vormonat musste eine Rendite von 4,82 Prozent angeboten werden.

Anleger rechnen mit steigenden Kursen

Die Stimmung für Aktien ist insgesamt aber posoitiv. Laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment rechbnen die Hälfte der Befragten mit steigenden Aktienkuirsen in den nächsten sechs Monaten. Im zweiten Quartal glaubten nur 31 PÜrozent an Kurssteigerungen. Die Pessimisten sind deutlich in der Minderheit. Lediglich 14 Prozent der Anleger erwarten im nächsten Halbjahr Kursrückgänge.

Daimler auf der Siegerstraße
Zu den größten Dax-Gewinnern zählten die Autowerte. Vor allem Daimler war gefragt mit einem Kursplus von 3,5 Prozent. Eine Kaufempfehlung der UBS trieb die Titel des schwäbischen Autobauers an. Die Schweizer hoben zudem das Kursziel für Daimler von 39 auf 53 Euro an. Die Experten der HSBC zeigten sich ebenfalls optimistisch und erhöhten das Kursziel von 52 auf 56 Euro, die Einstufung wurde bei "overweight" belassen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
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-2,52%

VW gibt Gas in China
Im Sog von Daimler legten BMW und VW rund 0,7 Prozent zu. VW glänzte am Dienstag mit Absatzzahlen aus China. Die Wolfsburger haben dort in den ersten neun Monaten 39 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vergleichszeitraum. Damit wurden per Ende September bereits mehr Autos abgesetzt als im gesamten Vorjahr. Ähnlich große Zuwächse in China verzeichneten auch Ford und General Motors (GM). Experten rechnen mit einer Absatzsteigerung von 30 Prozent im chinesischen Automarkt 2010. China ist der wichtigste Absatzmarkt von VW inzwischen.

Am Abend gab Niedersachsen einen Treueschwur zu VW ab. Der neue Regierungschef David Mc Allister erteilte einer Verringerung der Landesanteile am Woilfsburger Autobauer eine Absage. Ziel seiner Regierung bleibe "20 Prozent plus eine Aktie".

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,08
Differenz relativ
+3,47%

Versorger müssen wieder zittern
Ganz schwach präsentierten sich dagegen die Versorgerwerte am Dienstag. Mit einem Minus von rund zwei Prozent rangierten RWE und Eon am Dax-Ende. Händler verwiesen auf die drohende Klage des Landes Nordrhein-Westfalen gegen die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke. Zudem belastete eine negative Studie der UBS die Kurse. Der zuständige Analyst beklagte ein Überangebot bei den Versorgern bis 2013, Schließungen von Kohlewerken seien versäumt worden.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,44
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-0,07%

Post wird abgestraft
Ein negativer Analystenkommentar drückte auch die Aktien der Deutschen Post nach unten. Sie verloren 1,3 Prozent. Nach Ansicht der Experten von Morgan Stanley leidet der Post-Konkurrenz zunehmend unter der Konkurrenz elektronischer Briefe (E-Mails). Das Volumen im klassischen Briefgeschäft werde in Zukunft strukturell bedingt weiter schrumpfen.

Verdrängt Nike Reebok aus der US-Football-Liga?
Zu den größten Dax-Verlierern zählten ebenfalls die Adidas-Aktien, die 1,3 Prozent einbüßten. Schuld daran ist Nike. Der Erzrivale hat der Adidas-Tochter Reebok offenbar einen wichtigen Auftrag in den USA weggeschnappt. Laut einem Medienbericht soll Nike von 2012 an offizieller Ausstatter der National Football League in den USA werden. Bisher rüstete Reebook die Liga aus.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,40
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Posco lastet auf ThyssenKrupp
ThyssenKrupp litt unter der Gewinnwarnung des südkoreanischen Stahlkonzerns Posco. Die ThyssenKrupp-Aktie verlor ein Prozent. Posco hat wegen des Preisdrucks in der Branche und einer schwachen Entwicklung der Auslandsmärkte seine Prognose das laufende Jahr gesenkt. Umsatz und Gewinn würden nicht so stark steigen wie noch im Juli erwartet.

SKW Stahl zum Kauf empfohlen
Andere Stahlwerte wie Salzgitter und Klöckner & Co konnten sich dagegen von den Kursverlusten erholen und schlossen knapp im Plus. Die Aktien von SKW Stahl machten gar einen fulminanten Kurssprung von über sieben Prozent. Die Kaufempfehlung eines Anlegermagazins wurde von Händlern als Grund genannt. Das Magazin habe die Aktien als unterbewertet bezeichnet und sie in ihr Musterdepot aufgenommen.

Rhön-Klinikum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,24
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+0,54%

RhönKlinikum wird wiederentdeckt
Ebenfalls eine Kaufempfehlung trieb RhönKlinikum an die MDax-Spitze. Die Titel des Krankenhausbetreibers legten um sechs Prozent auf rund 17 Euro zu. Ein Analyst empfahl die Aktien zum Kauf und hob das Kursziel an. Nach Ansicht eines Händlers dürfte sich die Gesundheitsreform in Deutschland nicht so stark auswirke auf Rhön-Klinikum wie bislang befürchtet. In den vergangenen drei Monaten hat der MDax-Titel rund 15 Prozent verloren.

Terex schielt auf Demag Cranes
Nach den gestrigen Kursverlusten ging es mit den Aktien des Kranspezialisten Demag Cranes wieder kräftig nach oben. Sie legten vier Prozent zu. Offenbar zeichnet sich ein Übernahmekampf um Demag ab. Der US-Rivale Terex denkt laut einemMedienbericht darüber nach, mit 30 Prozent bei den Düsseldorfern einzusteigen. Das würde eine Übernahme durch die finnische Kronecranes deutlich erschweren. Ein Kauf von Demag wird immer teurer. Die Demag-Aktien notieren inzwischen 30 Prozent höher als vor drei Wochen.

Fraport voller Zuversicht
Zumindest ein kleines Plus schaffte die Fraport-Aktie. Der Flughafenbetreiber hat im vergangenen Monat 5,1 Millionen Fluggäste abgefertigt, ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Fracht- und Luftpostumschlag wurden um 15 Prozent gesteigert. Wegen der guten Entwicklung hat Fraport die Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben gesetzt.

Dialog gefragt, Morphosys nicht

Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,75
Differenz relativ
+3,10%

Im TecDax waren die Aktie des Chip-Spezialisten Dialog Semiconductor mit einem Plus von über drei Prozent am meisten gefragt. Möglicherweise wurde der Titel von der Nachricht beflügelt, dass Apple sein Handy "iPhone" stärker in den USA vermarkten will. Dialog beliefert Apple.

Dagegen konnte das Biotech-Unternehmen Morphosys nicht davon profitieren, dass das Unternehmen öffentliche Fördermittel zur Entwicklung von therapeutischen Antikörpern erhält. Gemeinsam mit dem Unternehmen Proteros Biostructures will Morphosys eine Plattform zur Erforschung von Antikörper-Antigen-Komplexen aufbauen. Die Unterstützung durch das Bundesforschungsministerium beträgt 850.000 Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"