Labile Gewinne

Notker Blechner

Stand: 09.09.2010, 20:06 Uhr

Das September-Hoch hält an. Die Hoffnung auf eine weniger harte Bankenregulierung und unerwartet gute US-Konjunkturdaten trieben den Dax auf über 6.200 Punkte und den höchsten Stand seit dreieinhalb Wochen. Doch am Abend schmolzen die Gewinne wieder.

Nach einem starken Auftakt gab der Dow Jones am Abend fast vollständig seine Kursgewinne wieder ab. Das hatte Auswirkungen auf den späten Parketthandel: der L-Dax schloss bei 6.177 Zählern und damit nur 0,3 Prozent höher als am Vortag. Zuvor hatte der Dax im Xetra-Handel noch fast ein Prozent zugelegt und die Marke von 6.200 Punkten geknackt.

Zweifel an Arbeitslosen-Zahlen

Ein Vertreter des Arbeitsministeriums in Washington schürte Zweifel an den guten Daten vom US-Arbeitsmarkt. Er erklärte, die Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe basierten in einigen Staaten nur auf Schätzungen. Wegen des Feiertags "Labor Day" hätten sich die Meldungen verzögert. Der Wochenbericht vom US-Arbeitsmarkt war überraschend gut ausgefallen. In der vergangenen Woche haben so wenige Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt wie seit zwei Monaten nicht mehr. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank unerwartet deutlich um 27.000 auf 451.000. Volkswirte hatten mit 470.000 Anträgen gerechnet.

Die anderen Konjunkturdaten gerieten etwas in den Hintergrund. Dabei war die Überraschung hier noch größer. Das US-Handelsbilanzdefizit verringerte sich drastisch von 49,8 Milliarden Dollar im Vormonat auf 42,8 Milliarden Dollar. Prognostiziert worden war ein Defizit von 47,3 Milliarden Dollar.

Ähnlich erfreuliche Meldungen gab es aus Europas: In der Eurozone sieht Luxemburgs Notenbankchef Yves Mersch Anzeichen einer breiten Wirtschaftserholung. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hob seine Prognose leicht an und erwartet nun in der Eurozone ein Wachstum von 1,6 Prozent in diesem Jahr. Für Erleichterung an den Märkten sorgte schließlich Irland, das seine Anleihen erfolgreich platzieren konnte.

Angst vor Basel III übertrieben?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,61
Differenz relativ
-1,43%

Vor allem Bankentitel trieben den Dax an. Mit einem Plus von 2,6 Prozent beendete die Commerzbank den Tag als Dax-Spitzenreiter. Die Deutsche Bank legte zwei Prozent zu. Händler sprachen von einer Entspannung bei Banktiteln. Die Eigenkapital-Regelung mit Basel III dürfte doch nicht so nachteilig ausfallen wie zunächst gedacht, meinte ein Händler. Auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" zeigte sich Commerzbank-Chef Martin Blessing gelassen.- Bis die neuen Regeln treffen, werde es Übergangsfristen geben. Mehrere Top-Banker, darunter der Deutschland-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, warnten indes vor möglichen Engpässen bei der Kreditvergabe. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte, dass der Zeitplan für Basel III eingehalten werde.

Commerzbank-Chef Martin Blessing sprach auf der Banken-Konferenz von Fortschritten bei der Integration der Dresdner Bank. Händler stellten als positiv heraus, dass insgesamt Synergien bis 2013 von 2,4 Milliarden Euro realisiert werden sollen. Dies wirke stärker als die anhaltende Diskussion um schärfere Eigenkapitalregeln, unterstrich ein Börsianer. Blessing machte in Frankfurt deutlich, die erhaltenen Staatsgelder zügig zurückzahlen zu wollen.

Gerüchte um Kapitalerhöhung der Deutschen Bank
Am Abend machten im späten Parketthandel Gerüchte über eine bevorstehende Kapitalerhöhung der Deutschen Bank die Runde. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe das Geldinstitut mehrere Investmentbanken beauftragt, die Platzierung von Aktien für bis zu neun Milliarden Euro zu prüfen. Händler glauben, dass die Mittel für die Komplettübernahme der Postbank gebraucht werden. Das trieb die Aktien der Postbank weiter nach oben, während die Papiere der Deutschen Bank im Parketthandel um fünf Prozent nachgaben.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,20
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-0,62%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,06
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-2,35%

Autoaktien vorne dabei
Kräftig in Schwung kamen die Autotitel am Donnerstag, Daimler und VW legten 2,5 Prozent zu. BMW ein Prozent. Der Münchner Autobauer hat im August so viele Autos verkauft wie vor der Krise. Der Absatz der BMW-Modelle stieg um über zwölf Prozent - vor allem dank der starken Nachfrage in Asien. Im Vergleich zu Daimler und Audi hinkte BMW aber hinterher. Audi verkaufte im August 22 Prozent mehr Fahrzeuge, Daimler konnte 18,5 Prozent mehr Autos absetzen.

