Lahmes Aufbäumen

Stand: 24.07.2007, 20:10 Uhr

Nur kurz gab es im späten Börsenhandel am Dienstag noch Erleichterung. Die Stimmung auf dem Parkett ist mitten in der Berichtssaison nicht heiter - aus den USA kommen neue Immobiliensorgen.

Der Late-Dax holte zunächst einen kleinen Teil der Verluste aus dem Computerhandel wieder auf, verlor sie dann aber bis zur Schlussglocke wieder vollständig. Mit einem Schlussstand von 7.806 Punkten steht der deutsche Leitindex weiter auf dem absteigenden Ast in der laufenden Börsenwoche. Einige Experten sehen den Dax noch mindestens eine Etage tiefer, sollte die Marke von 7.800 Punkten in den kommenden Handelstagen nicht gehalten werden.

Flaute am Häusermarkt

Am Dienstag trübten einerseits teilweise schwache US-Quartalszahlen die Stimmung. Zum anderen kamen erneute Sorgen auf, dass der Häusermarkt in den USA noch lange in einer Krisensituation stecken könnte. Hinweise darauf gaben etwa die schwachen Geschäftszahlen des Baustoffhersteller USG, der die flaue Nachfrage nach seinen Produkten mit dem schlechten Immobilienmarkt und einem Überangebot an Häusern begründete.

Auch die eher enttäuschenden Quartalszahlen des Chemiegiganten Dupont ließen sich in Zusammenhang mit schwacher Nachfrage nach Produkten aus dem Baubereich erklären. Am Dienstagnachmittag lieferten zudem die US-Größen McDonalds, AT&T und UPS noch in den Ergebnissen gemischte Zahlenwerke ab.

Böse Überraschung bei Apple?
Obwohl der Apple-Konzern erst am Dienstag nach US-Börsenschluss seine Dreimonatszahlen vorlegen wird, rutschte die Aktie bereits während des Handels deutlich bergab. Offenbar ist der Verkaufsstart für das Apple-Handy "iPhone" nicht so erfolgreich wie gewünscht ausgefallen.

Euro rauf Öl runter
Als Spaßbremse gerade für Anleger in exportorientierte Dax-Konzerne könnte sich der Euro betätigen. Die Gemeinschaftswährung markierte mit 1,3851 Dollar am Nachmittag in neues Allzeithoch gegenüber der US-Währung. Dagegen gibt es von der Ölfront zunächst einmal eine Entwarnung: Wegen gestiegener US-Heizölvorräte gab der Preis für ein Barrel US-Leichtöl am Dienstag rund einen Dollar auf 73,90 Dollar ab.

MAN ist einsame Spitze
Auch im dienstäglichen Parketthandel hielt sich lediglich die MAN-Aktie im Plus. Das Papier profitierte einerseits von einer Empfehlung durch die US-Investmentbank Merrill Lynch. Dazu kamen gute Halbjahreszahlen des Getriebebauers Renk, an dem der Münchener Konzern 76 Prozent hält. Renk hat im ersten Halbjahr den Überschuss auf 18 Millionen Euro verdoppelt und einen Umsatzanstieg um 30 Prozent auf 196 Millionen Euro verbucht.

UI kauft sich selbst
Der Internet-Dienstleister United Internet will weitere Aktien zurückkaufen. Wie das Unternehmen am Dienstagabend ankündigte, sollen bis zu fünf Millionen eigene Papiere am Markt gekauft werden. Dies entspricht rund zwei Prozent des Grundkapitals. Die Papiere sollen für Mitarbeiter-Beteiligungsprogramme und weiter Zukäufe verwendet werden, hieß es dazu. Die UI-Aktie im TecDax legte darauf hin knapp zwei Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss zu.

Wincor will weiter wachsen
Der Spezialist für Kassensysteme musste im dritten Quartal eine Verlangsamung seines Wachstums melden. Die Aktie von Wincor Nixdorf schloss rund sieben Prozent im Minus. Analysten sprachen die Vermutung aus, dass das Unternehmen womöglich seine Wachstumsgrenzen erreicht hat. Von Oktober bis Juni stieg der Nettogewinn um 29 Prozent auf 76 Millionen Euro, teilte das Wincor bereits vor Börsenbeginn mit. Der Umsatz legte um zwölf Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu und damit geringer als von Analysten erwartet.

Hochtief fährt schnell in Griechenland
Der Baukonzern im MDax kann sich über einen neuen Auftrag freuen. Wie Hochtief am Dienstagnachmittag mitteilte, beteiligt sich das Unternehmen am Bau und Betrieb von zwei neuen Autobahnen in Griechenland. Das Investitionsvolumen betrage insgesamt rund drei Milliarden Euro. Wie hoch der Anteil der Deutschen dabei ist steht aber noch nicht fest. Die Verträge sollen noch im laufenden Jahr im griechischen Parlament gebilligt werden.

MLP und Interhyp eng umschlungen
Der Finanzmakler MLP will sein Baufinanzierungsgeschäft durch eine Kooperation mit dem Münchner Anbieter Interhyp stärken. Dazu gründen beide Unternehmen eine Gemeinschaftsfirma mit dem Namen "MLP Hyp", teilte die Interhyp am Montagabend mit. In Zukunft werde MLP sein Baufinanzierungsgeschäft über die neue Gesellschaft abwickeln. Die MLP-Aktie stand aus anderen Gründen unter Druck: Die US-Investmentbank JP Morgan hat das Papier von "Neutral" auf "Underweight" herabgestuft. Interhyp-Papiere im SDax legten dagegen rund sechs Prozent zu.

Grammer wechselt den Chef
Der Autozulieferer aus dem SDax erhält mit Rolf-Dieter Kempis einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Der bisherige Aufsichtsrat, der noch bei McKinsey arbeitet, soll Alois Ponnath beerben. Mit Kempis verbindet Grammer nach eigenen Angaben "neue Wachstums- und Profitabilitätsziele".

Arques schultert Großübernahme
Die Beteiligungsgesellschaft im SDax übernimmt den IT-Großhändler Actebis. Mit einem Kaufpreis von 110 Millionen Euro ist der Deal einer der größten des Konzerns und bereits die elfte Übernahme im laufenden Jahr. Der Kaufpreis werde je zur Hälfte mit eigenen Mitteln und Fremdkapital finanziert. Die Arques-Aktie legt um rund vier Prozent zu.

Comdirect steigert Gewinn moderat
Der Onlinebroker Comdirect hat den Gewinn im ersten Halbjahr leicht gesteigert. Nach Steuern verdiente die Commerzbank-Tochter 31 Millionen Euro, was einem Plus von 2,9 Prozent entspricht. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen aus Quickborn bei Hamburg einen Rückgang des Vorsteuergewinns auf 75 Millionen von 86 Millionen Euro im Jahr 2006. Die Comdirect-Aktie hielt sich am Nachmittag mit 1,5 Prozent deutlich im Plus.

Entscheidung bei GPC?
Bei GPC Biotech hat die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Am Dienstagabend deutscher Zeit diskutiert ein Ausschuss der US-Gesundheitsbehörde FDA über den Zulassungsantrag von GPC zum Krebsmedikament Satraplatin. Am Morgen hatte Goldman Sachs den TecDax-Titel mit "Buy" und einem Ziel von 29 Euro bestätigt. Das Unternehmen dürfte die zuvor geäußerten Bedenken der FDA über das Krebsmedikament zur Anwendung bei Prostatakrebs bewältigen, heißt es in der Studie. Am Nachmittag verloren GPC-Aktien im TecDax erneut rund drei Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

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Konjunktur:
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