Kaufempfehlungen für MAN
Zu den größten Dax-Gewinnern zählte MAN, die sich ihrem Zweijahres-Hoch näherte. Mehrere Analysten äußerten sich positiv zu dem Lkw- und Maschinenbauer. nach der Verlängerung staatlicher Kaufanreize für Lkw in Brasilien bestätigte Merrill Lynch ihre Empfehlung, das Papier zu kaufen. Auch für die Deutsche Bank bleibt MAN ein Kauf. Händler verwiesen zudem auf ein Interview mit Ole Johannsons im "Handelsblatt", in dem sich der Chef des finnischen Wettbewerbers Wärtsilä optimistisch zum Schiffsmotorengeschäft äußerte.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,09
Differenz relativ
-1,86%

Lufthansa auf Erholungstrip
Die Lufthansa-Aktien gehörten mit einem Plus von zwei Prozent ebenfalls zu den größten Dax-Gewinnern. Die Erholung im Passagier- und Frachtgeschäft hat sich fortgesetzt. Die Lufthansa hat im August neun Prozent mehr Passagiere transportiert. Die Auslastung der Maschinen sank leicht auf 82,9 Prozent. Zudem hat Goldman Sachs das Kursziel für Lufthansa von 12,00 auf 12,25 Euro erhöht und die Einstufung auf "Neutral" belassen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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18,44
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Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,99
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+0,28%

Atomkompromiss könnte für RWE und Eon teurer werden
Neben Fresenius Medical Care und Merck notierten nur en die Aktien der Versorger Eon und RWE im Minus. Das Hickhack um den Atomkompromiss liess die Anleger nicht ruhen: Medien berichteten, dass der Atomkompromiss die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke wahrscheinlich doch teurer zu stehen komme als bisher erwartet. "Auch nach dem Atom-Entscheid bleibt die Unsicherheit groß, weil niemand den genauen Beschluss kennt", sagte ein Händler.

Medientitel gefragt
Aktien von Sky Deutschland und ProSiebenSat.1 legten über drei Prozent zu und waren unter den größten MDax-Gewinnern. Händler verwiesen auf technische Kaufsignale und einen positiven Analystenkommentar bei PropSiebenSat.1. Dies oder die jüngsten Aussagen von Konzernchef Brian Sullivan könnten die Aktie von Sky angetrieben haben. Sullivan hatte am Montag erklärt, dass er nach der jüngsten Kapitalerhöhung keinen weiteren Kapitalbedarf mehr sehe und zudem in den kommenden drei Jahren eine nachhaltige Geschäftsgrundlage erreicht haben wolle.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
135,95
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-2,37%

Conti profitiert von EU-Siegel
Die Conti-Aktie stieg auf ein Zweijahres-Hoch. Der Autozulieferer könnte nach Experten-Einschätzungen von der geplanten Einführung der EU-Siegel für spritsparende und leise Reifen profitieren. Dadurch werde der Marktanteil von Premium-Reifen voraussichtlich steigen, prophezeite Analyst Yann Benhamou von Exane BNP.

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2,43
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+8,72%

Gerry Weber zieht die Frauen an
Im SDax stark gefragt waren die Aktien von Gerry Weber mit einem Plus von rund drei Prozent. Der Damen-Modekonzern wächst weiter zweistellig. Gerry Weber hat im August 26 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet und damit klar besser als der Markt abgeschnitten, der nur um acht Prozent wuchs. "Wir profitieren davon, dass wir die Kollektionen modischer konzipiert haben", begründete Finanzvorstand Hans-Dieter Kley die große Nachfrage. Gerry Weber ist unter den deutschen Luxusmodeherstellern die Vorzeigeadresse. Während die Ostwestfalen rasant wachsen, kämpfen Konkurrenten wie Hugo Boss oder der Herrenausstatter Ahlers mit Umsatzeinbußen. Escada musste sogar Insolvenz anmelden.

Übernahmespekulationen um Grammer
Grammer-Titel legten um zwei Prozent im SDax zu. Händler verwiesen auf neu aufkommende Übernahmefantasie. Diese werde durch einen Artikel im Bernecker-Börsenblatt "Der Aktionärsbrief" geschürt. In der Rubrik "Parkettgeflüster" wird eine möglicherweise bevorstehende Übernahme des Autozulieferers durch einen Private Equity-Investor diskutiert, wobei ein Gebot von 18 bis 19 Euro je Aktie genannt wird.

Bwin freut sich über Monopol-Ende
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am Donnerstag auch die Regelungen zum österreichischen Glücksspielmonopol gekippt. Das beflügelte zeitweise die Aktien des Online-Wettanbieters Bwin. Am Ende schloss die Aktien knapp ein Prozent im Plus.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr